Sie sind hier: HiFi-Test / Neue Medien / Streaming System Raumfeld
16.09.2014

Test: Streaming-System Raumfeld

Immer im Gleichtakt

Raumfeld ist der erste Hersteller, der das Thema „Streaming“ von A bis Z erschöpfend umsorgt. Das Netzwerk-System punktet außerdem mit samplegenauer Wiedergabe-Synchronisation

von Carsten Barnbeck

Im Media-Streaming existieren zwei Philosophien: Während die meisten Unternehmen ihre Netzwerk-Spieler als Einzelkomponenten betrachten, die sich in beliebige DLNA/UPnP-Umgebungen integrieren lassen, widmen sich einige wenige Ausnahmen der Komplettumsorgung ihrer Kundschaft. Konzepte wie das von Sonos bestehen neben den eigentlichen Streamern aus Funk-Verteilern, netzwerkfähigen Küchenradios und beinhalten mitunter sogar Aktiv-Lautsprecher. So richtig vollständig war bislang jedoch keines dieser Systeme. Irgendwo fehlte immer ein Bausteinchen, das den Käufer zum Griff nach Drittanbieter-Produkten zwang. Und sei es nur wegen des Netzwerk-Routers oder einer NAS-Festplatte, auf der die Musik aufbewahrt wird.

Raumfelds All-Inclusive-Konzept

Das noch junge Berliner Unternehmen Raumfeld beweist ausgereiftes Gespür für derartige Details. Das in verschiedenen Zusammenstellungen erhältliche und jederzeit beliebig erweiterbare Streaming-Set des Herstellers enthält sämtliche Komponenten, die für sofortige Inbetriebnahme des vernetzten Haushalts notwendig sind. Das ist bislang einzigartig. Obendrein sind die Komponenten geschickt kombiniert, so dass einerseits das Sortiment angenehm schlank bleibt und andererseits Geräte- oder Strippen-Salat ausgeschlossen ist. Den Grundstein bildet die „Base“ (um 285 Euro), ein unscheinbares Kästchen, das mit seinen beiden Antennen an einen stylischen Funk-Router erinnert. Tatsächlich vereint das Gerät einen eben solchen LAN/WLAN-Verteiler mit einer 160-Gigabyte-Festplatte. Einmal aus dem Karton genommen und eingeschaltet, ist der Kern des Streaming-Systems also unmittelbar einsatzbereit. Für volle Funktionalität und gelegentliche Software-Updates sollte die Base freilich noch mit einem DSL-Anschluss verkabelt werden. That’s it!

Das Kopieren der Musiksammlung funktioniert denkbar einfach: Da die Base ein vollwertiger Router ist, verbindet man den zum Rippen genutzten Computer einfach via LAN-Kabel. In dessen Explorer oder Dateimanager taucht die Base unverzüglich als Netzwerk-Laufwerk auf, und es können beliebige digitalisierte Musikdateien per „Drag’n’ Drop“ übertragen werden. „Beliebig“ darf man dabei nahezu wörtlich nehmen, denn mit WAV, FLAC, MP3, WMA, M4a, Ogg Vorbis, ASF und AAC verstehen die Raumfeld-Streamer sehr viele Tonformate.

Vor allem, wenn man sich ausschließlich auf hochauflösende Daten wie WAV und FLAC beschränkt, werden die 160 GB Kapazität schnell eng. Kein Problem, denn die Base lässt sich mit beliebigen weiteren Musikquellen vernetzen, sei es nun ein Computer oder ein separates NAS. Zwar ist an der Rückseite des Gehäuses nur eine Buchse für weitere Netzwerkgeräte vorhanden, doch lässt sich die über einen Splitter oder die stabile Funkfähigkeit des Raumfeld-Routers vervielfachen.

Gesteuert wird das gesamte Netzwerk über den griffigen, verhälnismäßig großen und überaus robusten Funk-Controller (um 400 Euro), der Zugriff auf sämtliche Zonen bietet. Mit diesem Touch-Screen-Geber erledigt man nach der ersten Inbetriebnahme auch die weitgehend intuitive Systemeinrichtung, die je nach Anzahl der Zonen – in unserem Testaufbau arbeiteten immerhin vier Streamer problemlos parallel – nach höchstens zehn Minuten erledigt sein sollte.

Raumfeld nutzt die Fähigkeiten des großzügigen Displays optimal aus. In wenigen übersichtlichen Menüs wählt man die gerade aktive Zone und weist ihr den gewünschten Song oder etwa eine Shuffle-Playliste zu. Für bessere Übersicht lassen sich die Zonen natürlich frei benennen. Mit dem großen Regler hat man dabei immer Zugriff auf die Lautstärke der aktiven Zone, und auf Wunsch können auch mehrere Clients zusammengefasst werden, die dann dasselbe Lied wiedergeben. Um unangenehme Doppler- oder Delay-Effekte zu vermeiden, werden die parallelen Hörzonen synchronisiert, wodurch sie im samplegenauen Gleichschritt aufspielen. Dieser fest verankerte „Partymode“ macht gehörig Laune und ermöglicht es, den gesamten Haushalt mit einem Titel flächendeckend auszuleuchten.

LAN, WLAN, USB sowie ein externer Eingang: Die Speaker M – die große Aktivbox wird übrigens von ADAM gefertigt – ist mit einem Netzwerkspieler ausgestattet

Aber es gibt noch weitere Komfortfunktionen, die ausschließlich über den Controller erreichbar sind. So bietet jeder Raumfeld-Netzwerkspieler einen Equalizer, den man über den Touch-Screen steuert. Während der Wiedergabe wird zudem das Album-Cover im Display dargestellt, während an der Unterkante des Displays eine kleine Wellenformdarstellung zu sehen ist, die anzeigt, dass gerade etwas läuft.

Überhaupt sieht hier alles sehr modern und wohlproportioniert aus. Allerdings dürfte der Touch-Screen insgesamt noch etwas präziser reagieren. Für eine weitere Bereicherung der Quellenvielfalt sorgt die Integration von Internet-Diensten wie Online-Radio, Last.fm oder Napsters Flatrate – da fallen dann natürlich zusätzliche Kosten an –, die man problemlos über sein Raumfeld-System genießen kann.

Sinnvolle Streamervarianten

Mit dem Begriff „Zone“ ist natürlich immer ein Netzwerkspieler gemeint, der irgendwo im Haushalt seine Dienste verrichtet. Da die Anforderungen je nach Raum unschiedlich sind, bietet Raumfeld den immer gleichen Streamer in drei Darbietungsformen an. Die Basis bildet der „Connector“ (um 250 Euro), ein handlicher Client, der in jede Kette integriert werden kann. Klanglich reiht sich der kleine Kerl direkt hinter Sonos’ ZP 90 ein, der einfach noch etwas cremiger aufspielt. Generell klingt der Raumfeld-Streamer aber angenehm natürlich und vor allem sehr anspringend und musikalisch. Da der Connector die Reinform des Raumfeld-Streamings darstellt, bezieht sich unsere Einstufung übrigens allein auf dieses Gerät. Wie alle weiteren Clients bietet er zusätzlich einen USB-Anschluss für Sticks sowie einen externen Signaleingang.

Für anspruchsvolle Nebenzonen wie Arbeitszimmer, Gästeraum oder Vergleichbares gibt’s den „Speaker M“ (um 750 Euro), eine mittelgroße aktive Kompaktbox mit integriertem Connector. Da dieser Lautsprecher weitestgehend baugleich ist mit ADAMs A5X, deren Test Sie in dieser Ausgabe auf Seite 52 finden, sparen wir uns klangliche Details. Aus ergonomischen Gründen wurden die beiden Amps hier in einem Gehäuse untergebracht und die Bassreflexöffnungen nach hinten verlegt. Außerdem ist das schalt-bare Netzwerk der A5X dem Streamer gewichen. Stattdessen hat man ja den integrierten Equalizer. Die Box macht gehörigen Druck, ist ein anspruchsvoller Spaßbringer und funktioniert auch wandnah sowie im Regal hervorragend.

Wenn es allerdings auf jeden Quadratzentimeter ankommt, empfiehlt Raumfeld die kleine Schester der M namens „Speaker S“ (um 400 Euro), die bei etwa halbem Volumen und geringerer Leistung überraschenderweise ähnlich spritzig und lebhaft aufspielt wie die Große, sich in der Bandbreite, vor allem im Bass, aber den Naturgesetzen beugen muss. Dennoch ist das Ergebnis natürlich und bringt den linearen, weitestgehend neutralen Charakter des Streamers gut herüber.

Bleibt abschließend noch anzumerken, dass in Raumfelds Nomenklatur durchaus noch Platz wäre für einen Speaker L. Da darf man gespannt sein. Aber wir wollen keinen unnötigen Druck aufbauen. Das durchdachte Netzwerk-Konzept der Berliner zählt auch so schon zu den spannendsten am Markt!

Dieser Artikel wurde in STEREO 10/2010 veröffentlicht. Die Ausgabe können Sie über unsere Verlagsseite nachbestellen.

Stichwort

NAS
Ein „Network Attached Storage“ ist eine Festplatte mit Netzwerkanschluss, die als zentraler Speicherort genutzt werden kann.

Rippen
Das Auslesen und Umwandeln einer Audio-CD in beliebige Tonformate bezeichnet man als „Rippen“.

Profil

Raumfeld-System
Als Set in verschiedenen Kombinationen erhältlich ab ca. €1200
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Raumfeld
Tel.: 030/340609875
www.raumfeld.com

Fazit

Genial einfache Rundum-Glücklich-Lösung mit gutem Klang und eingängiger Bedienung. Das System ist beliebig erweiterbar und bietet pfiffige Detaillösungen wie Aktivboxen mit integrierten Netzwerkspielern.

Ausstattung

Audio-Streaming-System für die Wiedergabe von WAV, FLAC, AAC, MP3, WMA, Ogg Vorbis ASF und M4a. Die Basisstation beinhaltet Netzwerk-Router sowie 160 Gigabyte Speicherkapazität und lässt sich auch mit UPnP/DLNA-Massenspeichern kombinieren. Alle Clients, es gibt ein Stand-alone-Modell und zwei netzwerkfähige Aktivboxen, bieten neben Streaming via LAN oder WLAN je eine USB-Buchse und Cinch-Eingänge für eine externe Quelle. Alle Geräte vernetzen sich mittels einsteigerfreundlichem Auto-Setup. Synchrone Wiedergabe identischer Lieder in verschiedenen Zonen. Die Basis-Sets sind um weitere Raumfeld-Streamer erweiterbar.

Die Raumfeld-Komponenten

Der Netzwerk-Router und Server "Base" ist das Herz des Systems. Er vernetzt alle Komponenten und kann auf seiner 160GB-Festplatte Musikdaten speichern. Natürlich verbindet er sich auch mit beliebigen anderen UPnP/DLNA-Mediatheken und mit dem Internet (Stichwort: Online-Radio)

"Connector" ist der Stand-Alone-Streamer des Systems. Er verbindet die Mediathe über seine Audio-Ausgänge mit jedem Verstärker. Neben LAN-Kabel nimmt er - wie alle Raumfeld-Clienten - Daten auch über ein stabiles WLAN entgegen

Die Aktivbox "Speaker M" enthält einen vollständigen Connector mit allen Funktionen. Damit zählt die von ADAM gefertigte Lautsprecher-Verstärker-Streamer-Kombination zu den flexibelsten Clienten, den wir bislang in die Finger bekommen haben. Einen Audio-Eingang für weitere Geräte (z.B. Portis) sowie USB für die Wiedergabe vom Stick gibt's obendrauf

"Speaker S" ist die verkleinerte Ausgabe des Speaker M. Ideal für Regale und andere beengte Situationen bietet der dieselben Funktioen und Features

Der "Controller" - im Betrieb deutlich farbenfroher als auf unserem Foto - bringt nicht nur Sexappeal in die Streaming-Anlage, sondern bietet mit seinem Touch-Screen direkten Zugriff auf viele Funktionen und gute Übersicht in der Mediathek. Der große Regler steuert die Lautstärke der aktiven Zone. Es können übrigens mehrere Räume angewählt werden, die sich dann gemeinsam "verwalten" lassen