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24.10.2014

Test: Vollverstärker und Netzwerk-Spieler Naim UnitiQute

Klein und bissig

Naim hat Gefallen gefunden an Streaming-Konzepten. Für den jüngsten Coup erleichterten die Briten ihren genialen Uniti um den CD-Spieler, einen Teil der Leistung und halbierten das Gehäuse. Herausgekommen ist ein spritziger Net-Receiver

Vollverstärker und Netzwerk-Spieler Naim UnitiQute

von Carsten Barnbeck

Zwei mal dreißig Watt sind keine ideale Basis für einen vorlauten Auftritt. Das könnte man zumindest annehmen. Doch Naims kleiner UnitiQute legt trotz seiner überschaubaren Leistungsreserven derart teuflisch los, als sei selbiger hinter ihm her. Da erwischten wir uns während der Hörsessions immer wieder mit vor Staunen offenem Mund. Und den bekommt man auch dann nicht zu, wenn man sich auf dem Produkt-Datenblatt zum x-ten Mal versichern will, ob da nicht doch irgendwo noch eine andere Leistungsangabe versteckt ist. Ehe man die Wattzahlen findet, muss man sich nämlich durch etwa eine DIN-A4-Seite mit Ausstattungsmerkmalen arbeiten, die sich lesen wie das Who’s Who der „neuen Medien“.

Für alle Fälle gerüstet

Im Grundgerüst handelt es sich beim Qute (wir haben uns intern auf die Aussprechvariante „Kjuti“ geeinigt, was im Englischen der oder die Süße bedeutet) um einen abgespeckten Uniti (um 2600 Euro, Test in STEREO 9/09). Gegenüber dem großen Bruder büßte er etwa die Hälfte der Gehäusebreite sowie ebenfalls rund fünfzig Prozent seiner Leistung ein. Außerdem entfällt beim UnitiQute das CD-Laufwerk. Auf der Haben-Seite verbucht der kleine Neuzugang dafür den um stattliche 800 Euro gesunkenen Preis.

Mit einem Ein- sowie einem Vorstufen-Ausgang ist die analoge Seite definitiv in der Unterzahl. Immerhin, man kann eine externe Quelle einspeisen und zum Beispiel einen Subwoofer oder eine weitere Endstufe fürs Bi-Amping anfahren. Mehr ist auch kaum notwendig, denn Naim sieht seinen quirligen Zwerg für zwei Aufgabenbereiche vor, die den Betrieb als analoge Schaltzentrale im Sinne klassischer Amps kaum beinhalten:

Zum einen ist er ein prall ausgestattetes und dennoch ultrakompaktes All-In-One-Traumpaket für alle, die über ein Netzwerk oder den Computer Musik hören. Seine LAN-Buchse öffnet Tür und Tor für alle UPnP- sowie DLNA-Server, die er praktischerweise auch via WLAN-Antenne erreicht, was die Aufstellung des Gerätes natürlich ungemein erleichtert. Auch, wenn wie üblich eine feste LAN-Verkabelung die stabileren Klangergebnisse bringt. Der frontseitige USB-Anschluss erweitert die Fähigkeiten des Qute um das direkte Auslesen von USB-Sticks sowie von iPod, iPhone und iPad. Apple-User dürfte das freuen.

Nicht zu vergessen, dass er mit UKW, DAB und Internetradio auch empfangsseitig hervorragend bestückt ist. Zusätzliche Flexibilität verschaffen die vier digitalen Eingänge, die seine internen 24 Bit und 96 Kilohertz D/A-Wandler für externe Geräte zugänglich machen und so die analoge Schwäche allemal ausgleichen, da die meisten Quellen – wie CD- oder DVD-Spieler– heute digital sind.

In seiner Aufgabe als rassiger Netzwerk-Receiver soll er außerdem die Multiroom-Lücke füllen, die bisher neben seinem großen Bruder klaffte. Tatsächlich wird die Uniti-Familie immer umfangreicher und konzeptionell schlüssiger, da neben dem Miniverstärker Qute seit Neuestem unter dem Namen „UnitiServe“ auch der hochakkurate CD-Ripper und Server-Teil des überirdischen HDX in einer Stand-Alone-Version verfügbar ist (mit einem Terabyte Festplatte um 2700 Euro). So könnte man sich vorstellen, dass ein Uniti die gehobenen Ansprüche im Wohnzimmer befriedigt, während ein oder mehrere Qutes die Nebenzonen bedienen – allesamt gespeist durch die Musikdatenbank eines zentralen UnitiServe. Zum Verbinden der ganzen Anlage braucht man einen DSLRouter und eine Hand voll LAN-Kabel.

Um die Bedienung derartiger Lösungen zu „entwirren“, haben sich die Naim-Programmierer mächtig ins Zeug gelegt und eine Anwendung für Apple-Portis programmiert, die man unter dem Namen „n-Serve“ für knapp 30 Euro im App-Store bekommt. Das Programm steuert nicht nur die Netzwerk-Musikwiedergabe, sondern beinhaltet auch „echte“ Remote-Codes, kann also etwa die Quellen der in Reichweite befindlichen Unitis umschalten oder ihren Pegel verändern. Das macht die Sache rund!

Neben der Fernbedienung und dem gut ablesbaren Display bietet der Qute übrigens ein weiteres Bedienelement, das man nicht auf den ersten Blick erkennt. Das beleuchtete Logo an der Frontfläche reagiert sensorisch auf Berührungen und kann als Pegelsteller (gedrückt halten) oder Mute-Taster (einmal tippen) dienen. Das ist definitiv eine dieser Kleinigkeiten, die einer HiFi-Komponente echten Sexappeal und Wiederkennungswert verleihen!

Hört hört, es ist ein Naim!

Wer jemals einen Uniti, den Nait XS oder einen ihrer Verwandten gehört hat, weiß, dass der Begriff Naim nicht nur einen britschen Hersteller, sondern auch einen spezifischen Klangcharakter umreißt. HiFi-Maschinen mit diesem Namen musizieren stets mitreißend, sind gnadenlos dynamisch und kontern ihre Präsenz und Offenheit mit gehörigem Punch und Druck, wobei die unteren Lagen bei aller Emotionalität ein hohes Maß an Kontrolle besitzen. Eigentlich ist es ja unmöglich, dass gefühlte fünfzig Generationen von Verstärkern und Quellen durch diese markanten Attribute vereint werden. Fragen Sie uns nicht wie, aber Naim gelingt das Kunststück. Natürlich macht der „Kjuti“ da keine Ausnahme. Dieser HiFi-Knirps spielt überaus spritzig und lebhaft sowie musikalisch und flüssig. Zwar deuteten seine Leistungswerte und die Impulsstabilität in unserem Messlabor etwas anderes an, doch gelingt es ihm durch seine schmissige und dynamische Herangehensweise immer wieder, wuchtiger, tieffrequenter und voluminöser zu erscheinen, als es eigentlich möglich ist. Der Kleine hat einfach Biss!

Am anderen Ende des Frequenzbandes erfreut er den Zuhörer durch seine schmeichelhafte Offenheit und die feingliedrige Detailzeichnung. Seine Mitten wirken natürlich und präsent, die Raumabbildung ist tief und ordentlich gestaffelt. Kurzum: Mit seiner Klangperformance kann sich der Naim gegen praktisch alle Mitbewerber dieser Klasse durchsetzen, was uns eine spitzenbewertung von fünf Sternen abverlangt, da er ihnen ausstattungsseitig ohnehin haushoch überlegen ist und in seinem massiven, verblüffend schweren Metallgehäuse über die Verarbeitungsqualität und Robustheit eines Tresors verfügt.

Stichwort

Server
Ein (Musik-)Server speichert die Musikdateien und organisiert sie in einer Datenbank, die den Streamern den Zugriff überhaupt erst möglich macht.

Profil

um €1900
Maße: 21 x 9 x 31 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: Music Line
Tel.: 04105/77050
www.music-line.biz

Fazit

Der UnitiCute ist eine pfiffige All-In-One-Lösung für Netzwerkanwendungen und Multiroom-Lösungen. Superber Klang, tadellose Verarbeitung.

Messergebnisse

Dauerleistung an 8 | 4 Ohm
31 | 47 Watt
Impulsleistung an 4 Ohm
68 Watt
Klirrfaktor (Amp) bei
50 mW | 5 Watt | Pmax -1 dB
0,11 | 0,024 | 0,024 %
Rauschabstand bei 50 mW | 5 Watt
87 | 66 dB
Aliasing-Verzerrungen bei -30 dB
0,029 dB
Wandlerlinearität Abw. bis -90 dB
0,5 dB
Leistungsaufnahme
Aus | Standby | Leerlauf
0 | – | 16 Watt

Labor-Kommentar

Durchweg solide Messwerte ohne Ausreißer. Die Impulsleistung steht nur sehr kurz zur Verfügung.

Ausstattung

Je ein analoger Ein- und Ausgang sowie vier digitale Eingänge (koax und opt.) und ein digitaler Ausgang. LAN, WLAN, USB, Porti-In sowie Kopfhörer-Out (beide 3,5 mm), Lautsprecherausgänge in Banana (Adapter liegen bei); spielt Webradio (WMA, MP 3-Streams, MMS), MP 3, AAC, Apple Lossless, WMA, WAV, FLAC und Ogg Vorbis; Adapter, Fernbedienung und Netzkabel im Lieferumfang

Rückansicht - Vollverstärker und Netzwerk-Spieler Naim UnitiQute
Immerhin einen analogen Ein- und Ausgang bietet der UnitiQute. Man beachte die versenkten Lautsprecher-Bananenbuchsen in der linken Gerätehälfte. Adapter zur Konfektionierung blanker Kabelenden liegen dem Qute bei
Vollverstärker und Netzwerk-Spieler Naim UnitiQute
Gute Ausstattung: Ein vollständiger Satz Adapter und Zubehör liegt dem Qute bei
CD-Ripper und Netzwerk-Speicher Naim UnitiServe
Der zum Qute passende UnitiServe beinhaltet den exzellenten CD-Ripper und Server des großen Naim HDX