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22.07.2014

Test: Blu-Ray-Spieler Cambridge Audio Azur 650 BD

Der Scharfmacher

Cambridge Audio zaubert mit dem 650BD eine bezahlbare Alternative zu dengroßen AV-Alleskönnern aus dem Hut. Der smarte Blu-ray-Player spielt sämtliche Tonträger sowie -formate – und noch einiges mehr

von Carsten Barnbeck

Nach anfänglicher Zurückhaltung kommt jetzt merklich Schwung in den Blu-ray-Markt: Die Preise für die Medien purzeln munter und nähern sich unaufhaltsam der zehn bis fünfzehn Euro-Marke, während eine immer größere Zahl erschwinglicher Player in die Flächenmärkte schwappt. Deren Stärke liegt natürlich vorrangig in der Bildwiedergabe. Mit Cambridge Audio betritt nun allerdings ein Hersteller das Parkett, der das neue Träger-Format mit dem klanglichen Anspruch eines HiFi-Players verknüpft und gleichzeitig erstmals für einen dreistelligen Preis die umwerfende Vielfalt der großen – und nach wie vor sehr teuren – Multiplayer mitbringt.

Die Fähigkeiten des 650 BD vollständig aufzulisten und jedem Feature beziehungsweise Tonformat oder Tonträger eine kurze Erläuterung zu widmen würde die Dicke eines Telefonbuchs beanspruchen. Daher begnügen wir uns mit einem Schnelldurchlauf, nach dem Ihnen trotzdem klar sein sollte, was für eine AV-Waffe die Briten da in der Hand halten:

Die Fernbedienung gleicht Cambridges Standard-Geber, hat den Azur 650 BD allerdings gut im Griff und bietet Direktzugriff auf alle wichtigen Features wie den „Pure-Audio“-Modus

Immer voll im Bilde

Der 650 BD spielt zunächst einmal Blu-ray-Scheiben in sehr hoher Qualität ab und entlockt diesen – auch, wenn er wandlerseitig „nur“ bis 192 Kilohertz mithalten kann – einen sonoren, kristallklaren und wundervoll gelösten, räumlichen Klang. Die Bildqualität ist ebenso beeindruckend. Vor allem, wenn via HDMI-Schnittstelle HD-Videos mit 1080 Zeilen über Leinwand oder Bildschirm flimmern, wirkt der Player äußerst scharf und farbkräftig, ohne es allerdings mit der Sättigung in Richtung „Popcorn-Kino“ zu übertrieben. Auch die DVD-Wiedergabe – die wird freilich durch einen Upscaler gejagt und ans native Format des angeschlossenen Bildwiedergabegerätes angepasst – kann da mithalten.

Für seine visuellen Künste verdient sich der Brite schonmal eine glatte Eins, was nicht zuletzt daran liegt, dass er neben den beiden „großen“ Bildträgern Bluray und DVD-Video auch selbstgebrannte CD- oder DVD-Roms mit cineastischen Inhalten in Form von MPEG2, MPEG2 HD, XviD, WMV etc. sowie Video-CDs abspielt. Die vollständige Abhandlung der Formate umfasst 13 Videound Bild-Codecs. Hinzu kommen MP3 und WMA, die nach Art eines Portis abgefeuert werden. Standbilder (JPEG) und die beiden komprimierten Tonformate liest er übrigens auch von USB-Sticks. Schade, dass Bewegtbilder – wie bei allen anderen Playern dieser Art übrigens auch – da außen vor sind. Als Trostpflästerchen wird das bunte Multimedia-Programm aber mit feinen Zutaten wie einer Blu-ray-Live-Internetanbindung garniert, die zusätzliche Inhalte zu Filmen auf die Mattscheibe zaubert. Außerdem bietet das übersichtliche Menü Features wie einen „Ich mag meine Nachbarn“-Kompressor oder ein vollständiges Achtkanal-Setup zum Einpegeln und Verzögern eines Surround-Lautsprechersets.

Farbliche Kennzeichnungen erleichtern die Orientierung auf dem üppigen Anschlussfeld des Blu-ray-Spielers. Die LAN-Buchse in der Mitte verschafft Zugang zum Internet

Faible für den Klang

Bei aller Bildgewalt und Digitalisierung kann Cambridges erster Blu-ray-Spieler nicht leugnen, dass sein Hersteller ursprünglich aus dem hörenden Lager kommt. Mit der profanen Audio-CD, HDCD, SACD sowie DVD-Audio – sicher sind noch nicht alle Medien dieses abgehakten Formats im Papierkorb gelandet – schluckt der Azur 650 BD vier reinrassige Tonträger, die er auch in Szene zu setzen weiß. Der Star dieses Ensembles ist natürlich die SACD, und einhergehend mit guten bis sehr guten Aufnahmen vermag der Brite hier sogar einem ausgemachten Audio-Spezialisten wie Yamahas CD-S1000 den klanglichen Rang abzulaufen. Vor allem Stimmen und viele in den Mitten beheimatete Instrumente wie Klavier oder Gitarre klingen über den 650 BD etwas klarer und neutraler, samtig und geschmeidig, während Yamahas Bolide in der Gegenüberstellung zu leichten tonalen Färbungen neigte und im direkten Vergleich sogar etwas kantig herüberkam. Und es kam noch dicker: Kann der Japaner, den wir natürlich im exklusiven Pure-Direkt-Modus laufen ließen, hier noch mit seiner besseren Gelöstheit und der fühlbar größeren Abbildung punkten, kippt auch dieses Verhältnis, sobald man den adäquaten Pure-Audio-Modus des 650 BD einschaltet, den wir zunächst in voller Bereitschaft betrieben.

Dabei entsendet er seine Prozessoren – soweit sie für die Tonwiedergabe verzichtbar sind – ins Reich der schönen Träume. Die Wiedergabe machte augenblicklich einen regelrechten Satz in den Hörraum hinein und wirkte nicht nur größer und sphärischer, sondern wurde in ihrer Feinzeichnung und Detailabbildung minimal ausgefeilter. Bei der SACD-Wiedergabe gehört der 650 BD im „Pure“-Mode sicher zum Leckersten, was man momentan für unter 1000 Euro bekommen kann. Seine CD-Künste sind knapp eine Schrittlänge dahinter. Hier konnte sich Yamahas CD-S1000 locker behaupten. Mit seinem sonoren, fülligen und dadurch angenehm farbigen Tonfall wirkte er glatter und seidiger als der vergleichsweise kühl und nüchtern, jedoch angenehm neutral musizierende Cambridge. Die Emotionalität liegt hier eindeutig auf Seiten des Japaners, der übrigens auch die größere Bühne in den Hörraum pinselte. Von einem „schlechter“ kann man indes beim 650 BD nicht sprechen. Der spielt kompakter und beengter, hat aber eine exzellente Fokussierung und Kantenschärfe, die dem 1000er bei all seiner Opulenz und Abbildungsgröße abgeht. Trotzdem sieht es bei der CD-Wiedergabe nach einem Punktsieg für Yamaha aus.

Das kann den überragenden Gesamteindruck von Cambridge Audios Blu-ray-Erstling aber nicht im Geringsten mindern. Wie kein anderes Gerät seiner Klasse verbindet er überragende Video-Fähigkeiten mit einem anspruchsvollem Tonfall, der sicher auch versierte Musikgenießer zufriedenstellt.

Ein größzügiges Netzteil (1) mit Standby-Verbrauch von unter einem Watt ist mittlerweile Pflicht in jedem guten HiFi-Gerät. Es versorgt bei Cambridge parallel ein solides Allesschlucker-Laufwerk (2) und eine Digitalplatine (3), auf der nicht nur sämtliche Tonformate in analoge Spannungen gewandelt werden, sondern auf der auch die Video-Bearbeitung erfolgt. Der Chip dafür ist am Passivkühler zu erkennen. Auf der mittleren Platine (4) liegen die analogen Ausgangsstufen, die sich über den Pure-Audio-Modus (das Digital-Board ist dann aus) klanglich aufpeppen lassen.

Dieser Artikel wurde in STEREO 06/2010 veröffentlicht. Die Ausgabe können Sie über unsere Verlagsseite nachbestellen.

Profil

Cambridge Audio 650 BD
um € 850
Maße: 43x9x31 cm (BxHxT)
Garantie: 3 Jahre
Vertrieb: Taurus High End
Tel.: 040/5535358
www.taurus.net

Fazit

Erstklassiger Blu-ray-Player mit hervorragender Bildausgabe und in seinem Umfeld konkurrenzfähiger Klangqualität. Angesichts des Gebotenen ein wahres Schnäppchen!

Messergebnisse

  • Frequenzgänge: gut
  • Rauschabstand Digital 0: 105 dB
  • Quantisierungsrauschabstand: 97 dB
  • Klirrfaktor: 0,21 %
  • Aliasingverzerrung: 0,012 %
  • Wandlerunlinearität bis -90 dB: 0,1 dB
  • Abtastsicherheit: sehr gut
  • Erschütterungsfestigkeit: gut
  • Rechteck-/Impulsverhalten: gut/schlecht
  • Einlesezeit Blu-ray: 14 s
  • Ausgangswiderstand bei 1 kHz: 0,328 kΩ
  • Ausgangsspannung bei 0 dB: 2,198 V
  • Leistungsaufnahme (Aus/Standby/Leerlauf): –/>0,1/15 Watt

Labor-Kommentar

Sehr gute Messwerte. Neben hoher Wandlerlinearität und geringer Verzerrung beeindruckt das Einlesen von Blu-rays. 14 Sekunden sind bisheriger Rekord.

Ausstattung

Spielt Blu-ray, DVD-Video, Video-CD, CD-Audio, SACD, DVD-Audio sowie CD-/DVD-Roms mit praktisch allen gängigen Datenformaten, Blu-ray-Live-Internetanbindung via LAN-Schnittstelle, zwei USB-Buchsen für Datenträger, ein Gigabyte Festspeicher für diverse Komfort- und Verwaltungsaufgaben, HDMI 1.3c, Komponent-Video-, Video- und S-Video-Ausgang, zwei digitale Audio-Ausgänge (koax/optisch), acht analoge Einzelausgänge (7.1 Surround)