Sie sind hier: HiFi-Test / Lautsprecher / Standboxen / B&W CM 9
17.09.2014

Test: Standlautsprecher B&W CM 9

Die Box mit dem gewissen „WAF“

B&Ws CM-Serie schließt die Lücke zwischen den Baureihen 600 und 800, ersetzt damit die auslaufende 700er-Range. Eine große Aufgabe für die Produktlinie, erst recht für das Flaggschiff CM9

Standlautsprecher B&W CM9
Wer das edle Hochglanzschwarz nicht mag, kann alternativ zwischen zwei Echtholzfurnieren (Nussbaum, Wenge) wählen. Die Abdeckung ist immer schwarz

Zu groß darf sie nicht sein, zu klobig oder technisch aussehen doch bitteschön auch nicht. Und wenn man sie nicht richtig abstauben kann und jeden Fingerpatscher sieht – igittigitt. Musikliebhaber, die auf der Suche nach einem neuen Lautsprecher, zudem auch noch verheiratet sind und für ihr Hobby keinen eigenen Raum zur Verfügung haben, sind nicht zu beneiden. Schließlich interessiert doch in erster Linie, wie das Ding klingt. Etwa nicht?

Was, liebe Lebensgefährtinnen, Freundinnen, Ehefrauen, wollt Ihr von uns? Ach so, Ihr habt da in einem B&W-Prospekt was gesehen, womit Ihr durchaus leben könntet? Na, prima! Allerdings habt Ihr Recht: Die CM-Serie der Briten, die jüngst um eine etwas größere Kompakte und das hier vorgestellte Flaggschiff mit der Nummer 9 erweitert wurde, verbindet in der Tat wohnraumfreundliches Design mit einem an edle Möbel erinnernden Oberflächenfinish und hochkarätige Bowers&Wilkins-Technik.

Hohe Erwartungen an die CM9

Da die renommierte Serie 700 Zug um Zug ersatzlos ausläuft, lasten gerade auf dem Topmodell CM9 hohe Erwartungen. Ihre „Quasi-Vorgängerin“ 703 ist uns bis heute als ausgesprochen homogen abgestimmte Alleskönnerin im Gedächtnis. Die aber, und insofern haben die Briten wieder Bestes geleistet, sogar in dieser Hinsicht von der CM9 noch übertroffen wird.

Kein Wunder, schöpft sie doch mit der exquisiten, sickenlosen Mitteltonmembran aus Kevlar, der rückseitig röhrenbewehrten (siehe Kasten oben) Hochtonkalotte, den beiden extrem steifen Basstreibern und der strömungsgünstigen „Flowport“-Bassreflexöffnung mit voller Kelle aus dem reichen Pool all der feinen Technologien, die für die B&W-Topliga, die Serie 800, entwickelt wurden. All diese Herrlichkeiten haben die Engländer in ein mechanisch superstabiles Gehäuse gepackt, das übrigens dank des überbreiten und schweren Sockels auch extrem kippsicher ist!

Einspielen und genießen

Detailansicht Standlautsprecher B&W CM9
Die breite, umlaufende Sockelplatte verhindert, dass die Box kippt. ­Stabile Spikes ­gehören natürlich zum Lieferumfang. Mit ihnen klingt’s besser als mit den Gummifüßchen

B&W-Freunde wissen es, Neukunden sollten diesen Rat beherzigen: Sowohl der Kevlar-Treiber als auch der Alu-Tweeter brauchen laaange Einspielzeit. Auspacken und loslegen ist nicht! Doch bereits nach einem „durchdudelten“ Wochenende, vermochte uns die glänzende Klangsäule in ihren Bann zu ziehen, verführte uns mit ihrem ganzheitlich absolut stimmigen und vollmundigen Charakter, dem es trotz leicht warmer Note nie an Details und feinen Nuancen fehlte, zu wahrhaft ausgedehnten Hörsitzungen.

Die Natürlichkeit der Stimmwiedergabe ist in dieser Klasse superb, die realistisch große und luftige Raumabbildung verdient Anerkennung. Die kräftige, aber nie dominante Basswiedergabe legt den Betrieb der knapp über einen Meter hohen Lautsprecher in ausreichend großen Räumen mit einem Mindestabstand von einem halben Meter zur Rückwand nahe. Noch knackiger und fokussierter wird die Wiedergabe bei leichter Einwinkelung der Lautsprecher auf den Hörplatz.

So rastet die Darbietung der CM9 auf so hohem Niveau ein, dass sie nicht nur ihre Ahnin 703 aussticht, sondern gar Phonars Preisklassen-Regentin „Veritas P 7“ (Test in STEREO 12/08) in arge Bedrängnis bringt. Die überragt die B&W optisch zwar deutlich, braucht mit ihrem massiven Bassfundament aber viel mehr „Auslauf“ und wirkt zudem in den Mitten nicht so geschmeidig wie die CM9. Von deren „WAF (Wife Acceptance Factor = auch Mädels lieben sie)“ gar nicht zu reden.

Nautilus ist überall

Die legendäre Klangschnecke „Nautilus“ hinterlässt bis heute ihre Spuren im B&W-Produktprogramm. So sind auch die Aluminiumkalotten-Hochtöner der CM-Serie (unten links) mit dem typischen Röhrchen auf dem Rücken versehen, das rückwärtige Reflexionen absorbiert und überflüssige Schallanteile nach hinten ableiten soll. Das extrem minimalistische Weichen­prinzip (unten rechts) vor dem Hochtöner – ein Filter 1. Ordnung (6 Dezibel), der nur aus einem einzigen Mundorf-Kondensator besteht, bildet die Weiche ­– ist ebenfalls ein inzwischen charakteristisches Merkmal aller B&W-Lautsprecher.

Die Entwickler in Steyning verweisen hier auf die These, dass je besser der mechanische Aufbau des anzutreibenden Chassis ist, desto einfacher die Weiche ausgelegt werden kann, da so kaum Unwägbarkeiten auftreten können, die elektronisch korrigiert werden müssten. Auch diese Erkenntnis lieferte schon die Ikone Nautilus.

Profil

B&W CM 9

Paar um €2500
Maße: 20x102x30 cm (BxHxT)
Garantie: 10 Jahre
Vertrieb: B&W Group Germany GmbH
Tel.: 05201/87170
www.bowers-wilkins.de

Fazit

Wie man aus dem Handel hört, ist die 2006 gestartete CM-Serie bislang ein voller Erfolg für B&W. Dem die wunderbar harmonisch klingende CM9 wohl die Krone aufsetzen wird. Dass sie auch optisch ungemein stimmig daherkommt, wird dem nur förderlich sein.

Messergebnisse

Nennimpedanz
4 Ω

minimale Impedanz
2,6 Ω bei 118 Hertz

maximale Impedanz
23,6 Ω bei 2874 Hertz

mittlere Empfindlichkeit (2,83 V/m)
88,1 dB SPL

untere Grenzfrequenz (-3 dB)
31 Hertz

Labor-Kommentar

Bis etwa 1,5 Kilohertz zeigt die CM9 einen sehr ausgewogenen Frequenzschrieb, darüber fällt der Pegel etwas ab – dies ist das typische Ergebnis unseres standardisierten Messverfahrens, welches wir aus Gründen der Vergleichbarkeit anwenden. In der Hörpraxis klingt die B&W zwar obenheraus fein abgerundet, Pegeleinbrüche sind aber nicht feststellbar. Nichtsdestotrotz bündelt der Hochtöner ziemlich stark, weshalb die CM9 auf den Hörplatz ausgerichtet werden sollte. Die Sprungantwort ist durchschnittlich gut, der Bass schwingt extrem schnell aus.