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21.10.2014

Report: Brandschutz

Feuer und Flamme

Als häufigste Brandursache gilt neben der vergessenen Kerze die Elektrizität. Gut jeder vierte Brand lässt sich auf Elektrogeräte zurückführen. Das wirft die Frage auf: Wie sicher ist deren Betrieb?

von Tom Frantzen

Im April 2009 meldeten die Sachverständigen der DEKRA, dass eine Brandgefahr grundsätzlich bei allen Geräten gegeben sei, die ans Stromnetz angeschlossen sind. Dies gelte insbesondere für Netzteile von Handys, externe Festplatten und – man beachte - Unterhaltungselektronik.

Man möchte aus unserer Sicht ergänzen, dass insbesondere Billigprodukte wie No-Name-Ladegeräte für Akkus etwa von Digitalkameras oder Medienportis diesbezüglich natürlich eher mit Argwohn zu betrachten sind als hochwertige Markengeräte.

Grundsätzlich ist es aber richtig, dass ein ans Stromnetz angeschlossenes Gerät im Defektfall ein Risiko darstellt. Diesem Risiko kann aber mit gesundem Menschenverstand sowie einer gewissen Sorgfalt begegnet werden.

STEREO empfiehlt:

1. Nicht benötigte Verbraucher grundsätzlich ausschalten und bei längerem Nichtgebrauch vom Netz trennen.

Das gilt insbesondere für hitzeerzeugende und zudem stromzehrende Geräte wie Heizöfen, Bügeleisen, Heizdecken, Kochplatten, Fön, Toaster und Kaffeemaschinen, aber natürlich auch für Class A- oder Röhrenendstufen. Dass man derartige Geräte ebenso wie offenes Feuer nicht über längere Zeiträume unbeaufsichtigt lässt und zusätzlich im Umfeld solcher Geräte keine Zeitungsstapel oder andere brennbare Stoffe lagert, liegt wohl auf der Hand. Für Vorsichtige empfehlen sich Zeitschalter. Diese sind bei Elektronikversendern als Zwischenstecker erhältlich und schalten etwa die Kaffeemaschine nach 30 Minuten ab.

2. FI-Schalter in sämtliche Stromverteilerkästen einbauen.

So genannte Fehlerstromschutzschalter (FI oder RCD) schützen im Defektfall und können etwa bei Isolationsfehlern so manchen Brand ebenso verhindern wie den klassischen Krimimord mit dem Fön in der Badewanne. Wer kleine Kinder im Haushalt hat sollte darauf ohnehin nicht verzichten und auf die Fehlerstromauslösung schon bei 0,01-0,03 Ampere achten.

3. Einzelne Stromkreise nicht durch große oder zu viele Verbraucher (Steckerleisten) überlasten und vorschriftsmäßig absichern.

Achten Sie darauf, in Absprache mit Ihrem Elektriker einzelne Stromkreise – bei üblichen Kabelquerschnitten von 3 x 1,5 Quadratmillimetern mit 10-16 Ampere abzusichern und diese nicht zu überlasten. Mehr ist nur bei kräftigeren Kabeln zulässig, das hängt mit dem möglichen Erwärmungsgrad der Kabelinnenleiter zusammen. Der Verbrauch ist auf der Rückseite oder am Stecker eines Gerätes vermerkt. 10 Ampere Leitungsschutz bedeuten insgesamt, also bei Addition aller Verbraucher, maximal 2300 VA (oder Watt), 16 Ampere 3680 VA (oder Watt) Belastbarkeit. Die Formel hierfür lautet 230 Volt x 10 Ampere = 2300 VA bzw. 230 Volt x 16 Ampere = 3680 VA.

4. Vermeiden Sie nach Möglichkeit Standby-Betrieb.

Das verhindert unnötigen Stromverbrauch, und die „harte“ Trennung vom Netz reduziert naturgemäß jedes Risiko. Oft werden Geräte oder Netzleisten allerdings dennoch nur einpolig vom Netz getrennt – und da die deutschen Steckdosen nicht eindeutig die Phase zuordnen, können trotz Schalter rund um die Uhr 230 Volt im gesamten Gerät gegen Erde anliegen. Also besser Stecker ziehen.

5. Die meisten Todesopfer fordert bei einem Brand nicht das Feuer, sondern der Rauch! Installieren Sie UNBEDINGT Rauchmelder (möglichst mit VdS-Zeichen)!

Diese Lebensretter sind spottbillig! Sichern Sie mit Priorität Schlaf- und Kinderzimmer sowie Treppenhäuser oder Zugangsflure ab. Die Montage erfolgt am höchsten Punkt mittig im Raum. Um lästigen Fehlalarm zu vermeiden, lassen Sie die Küche und die Decke unmittelbar über dem Kaminofen aus. An letzterer Stelle ist ein (etwas teurerer) Kohlenmonoxidmelder sinnvoller.

6. Kaufen Sie nicht blind die billigstmöglichen Kleingeräte.

Achten Sie auf Prüfsiegel wie GS (Geprüfte Sicherheit) und VDE-Kennzeichnungen sowie Testergebnisse etwa der Stiftung Warentest.

7. Bei Störungen sofort den Netzstecker ziehen!

Geräte mit erkennbaren Gehäuse- oder Kabelschäden sowie unangenehmer Geruchs- oder unangemessener Hitzeentwicklung dürfen  nicht mehr betrieben, sondern müssen einem Fachmann gezeigt werden. Als Laie keine Reparaturen durchführen!

8. An Überspannungsschutz denken! Mehrstufige Blitzschutzanlagen im Schaltkasten und Blitzschutzadapter in der Steckdose – als Ergänzung zum äußeren Blitzschutz (Blitzableiter) – leiten Überspannungen zuverlässig ab, dies gilt sogar für Blitzeinschläge in der weiteren Nachbarschaft.

Sie sind unbedingt zu empfehlen für PC, ISDN/DSL und TV. Einem Blitztreffer ins eigene Haus sind solche Gerätschaften selten gewachsen. Bei längerer Abwesenheit und bei akutem Gewitter muss es deshalb heißen: Stecker raus! Davon ausgenommen sind – notgedrungen – Kühl- und Gefriergeräte.

9. Hausrat- und Gebäudeversicherung prüfen und ggf. abschließen/aktualisieren.

10. Ein regelmäßig gewarteter Feuerlöscher und/oder eine Feuerlöschdecke sollten vorhanden und gut zugänglich sein.

11. Hin und wieder sollten auch Privatleute ihr Stromnetz überprüfen lassen (E-Check).

Nach dem Renovieren auch die Schutzleiter an den Steckdosen auf Farbreste prüfen! Die Erdung (Schutzleiter) muss intakt sein!

Im Brandfall:

Ruhe bewahren!

Elektrische Geräte und Speisen auf dem Herd niemals mit Wasser löschen!

Fenster und Türen schließen, alle anderen Personen warnen und umgehend das Haus verlassen. Am Telefon 112 wählen.

Im Normalfall geht vom Stromnetz keine unmittelbare Gefahr aus. Sie ist allenfalls potenziell im Defektfall oder bei extremer Einwirkung von außen (Blitzeinschlag) sowie bei Fahrlässigkeit gegeben. Passen Sie also ein wenig auf, benutzen Sie beim Gerätekauf den gesunden Menschenverstand und vergessen Sie die Rauchmelder nicht!

Kommentar

Dipl.-Ing. Herbert Schmolke, VdS Schadenverhütung GmbH:

„Insgesamt ist das Risiko, wenn irgendwo konstant und ständig an einem Gerät 230 Volt anliegen, selbstverständlich höher, als wenn dies nicht der Fall wäre. Bei einem – leider nicht selten vorkommenden – Neutralleiterbruch kann es zur Spannungsverschiebung kommen, die eine Standby-Schalteinrichtung mit fast 400 Volt statt mit 230 Volt beaufschlagt. Das wird diese kaum lange aushalten. Vielmehr wird sie sich rauchend und brennend verabschieden.“

Kommentar

Ulrich Behrendt, Vizepräsident Deutscher Feuerwehrverband:

„Vom Stromnetz, soweit es fachmännisch installiert wurde, gehen keine Brandgefahren aus. Wenn es zu Brandereignissen durch die Versorgungsleitung kam, waren immer grobe Fehler die Auslöser, z.B. stärkere Sicherungen eingebaut, Kabelisolation beschädigt usw. Die Vielzahl der Kleinbrände im Haushalt entstehen durch Überlastung, etwa Mehrfach-Steckerleisten unbekannter Produktion (oft ohne Prüfzeichen), an die alle möglichen Verbraucher angeschlossen werden. Auch Steckernetzteile und eingebaute Netzteile können bei einem Kurzschluss schnell die Brandursache sein. Nicht benötigte Geräte sollte man vom Stromnetz trennen, Standby vermeiden und Rauchmelder installieren.“

Kommentar

Tom Frantzen, Geschäftsführender Redakteur STEREO:

Tom Frantzen

„Bei vernünftigem Umgang mit elektrischen Betriebsmitteln wird gar nichts passieren. Dennoch kann ich aus eigener Erfahrung nur zu Rauchmeldern raten. Als es bei uns vor zwei Jahren nachts im Kinderzimmer zu einem Brand kam, haben diese Lebensretter – parallel zu aufmerksamen Nachbarn – zuverlässig reagiert, und wir konnten die Kinder in
Sicherheit bringen und selbst löschen, noch bevor die Feuerwehr kam.“

Feuermelder
Unverständlich, dass es keine Installationspflicht gibt: Rauchmelder sind ein MUSS für jeden Haushalt!

Die häufigsten Brandursachen

Brandstatistik
Quelle: IFS Institut für Schadenverhütung und Schadenermittlung der öffentlichen Versicherer