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20.12.2014

Klassiker: Vorstufe Sansui CA-3000

Der Rote Baron

Sansui mutiert auf dem Gebrauchtmarkt immer mehr zur Kultmarke – kein Wunder angesichts der Qualität! STEREO hat sich den schwarzrot ­gewandeten Top-Vorverstärker CA-3000 von 1976 näher angesehen

Anstelle von Purismus Ausstattung satt: So stellte man sich Mitte der 70er Jahre eine Top-Vorstufe vor, die als Herz eine High End-Anlage steuerte

Tom Frantzen

Mitte der 70er Jahre war die Ära der Super-Vorstufen mit immenser Ausstattung. In diese Zeit fielen etwa die Yamaha C-1, Luxmans CL-350, Marantz’ Model 3800, die GAS Thaedra und die SPEC-Baureihe von Pioneer, um nur einige zu nennen.

Selbst heute, rund 35 Jahre nach dem Stapellauf dieses Vorverstärkers, ist der Anblick des Sansui CA-3000 außerordentlich beeindruckend. Aber der japanische Hersteller wollte selbstbewusst auch immerhin 3250 Mark dafür haben – eine Menge Geld, vor allem inflationsbereinigt für die 70er Jahre. Damals konkurrierte Sansui direkt mit Accuphase.
Positiv fallen sofort die enorme Materialschlacht und hochwertige Verarbeitung auf, die sich auch im Gewicht dieser Vorstufe von 13,3 Kilogramm niederschlagen. So viel wiegen heute wie damals eher ernst zu nehmende Voll- als Vorverstärker. Das burgunderrote Gehäuse wirkt ausgesprochen wertig und kontrastiert in gelungener Weise mit der schwarzen Front sowie den beiden cremeweiß hinterlegten VU-Metern, wenngleich eine gewisse Orientierung an McIntosh auch nicht ganz von der Hand zu weisen ist.
Der aufwändige FET-Phonozweig mit Doppel-Differential-FET-Verstärker und SEPP Class A-Ausgangsstufe unterstützt zwei Plattenspieler, gestattet drei schaltbare Empfindlichkeiten, bis zu drei Impedanzen und zudem verschiedene Eingangskapazitäten, verzichtet aber auf einen MC-Eingang. Der Innenaufbau erinnert mit seinen Einschüben an einen PC, ist – mit Ausnahme der feinen Kontaktstifte – servicefreundlich und wird von einem riesigen Ringkerntrafo dominiert, der auch einem Vollverstärker gut stünde.

Für den Technik-Fan hilf- und aufschlussreich ist das „on top“ sichtbare Blockschaltbild des Sansui-Vorverstärkers

Bedienung: Luxus pur

Das ganze Konzept ist auf Dynamik ausgelegt, sprich hohe Aussteuerungsreserven und geringes Rauschen. Die übersäte Front verrät Klangregler für Hoch-, Mittel- und Tiefton, diverse Filter und drei anschließbare Aufnahmegeräte samt aller denkbarer Querverschaltungen. Haptisch sind insbesondere die nach wie vor satt klackenden Kippschalter ein Gedicht. Beim ebenso üppigen Anschlussfeld fällt die pultartige Anordnung auf, die selbst im Regal guten Zugriff beim Verkabeln gestattet. Im „Gerätefuhrpark“ des Autors weist nur die GAS Thaedra ebenfalls diesen durchdachten Aufbau auf.

Die kleinere Sansui CA-2000 der „Professional“-Baureihe fiel dagegen als gute, aber deutlich abgespeckte, eher pragmatisch ausgestattete und günstiger positionierte Vorstufe etwas ab, auch klanglich. Der legendäre UKW-Tuner TU-9900 – 1979 nur noch vom TU-X1 aus gleichem Hause übertroffen und von diesem als Referenz der HiFi Stereophonie „entthront“ – passte vom Design her zu beiden Baureihen.

Folgender Sparkurs

Dem Ausstattungswunder folgte 1979 die eher puristische, ultraflache Sansui CA-F1 als Spitzenvorstufe im Portfolio. Erst Mitte und Ende der 80er Jahre griff Sansui das Projekt Top-Vorstufe wieder auf und lancierte die Modelle C-2301 und die noch aufwändigere C-2302 samt Leistungsverstärkern B-2301/2302 in fünfstelligen DM-Rängen. Aber die CA-3000 ist und bleibt das Beste, was Sansui 1975/76 bauen konnte – und das bedeutet schon einiges.

Der klangliche Auftritt ist für diese Zeit Sansui-typisch, sprich druckvoll, satt und farbig, gut aufgelöst und offen, dabei etwas mittiger, weicher und nicht so pfeilschnell tönend wie die späteren DD/DC-„High Speed“-Geräte, dennoch in sich stimmig und ausgesprochen gut.

Wer eine zur CA-3000 passende Endstufe suchte, konnte innerhalb der „Definition“-Baureihe zwischen der BA-3000 (2x 170 Watt RMS) und der – wie McIntosh-Amps ähnlichen Kalibers mit Ausgangstrafos ausgestatteten – zentnerschweren BA-5000 (2x300 Watt RMS) wählen, die als „unkaputtbar“ galt und immer noch in etlichen Diskotheken arbeiten soll.

Die günstigste Variante, an eine Kombination von CA-3000 und BA-3000 heranzukommen stellt freilich der zeitgenössische Vollverstärker AU-20000 dar, der – zumindest im Wesentlichen – beide Geräte unter einem Dach vereint, was von Sansui bestätigt wurde – und sich beim späteren Vollverstärker AU-919 als Quasi-Fusion aus CA-F1 und BA-F1 wiederholte. Der Gebrauchtpreis für einen gut erhaltenen, funktionstüchtigen Klassiker CA-3000 dürfte heute zwischen 500 und 1000 Euro liegen. Eine modernere CA-F1 oder C-2101/2102 ist deutlich günstiger zu haben, während die letzten Flaggschiffe C-2301/2302 nebst Endstufen nur in homöopathischen Stückzahlen zu kriegen und entsprechend teuer sind. C-77 und C-1000 sind weniger sammelwürdig.

Stichwort

DD/DC

Extrem schnelle, breitbandige (0-300/600k Hz) und verzerrungsarme „Diamond Differential/Direct Coupled“-Schaltung.

Sansui heute

1947 gegründet, liegen die Glanzzeiten der Marke mittlerweile lange zurück. 1958 kam mit der Q-3535 die erste Stereo-(Röhren-)Endstufe des Hauses auf den Markt, in den 60er, 70er und 80er Jahren, bedingt bis in die 90er, folgten vor allem erstklassige Verstärker (u.a. AU-X1, AU-111, AU-717/919, AU-Alpha 907), die Tuner (TU-X1, TU-9900) und Receiver (9090, G-9000, G-22000/ 33000). Den Spagat zwischen Qualität und Massenware überlebte Sansui in der alten Form nicht. 1987 wurde das bewährte Logo geändert, seit 2000 verfügt Sansui offenbar nicht mal mehr über eigene Fertigungskapazitäten und ist praktisch zum Elektronik-Label geworden, das etwa günstige Radios, Röhrenamps und DVD-Player „ziert“. Nennenswerte Umsätze generiert Sansui als Marke noch in Asien, vor allem in Indien, allerdings eher mit Flachbild-TV. Schade!

Das genial gestaltete Anschluss­pult erleichtert im Regal die Verkabelung. Zwei gleichberechtigte Ausgänge gestatten Bi-Amping und Subwoofer-Betrieb
Beispielhaft stabil, hochwertig und modular wusste der innere Aufbau des Sansui zu gefallen. Böse Ausfälle sind selten, Kontaktprobleme häufiger