Sie sind hier: HiFi-Test / Analog / Plattenspieler Thorens TD 309
25.10.2014

Test: Plattenspieler Thorens TD309

Star oder Sternchen?

Er wirkt wie ein Design-Gag, doch Thorens’ TD 309 ist ein absolut ernst zu nehmender Plattenspieler, der voller Ideen, Erfahrung und pfiffigen Lösungen steckt. Kommt er wirklich groß ‘raus?

Plattenspieler Thorens TD 309

Von Matthias Böde

Na, das ist doch mal was anderes. Der zackig geformte, in Rot oder Anthrazit erhältliche TD 309 aus dem Hause des Traditionsherstellers Thorens definiert nicht nur den optischen Auftritt der Produkte des schweizerischen Unternehmens neu. Wie seine berühmten Ahnen hat auch der TD309 ein Subchassis, das ihn von Erschütterungen aus dem Untergrund entkoppelt, doch sitzen die Federelemente hier nicht wie üblich innerhalb einer Zarge, sondern direkt in den drei mittels Streben verbundenen Füßen.
Wer genau hinschaut, erkennt, dass die MDF-Scheibe wie ein Wankelkolben plus Armausleger geformt ist und so jeder Fuß den gleichen Abstand zur zentralen Tellerachse hat. Außerdem soll jede Stütze identisch belastet sein, um eine gleichmäßige Resonanzfrequenz zwischen vier und fünf Hertz zu erreichen. Dafür gleicht ein Gewicht oberhalb des linken Fußes die gegenüberliegende Tonarmmasse aus.

Dosenlibelle, Einstellschablone und eine leidlich präzise anzeigende Tonarmwaage gehören beim TD309 zum Lieferumfang

Tatsächlich schwingt das Chassis nach vertikaler Anregung der Tellerachse annähernd kolbenförmig, wobei Zentrierspinnen die Schraubenfedern in der Horizontale bedämpfen, also ein Taumeln verhindern. Darauf hätte auch vorher mal jemand kommen können, denn was bei Lautsprechern funktioniert – die Membran präzise auf Längsachse zu führen –, geht hier natürlich auch. Der in die Hauptplatte eingesetzte, aus einem externen Schaltnetzteil gespeiste Motor wird sogar über zwei Spinnen entkoppelt und auf definiertem Abstand zum Subteller gehalten, um den sich der Antriebsriemen schlingt.

Winzig, aber sehr hilfreich sind die Minischrauben zur Drehzahlfeinregulierung. Zwar stellt das Werk die Werte ein, doch mit der Zeit driften sie leicht weg

Spielwiese für Vinyl-Freaks

Die flache Aluscheibe hat den Thorenstypischen Durchmesser von 160 Millimetern, doch der eigentliche Plattenteller aus Quarzglas liegt auf einer Nut bei 141 mm auf. Berechnungen und Versuche ergaben, dass genau an dieser Stelle Resonanzmoden besonders effektiv bedämpft werden. Das Alu-Tonarmrohr wurde ebenfalls aufwändig auf seine Festigkeit untersucht. Ein Kunststoffschlauch im Innern sowie ein äußerer Dämpfungsring optimieren seine Eigenschaften. An der Spitze wird das zum Einstellen des Überhangs auf dem Rohr verschiebbare Headshell mit einer Inbusschraube fixiert.
An der mit Präzisionslagern aus japanischer Produktion ausgestatteten, in ihrer Höhe (VTA) justierbaren Armbasis lässt sich auch die Kröpfung des Tonabnehmers (HTA) um einige Grad in jede Richtung einstellen.

Dass der Motor mit auf dem entkoppelten Board sitzt, ist für eine Subchassis-Konstruktion ungewöhnlich, doch er ist extra federnd aufgehängt

Doch keine Angst, niemand muss hierhantieren, denn der TD 309 ist von Haus aus mit Audio-Technicas MM-AbtasterAT-95E bestückt, der mit einem Einzelpreis von 35 Euro zwar nur zur Standardklasse gehört, hier aber eine richtig gute Vorstellung gibt. Bereits mit ihm setzte sich der Thorens durch seine stabilere, räumlichere und insgesamt reifere Wiedergabe von den Top-Spielern der 1000-Euro-Klasse ab. Und machte gleichzeitig Appetit auf mehr. Zuerst tauschten wir das mitgelieferte kurze Cinch-Kabel gegen Silent Wires NF5 aus (2x1,2 Meter konf. um 145 Euro), was nicht nur den Detailreichtum, die Luftigkeit und die Größe des Spektrums förderte. Steht der TD 309 auf einer stabilen Unterlage, kann er sich weit in der Plattenspielerhierarchie hinaufspielen. Das auf den ersten Blick etwas flippige Konzept überzeugt in der Praxis mit seiner ruhigen, übersichtlichen und gelösten Darstellung. Rockbands haben Druck und energischen Drive, Orchester treten hinter die Boxenfront zurück, agieren realistisch aus der Raumtiefe heraus, wobei der Thorens auch in ausladenden Melodiebögen die musikalische Spannung aufrechterhält. So viel audiophilen Atem hat er.

Keine Frage, dem TD 309 hört man gerne zu. Wann habe ich eigentlich zuletzt Jazz-LPs aus meiner ECM-Sammlung in die Redaktion geschleppt, um sie dort zu hören? Zu Hause betreibe ich ein ganz anderes Dreher-Kaliber. Trotzdem hat mir der clevere Thorens Spaß gemacht. Er ist ein Nachwuchs-Star.

Dieser Artikel wurde in STEREO 09/2010 veröffentlicht. Die Ausgabe können Sie über unsere Verlagsseite nachbestellen.

Stichwort

VTA

Der korrekte „Vertical Tracking Angle“ ist für eine saubere Abtastung von Bedeutung, weil nur dann der Diamant senkrecht in der Rille steht.

Profil

Thorens TD 309
um € 1600 (kompl. mit MM-Tonabnehmer)
Maße: 47 x12,5 x 43 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Sintron
Tel.: 07229/18 29-98
www.sintron-audio.de

Fazit

Man kann ihn durchaus so nehmen, wie er aus dem Karton kommt, aber auch als profunde Basis für eigene Justage-, Tonabnehmer- und Kabelversuche betrachten. Der TD 309 ist ein ebenso unkomplizierter wie engagierter Plattenspieler – ganz wie man ihn will – mit hohem Klangpotenzial. Dieses auszureizen, wird manchen Vinylhörer beschäftigen. Aber HiFi ist ja auch ein Hobby, oder?

Ausstattung

Manueller Plattenspieler mit zwei Umdrehungsgeschwindigkeiten (33/45 Upm) plus Drehzahlfeineinstellung, ein Paar Cinch-nschlussbuchsen, Masseschraube, Tonarmlift, Antiskating über Magnetkraft, Tonarm und Grundzarge höhenverstellbar, justierbare Riemenspannung, keine Haube, sehr gute, anschauliche Bedienungsanleitung.

Komponenten der Testanlage

Plattenspieler: Clearaudio Emotion, Pro-Ject PerspeX Anniversary, Thorens TD 350

Phono-Pres: Burmester 100, Nagra VPS, Trigon Vanguard II mit Batterienetzteil Vulcano II

Phono-Kabel: Silent Wire NF 5 (Phono-Version)

Vor-/Endstufe: MBL 5011/Accu. Arts AMP II MK2

Lautsprecher: Dynaudio Contour S5.4, Verity Audio Leonore

Rack/Zubehör: Finite Elemente Pagode Reference/Stylast 5, Furutech Demag

Nicht verschieben! Dieser kleine Metallreiter auf dem Tonarmrohr soll eine Resonanzdämpfung bewirken, die an dieser Stelle besonders effektiv ist

Alternativ-Abtaster

Wir probierten einige Tonabnehmer am TD 309. Mit einer effektiven Masse von gut 18 Gramm ist dessen Arm recht schwer, verträgt sich also bestens mit steiferen MC-Abtastern. Sehr gute Erfahrungen haben wir etwa mit dem Benz ACE SL (Bild, um 700 Euro) gemacht. Mit ihm wird der Thorens zum druckvolldynamischen Top-Plattenspieler der 2000-Euro-Liga.