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23.10.2014

Test: Standlautsprecher KEF iQ 90

Voll auf Speed

Kefs große iQ 90 konnte uns mit ihrem lebendigen Charakter und einem musikalisch treibenden Tonfall begeistern

Die beiden 16-Zentimeter-Bässe einer iQ 90 werden von je einem eigenen Bassreflex-Rohr unterstützt. Oben erkennt man das Uni-Q-Chassis

von Carsten Barnbeck

Vorwärts, vorwärts – etwas anderes kennt diese Box einfach nicht! Kein Wunder, denn immerhin ist Kefs iQ-Serie ja berüchtigt für ihren spritzigen Tonfall. Dass aber auch das große Flaggschiff, die iQ 90, mit einem derart hohen Maß an Lebendigkeit und einem überaus knorrigen, schlanken sowie weitsichtigen Charakter punkten kann, hat uns dann doch in Erstaunen versetzt.

Wir haben uns zunächst wohl von den konstruktiven Voraussetzungen in die Irre führen lassen: Die Standbox ist als Drei-Wege-System ausgelegt, dessen reichhaltiger Hochton gemeinsam mit den natürlichen und verfärbungsfreien Mitten aus Kefs einzigartigem Uni-Q-Chassis tönt. Direkt darunter befinden sich gleich zwei 16 Zentimeter durchmessende Bässe, die mit je einer eigenen Bassreflexöffnung versehen sind.

Wer deshalb aber ein Maximum an Schubkraft erwartet, wird enttäuscht sein. Die Kef musiziert sogar im Gegenteil ziemlich leichtfüßig und bietet einen angenehm straffen und knochentrockenen Bass, der einerseits zwar tief hinunterreicht, sich aber sehr harmonisch und ohne jede Aufdringlichkeit ins Klangbild einbettet. Damit macht er den Weg frei für das herausragendste Merkmal dieser Box: ihre unerhörte Musikalität. Die iQ 90 betört ihre Zuhörer mit anspringendem Spielspaß, enormer Flüssigkeit und einer zackigen, sehr feinfühligen Dynamik.

Wie alle iQs ist auch die 90 ab Werk mit Silber-Kabelbrücken bestückt

Dass sie sich letzten Endes hinter der Phonar und Cantons Karat einreihen muss, liegt ironischerweise an denselben Eigenschaften. Sie ist den Mitbewerbern hinsichtlich Auflösung und Straffheit sogar überlegen und bietet mindestens so viel Punch wie eine P 5, kann aber nicht mit deren Farbfülle und Wärme in der Mittenabbildung konkurrieren. Das macht sie auch etwas wählerischer bei ihren Spielpartnern, und der Hörraum sollte nicht zu hell klingen. Zuletzt sollte man sich bei der Aufstellung etwas Zeit nehmen, denn die richtige Einwinkelung kann entscheidend sein. Exzellent funktioniert der spritzige Lautsprecher übrigens – ein hoher Wirkungsgrad macht’s möglich – in Kombination mit kleinen Röhren-Amps.

Messergebnisse

Nennimpedanz: 4 Ω
minimale Impedanz: 3,5 Ω bei 11494 Hertz
maximale Impedanz: 19,4 Ω bei 21 Hertz
mittlere Empfindlichkeit (2,83 V/m): 90,1 dB SPL
untere Grenzfrequenz (-3 dB): 40 Hertz

Gutes Timing, exzellentes Ausschwingverhalten und linearer Frequenzgang mit Hub in den Höhen; sollte für hohe Natürlichkeit gerade in den Hörraum ausgerichtet werden.

Frequenzgang
Sprungantwort

STEREO-Ausgabe

Dieser Artikel erschien in STEREO 07/2009

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Profil

KEF iQ 90

Paar um € 1600
Maße: 22 x 94 x 35 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: GP Acoustic
Tel.: 0201/17039-110

www.kef-audio.de

Lebhafte und überaus musikalische Standbox mit neutralen Mitten und knorrigem Bass. Hervorragende Auflösung!