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19.08.2014

Test: Vollverstärker Moon i3.3

Kraftprotz

Leistung und eine spannende Ausstattung machen Moons i3.3 einzigartig

von Carsten Barnbeck

Streaming, digitale iPod-Docks und Computer rückten den D/A-Wandler jüngst wieder stärker in den Fokus der HiFi-Liebhaber. War es früher weitestgehend verpönt, trauen sich die Hersteller heute, ihre Wandler mit anderen Komponenten zu vereinen. Resultat ist unter anderem eine neuartige Generation von Vollverstärkern: Digital-Amps.

Verwechseln Sie das jetzt bitte nicht mit Class D-Schaltungen. Mit dieser Technologie hat der kanadische Hersteller Moon nichts am Hut. Der i3.3 ist analog und in seiner Grundausstattung für rund 2300 Euro sogar relativ konservativ aufgebaut: Neben satter Leistung bietet der Amp fünf Eingänge, einer davon symmetrisch, verschiedene Ausgänge, ein gut ablesbares Sieben-Segment-Display sowie eine Kopfhörer- und Miniklinken-Buchse für beliebige Portis an seiner Front. Allerdings befinden sich im Inneren noch zwei Steckplätze, auf die sich optional eine seidig klingende MM/MC-Phono-Platine und ein Wandlerboard sockeln lassen. In Vollausstattung sind schließlich 3000 Euro fällig.

Vielseitige Platinchen

Die nachrüstbare Wandler-Platine erlaubt via USB den Anschluss eines Computers

Klanglich überzeugte uns vor allem der Phono-Pre, der äußerst kraftvoll und mit beeindruckender Abbildungsschärfe zur Tat schritt. Tatsächlich erschien es uns, als stünde Diana Krall mitten im Hörraum, als wir dem i3.3 über Brinkmanns Bardo (siehe STEREO 4/10) mit der Sängerin einheizten. Der Entzerrer von Marantz’ preiswerterem PM-15 wirkte spürbar abgeschlagen, der des Music Hall vergleichsweise diffus und weniger ausgefeilt. Aber auch die Wandler-Platine kann das hohe Niveau nicht ganz halten. Verglichen mit dem exzellenten Phono-Pre wirkt sie minimal überspitzt und bisweilen etwas harsch.

Das liegt angesichts ihres Nachrüstpreises von knapp 300 Euro aber im Rahmen, und gegenüber separaten DACs ihrer Klasse steht sie sogar ziemlich gut da. Außerdem kann sie sich wie der Phono-Amp auf die exzellente Raumabbildung und die überaus scharfen Konturen des Moon-Amps verlassen.

Die Ausstattung des DACs ist ordentlich. Mit zwei koaxialen und einem optischen Eingang sollte für ausreichend Flexibilität gesorgt sein. Abrundend erlaubt die USB-Buchse (siehe Kasten) den Anschluss eines Computers direkt an den Moon-Amp. Gegenüber handelsüblichen Soundkarten oder On-Board-Lösungen kommt das einem musikalischen Quantensprung gleich.

Zehn Eingänge, Pre-Out und Remote-Schnittstellen: Über mangelnde Flexibilität kann man bei Moons i3.3 nicht klagen

Wenn man den Kanadiern eines nicht vorwerfen kann, dann, dass sie mit der üppigen Ausstattung ihres smarten Vollverstärkers irgendeine Schwäche kaschieren wollen. Ihr i3.3 marschiert mit der Energie einer Dampfwalze voran, vereint seine Kraft und Forschheit allerdings mit chirurgischer Präzision und der Farbkraft und Ausdrucksstärke eines altmeisterlichen Gemäldes. Mit unglaublichem Punch zeichnet er lässig seine feinen Klangkollagen in den Raum, in denen selbst kleinste Tönungen wiederzufinden sind und die stets plastisch und dreidimensional wirken.

Dank seiner satten Leistungsreserven schüttelt er auch schwieriges Material wie komplexe Orchesterpassagen oder einen einzelnen, im Raum verhallenden Klavierton oder eine Solo-Stimme mit herrlicher Präzision und enormer Feindynamik aus dem Ärmel. Seine Darbietung hat jedoch nichts Beiläufiges, sondern wirkt gerade durch die gelungene Mischung stets spannungsgeladen und anmachend.

Unter den Verstärkern seiner Klasse nimmt der Moon mit dieser herausragenden Performance zweifellos eine Spitzenposition ein und rückt sogar verdächtig nah zu Symphonic Lines RG 14 auf, der immerhin rund fünfhundert Euro teurer ist als ein Moon in Vollausbau. So viel ist damit klar: Die Kanadier sind eine Größe, mit der man zukünftig rechnen darf.

Dieser Artikel wurde in STEREO 5/2010 veröffentlicht

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Profil

Moon i3.3
ab €2300
Maße: 43x9x38 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Audio Components
Tel.: 040/2785860
www.audio-components.de

Flexibel, robust, klangstark: Moons i3.3 überzeugte uns in allen Disziplinen. Der Kanadier ist nicht nur wegen der hervorragenden Ausstattung eine Ausnahmeerscheinung in seiner Preisklasse, sondern spielt mit seinem kraftvollen, stets fein gegliederten Charakter viele Mitbewerber an die Wand.

Messergebnisse

Dauerleistung an 8 | 4 Ohm
111 | 181 Watt pro Kanal
Impulsleistung an 4 Ohm
231 Watt pro Kanal
Klirrfaktor bei 50 mW | 5 Watt | Pmax –1 dB
0,012 | 0,01 | 0,066 %
Intermodulation bei 50 mW | 5 Watt | Pmax –1 dB
0,11 | 0,075 | 0,18 %
Rauschabstand CD bei 50 mW | 5 Watt
69 | 89 dB
Rauschabstand Phono MM/MC | 5 Watt
79 | 63 dB
Kanaltrennung bei 10 kHz
62 dB
Dämpfungsfaktor bei 4 Ohm
222
Obere Grenzfrequenz (–3 dB, 4 Ω)
90 kHz
Anschlusswerte
gut
Gleichlauffehler Lautstärkesteller bis –60 dB
2,7 dB
Leistungsaufnahme Aus | Standby | Leerlauf
0 | 22 | 23 Watt

Labor-Kommentar

Wie bei Marantz hält man ­Leistungsreserven bei Moon offensichtlich für eine Grundvoraussetzung. Die Verzerrungswerte sind nicht berühmt, aber vollkommen okay. Hoher Dämpfungsfaktor, mäßiger Poti-Gleichlauf.

Ausstattung

Sechs Eingänge (einer symmetrisch, Phono optional), zwei Ausgänge (fix und variabel), vier optionale Digital-Eingänge, Remote-Buchsen, Fernbedienung

USB-Audio ohne Treiber

Externe USB-DACs klingen nicht nur besser als viele interne PC-Soundkarten, sie sind in mancherlei Beziehung sogar unkomplizierter: Seit Windows XP und Mac OS X werden schlichte Audiogeräte (maximal ein Ausgang und ein Eingang) automatisch vom Betriebssystem erkannt und treiberlos angenommen. Nach dem Einstöpseln muss man sie lediglich als Tonausgang des Computers definieren. Das geht über die Systemeinstellungen (Mac) oder die Systemsteuerung (Windows).
Allerdings kann es bei älteren Systemen gelegentlich zu harmlosen Konflikten kommen, da anders als bei Treiber-Geräten keine Informationen über die unterstützten Sampleraten ausgetauscht werden. Man sollte also darauf achten, den DAC nur mit unterstützten Takten zu füttern. Andernfalls bleibt er einfach still. Da der i3.3 jedoch alle gängigen Formate bis zu 192 Kilohertz und sogar die exotischeren 88,2 und 176,4 kHz mit 16 und 24 Bit unterstützt, besteht diese Gefahr bei ihm nicht.

Stichwort

USB
Der „Universal Serial Bus“ ist eine Computer-Schnittstelle, die sich vielseitig für die Audioübertragung nutzen lässt.