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29.10.2014

Test: Vollverstärker Symphonic Line RG14 Edition 2010

Emotionale Intelligenz

Richtig gut aufspielen können viele Vollverstärker. ­Symphonic ­Lines lange gereifter RG14 Edition 2010 besitzt ­darüber hinaus ­noch geradezu einen Instinkt für den perfekten Klang

Symphonic Line RG14 Edition

von Tom Frantzen

Der nach Fünfjahresfrist (siehe STEREO 5/04) geplante erneute Test des RG14 Edition hat sich leider etwas verzögert. Denn das in der Redaktion beliebte und vielgenutzte Gerät hatte nach dem Upgrade zwar zunächst für ein „Kurz reingehört“ überzeugt. Einige Zeit später aber klang es zunehmend schlechter. Und das, obwohl er ansonsten selbst teurere Amps mitunter das Fürchten lehren konnte. Symphonic Line-Chef und HiFi-Urgestein Rolf Gemein fand den Fehler in einer weggedrifteten Ruhestromeinstellung. Nach der Justage konnte es – mittlerweile gar samt der Modifikationstufe „Edition 2010“ – losgehen.

Symphonic Line RG14 Edition 2010 - Innenansicht
Mumetall-geschirmter Trafo, spezielle Elkos ­sowie hohe Bauteilqualität bestimmen das Bild

Es ist kein Geheimnis, dass Rolf Gemein, dessen Paar Ohren wir für eines der besten der Branche halten, eine gewisse Affinität zur fernöstlichen Lebensweise und Philosophie, etwa der Harmonielehre Feng Shui, pflegt. Gleichzeitig verfügt der Mann über drei Jahrzehnte Erfahrung mit HighEnd-Technik und hat hier etliche Erfolge vorzuweisen. Beide Kompetenzen fließen etwa bei der Bauteil­anordnung in die Produktentwicklung ein und bescheren den Fans legendäre Vorführungen. Auch wenn im Portfolio der Duisburger Firma Symphonic Line nach oben noch mehr geht, den RG 14 Edition sieht er selbst als „gehobenen Sechszylinder“ und „bezahlbaren Alleskönner“. Und so sind auch beim getunten Einsteigermodell „Edition“, gewissermaßen der Edelausführung des 3000 Euro kostenden RG14, einige Besonderheiten zu finden, die rein technisch nur ansatzweise zu verstehen sind. Dass der RG 14 eine Ableitung des Erfolgsmodells RG 9 ist, verrät schon der erste Blick unter den Gehäusedeckel. Auf die chromähnliche Aranya-Oberfläche muss „der Kleine“ indes verzichten, es gibt ihn in Schwarz oder silberfarben gebürstet. Dicke Frontplatte, massive Metallknöpfe sowie hochwertige WBT-Lautsprecheranschlüsse sind dagegen auch bei ihm Standard.

Technisch superb

Innerhalb des RG 14 kommen Symphonic Lines erlesene „Reference“ Kabel zum Einsatz

Die aktuelle Version „Edition 2010“ des RG 14 verfügt über eine überarbeitete Phonovorstufe mit MM/MC-Umschaltung, wo der reguläre RG 14 nur mit MM-Tonabnehmern Kontakt aufnimmt. Zudem wurde die Treiberstufe des Endverstärkers verbessert, gewissermaßen beschleunigt. Bewährt haben sich die in vielen SL-Geräten eingesetzten bipolaren Toshiba-Endtransistoren, der Mu-Metall-geschirmte Ringkerntrafo als Nachschublieferant und im Verein damit die laut Rolf Gemein eigens angefertigten vier 13000-Mikrofarad-Elkos zur Pufferung und Siebung. Diese sollen eine mehrfache Kontaktierung und einen besonders niedrigen Innenwiderstand (TAN) aufweisen, um schnelle „Schaltzeiten“ und eine vorbildlich konstante Energieabgabe zu erzielen. Darauf, so Gemein, komme es viel stärker an als auf eine hohe Kapazität an sich.

Die vom Meister geschätzten Vorstufen-ICs gibt es am Markt nicht mehr. Als sich der Engpass abzeichnete, legten die Duisburger rechtzeitig ein Lager an, das den Bedarf noch auf Jahre hinaus decken wird. Die Innenverkabelung entspricht zum Teil dem Reference-NF-Kabel aus dem Firmenprogramm, sogar das Kabel des Alps-Motorpotis – übrigens dem einzigen fernbedienbaren Bedienungselement des Amps – ist sorgsam ausgesucht und mit einem extrem schnellen Dielektrikum ausgestattet, besser noch als Teflon. Lange bevor es das Bleiverbot in Lötzinn gab, verwendete Symphonic Line zudem schon ein spezielles Silberlot, das in entsprechenden Versuchen überlegene Klangeigenschaften offenbarte.
Somit stimmt die verwendete Basistechnologie. Sie ist weitgehend konventionell, aber vom Allerfeinsten. Als zielführend für die Musikalität seiner Verstärker sieht Rolf Gemein aber die ergänzende „Resonanzmusterabstimmung“ seiner Geräte. Bei dieser werden neben weiteren Maßnahmen bestimmte Bauteile mit  kleinen Bitumenmatten beklebt und mit „C37“-Speziallack schwingungsoptimiert. Damit soll eine absolute „Zeit-Energie-Kohärenz“ der Signalverarbeitung einhergehen, die es in anderen Geräten so nicht häufig gibt. Das Ergebnis sollen eine ungebremste Energieentwicklung und -verteilung, ein Top-Timing „auf den Punkt“ und eine ausgeprägte musikalische Rhythmik sein. Ob dieses „merkwürdige“ Konzept aufgeht?

Leib und Seele der Musik

Zur „Resonanzmusterabstimmung“ gehört auch die Dämpfungsmatte auf den Kondensatoren

Welchen Anteil am Klangergebnis nun Philosophie oder Physik haben, ist letztlich vollkommen egal. Die „Legende“, die ihn seit Jahren umgibt und schon vor fast zwölf Jahren  zum Arbeitsgerät der Redaktion STEREO werden ließ, beruht ausschließlich auf dem, was dieses Gerät – nicht zu knapp – real und immer wieder verbessert an Stimmigkeit und Musikalität in den Hörraum bringt.

Aus unserer Sicht ist der RG 14 Edition ein audiophiler Zehnkämpfer, der Kraft und Seele miteinander verbindet. Er hat praktisch jeden Lautsprecher im straffen Griff und überzeugt durch eine große, offene Abbildung mit superben Klangfarben bei gleichzeitig hoher Präzision, Detailfreude und Körperhaftigkeit, die er aber einem enorm stimmigen ganzheitlichen Auftritt mit strukturiertem Fluss unterordnet. Davon können sich die vielleicht in Einzeldisziplinen überlegenen teureren Vollverstärker des Planeten nicht selten eine Scheibe abschneiden. So falsch kann Rolf Gemein demnach nicht liegen. Ein ganz billiges Vergnügen sind die Symphonic Line-Verstärker mit Preisen ab 3000 Euro gewiss nicht, aber man bekommt statt der üblichen Massenware von der Stange Top-Geräte, die überwiegend in Handarbeit entstanden, penibelst auf höchste Musikalität getrieben, im Detail individuell feinabgestimmt und zudem durch Upgrades zukunftssicher ausgelegt sind (siehe Kasten). Sowas nennen wie emotionale Intelligenz.

Profil

Symphonic Line RG 14 Edit. 2010
um € 3500
Maße: 45x11x41 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Symphonic Line
Tel.: 0203/314656
www.symphonic-line.de

Fazit

Sie suchen einen stimmigen Verstärker, der die Musik miterlebt und atmet, der instinktsicher Stimmungen auffängt und feinste Zwischentöne wiedergibt, der Bässe knarzen und Gitarrensaiten flirren lassen kann, der Position und Proportion wahrt sowie über ein tolles Timing verfügt? Dafür gibt’s fünf Sterne!

Messergebnisse

Dauerleistung an 8 | 4 Ohm
104 | 162 Watt pro Kanal
Impulsleistung an 4 Ohm
241 Watt pro Kanal
Klirrfaktor bei 50 mW | 5 Watt
0,016 | 0,04 | 0,055 %
Intermodulation bei 50 mW | 5 Watt
0,09 | 0,17 | 0,26 %
Rauschabstand CD bei 50 mW | 5
Watt 70 | 89 dB
Rauschabstand Phono MM/MC | 5 Watt
80 | 73 dB
Kanaltrennung bei 10 kHz
48 dB
Dämpfungsfaktor bei 4 Ohm
93
Obere Grenzfrequenz
81 kHz
Anschlusswerte
praxisgerecht
Gleichlauffehler Lautstärkesteller
0,9 dB
Leistungsaufnahme
Aus | Standby | Leerlauf
0 | – | 40 Watt

Klirrspektrum des Symphonic Line RG14 Edition 2010
Klirrspektrum

Labor-Kommentar

Vollverstärker mit durchweg guten Messwerten ohne Auffälligkeiten. Allenfalls die Intermodulation ist (gewollt) geringfügig erhöht, beim Klirr scheint die K2-Harmonische respektive die ganzzahlige Reihe angestrebt worden zu sein. Recht gut ist auch der Dämpfungsfaktor. Das nun aufgerüstete Testmuster von 5/2004 ist
etwas stärker und messtechnisch besser als damals.

Ausstattung

Fernbedienung (Lautstärke), gute MM/MC-Phonovorstufe, vier Hochpegeleingänge und einmal Tapeausgänge/Monitor, Pre Outs für Bi-Amping oder Subwoofer-Betrieb, ein Paar Lautsprecheranschlüsse, Kopfhörerbuchse, keine Klangregelungsstufe.

Zukunftssicherheit

Symphonic Line gibt sich nach eigenen Angaben nicht mit dem Erreichten zufrieden, sondern überarbeitet die eigenen Geräte auch von Zeit zu Zeit. Und aufgrund der Kleinserienfertigung sowie durchdachten Designs lassen sich die Komponenten jeweils auf den neuesten technischen wie klanglichen Stand bringen. So kann ein RG 14 bis auf den großen RG 10 Mk 4 ausgebaut werden – selbst wenn er schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Und dies zu Preisen, die nur geringfügig über der Preisdifferenz von Basis- und Zielgerät liegen. Auch einzelne Ersatzteile wie Knöpfe sind gegebenenfalls erhältlich oder etwa eine Auftrennbarkeit in Vor-/ Endstufe nachrüstbar. Konkrete Einzelbeispiele sind auf der Hersteller-Website zu finden. Individuelle Anfragen sind übrigens ausdrücklich willkommen.