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20.12.2014

Test: Vollverstärker Marantz PM-15 S2

Musiker aus Leidenschaft

Marantz’ runderneuerter PM-15 S2 vereint alte Stärken mit neuem Glanz

von Carsten Barnbeck

Knapp fünf Jahre ist es her, dass Marantz  seine gesamte Premium-Liga überarbeitete und mit der gelungenen Optik für Staunen und Begehrlichkeiten sorgte. Zu unserer Überraschung zeigten die Tests damals, dass die beiden Vollverstärker der Range, der PM-11 (aktuell um 4000 Euro, getestet in STEREO 12/04 und in STEREO 12/08) und sein kleiner Bruder PM-15 (Test in STEREO 6/05), klanglich relativ eigenständige Zielsetzungen verfolgten. Während der große Bolide äußerst kraftvoll aufspielte und sich überdies erfolgreich bemühte, mit jeder seiner Schwingungen edel, analytisch und erhaben zu wirken, sprudelte der kleinere Amp geradezu über vor Musikalität und Spritzigkeit. Tatsächlich war der PM-15S1 schon damals fühlbar lebendiger und schmissiger als das seinerseits deutlich ausgefeilter und nuancierter aufspielende Flaggschiff. Eine markante Unterscheidung, die ihn für Liebhaber populärer Musikrichtungen durchaus zur besseren Wahl machte und die den Marantz-Entwicklern offenbar so gut gefiel, dass man sie beim völlig umgekrempelten S2-Modell beibehielt.

Exquisite Vorbilder

Über einen Mangel an Anschlüssen musste man sich bei Marantz-Amps noch nie beklagen. Man beachte: Phono- und CD-Input des PM-15 S2 sind hochwertiger ausgeführt als die übrigen Buchsen

Gegenüber seinem großen Bruder genießt der PM-15 einen entscheidenden Entwicklungsvorteil: Der Hersteller ließ sich nach seinem 11er über ein Jahr Zeit, bis er den PM-15 in die S2-Generation überführte. In der Spanne dazwischen befassten sich die Ingenieure vornehmlich mit ihrem prestigeträchtigen „KI Pearl“-Projekt (siehe STEREO 11/09). Folgerichtig genießt Nummer 15 den Vorzug, eine vollständige Neuentwicklung zu sein, die sich aus – meist leicht abgespeckten – Ableitungen seiner Vorbilder PM-11 S2 und PM KI zusammensetzt. Ein Glück, wenn man solche Gene in der Familie hat. Vom alten S1 ist außer dem Gehäuse allerdings nicht viel übrig geblieben.

So ist zum Beispiel der integrierte, zwischen MM und MC umschaltbare Phono-Vorverstärker eine verkleinerte Version des PM-11-Ent­zerrers, und erwartungsgemäß klingt der Pre gemessen an der Preisklasse hervorragend. Er löst feinste Details aus dem musikalischen Gefüge und bildet – wie der gesamte Amp – mit wirklich herausragender Plastizität ab. Auch der dicke Ringkerntrafo war im alten S1 nicht zu finden. Das Netzteil hat insgesamt wohl am deutlichsten zugelegt, was man unter anderem an den riesigen Elkos erkennt. Und wie jeder Autofahrer weiß: Üppige Leistungsreserven haben noch niemandem geschadet. Mit HDAM-Modulen der neuesten Generation bringt der S2 schließlich einen weiteren Trumpf ins Spiel, der entscheidenden Anteil an der kompressionsfreien Verstärkung hat.

Konzeptionell hat sich zum Glück nichts geändert. Der PM-15 bietet nach wie vor viele Anschlussmöglichkeiten und geht mit seiner pfiffigen Bi-Amping-Fähigkeit weit über das Gewohnte hinaus. Neben einem Pre-Out – auch das ist in dieser Preisklasse eine Seltenheit – verfügt der Verstärker über einen Endstufen-Eingang.

Spürbar aufgehellt

Die wuchtigen Siebelkos (unten) nehmen reichlich Platz ein im Gehäuse. Einen guten Teil der übrigen Fläche beanspruchen die ebenfalls äußerst

Der PM-15 S2 ist wirklich ein ungemein musikalischer und präziser Geselle, dem es wie kaum einem anderen Verstärker dieser Klasse gelingt, Anmachfaktor, Bissigkeit und Schwung mit anspruchsvoller Auflösung und Kontrolle zu verbinden. Anders als beim Vorgänger beschränkt sich diese aber nicht vornehmlich auf den klaren Obertonbereich. Auch im Bass wahrt der S2 stets die Kontrolle, wirkt überaus straff, konturiert und übersichtlich. Hier ist eine deutliche Steigerung gegenüber seinem Vorgänger hörbar.

Tonal spielt er dadurch etwas frischer und klarer als ein S1 und verzeiht Schwächen in der Aufnahme nicht so einfach. So wirkten beispielsweise die opulenten Streichergeflechte in Molokos getragenem und stark komprimierten „Statues“ gepresst und zurückgesetzt. Ist der Tonträger jedoch gut produziert, kommen Stimmen und Instrumente äußerst natürlich und geschmeidig herüber und können vollends vom herrlichen Spielfluss des Amps profitieren. Damit ist es Marantz hervorragend gelungen, den PM-15 S2 bei voller Wahrung seiner Schwungkraft einen Schritt näher an die analytischen Fähigkeiten seines großen Bruders heranzurücken.

Stichwort

HDAM
Bei Marantz’ „Hype Dynamic Amplifier Modulen“ handelt es sich um rauscharme Operationsverstärker, die keine Veränderungen (z.B. durch Kompressionseffekte) an der Musik vornehmen.

Dieser Artikel wurde in STEREO 5/2010 veröffentlicht

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Profil

Marantz PM-15 S2
um €1800
Maße: 45x13x43 cm (BxHxT)
Garantie: 3 Jahre
Vertrieb: Marantz
Tel.: 0541/404660
www.marantz.de

Fazit

Trotz Runderneuerung haben wir den PM-15 S2 sofort wiedererkannt: Anspringend und timinggenau ist er immer noch der musikalischste Amp in Marantz’ Premium-Range. Seine enorme Auflösung und Kontrolle im Bass lassen ihn trotz höherer Verstärkerleistung etwas offener und schlanker aufspielen als seinen Vorgänger.

Messergebnisse

Dauerleistung an 8 | 4 Ohm
94 | 148 Watt pro Kanal
Impulsleistung an 4 Ohm
209 Watt pro Kanal
Klirrfaktor bei 50 mW | 5 Watt | Pmax –1 dB
0,0036 | 0,0034 | 0,0087 %
Intermodulation bei 50 mW | 5 Watt | Pmax –1 dB
0,011 | 0,011 | 0,025 %
Rauschabstand CD bei 50 mW | 5 Watt
77 | 93 dB
Rauschabstand Phono MM/MC | 5 Watt
84 | 73 dB
Kanaltrennung bei 10 kHz
52 dB
Dämpfungsfaktor bei 4 Ohm
308
Obere Grenzfrequenz (–3 dB, 4 Ω)
> 110 kHz
Anschlusswerte
gut
Gleichlauffehler Lautstärkesteller bis –60 dB
0,2 dB
Leistungsaufnahme Aus | Standby | Leerlauf
0 | – | 22 Watt

Labor-Kommentar

Der PM-15S2 bietet satte Leistungsreserven und eine Bandbreite, die deutlich über die 110-Kilohertz-Marke hinausreicht. Klirr- und Intermodulationswerte sind ordentlich, der Rauschabstand sogar sehr gut.

Ausstattung

Sechs Eingänge (inkl. Phono-Pre MM/MC), zwei Record-Out, Endstufen-Eingang, Pre-Out, Kopfhörer-Anschluss, Klangregelung, Source-Direct, Fernbedienung

Bi-Amp-Spezialist

Die Bi-Amp-Aufrüstmöglichkeit ist seit Jahren Bestandteil von Marantz’ Premium- Serie. Jeder PM-11 und PM-15 ist ab Werk mit einer Remote-Schnittstelle ausgestattet (Abb.), die für die Synchronisation der Pegelsteller zweier Vollverstärker sorgt. Dazu muss man nach Aktivierung der „Bi-Amp“-Schal - tung lediglich einen der Amps zum „Master“ erklären. Der andere folgt daraufhin sowohl der Fernbedienung als auch dem Lautstärkeregler seines „Vorgesetzten“. Hinter der Bi-Amping-Option verbirgt sich – mit einem entsprechenden Terminal bestückte Lautsprecher vorausgesetzt – ein enormes Klangpotenzial. Der PM-15 gewinnt auf diese Weise spürbar an Abbildungsgröße, Feindynamik und Souveränität. Die Anschaffung eines zweiten Amps kann daher eine verlockende Alternative zur Verstärker-Aufrüstung darstellen.