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31.08.2014

Test: Vollverstärker Advance Acoustic MAP 101

Black Is Beautiful

 

„Black Line“ tauft Advance Acoustic seine neue Einsteigerserie, was wörtlich zu nehmen ist. Taufrisch im STEREO-Test: der Vollverstärker MAP 101 für günstige 370 Euro

Vollverstärker Advance Acoustic MAP 101

von Tobias Zoporowski

Schwarz ist wieder in! War die HiFi-Farbe der achtziger- und frühen neunziger Jahre in letzter Zeit am Markt doch deutlich unterrepräsentiert, kommen immer mehr Hersteller darauf zurück, ihre Geräte neben silberner oder champagnerfarbener Ausführung auch wieder in der „Farbe der Nacht“ anzubieten. Nicht nur deshalb lohnt es, sich die neue „Black Line“-Serie von Advance Acoustic, die mit dem Vollverstärker MAP101 startet und sukzessive um einen CD-Player und einen Tuner erweitert wird, ganz genau anzuschauen.

Kleines Hebelchen mit großer Wirkung: Hier wird zwischen Class-AB und Class-A gewählt

Alles, was man erwarten würde

Offensichtlich ist es der Marke, deren französisches Entwicklerteam um Jean-Christian Gesson in China fertigen lässt und die seit ihrem hiesigen Verkaufsstart Ende 2005 eine riesige Fangemeinde gewinnen konnte, einmal mehr gelungen, den Kunden ein Gerät zu offerieren, dessen Preis-Leistungs-Verhältnis von kaum einem anderen Wettbewerber übertroffen werden kann. Mit dem neuen Einsteiger-Vollverstärker MAP101, der für schlanke 370 Euro über die Ladentheke wandert, haben wir ein im Stil des Hauses selbstverständlich vollmetallbemanteltes und ausnehmend wertig verarbeitetes Gerät vor uns, dass alles an Bord hat, was man von einem HiFi-Amp dieser Klasse erwarten würde.

Das beginnt mit insgesamt fünf Hochpegeleingängen inklusive einem Phono-MM-Vorverstärker und setzt sich mit einer anständig dimensionierten 6,3-Millimeter-Kopfhörerbuchse an der Front, einer handlichen Infrarotfernbedienung sowie einem stattlichen Ringkerntransformator im Inneren fort. So weit, so ambitioniertes Handwerk. Dann aber wird’s schon besonders, zumindest für diese Preisklasse: Der elektronisch geregelte Lautstärkesteller ohne Endanschlag – der Momentanpegel wird mit blauen Leuchtziffern in Dezibel angezeigt – ist ebenso selten anzutreffen wie die Möglichkeit, zwischen Class-AB- und einem Class-A-ähnlichen („High Bias“)Betrieb zu wählen. Ein kleiner Schiebeschalter auf der Rückseite versorgt die Endstufentransistoren mit einem höheren Ruhestrom, der einen niedrigeren Klirrfaktor und somit ein saubereres Klangbild zur Folge haben soll. In diesem Modus arbeitet der MAP101 mit etwa einem Viertel seiner Nennleistung und wird aufgrund des hohen Verluststroms ganz schön warm. Oberhalb von etwa zehn Watt je Kanal schaltet sich der Verstärker automatisch – sozusagen aus Selbstschutz – in den Class-AB-Betrieb zurück. Dies erklärt auch, weshalb unsere Leistungsmessung fast identische Werte für beide Betriebsarten ausweist (siehe Laborreport).

Der ausladende Kühlkörper ist für die Wärmeabfuhr im High-Bias-Modus lebensnotwendig

Neues Klang-Kapitel

Klanglich schlägt der neue Basisverstärker zu unserer Überraschung ein neues Kapitel bei Advance Acoustic auf. Hatten uns die Franko-Chinesen bis dato mit schier unerschöpf­lichen Kraftreserven und entsprechender Dynamik, nicht aber mit unbedingter Homogenität und  Feinzeichnung bis ins kleinste Detail, vor allem beim Abhören von Rock- und Popmusik, oft einen Riesenspaß bereitet, schickt sich der MAP101 an, auch die Ästheten unter den Hörern für sich zu gewinnen. In der Tat klang ein Advance Acoustic-Verstärker noch nie so leichtfüßig-fließend wie dieser. Freilich ohne auf ein straffes Fundament, das naturgemäß nicht so tief hinabreicht wie etwa beim großen Bruder MAP800 (Test in 8/08), zu verzichten. Hatte der 800er zuweilen im Stimmbereich eine leicht metallene Härte gezeigt, so nimmt sich der neue „Kleine“ hier zurück, erscheint so ungemein homogen,  warm und natürlich. Vinylfreunde wird freuen, dass auch die entspannt, unaufgeregt und sauber klingende MM-Stufe mehr ist als ein bloßes Feature für die Ausstattungstabelle.

Ein Eindruck, der sich im „High-Bias“-Modus noch verstärkt. Hier öffnet sich der Raum, gewinnt die Bühne an Struktur und Ordnung sowie an Dreidimensionalität. Eine Vorstellung, die den Neuling sogar gefährlich nah an den Klassenprimus, NADs

C315BEE (Test in 9/07) heranbringt, der seine Haut nur – aber denkbar knapp – mit seiner letztlich noch samtigeren und feineren Wiedergabe um die Mittenlage herum und einem etwas präziseren Timing retten kann und seine Position so doch noch verteidigt. Was immerhin bedeutet, dass Advance Acoustics MAP101 ab sofort zu den besten Angeboten seiner Klasse zählt. Und das gilt, anders gibt`s ihn ja auch nicht, ganz besonders in Schwarz!

Stichwort

Ruhestrom

Auch Bias-Strom, fließt in elektrischen Stromkreisen auch dann, wenn diese nicht aktiv sind.

STEREO-Ausgabe

Dieser Artikel wurde in STEREO 05/2009 veröffentlicht

Spannendes Zubehör zu diesem Test wie die undefinedGeräteuntersetzer von Solid Tech finden Sie im STEREO-Shop.

Profil

Advance Acoustic MAP 101

um 370 €
Maße: 44x11x33 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Domino Design
Tel.: 0611/700165
www.domino-design.de

Fazit

Advance Acoustics neuer MAP101 ist in der Klasse unter 400 Euro nichts weniger als eine Kampfansage! Die Verarbeitung ist top, die Ausstattung mit auftrennbarer Vor-Endstufe und High-Bias-Modus überdurchschnittlich, der Klang grundtonstark, farbig und dennoch fein und räumlich. Auf die restlichen Geräte der „Black Line“ darf man gespannt sein.

Laborreport

Wie bereits im Text kurz angerissen, unterscheidet sich die Ausgangsleistung im Class-AB-Modus (2x44 Watt an acht/2x55 W an vier Ohm) nur marginal vom High-Bias-Be­trieb, die Impulsleistung liegt mit 120 Watt je Kanal an vier Ohm um knapp 15 Watt pro Kanal über der mit höherem Ruhestrom. Bei Vollaussteuerung liegt der Klirrfaktor bei High Bias mit 0,13 Prozent sogar unter dem in Class-AB mit dann 0,32 Prozent. Auffallend ist der recht hohe Anteil an ungeradzahligen Oberwellen im Klirrspektrum, was eigentlich auf Dissonanzen im Hochtonbereich hindeuten müsste. Da der MAP101 aber sowieso obenheraus verrundet abgestimmt ist, fällt dies in der Hörpraxis nicht ins Gewicht. Das Rauschverhalten des Advance Acoustic ist nicht ganz so schön. Der Signalrauschabstand bei CD liegt mit 56 Dezibel (A) bei fünf Watt und 49 Dezibel (A) bei 50 Milliwatt unter dem Durchschnitt. Der elektronische Lautstärkesteller ist mit einem Gleichlauffehler von 0,2 Dezibel ein sehr präzises Instrument. Die Stereo-Kanaltrennung bei CD ist mit 40 Dezibel akzeptabel und das Übersprechverhalten (Tuner auf CD) mit 90 Dezibel hervorragend. Im Leerlauf benötigt der MAP101 überschaubare 14 Watt aus dem Stromnetz, im High-Bias-Betrieb steigt dieser Wert aufgrund des höheren Ruhestroms der Endstufentransistoren auf etwa das Dreifache.

Ausstattung

Fernbedienung, vier Hochpegeleingänge, ein Phonoeingang (MM), auftrennbare Vor-Endstufe, Anschlüsse für ein Paar Lautsprecher, umschaltbar zwischen Class-A- und Class-AB-Modus (bei Leistungsabgabe über 10 Watt je Kanal automatische Umschaltung auf Class-AB), Digitalanzeige für Lautstärke, Vollmetallgehäuse, Kaltgerätebuchse.

Schwarz in Serie

Sieht schick aus, nicht? Advance Acoustic erweitert die neue „Black Line“ Zug um Zug mit weiteren Komponenten. Der deutsche Vertrieb kündigt an, dass der CD-Spieler MCD 200 (um 350 Euro, Mitte) und der UKW-/MW-Tuner MAT 601 (um 350 Euro, unten) etwa ab Mai verfügbar sein werden. Offen ist noch, ob der Wellenjäger eventuell in einem weiteren Schritt mit einem Zusatzmodul für DAB und Internetradio – es wurde eigentlich für den größe­ren MAT 605 entwickelt – aufrüstbar sein wird. Das wäre zu diesem Preis ein ziemlicher Knaller!