Sie sind hier: HiFi-Test / Klassiker / Cassettendeck Onkyo TA-2070
20.08.2014

Klassiker: Cassettendeck Onkyo Integra TA-2070

Der Über-Onkyo!

Anfang der 80er kam mit Onkyos TA-2070 ein Top-Cassettenrecorder in die Läden. Es kursiert das Gerücht, er stamme von Nakamichi. Stimmt nicht, belegt aber den Qualitätslevel

von Tom Frantzen

Die mit dem japanischen Toshiba-Konzern verbandelte Firma Onkyo war immer schon für überraschend leistungsfähige Geräte gut. Und das – anders als manche vergleichbare Unternehmen –  in so denkbar unterschiedlichen Kategorien wie Tuner, Verstärker, Boxen (!) und Tape Decks. Von den Letzteren wollen wir uns eines näher ansehen, das TA-2070. Es ist im HiFi-Jahrbuch 11 (1982) und im Hobby-Katalog HiFi ‘83 gelistet.

Mit einem Märchen – TA-2070-Besitzer und vor allem Ebay-Verkäufer werden uns das hoffentlich nicht allzu übel nehmen – müssen wir an dieser Stelle aber leider aufräumen. Das ständig wiederholte Gerücht, gerade das TA-2070 Integra sowie sein mit DBX-Rauschunterdrückung versehener, etwas jüngerer Bruder 2090 seien als Auftragsarbeit und somit OEM-Produkt bei Nakamichi gebaut worden, wird auch durch die Häufigkeit der Erwähnung im Netz nicht wahrer. Einst auf der Nakamichi-Fanseite www.naks.com verkündet, hat sich neben Onkyo selbst diese  Website längst von der Falschinformation distanziert.

Hier ist die Sendust-Kopfbestückung des Onkyo-(Sankyo)-Laufwerks zu sehen

Hintergrund des Verdachts: Das TA-2070 macht Gebrauch vom gleichen, vom Zulieferer Sankyo zugekauften Laufwerksblock, wie einige kleinere und mittlere Nakamichi-Recorder. Aber auch andere hochwertige Decks sind mit diesem mit einem schwenkbaren Treibrad („Idler Wheel“) ausgestatteten Dreikopf-Doppelcap­stan-Laufwerk bestückt. Das ist es dann allerdings auch schon, mehr Hinweise auf Nakamichi sind nicht zu finden. Angesichts der Größenverhältnisse wäre es zudem eher wahrscheinlich, wenn kleinere Nakamichi-Geräte außer Haus gefertigt worden wären als umgekehrt. OEM-Fabrikation von Recordern soll es bei Nakamichi allenfalls in den Anfangsjahren gegeben haben, auch Harman Kardon-Decks werden in diesem Zusammenhang genannt, genau feststellbar ist das nach mehr als 25 Jahren aber kaum mehr. Und es ist auch unerheblich, denn andere Mütter haben ebenfalls tolle Töchter, und ein Spitzen-Deck muss nicht zwingend ein Naka sein.

Auch ohne Naka top

Damals waren Cinch- und DIN-Anschlüsse üblicher Standard, zumindest in HiFi-Deutschland

Und ein tolles Tapedeck ist das TA-2070 allemal. Das verraten nicht nur die knapp zehn Kilogramm „Lebendgewicht“ und der imposante Listenpreis von 1800 DM. Für die Möglichkeit der Hinterbandkontrolle sorgten getrennte A/W-Köpfe respektive eine Sendust-Kopfeinheit mit entsprechend getrennten, simultanen Funktionen. Diese Köpfe sehen übrigens bei Nakamichi in der Regel völlig anders aus. Das Onkyo-Deck weist natürlich Mikrophon-, Cinch- und DIN-Eingänge auf, zudem Dolby B/C und eine Fluoreszenzanzeige mit automatischem Peak-Hold, die den Spitzenwert für eine Sekunde anzeigt. Das Zählwerk arbeitet in Echtzeit und mit Restbandanzeige, aber ohne „Erinnerung“, sprich beim Ausschalten wird sie gelöscht. Ein Testtongenerator, Accu Bias-Bandeinmessung sowie ein – mitunter kritisierter – Aussteuerungsknopf für beide Kanäle auf einer Achse zählen zur weiteren Ausstattung.

Die „Compact Cassette“ oder eingedeutscht „Kompaktkassette“, in den 60er Jahren von Philips erfunden, etablierte sich zunächst keineswegs als hochqualitatives, sondern eher als ökonomisches und leicht zu hand- habendes Aufnahmemedium, etwa für Diktier- und Interviewzwecke. HiFi aber war und blieb an das Spulentonband geknüpft.

Sogar eine Kabelfernbedienung ließ sich anschließen

Dies änderte sich erst mit der Weiterentwicklung von höher aussteuerbaren Bandsorten wie Cro2 (BASF) oder entsprechender Substitute (TDK SA/Maxell XL) sowie Reineisen (Metal) einerseits und den Rauschunterdrückungssystemen andererseits (HighCom, DBX, vor allem aber Dolby NR B/C und – zusätzlich– HX Pro, um nur einige zu nennen). Wer heute eine Aufnahme mit einem Top-­Tape Deck der 80er Jahre wie diesem Onkyo (oder einem Naka oder Akai GX-75/95 mk II) macht, der wird staunen, wie gut diese Geräte auch nach heutigen Maßstäben klingen. Von wegen veraltete Technik!

Klar ist das Magnetband aus dem Fokus geraten, gilt als angestaubt und sieht neben MP3 & Co. sowie riesigen Terabyte-Festplatten ohne Warte- und Umspulzeiten tatsächlich etwas altbacken aus. Andererseits lassen sich hochwertige Bänder bei vernünftiger Lagerung fernab von Magnetfeldern, Hitze und Feuchtigkeit noch nach Jahrzehnten abspielen. Den direkten Vergleich mit MP3 braucht ein gutes Cassettendeck bis in mittlere Datenraten hinein auch nicht zu scheuen. Unzählige Fans in den Internet-Foren schwören darauf. Und auch beim Autor daheim drehen sich gelegentlich Capstan-Wellen, wenn auch meist mit Kindermärchen-Cassetten. Und bei Ihnen?

STEREO-Ausgabe

Dieser Artikel wurde in STEREO 04/2009 veröffentlicht

Das Sankyo-Laufwerk mit „Idler Wheel“ (links ist der Motor erkennbar) verwirrte die

Stichwort

Bias

Hierunter versteht man die – bei manchen Decks einstellbare – Vormagnetisierung. Diese dient der Anpassung an das Band.