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01.09.2014

Test: Röhren-Vollverstärker
Lua 4545L "Mullard"

Kaliber 4545L reloaded

Helmut Lua will seine Erfolgsreihe 4040/4545 mit einem Paukenschlag namens „Mullard“ krönen

von Tom Frantzen

Helmut Luas Verstärkerlinie 4040, die mittlerweile 4545 heißt, kann bereits auf eine über zehnjährige Historie zurückblicken. Die Namensgebung ist hier – anders als etwa bei den CD-Playern des Hauses, Cantilena und Appassionato – rein pragmatisch, sie ist schlicht auf die von 40 auf 45 Watt angestiegene Ausgangsleistung je Kanal zurückzuführen.

Ungewöhnlich ist zunächst das 33-Zentimeter-Midi-Format, dem Lua bei dieser Reihe treu geblieben ist und ihr sogar einen passenden CD-Spieler zur Seite gestellt hat. Geändert hat sich äußerlich, dass man bei den neueren Generationen des ursprünglich sehr schlichten Gerätes durch eine Glasscheibe die Röhren bei der Arbeit bewundern kann und dass bei der jüngsten Generation alle frontalen Bedienelemente nach unten wanderten. Bewunderung ringt auch die Ganzmetallfernbedienung samt Edelstahlkugeln und Alps-Kontakten ab, die für rund 2,5 Millionen Schaltvorgänge ausgelegt sind. Den Zugriff der Eigentümer auf die halbautomatische Bias-Einstellung verhindert Lua mittlerweile. Zu groß war der Unsinn, der dabei von Laien angestellt wurde.

Luas 4545er sind vom peniblen Aufbau her nicht mehr mit Vintage-Konstrukten vergleichbar

Topdaten „trotz“ Röhre

Die Konzeption des Lua ist ausgesprochen breitbandig ausgelegt, als obere Grenzfrequenz werden fast 100 Kilohertz erreicht. Geblieben ist die auf die beliebte Endröhre EL 34 zugeschnittene Schaltung, aber im Detail hat sich sehr viel getan. So bekam der 4545L heutzutage sehr teure und zudem besonders ausgeklügelte Schnittbandkern-Netztrafos, die die Störabstände dramatisch verbessert haben. Das jetzige Doppelnetzteil mit der Siebkapazität von 1600 Mikrofarad sorgt zudem für eine noch höhere Stabilität, vor allem im Bassbereich. Zweiseitig metallisierte Platinen sorgen für kürzeste Leitungs- und damit Signalwege. Feinste Bauteile wie WIMA MKP- und Vishay-Kondensatoren extremer Lebensdauer, Metallfilmwiderstände, Potentiometer von Alps und Bourns, Keramiksockel mit vergoldeten Kontakten sowie die teflonummantelte Innenverkabelung wiegen den Kenner in Sicherheit.

Eine Besonderheit ist die Kontrolle der richtigen Netzphase, die als beispielhaft gelten darf. Leuchtet das rote Lämpchen an der Rückseite, so muss der Netzstecker umgedreht werden. So einfach geht das mit dem besseren Klang, liebe Hersteller!

Selten und von legendärem Ruf: „Mullard – The Master Valve“-Röhren im 4545L Mullard

Gegenüber der „Normal“-Ausführung weist die hier getestete, nicht einmal 200 Euro teurere „Mullard“-Ausführung des 4545L hochselektierte und seltene Mullard-EL34- und 12AX7-Röhren von Sovtek auf, von denen sich Meister Lua größere „NOS“-Bestände sichern konnte. Dass diese noch einen klanglichen Fortschritt bringen, haben wir uns im Hörraum intensivst angehört.

Die offene, gelöste Art mit Schwung und Emotion der Vorgänger ist geblieben, die Raumdarstellung ein Gedicht. Die Hierarchie aber ist klar, das Klangbild des neuen 4545L ist noch durchsichtiger und stabiler als das des 4545C, vor allem aber deutlich kraftvoller im Bass – was wohl auf die Vishay-Siebkondensatoren zurückzuführen ist.

Und der „Mullard“ setzt hier noch das Charme-Sahnehäubchen drauf. Aus „sinnlicher“ Sicht ein absoluter Killer von Vollverstärker und jeden Cent Aufpreis ganz locker wert!

STEREO-Ausgabe

Dieser Artikel wurde in STEREO 05/2009 veröffentlicht

Spannendes Zubehör zu diesem Test wie die undefinedGeräteuntersetzer von Solid Tech oder undefinedRöhrendämpfer von EAT finden Sie im STEREO-Shop.

Profil

Lua 4545L „Mullard“

um 2380 €
Maße: 33x17x35 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Lua
Tel.: 07554/8840
www.lua.de

Fazit

Der traditionell luftig, räumlich und ausgesprochen farbstark aufspielende Lua 4545 ist in der neuesten Generation hörbar reifer geworden. Dies äußert sich sowohl in der noch feinsinnigeren Auflösung wie in einer erstaunlich gesteigerten Stabilität und Kraft, vor allem in den unteren Lagen. Der in der nur 180 Euro teureren „Mullard“-Version verbaute gleichnamige Röhrensatz sorgt nochmals für eine Aufwertung dieser Eigenschaften und obendrein für eine zusätzliche Prise musikalischen Charmes. Ein toller Verstärker mit in dieser Preisklasse geradezu verzauberndem Klang!

Laborreport

Der kleine Lua leistet dauerhaft 40 Watt an acht und vier Ohm, für kurze Impulse stellt er mit knapp 50 Watt nochmal rund 25 Prozent mehr bereit. Während das Klirrverhalten bis kurz vor der Leistungsgrenze – für eine Röhre – gut (0,07-0,46 Prozent) und bei kleiner Leistung (0,009 Prozent) sogar exzellent ist, übersteigt die bis zu mittleren Leistungen ebenfalls gute Intermodulation (0,03-0,65 Prozent) schon bei -1 dB die 1-Prozent-Mar­ke, was für einen Röhrenverstärker aber durchaus noch respektabel ist. Richtig gut sind die Rauschwerte (74 dB bei 50 Milliwatt und 91 dB bei 5 Watt), die Stereo-Kanaltrennung von 59 dB sowie die Übersprechdämpfung zwischen den Eingängen von 69 dB. Auch der Frequenzgang (Abweichung -0,4 dB bei 20 Kilohertz) und die obere Grenzfrequenz von rund 90 Kilohertz sind prima, ebenso der Gleichlauf des Lautstärkestellers (Kanalabweichung links/rechts) von 0,5 dB. Lobenswert: Im Standby-Betrieb verbraucht der Lua weniger als 0,1 Watt, im Leerlauf 124 Watt.

Ausstattung

Als erster Lua dieser Klasse bekam der 4545L nun eine Metallfernbedienung, vier Hochpegeleingänge, kein Tape-/Vorstufen- oder Kopfhörer-Ausgang, Lautsprecherabgriffe für ein Paar Boxen (vier Ohm und acht Ohm).