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18.12.2014

Test: Streaming/CD-Receiver Naim Uniti

Alleskönner und Weiberheld

Dass Naim auf den Trend der „Ich-kann-alles“-Geräte aufspringt, war von den Engländern nicht zu erwarten. Nun sprengt ihr Uniti glatt die Dimensionen der Klasse

Streaming Receiver Naim Unity

von Tobias Zoporowski

Mein Name ist Uniti. James Uniti.“ Was Naims jüngster HiFi-Coup und der liebste Agent ihrer Majestät gemeinsam haben? Hinter ihrem zurückhaltenden und eleganten Äußeren verbergen sich wahre Multitalente. Gut, die meisten „Bond“-Darsteller sind darüber hinaus Frauenhelden geworden. Aber wer sagt denn, dass dies dem „Uniti“ nicht auch passiert?

Zuerst die Fakten für die Kerle: Die ehedem so puristisch-traditionsbewussten Entwickler aus dem südenglischen Salisbury, die in den vergangenen beiden Jahren mit dem Top-Vollverstärker „SuperNait“ (Test in STEREO 8/07) und dem Festplattenspieler „HDX“ (Test in STEREO 2/09) Technik-Meilensteine setzten, haben unter die „Motorhaube“ des flachen Neulings gleich sieben (!) Einzelkomponenten gepackt. Als da wären: ein technisch auf dem Nait 5i (Test in STEREO 6/04) basierender Vollverstärker, ein CD-Player mit den Genen des CD5i (Test in STEREO 2/08), ein UKW-/ DAB-Empfänger, Internetradio, ein Audiostreamer, ein für externe Quellen nutzbarer D/A-Wandler und eine iPod-Schnittstelle, über die sich der Apple-Porti mit Hilfe des optional erhältlichen „n-Link“-Kabel (um 110 Euro) in vollem Funktionsumfang steuern lässt. Ohne die in die Frontplatte eingelassenen Klinken- und USB-Buchsen für weitere externe Geräte wie etwa MP3-Player und Kopfhörer unterschlagen zu wollen. Ein Tausendsassa also, den Naim hier auf die vier robusten Gummipuffer-Füße gestellt hat.

Das gut ablesbare, gestochen scharfe Display leuchtet in „Naim-Grün“
Das gut ablesbare, gestochen scharfe Display leuchtet in „Naim-Grün“

Intuitive Bedienung als oberstes Ziel

Und wie kann Mann/Frau eine solche „Medienmaschine“ ohne vorheriges Informatikstudium bedienen? Antwort: einfacher als manches Küchenradio aus den Fünfzigern! Im Ernst. Nehmen wir als Paradebeispiel das Webradio. Einen vorhandenen Internet-DSL-Anschluss vorausgesetzt, flugs den Router via Netzwerkkabel mit dem Naim verbinden, im Menü „Webradio“ wählen und etwa eine knappe Minute warten – schon hat man Zugriff auf abertausende Radiostationen im weltweiten Netz. Die Rate der Datenübertragung wird dabei praktischerweise angezeigt. Die mühselige Zuweisung von IP-Adressen und Freigabe von Netzwerkverbindungen entfällt, der Uniti erledigt das alles selbstständig. Genial! Aber Vorsicht: Die Entdeckungsreise im internationalen Rundfunk macht süchtig und sorgt für lange Nächte.

Ebenso simpel verbindet sich der Alleskönner mittels „UPnP“ (Universal Plug and Play)-Protokoll  entweder kabelgebunden (LAN) oder drahtlos (WLAN) mit Musikservern. In den etablierten Programmen wie dem Windows Media Player oder Apples ­iTunes hinterlegte Musikbibliotheken ­streamt sich der Naim in allen gängigen Formaten bis hin zu hochauflösenden WAV- oder FLAC-Dateien in bester Qualität aus Ihrem Rechner.

Das iPod-Kabel „n-Link“ kostet extra, erhöht Komfort und Klang aber ganz erheblich

Dagegen nimmt sich das, ebenfalls völlig unkomplizierte, Setup des Digitalradios DAB fast schon als Selbstverständlichkeit aus. Ist es aber – zumindest unter kniffligen Empfangsbedingungen, wie wir sie in unserem Verlagsgebäude vorfinden – durchaus nicht. Umso erstaunlicher, wie flott der smarte Engländer auf die Jagd durch den Äther geht und wie störungsfrei er seine „Beute“ zu Gehör bringt. Eine passende Zimmerantenne gehört leider nicht zum Lieferumfang. Eine solche kostet ja aber auch nicht die Welt.

Klang-Tuning für Digitalquellen

Hatte bereits der Ausnahme-Amp „SuperNait“ ein großes Herz für externe Digitalquellen, nimmt sich der Uniti an ihm ein Beispiel. Gleich vier Komponenten – etwa ältere CD-Player oder Sat-Receiver mit überholter oder nicht so hochwertiger Wandlertechnologie – können vom integrierten D/A-Wandler des Südengländers profitieren. Wir brachten im Test einen leicht betagten Satellitenempfänger (TechniSat Digicorder S1) klanglich auf Naim-Niveau. So knackig und präsent hatte der Fernsehton, den dieser an seinen analogen Ausgängen zur Verfügung stellt, bis dahin nie geklungen.

Nur echt mit Schwenklade – vor Inbetriebnahme unbedingt die Transportsicherung entfernen! Satter Ringkerntrafo (r.)

In jeder Hinsicht ein echter Naim

Trotz allem „neumodischen Zeugs“, wie es ein langjähriger Naim-Fan und Traditionalist aus meinem Bekanntenkreis mit skeptischem Gesichtsausdruck verkündete, ist der Uniti bei all seiner Ausstattungsvielfalt klanglich vor allem eines geblieben – ein waschechter Naim. Mit allen Attributen, die wir von der Marke erwarten. Grundtonstarke Schnörkellosigkeit, Sonorität und Agilität stellt das Multitalent in allen Lebenslagen und von allen Quellen zur Verfügung. Der Bassbereich wirkt straff, lebendig und „fettfrei“.

Eine angemessene Einspielzeit – etwa zwei bis drei Tage – dankt der Naim mit einem ungemein facettenreichen und samtigen Obertonspektrum, das niemals hart und spitz zu werden droht. Selbst dann nicht, wenn die Musikdaten vom iPod oder einem anderen  Porti nicht in höchstmöglicher Güte und Auflösung vorliegen. Spaß macht`s mit dem flachen Briten immer!

In dieser Hinsicht ist seine enge Verwandt­schaft zu seinen „Solo“-Geschwistern Nait 5i und CD5i unüberhörbar. Auch sie musizieren stets unheimlich aufmerksam, wach und auf den Punkt, stellen im Verbund Informationen über die Tiefe und Breite des Raumes etwas umfangreicher und luftiger dar als der Uniti. Hört man die Einzelkomponenten im Direktvergleich gegeneinander an, was die Anschlussvielfalt des All-in-one-Receivers (CD 5i als Quellgerät via Analogeingang; Uniti als Quelle an Nait 5i mittels Line-Out) problemlos ermöglicht, schrumpfen diese Unterschiede zu fast vernachlässigbaren Marginalien zusammen. Wer sich also für den „Mehrkämpfer“ begeistern kann, muss keine klanglichen Einbußen fürchten. Eingedenk der Tatsache, dass der Uniti viel mehr in sich vereint als „nur“ einen Vollverstärker und einen CD-Player, mutet auch sein zunächst recht stolzer Preis fast wie ein Sonderangebot an. Mit  etwa 2300 Euro etwas günstiger kalkuliert ist der im hochglanzpolierten Retro-Look daherkommende CD-Receiver „Note“ des japanischen Herstellers Aura, der sich in STEREO 9/08 mit seinem saftigen und vollmundigen Klangcharakter in die Testerherzen spielte und dem Naim im Hörvergleich seine stolzgeschwellte Brust entgegenstemmte.

Ob Netzwerk-, iPod-, Phono-, RS-232-Schnittstelle – der Naim ist an Vielfalt kaum zu toppen

Und lange sah es durchaus nach einem Unentschieden aus: Sollten wir nun dem mit unheimlich breitem Strich kräftig malenden Aura oder dem wie durchtrainiert straff und trocken intonierenden Naim den Vorzug geben? Beide sind – jeder auf seine Art – eine Sünde wert. Letztlich, nach ausführlichem Quercheck durch alle möglichen Musiksparten, zeigte der Engländer eine etwas klarere innere Ordnung und Struktur während seiner Darbietungen, verbunden mit einer audiophiler anmutenden Leichtfüßigkeit und Stringenz, etwa bei Orchester-Tutti.

HiFi-Enthusiasten sind Spielkin­der. Das Experimentieren und die Möglichkeiten zum Tuning und modularer Erweiterbarkeit der eigenen Kette sind Teil des Hobbys. Ressentiments gegenüber hochintegrierten Multifunktionskomponenten wie dem Uniti mögen im Einzelfall berechtigt sein. Beim Naim gehen sie ins Leere. Denn selbstverständlich lässt er sich, wie viele Verstärkerkollegen gleichen Hauses, etwa um eine Endstufe erweitern. Auch ein Naim-Phono-Pre findet, per DIN-Eingang, Gehör am Uniti.

Der Umspanner sorgt für genügend Saft. Der Kippschalter (l.) trennt den Uniti komplett vom Netz

Oder stellen Sie sich vor, Sie würden Ihre gesammelte Musikbibliothek von einem externen Server zuspielen, Möglichkeiten über Möglichkeiten. Die bei der Netztechnik längst nicht erschöpft sind: Schließlich hält das Naim’sche Sortiment die Top-Strippe „Powerline“ (um 500 Euro) bereit. Damit legte der Brite im Test vor allem in Sachen Dynamik noch eine ordentliche Schaufel obendrauf.

Zwei Wünsche frei?

Gibt’s denn gar keine Wünsche? Doch. Schön wäre, wenn Naim das iPod-Steuerkabel n-Link, das der Kunde ja unabdingbar braucht, um volle Kontrolle über seinen Porti zu haben, zum Bestandteil des Lieferumfangs erklären würde – ebenso eine DAB-Antenne. Und wenn Sie mich jetzt fragen, ob ich für mein persönliches HiFi-Glück tatsächlich noch mehr Anlage als den Naim Uniti bräuchte? Nein. Das findet wiederum auch meine Frau gut. So ist der schwarze Alleskönner letztlich doch noch zum „Weiberhelden“ ihrer Majestät geworden. Sein Name? Uniti. James Uniti.

Profil

Naim Uniti

um € 2600
Maße: 44x9x33 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: Music Line
Tel.: 04105/77050
www.musicline.biz

Fazit

Wir versuchen stets, uns nicht der Umgangs- oder Vulgärsprache zu bedienen, aber raus muss es doch: Naims Uniti ist eine Rampensau! Er hat und kann alles, was man von einer kompletten Anlage modernster Bauart erwarten kann, paart dies mit dem typisch knackig-kernigen Naim-Klangbild zu einer Allround-Komponente, die derzeit ihresgleichen sucht. Und vermutlich nicht findet. Angesichts dessen ist auch der Preis sehr fair kalkuliert. Was bleibt uns übrig? Fünf Sterne!

STEREO Bewertung Naim Uniti

Laborreport

Dauerleistung an 8 | 4 Ohm
46 | 69 Watt pro Kanal

Impulsleistung an 4 Ohm
83 Watt pro Kanal

Klirrfaktor bei 50 mW | 5 Watt | Pmax –1 dB
0,011 | 0,015 | - %

Intermodulation bei 50 mW | 5 Watt | Pmax –1 dB
0,085 | 0,043 | - %

Rauschabstand CD bei 50 mW | 5 Watt
68 | 88 dB

Kanaltrennung bei 10 kHz
74 dB

Dämpfungsfaktor bei 4 Ohm
16

Obere Grenzfrequenz (–3 dB, 4 Ω)
55 kHz

Anschlusswerte
unkritisch

Gleichlauffehler Lautstärkesteller bis –60 dB
0,1 dB

Leistungsaufnahme Aus | Standby | Leerlauf
0 | - | 32 Watt

Kommentar: Die Empfangseigenschaften des UKW-Tuners bezeichnet unser Laborleiter als „typisch britisch“. Kanaltrennung und Rauschabstand sind nicht so toll, am Kabel gibt´s aber keine Probleme. Dazu ist er sensationell übersteuerungsfest! Auf Oberflächen- und Informationsspurfehler reagiert das CD-Laufwerk sensibel.

Ausstattung

Ausgänge

  • Lautsprecher (1 Paar)
  • Line Out (Cinch)
  • Subwoofer (2 x Mono, Cinch)
  • Vorverstärker (DIN, 4-polig)
  • Kopfhörer (3,5-Millimeter-Klinke)

Eingänge

  • UKW/DAB-Antenne (F-Buchse)
  • Hochpegel (3 x Cinch)
  • AUX-IN (3,5-Millimeter-Klinke)
  • DIN-Buchse für Naim-Phonostufe
  • 5 Digitaleingänge (S/PDIF, Toslink, koaxial)
  • USB-, Ethernet-, iPod-Connector
  • RS-232-Schnittstelle

Unterstützte Tonformate

  • Webradio (WMA, MP3, MMS)
  • MP3, AAC (bis 320 kBit/s, CBR/VBR)
  • Apple Lossless
  • WAV, FLAC, OGG Vorbis

Sonstiges

  • Fernbedienung
  • Wechselbares Netzkabel
  • „Harter“ Netzschalter

Unitis Gen-Spender

Äußerlich änderte sich bis auf ein kursiv statt aufrecht gedrucktes „i“ im Typenschild des Naim’schen Einsteiger-Players nichts, als wir eben jene Version des CD 5i in STEREO 2/08 testeten. Klanglich schob er sich dank eines neuen D/A-Wandlers und kleinerer Modifikationen dicht an seinen größeren Kollegen CD 5x heran. So resümierten wir seinerzeit, dass es mehr Naim-Klang fürs Geld nie zuvor gab.

Auf den „kleinen“ Vollverstärker Nait 5i, der seit unserem Test in STEREO 6/04 ebenfalls eine moderate Frischzellenkur erfahren hat, trifft dasselbe zu. Wer die Klangwelten der Südengländer entern möchte, kommt an den „Intro“-Modellen – dafür steht das kleine „i“ – nicht vorbei.

Volle Befehlsgewalt: Mit dem Infrarotgeber lässt sich die Feature-Flut des Naim bequem steuern