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26.11.2014

Test: Röhrenvollverstärker
Tube Amp Company V-60

Schwer und taktvoll

Die „Tube Amp Company“ oder kurz T.A.C. will mit High End-Klängen und Hightech  Halbleiterfans abfischen

von Tom Frantzen

Der T.A.C. ist mit seinen 30 Kilogramm Lebendgewicht ein echter Brecher von Vollverstärker. Und ungeachtet des edel gehaltenen Designs aus Acryl und Aluminium haben wir es hier mit einem modernisierten klassischen Verstärkerkonzept zu tun, das eine konservative Materialschlacht und bewährte Tugenden mit aktueller Schaltungstechnik vereint. Zur Ansteuerung kommen strompotente 6CG7-Röhren zum Einsatz, für die Vorverstärkung sorgen 6922-Typen. Die russische Röhrenbestückung soll zu besonders robusten, aber auch stabilen und rauscharmen Verhältnissen beitragen.

Der T.A.C. überprüft und justiert seine Schaltung dank Blöhbaum-Technik selbst

Nicht weniger als acht russische 6CA7-Röhren bilden die Ausgangsstufe, das sind doppelt so viele wie bei meiner eigenen 1958er Sansui Q-3535. Die 6CA7 ist deshalb für mich eine gute Bekannte, mit der EL34 verwandt, dieser aber mit besserer Dynamik potenziell überlegen. Dem Konzept von Überdimensionierung zwecks bestmöglicher Arbeitsbedingungen folgen auch das massive Alugehäuse und die Verwendung von etwa gleich starkem, weitaus teurerem und hinsichtlich der Klangqualität besserem Spezialstahl anstelle des üblichen Blechs für die Ausgangsübertrager. Diese sind zudem abgeschirmt und sicher vor Mikrofonie vergossen. Elektromagnetische Einstreuungen sollen so keine Chance bekommen.

Ein üppiger Ringkerntrafo soll für geringen Innenwiderstand und hohe Stabilität auch bei forderndem Musikmaterial sorgen. Zudem ist beim T.A.C. an der Kaltgerätebuchse die korrekte Netzphase markiert. Man braucht deshalb zum Anschluss nur einen simplen Phasenprüfschraubendreher. Vorbildlich, bitte nachmachen! Als etwas zu modern empfanden wir die zu den sanft glühenden Röhren kontrastierenden kühl-weißen LEDs, das illuminierte Herstellerlogo ist dagegen abschaltbar.

Bias-/Arbeitspunktautomatik

Materialschlacht pur mit allein zwölf Röhren und überdimensionaler Gehäusearchitektur

Der eigentliche Clou des T.A.C. ist die ausgeklügelte Biasspannungs- und Konstantstromregelung à la Blöhbaum, die wir in verwandter Form schon aus HighEnd-Komponenten von Thorens kennen. Sie soll dazu führen, dass die Arbeitspunkte der Röhren auch mit zunehmendem Alter nachgeführt und optimal stabil gehalten werden. Das Netzteil ist als MOS-FET-Konstant­strom­quelle mit kombinierter Spannungsregelung ausgeführt, so dass es keine Versorgungsschwankungen im Musiktakt geben kann (die man von der alten Sansui mitunter kennt). Beste Bauteile wie WIMA-Kondensatoren und vergoldete Kontakte runden das positive Bild dieses Amps ab.

Im Shootout lieferte der T.A.C. eine überzeugende Vorstellung ab. So kam kein Konkurrent an die Klangfarbe der E-Gitarre auf Ray Charles’ „Genius Loves Company“ heran. Der V-60 klingt groß, vollmundig und souverän, legt eine ordentlich kontrollierte Schubkraft und ein cremiges Klangbild mit guter Auflösung, Tiefenstaffelung und Temperament an den Tag. Bei Gesangsstimmen tut die minimale Zurückhaltung in den oberen Mitten – die Abbildung liegt im Gegensatz zum herauslösenden Lyric mit dem Klavier auf einer Linie – im Zusammenspiel mit frischen Boxen eher gut. Alles in allem ein universeller, ganz leicht dunkel timbrierter Top-Röhrenverstärker.

STEREO-Ausgabe

Dieser Artikel wurde in STEREO 05/2009 veröffentlicht

Spannendes Zubehör zu diesem Test wie die undefinedGeräteuntersetzer von Solid Tech oder undefinedRöhrendämpfer von EAT finden Sie im STEREO-Shop.

Profil

Tube Amp Company V-60

um 3500 €
Maße: 45x21x42 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Sintron
Tel.: 07229/182998
www.sintron.de

Fazit

Der V-60 ist weit mehr als Materialschlacht pur, denn er beinhaltet modernste Technik und vereint so die klassische Röhrenwelt mit Hightech. Zudem klingt er opulent, kraftvoll und farbig, straff im Bass und im Stimmbereich minimal – und damit angenehm – verhalten. Absolut überzeugend.

Laborreport

Der T.A.C. treibt sowohl Vier- als auch Acht-Ohm-Lautsprecher mit jeweils fast 60 Watt Dauerleistung an, die Impulsleistung liegt mit 62 Watt nur knapp darüber, was das stramm geregelte „harte“ Netzteil auch messtechnisch bestätigt Das Klirrverhalten des Verstärkers ist nicht ganz kanalgleich, aber der Klirr insgesamt für einen Röhrenverstärker auffallend gut (0,005 Prozent bei 50 Milliwatt bis 0,9 Prozent bei -1 dB). Mit 1,2 Prozent bei fünf Watt und über drei Prozent knapp unterhalb der Vollaussteuerung liegen die Intermodulationswerte recht hoch, was aber für Röhrenverstärker keineswegs untypisch ist. Die Rauschwerte sind mit 79/96 dB bei 50 Milliwatt/fünf Watt ganz exzellent und stünden auch jedem Halbleiterkollegen gut zu Gesicht. Das ist umso bemerkenswerter, als sie mit Röhren schwieriger zu erreichen sind. Die obere Grenzfrequenz (-3 dB) liegt bei 55 Kilohertz ausreichend hoch, der Frequenzabfall von nur 0,4 dB bei 20 Kilohertz ist okay. Die Stereokanäle werden mit 58 dB sehr gut getrennt – wichtig für eine plastische Räumlichkeit. Übersprechen zwischen den Eingängen findet mit rund -85 dB praktisch nicht statt. Die Anschlusswerte sind durchweg praxisgerecht ausgelegt, der Gleichlauffehler des Lautstärkestellers geht mit 1 dB (bis -60 dB) voll in Ordnung. Das Gerät verbraucht im Leerlauf 238 Watt, einen Standby-Modus gibt es nicht (nur harter Netzschalter).

Ausstattung

Vier Hochpegeleingänge, Tape Out, keine Klangregelung, Lautsprecherabgriffe für 4/8 Ohm, Logo beleuchtbar/abschaltbar.