Sie sind hier: HiFi-Test / Klassiker / Braun Regie 510
15.09.2014

Klassiker: Receiver Braun Regie 510

Der Kultregisseur

Bis in die 80er Jahre fertigte das 1921 gegründete und heute zum Procter&Gamble-Konzern gehörende Unternehmen Braun exquisite Unterhaltungselektronik – wie den „regie 510“

Brauns Regie 510 macht auch heute noch eine gute Figur – immerhin wird dieser Receiver in drei Jahren 40 Jahre alt!

von Tom Frantzen

Als der „Braun regie 510“ 1972 im schwarzen Stahlblechkleid das Licht der Welterblickte, war er ohne jeden Zweifel seiner Zeit voraus. Der brauntypisch von Dieter Rams überlegen gestaltete Receiver, damals noch als Steuergerät oder „Empfänger-Verstärker“ bezeichnet und natürlich mit DIN-Anschlüssen sogar für die Lautsprecher versehen, versprach Topklasse sowohl im Empfangs- als auch im Verstärkerteil.

Richtig guter Radioempfang samt prima Klang sowie mit rund 2 x 40/60 Watt an 8/4 Ohm ordentliche Ausgangsleistung standen bei diesem Gerät klar im Vordergrund, die Ausstattung ist ordentlich, aber nicht überbordend, eher äußerst gut durchdacht und praktisch, was etwa Rausch- und Rumpelfilter betrifft. Ähnliches ist über die geradezu „idiotensichere“ Bedienung zu sagen. „Grün“ ist der Einschalter, „Rot“ der UKW-Betrieb, wobei auch Mittel-, Kurz- und Langwelle empfangbar sind. Schwungräder und zuschaltbare Senderfestsetzung (AFC) machen das Ganze auch haptisch ansprechend.

Der Lautstärkesteller übernimmt eine Doppelfunktion, denn stärker ins Gehäuse hineingedrückt wird eine gehörrichtige Frequenzgangkorrektur, sprich Loudness, generiert, herausgezogen dagegen bleibt der Frequenzgang auch bei kleineren Pegeln flach, während der Balanceregler auch eine Art Vorpegelung übernimmt. Selbst die Klangregelung ist mit Zwei-Ebenen-Reglern ausgeführt, um etwa kanalungleiche Raumverhältnisse angleichen zu können.

Weitere DIN-Geräteanschlüsse (für Phono MM, Reserve und Band) sind unten am regie 510 in einer Art Schacht versteckt.

Solides HiFi-Gerät

Alles ist sehr praxisorientiert gehalten. So ist es nahezu unmöglich, etwa den Phonoeingang zu übersteuern, und die zuschaltbaren Filter wirken aufgrund intelligenter Wahl von Dämpfung und Frequenz zwar, aber beeinträchtigen dennoch so wenig wie möglich.

Das Schwestermodell CEV 520, bekannter als „regie 520“, wies eine zweite Kopfhörerbuchse und Vorstufenausgänge auf, zudem wurde bei diesem zwecks Störunterdrückung der Eingang Band bei Nichtbenutzung kurzerhand auf Masse gelegt. Es gab offenbar auch eine gänzlich endstufenlose Variante namens CES 1020, sprich einen „Preceiver“, der im Set mit den Aktiv-Lautsprechern LV 1020 beworben wurde.

Aus heutiger Sicht ist tatsächlich vor allem der empfindliche und trennscharfe Empfänger mit überragender Störungsunterdrückung sowie ausgezeichneten Skalen und Instrumenten für Ratiomitte und Feldstärke ein Sahneteil. Anfang der 70er galt dies aber auch für den eingebauten Verstärker.

Testerprobte Qualität

Die ehrwürdige Fachzeitschrift HiFi Stereophonie kam – im Testjahrbuch´73 – zu folgendem Testurteil: „Unsere ... Messwerte zeigen selbst dem Laien, dass der Braun Empfänger-Verstärker ,regie 510’ ausnahmslos sehr gute Übertragungseigenschaften aufweist ... Vergleicht man beim ,Braun regie 510 Empfänger-Verstärker’ Preis, Gesamtaufwand und Leistung miteinander, so lässt sich sagen, dass dieses Gerät seinen  Festpreis von DM 1750,- in jeder Beziehung wert ist. Dieser Empfänger-Verstärker übertrifft nicht nur bei weitem alle Mindestforderungen der DIN 45500, sondern ist zugleich wegen seiner in jeder Beziehung hervorragenden Qualität der absoluten HiFi-Spitzenklasse zuzuordnen.“

Die Summe von 1750 DM war damals und ist noch heute zwar – dies galt naturgemäß erst recht im Jahre 1972 – eine ganze Stange Geld für eine HiFi-Steuerzentrale, aber dafür erwarb man in aller Regel ein bis in diese Tage funktionierendes Stück Designgeschichte.

Stichwort

AFC

Automatic Frequency Control, eine veraltete Funktion, um die eingestellte Senderfrequenz zu stabilisieren. Später von Quartz überholt.

Heute eher ungewöhnlich vielseitig ausgelegt sind Klangregelung und Modusschalter (Mono/Stereo)
Rappelvoll und funktional sinnvoll getrennt mit TO3-Leistungstransistoren und Trafo abgeschirmt weit hinten im Gehäuse: Braun regie 510
Manche der erweiterten Anschlussmöglichkeiten werden erst beim Blick von unten auf das Gehäuse des regie 510 offenbar