Sie sind hier: HiFi-Test / Lautsprecher / Kompaktboxen / KEF Q 300
29.10.2014

Test: Kompaktlautsprecher KEF Q 300

Eine Nummer höher

Ihre Vorgängerinnen waren Hits. Hat KEFs neue Q300 das Zeug, noch größer ‘rauszukommen?

Von Matthias Böde

KEF Q 300

Schon wahr, bei STEREO kümmere ich mich vor allem um die highendigen Themen und Produkte. Doch KEFs Q300, die größere von zwei Kompaktboxen der „New Q Series“ der Marke, habe ich sofort an mich gerissen. Denn der Klang ihrer Vorgängerinnen iQ3 und iQ30 ist mir noch gut im Ohr, und audiophile Qualitäten sind ja keine Frage des Preises, sondern der inneren Haltung, oder?

Mehr Volumen als Kiste

Der Vorfreude folgte eine kleine Enttäuschung: Wo ist das hübsche, hinten rundherumgezogene Gehäuse geblieben? Die Q300 präsentiert sich als schnöde Kiste. So gewänne man bei ansonsten gleichen Abmessungen mehr Volumen für die Basswiedergabe, heißt es seitens KEF. Das leuchtet zwar ein, doch wenn da mal nicht der Rotstift mitentschieden hat.

Das Argument gegen solche Verdächtigungen wiegt indes schwer: Es ist das Her(t)zstück der Q300, ihr Töner. Wo sonst gibt es in einer 300-Euro-Box ein solch elaboriertes Chassis wie den „UniQ“-Treiber – dieses gegenüber der iQ30 nochmals rundum überarbeitete 16,5 Zentimeter durchmessende Zwei-Wege-Koax-System, bei dem sich der Tweeter im Zentrum des Tiefmitteltöners befindet und beide ein identisches akustisches Zentrum bilden, was die Räumlichkeit und Plastizität der Wiedergabe fördern soll? Eben! Von der optimierten Sicke, der versteiften Alu-Membran des Hochtöners bis hin zur weiterentwickelten Schallführungsgeometrie floss viel Feinschliff in das ambitionierte, von einer Bassreflexöffnung unterstützte Chassis ein.

Kef Q 300
Ungewöhnlich: Kleine Drehknöpfe schließen oder öffnen die Kontakte zwischen dem Bass- und dem Mittel-/Hochtonzweig im Bi-Terminal

Q300 schlägt iQ30

Und das trägt klanglich Früchte. Dass ich mir die Q300 gleich geschnappt habe, musste ich keinen Moment lang bereuen. Im Vergleich mit der hervorragenden iQ30 spielt die Nachfolgerin um einiges ausgewogener und hochklassiger. Gerade in den Mitten sammelt sie fleißig Pluspunkte, bildet Stimmen ein gutes Maß homogener und glaubhafter ab. Wo die iQ30 noch etwas rau, kühl und angespannt wirkte, herrscht nun sonore Geschmeidigkeit und Offenheit.

Auch deshalb, weil die Höhen jetzt noch feiner, zarter und sanfter kommen. Ob die Q300 wirklich mehr Bass entwickelt als ihre Vorgängerin, weiß ich nicht. Dass er sich nun energetisch gleichmäßiger über die unteren Lagen verteilt sowie schlüssiger an den Grundtonbereich anschließt, steht aber außer Frage. Hier ist das Preis-Leistungs-Verhältnis also noch besser als bei der iQ30. Auch da ist sie eine ganz andere Nummer.

STEREO-Ausgabe

Dieser Artikel wurde in STEREO 01/2011 veröffentlicht

Profil

KEF Q 300
Paar um €600
Maße: 21x35,5x31 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: GP Acoustics
Tel.: 0201/17039-110
www.gpaeu.com

Fazit

Dieser Lautsprecher ist ein Hammer. In der dritten Generation erreicht KEFs Zweitkleinste ein ungeahntes Maß an Authentizität und Reife. Die Q300 präsentiert den Uni-Q auf neuem Niveau.

Messergebnisse

Nennimpedanz
4 Ohm
minimale Impedanz
3,8 Ohm bei 160 Hertz
maximale Impedanz
34,1Ohm bei 71 Hertz
mittl. Empfindlich. (2,83 V/m)
86,1 dB SPL
Leistung für 94 dB (1 m)
5,2 Watt
Untere Grenzfrequenz (-3 dB)
50 Hertz

Frequenzgang
Sprungantwort

Labor-Kommentar

Bessere Messwerte liefern auch Kompaktboxen zum zehnfachen Preis nicht: Der Frequenzgang ist praktisch perfekt ausgewogen und zeigt allenfalls eine minimale Anhebung der oberen Bässe. Audiophile Tugend geht hier vor Effekthascherei. Der Impedanzverlauf ist vollkommen unkritisch. Trotz ihres kleinen Gehäuses erzielt die KEF einen hohen Wirkungsgrad bei erstaunlich tiefer unterer Grenzfrequenz. Hervorragendes zeitliches Zusammenspiel der Treiber.