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25.10.2014

Test: Standlautsprecher und Kompaktbox Sonus Faber "Toy" und "Toy Tower"

Sonus Fabers Spiel-Zeuge

Toy heißt Spielzeug – das gilt für die gleichnamige Lautsprecher-Serie der ­Italiener im doppelten ­Wortsinn. ­STEREO testet das winzige Einstiegsmodell und die Standbox „Toy Tower“

HiFi wird zuweilen als „Toys for Boys“ bezeichnet – als Spielzeuge für Jungs, womit freilich wir schon etwas größeren gemeint sind. Doch wie Kinder greifen wir reflex­artig zu Dingen, die uns emotional ansprechen – die mechanische Uhr, das rasante Auto, das knuddelige Tivoli-Radio. Stets befiehlt unser Instinkt: Haben wollen!

So bin ich total heiß auf den winzigen „Toy“-Lautsprecher des italienischen Herstellers Sonus Faber. Ich kann ihn mir leisten, brauche ihn aber nicht. Doch das Böxchen hat es mir schon ohne jeden Ton so angetan, dass ich – ganz „Boy“ – rationale Einwände konsequent ausblende. Die nichtmal schuhkartongroße Toy und ihr auf liebenswürdige Weise anmaßend „Tower“ genannter Standkollege verströmen gediegene Club-Atmosphäre.

Sind die Italiener ohnehin für ihre traumhaft schönen, edelst verarbeiteten Gehäuse bekannt, so haben sie sich für ihre Toys etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Die Boxen sind samt ihrer Rück- und Unterseiten beledert. Die Oberfläche ist dabei leicht rau gestaltet, was dem Material eine lässig-elegante Note gibt. Messingfarbene Knöpfe setzen Akzente. Dagegen wirken viele Mitbewerber, sorry, wie Dutzendware.

Minimal-Lösung: Elfer für Toy

Die Kunst der optischen Verführung hat Sonus Faber fraglos drauf. Doch die Toys sollen ja nicht nur Schmuckstücke fürs lauschige Ambiente sein, sondern in erster Linie „Spiel-Zeuge“ im eigentlichen Sinn. Und so halten ihre Innereien, was das Äußere verspricht: Beiden Modellen gemein ist ein ­Ring­radiator-Tweeter aus skandinavischer Fertigung mit kräftigem Neodym-Magnet für saubere, spritzige Höhen und ein elf Zentimeter durchmessender Tiefmitteltöner aus beschichteter Zellulose. In der Toy muss er den gesamten Frequenzbereich unterhalb von 4500 Hertz bestreiten, im größeren Tower arbeitet er nur bis 400 Hertz hinab. Darunter übernimmt ein 18er-Chassis. Beide Lautsprecher sind Bassreflextypen mit rückwärtigen Öffnungen und werden über ein Single-Wire-Terminal angesteuert.

Toy braucht Rückendeckung

Was tut man mit einem niedlichen Schoßhündchen, wenn’s haarig wird? Genau, man nimmt es auf den Arm. Und auch die possierliche Toy braucht unsere Fürsorge. Nach gewohnter Art frei auf einem Ständer platziert, „verhungert“ sie leicht, indem so von ihrem durchaus knackigen, aber naturgemäß eben auch „kompakten“ Bassbereich nicht viel übrig bleibt. Dann wirkt die Wiedergabe zu schlank, obwohl sich die Sonus Faber bei Herausforderungen vom Schlage basskräftiger Titel aus Jennifer Warnes’ „Hunter“-Album engagiert ins Zeug legte. Lass gut sein, Kleine!

Nein, entgegen aller Regeln – rückwärtiger Reflexport hin oder her – darf, soll und muss man die Toy an die Wand rücken beziehungsweise ins Regal stellen, um sie auf diese Weise in den unteren Lagen zu unterstützen. Im ansonsten recht linearen Frequenzdiagramm erkennt man, dass ihr bereits unterhalb von 300 Hertz allmählich die Puste ausgeht. Ich hätte ja gesagt, zieht sie wenigstens bis 100 Hertz einigermaßen glatt durch, doch das wäre natürlich zu Lasten des Wirkungsgrads gegangen. Da die Italiener wohl ohnehin davon ausgingen, dass niemand ihr schniekes HiFi-Spielzeug auf weiter Flur verloren gehen lässt, haben sie die Toy von vornherein auf zusätzliche Rückendeckung ausgelegt. Eigentlich gar nicht dumm!

So kommen ihre offenen, homogenen Mitten und die fein gestrickten, duftigen Höhen umso besser zur Geltung. Auch in Sachen Timing lässt die Toy nichts anbrennen. Schauen Sie mal auf ihre präzise Sprungantwort!

Die Tower ist tonal komplett

Von Tiefton-Einschränkungen ist die Toy Tower nicht betroffen. Kunststück: Sie hat ein üppigeres Volumen sowie den 18er-Treiber obendrauf. Sie ist nicht so putzig wie ihre winzige Schwester, dafür aber unter fast allen Bedingungen ein vollwertiger Lautsprecher, der sich mit den in dieser Qualitätsliga eingesetzten Verstärkern prima vertrug. Die Box mit den markanten hinteren Auslegerfüßen für maximale Standfestigkeit geht dynamisch und frisch ans Werk, verkneift sich aber die in dieser Klasse oft noch üblichen Härten und Zischeligkeiten in den Höhen. In Verbindung mit den sonoren und doch transparenten Mitten sowie dem konturierten und profunden Bass erzeugt Toys Tower einen ausentwickelten, reifen Eindruck. In den oberen Lagen klingt die Mini-Toy praktisch gleich gut, sie wirkt darunter halt irgendwann wie jäh abgeschnitten.

Ein HiFi-Spielzeug ist sie trotzdem nicht, sondern ein besonderes Schätzchen für anspruchsvolle Kleinanlagen. Da spielt sie groß auf. Ich war Zeuge!

Die Toys sind auch auf der Rückseite beledert, das ­griffige Terminal ­unterstützt den wertigen Eindruck
Der 2,5 Zentimeter durchmessende Ringstrahler für die Höhen ist bündig in die Schallwand ­eingelassen

Dieser Artikel wurde in STEREO 5/2010 veröffentlicht

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Profil

Sonus Faber Toy
Paar um  € 650
Maße: 18,5x26,5x27 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: Audio Reference
Tel.: 040/53320359
www.audio-reference.de

Fazit

Auf dieses schnuckelige HiFi-Böxchen sind garantiert nicht nur Männer scharf. Die Toy ist superedel verarbeitet und auch deshalb ein Kleinod ihrer Klasse. Klanglich liegt sie ohnehin weit oberhalb der billigen „Brüllwürfel“-Liga. Dass sie kein Bassprotz ist, macht da schon nichts mehr. Den vierten Stern gibt’s fürs noble Outfit.

Messergebnisse

Nennimpedanz
8 Ω
minimale Impedanz
6,3 Ω bei 333 Hertz
maximale Impedanz
28,2 Ω bei 109 Hertz
mittlere Empfindlichkeit (2,83 V/m)
85 dB SPL
Leistung für 94 Dezibel (1 m)
5,64 Watt
untere Grenzfrequenz (-3 dB)
55 Hertz

Labor-Kommentar

Oberhalb von 200 Hertz ist die Toy ein Muster an Ausgeglichenheit. Das Rundstrahlverhalten (gestrichelte Linie) ist mäßig. Der Lautsprecher muss relativ direkt auf die Ohren ausgerichtet werden. Über die Einwinkelung sind die Höhen in Maßen dosierbar. Früher, flacher Bassabfall, der allerdings bei 50 Hertz erst fünf Dezibel beträgt. Vollkommen unkritischer Impedanzverlauf, die Toy ist eine echte Acht-Ohm-Box. Hervorragende Sprungantwort. Die Chassis sprechen praktisch zeitgleich an – der Tiefmitteltöner ist halt leicht!

Am hinteren Ende der Tower stehen die Spikes für einen optimalen Stand ein paar Zentimeter hervor

Stichwort

Zellulose-Membran
Auch im Zeitalter der Hightech-Stoffe erfreut sich die gute ­alte Papiermembran großer Beliebtheit bei den Entwicklern.