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22.10.2014

Test: Vollverstärker NAD C326BEE

Pure Spielfreude

NAD hat seinen Fünf-Sterne-Kracher C325BEE in vielen Details überarbeitet und präsentiert mit dem C326BEE einen würdigen Nachfolger

von Carsten Barnbeck

Anders als Krells S300i ist der C326BEE von NAD für uns kein Neuankömmling, sondern eher so etwas wie ein alter Bekannter. Sein Vorgänger, der undefinedC325BEE, heimste vor ziemlich genau drei Jahren einen sensationellen Fünf-Sterne-Test ein und galt bei uns seither als Messlatte in seiner Preisklasse. Um ganz genau zu sein, kommen aber auch teils empfindlich kostspieligere Amps kaum an diesem musikalischen Kerlchen vorbei. Der 325er mag ein Leichtgewicht im grauen Messtechikgewand gewesen sein, effektiv war er für manchen Mitbewerber aber so unüberwindbar wie die chinesische Mauer. Da ist die Verkündung eines designierten Nachfolgers natürlich eine kleine Sensation.

Schon auf den kleinen Abbildungen in den ersten Ankündigungen war zu erkennen, dass NAD seinen mittleren C-Klasse-Voll­verstärker, unter ihm reiht sich der C315 ein, darüber ist es der C355, zum Visagisten geschickt hat. Zwar zeigt sich der C326BEE nach wie vor im technischen Dunkelgrau (alternativ ist er auch in Titan erhältlich), doch wird seine Stirn nun von einer abgesetzten Leiste geziert, die dem ansonsten eher schmucklosen Gehäuse eine schnittigere Anmut verpasst. Auch wenn die Knöpfe und Taster ihre – durchaus solide – Kunststoff-Haptik beibehalten haben, steht diesem flexibel ausgestatteten Vollverstärker der neue Look gut zu Gesicht.

Der Hersteller hat sich hier übrigens selbst in Zugzwang gebracht. Bereits seit der massigen M-Serie, spätestens aber seit den beiden auffälligen und formvollendeten VISO-Geschwistern wissen wir, dass die Entwickler durchaus wissen, wo man „Design“ im Lexikon nachschlägt.

Zahlreiche Detailverbesserungen

Mit der dezenten Stirnleiste hätten wir die offensichtlichste Neuheit am Verstärker dann auch schon abgehakt. Bei allen übrigen Veränderungen handelt es sich durchweg um Feinheiten, die sich zwar im Inneren des Amps verbergen, in der Summe jedoch abermals zeigen, wie detailverliebt NAD-Mastermind Björn Erik Edvardsen (BEE) und sein Team ans Werk gehen.

Vollverstärker NAD C326BEE
Nach wie vor lassen sich Vor- und Endstufe auftrennen. Neu am C326BEE sind hingegen die zwei Subwoofer-Buchsen

 

Immerhin elf Punkte umfasst die Liste der Umgestaltungen und Verbesserungen, die überblickend ein klares Muster erkennen lassen: In erster Linie widmete man sich der Beseitigung beziehungsweise der Reduzierung von Verzerrungen, die im Reich von NAD definitiv die unrühmliche Rolle des Staatsfeinds Nummer eins ausfüllen. So wurde das Layout der Hauptplatine (siehe Kasten) massiv überarbeitet. Teilweise bedeutete das sogar den Umzug ganzer Baugruppen. Zudem wurde Abstand genommen von der vormaligen Auftrennung in je eine Vor- und Endstufenplatine. Alles vereint sich nun auf einem Board. Ausgelagert sind allein die Lautstärke- und Klangregelung, die beim 325er noch auf der Vorverstärker-Platine lagen.

Ziel dieser tiefgreifenden Layout-Änderungen war die Verkürzung und Effizienzsteigerung von Signalwegen – und das auch im Netzteil. Als praktischen Nutzen dürfen sich Eigentümer des C326 nun übrigens freuen, dass sich das Netzkabel austauschen lässt. Die festverkabelte Strippe des Vorgängers ist einer Kaltgerätebuchse gewichen.

In Sachen Ausstattung und Konzept ganz der Alte

Abgesehen davon ist sich der C326BEE treu geblieben. Er bietet nach wie vor insgesamt acht Anschlüsse, sechs davon als normale Hochpegelbuchsen, einen siebten als Recorder-Eingang mit verknüpftem Ausgangspaar und schließ­lich einen achten an der Front. Der ist mit seiner Miniklinken-Bauform natürlich insbesondere für den unkomplizierten Betrieb von Portis vorgesehen und liegt am Rücken nochmal als Cinch-Buchse vor.

Vollverstärker NAD C326BEE

Herausragend in dieser Preisklasse sind die auftrennbare Vor-Endstufen-Sektion sowie die beiden Subwoofer-Anschlüsse. Der zweite Recorder-Anschluss des 325 ist nun zwei Mono-Pre-Outs gewichen. Auch an der Qualität der vergoldeten Buchsen lässt sich nichts aussetzen.

An der Front finden sich neben dem großen Volume-Poti ein Balance-Regler sowie je ein Bass- und Höhensteller. Die Klangregelung wurde nach Herstellerangaben stark überarbeitet und drückt die Verzerrungsanteile nochmals einige Dezibel weiter vom Nutzsignal weg. Selbstverständlich lässt sie sich trotzdem überbrücken.

Abschließend finden wir noch eine Kopfhörer-Buchse, die als vergoldete 6,3-Millimeter-Version ausgeführt ist. Damit kann sich der NAD mit wirklich jedem Mitbewerber messen, und auch die läppischen zehn Euro Preissteigerung gegenüber dem 325er können als reiner Inflationsausgleich verziehen werden. Einzig auf einen Phono-Pre muss der Kunde wieder verzichten. Hier verweist der Hersteller auf seine beiden günstigen „PP“-Preamps (ab 100 Euro).

Klanglich unangefochten

Tja, was soll man zu dem Prachtkerl noch sagen? Obwohl, eine Sache wäre da ja noch, sein Klang. Um es kurz zu machen: das Tuning trifft ins Schwarze! War der 325 der direkten Umgebung mit seiner Spritzigkeit, der Dynamik und Kraft in den unteren Lagen sowie dem enormen Spielfluss bereits überlegen, legt der C326BEE nochmal in jedem dieser Punkte zu. Der Amp hat ein exzellentes Timing und schafft es, die Musik einfach dahinfließen zu lassen.

Obendrein ist er einfach unglaublich schnell. Selbst noch so flinke Attacken kamen über die Testlautsprecher zackig und nuanciert. Dadurch wirkt der Amp auch erheblich druckvoller und stärker, als er mit seinen knapp 60 Watt pro Kanal ist. Hier hilft ihm seine erstaunlich hohe Impulsleistung auf die Sprünge (siehe Messwerte), die zusammen mit der Soft-Clipping-Technik das absolute Maximum aus dem Netzteil herauskitzelt.

Tonal ist er übrigens Krells S300i gar nicht unähnlich. Zwar rollt er nicht wie der sechs mal teurere Kraftprotz den Teppich vom Boden, doch hat er wie dieser ein betont anspringendes Naturell, löst die Musik hervorragend von den Boxen und spielt obenherum herrlich samtig und edel. Damit bleibt der kleinere C315 ironischerweise der natürlichste und neutralste unter den „C“-Amps. Den offensichtlicheren Spaß am Leben hat aber der C326BEE. Und daran lässt er jeden Hörer gerne teilhaben.

STEREO-Ausgabe

Dieser Artikel wurde in STEREO 06/2009 veröffentlicht

Spannendes Zubehör zu diesem Test wie Geräteuntersetzer von Solid Tech finden Sie im STEREO-Shop.

Profil

NAD C326BEE

um € 460
Maße: 44x12x33 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Dynaudio
Tel.: 04108/41800

www.nad.de

Fazit

Kaum zu glauben, aber es geht immer noch etwas mehr: NAD gießt mit dem C 326 nochmal ordentlich Öl auf sein „BEE“-Feuer und kann sich mal wieder sicher sein, dass es in dieser Preisklasse von nichts und niemandem überstrahlt wird. Klang und Ausstattung des Amps sind überragend!

Messergebnisse

Leistung an 8/4 Ohm
57/58 Watt pro Kanal

Impulsleistung an 4 Ohm
210 Watt pro Kanal

Klirrfaktor bei bei 50 mW/5 Watt/–1 dB
0,0028/0,025/0,079 %

Intermodulation bei 50 mW/5 Watt/–1 dB
0,0014/0,01/0,06 %

Rauschabstand CD bei 50 mW/5 Watt
82/100 dB

Kanaltrennung bei 10 kHz
62 dB

Dämpfungsfaktor bei 4 Ohm
174

Obere Grenzfrequenz (–3 dB, vier Ω)
> 110 kHz

Anschlusswerte
hoher Eingangswiderstand

Gleichlauffehler Lautstärkesteller bis –60 dB
0,3 dB

Leistungsaufnahme Aus/Standby/Leerlauf
0/<0,1/28 Watt

Auffälligkeiten:
Leistung an vier und acht Ohm identisch, enorme Impulsleistung, Eingangswiderstand mit 91,2 Kiloohm oberhalb des Üblichen. Der Standby-Verbrauch des C326BEE ist mit weniger als 0,1 Watt exzellent.

Hinweis: Abonnenten finden die vollständigen Messergebnisse im undefinedSTEREO-Club.

Klirrspektrum NAD C326BEE
Klirrspektrum

Ausstattung

Acht Eingänge, Porti-Mini-Klinke an der Front, Pre-Out, zwei Mono-Subwoofer-Ausgänge, überbrückbare Klangregelung, Vor- und Endstufe auftrennbar, wertige Fernbedienung im Lieferumfang, Soft-Clipping abschaltbar, Kopfhörer-Buchse (6,3 Millimeter)

Stichwort

Soft-Clipping

Nah an der Clipping-Grenze beschneidet der NAD Pegelspitzen und schützt damit die Boxen vor Schäden.