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31.10.2014

Test: Laufwerk-Wandler-Kombi
Chord Blu/QDB76

Die Klang-Skulptur

Gehört sie in den Hörraum oder auf die Documenta? So viel ist immerhin klar: Chords CD-Laufwerk/Wandler-Kombination „Choral“ ist in jeder Hinsicht etwas Außergewöhnliches

von Carsten Barnbeck

Ohh”, „Ahh”, „Huiuiui!“ – derartige Seufzer sowie eine reichhaltige Palette ähnlicher Laute konnte man in der Redaktion letztens ständig vernehmen. Die Verzückung galt unseren beiden Gästen aus der südenglischen Grafschaft Kent und will schon was heißen, denn nur selten gelingt einem Hersteller die Verschmelzung von technisch-funktionaler Anmut und künstlerischem Anspruch derart genial, dass selbst die verwöhnte Spezies des Testredakteurs beim bloßen Anblick der Kreation ins Schwärmen gerät. Und bei Chords Set aus dem CD-Laufwerk „Blu“ und dem ungleich pragmatischer betitelten D/A-Wandler „QDB 76“ stimmt äußerlich einfach alles.

Tiefe Einblicke

Die kompakten Komponenten entstammen der „Choral“-Serie und stecken in massiven Aluminiumgehäusen, die hervorragend verarbeitet sind und selbstredend in Handarbeit gefertigt werden. Schon das Laufwerk hat mit seiner riesigen, manuell zu bedienenden Lade das Zeug zum Kunstwerk. Da stört es auch in keinster Weise, dass der Hersteller seinen Top-Lader mit mehr als zwei Dutzend Bedienelementen umgibt.

Den Vogel schießt jedoch der Wandler mit seinen beiden Fisch-Eye-Bullaugen ab, die abgedrehte Einblicke ins blau und rot beleuchtete Innenleben gestatten. Durch eine dieser Linsen kann man übrigens die gerade aktive Taktung des DACs ablesen. Verstärkt wird der umwerfende optische Effekt der Kombi durch das optional erhältliche Alu-Rack (ab 820 Euro), das die Chords zu einer Zierde für jeden HiFi-Altar macht. Insofern befand sich die Laufwerk/Wandler-Kombi bereits auf der Siegerstraße noch bevor wir den ersten Ton gehört hatten.

Unsere Verzückung war mit den reinen Äußerlichkeiten aber noch lange nicht zu Ende. Auch das Innenleben der beiden Maschinen gehört zum Feinsten, was man sich momentan ins Wohnzimmer stellen kann.

Nicht nur Verarbeitung und Optik stimmen bei Chord. Auch die Anschlussvielfalt von Wandler und CD-Transport lassen keine Wünsche offen. Eine Beschriftung der Buchsen wäre allerdings nett gewesen

Chord nutzt das Upsampling des Blu zur Timing-Verbesserung

Den Anfang in der Signalkette macht ein massives CD-Pro-Laufwerk von Philips, wie man es unter anderen auch in Audio Researchs zackigem CD 7 finden kann. Direkt dahinter befindet sich eine Platine, auf der das aufwändige, transientenoptimierte Digitalfilter liegt, eine Chord-Eigenentwicklung, die Hand in Hand mit dem schaltbaren Upsampler arbeitet, der den Signalstrom mit bis zu 176,4 Kilohertz zum Wandler schickt. Die maximale Samplerate ist allerdings abhängig von der Verkabelung. Nutzt man nur einen der beiden koaxialen BNC- oder in XLR ausgeführten AES/EBU-Ausgänge, sind 88,2 kHz möglich. Werden beide verkabelt, sind es schließlich die vollen 176 kHz, und zwar 88 kHz für den linken und 88 kHz für den rechten Kanal. Chord begründet die hohe Samplerate mit dem überaus wichtigen Transienten-Timing, also jener frühen Anteile eines Tons, die es unserem Gehör ermöglichen, ihn zu identifizieren und einzuordnen. Und die spielen sich im Millisekundenbereich ab.

Hält man sich nun vor Augen, dass bei 44,1 kHz gerade einmal 44,1 Samples für eine Millisekunde abfallen, wird klar, dass „gewisse Ungenauigkeiten“ hier noch wohlwollend ausgedrückt ist. Klanglich geht Chords Rechnung jedenfalls auf. In den höheren Sampleraten spielt die Kombi so gelöst, leichtfüßig und räumlich, dass 44,1 kHz dagegen regelrecht grobschlächtig wirken. Am besten stellt man den entsprechenden, wie alle rückwärtigen Elemente an Wandler und Laufwerk leider unbeschrifteten Microschalter auf „High“ und vergisst ihn anschließend.

Diese simple Regel gilt ebenso für den daneben gelegenen Dither-Schalter, der die digitale Wortlänge von 16 auf 24 Bit hochsetzt. Das bringt noch einmal so viel mehr Tiefe und Plastizität ins Klangbild, dass es verboten werden sollte, ihn auch nur anzurühren.

Mit großem RAM-Puffer zum 2608-fachen Oversampling

Eine dritte sündige „Versuchung“ hält der Wandler bereit, der einen regelbaren RAM-Puffer besitzt. In höchster Einstellung verursacht der eine Arbeitsverzögerung von immerhin rund vier Sekunden. Ein Umstand, an den man sich bei der Bedienung erst gewöhnen muss. Die „Gegenüberstellung“ machte aber unmissverständlich klar, dass sich die Verzögerung lohnt. Man gewinnt deutlich an Räumlichkeit und Abbildungsgröße, wenn der Puffer ausgenutzt wird.

Die Antenne an der Rücksteite des QBD 76 verbindet den Wandler mit kompatiblen Bluetooth-Komponenten

Und das ist keine Hexerei: Der QBD76, der DA-Wandler ist übrigens der direkte Nachfolger des erfolgreichen DAC64, hat einen flinken Signalprozessor, der die gewonnene Zeit für sinnvolle Zusatzaufgaben verwenden kann. So wird das Oversampling auf ganze 2608 Schritte hochgefahren. Außerdem überprüft der DAC noch einmal in aller Ruhe, ob bei der Filterung im Laufwerk auch alles funktioniert hat, denn auch er ist ebenfalls mit einem Filter ausgestattet. In dieses Konzept der „Fehlervermeidung“ passt auch, dass Chord alles daransetzt, den Rauschpegel zu minimieren – sehr erfolgreich, wie unsere Messungen belegten.

Außerdem wollen wir hier nicht verheimlichen, dass der DAC mit seiner Bluetooth-Antenne auch Computern, Handys oder Portis den kabellosen Zugang in die Anlage gewährt. Und die Verbindung der Geräte klappt dank des vereinheitlichten Standards wirklich hervorragend.

Die Schalter für RAM, Dither und Upsampler sind natürlich nicht ganz so sinnfrei, wie man bei unserer Betrachtung denken könnte. Chord sieht sie zur Umgehung von Inkompatibilitäten mit Fremdprodukten vor. So versteht Reimyos Wandler DAP-999 EX die etwas krummen, nein, eigentlich ja besonders geraden Sampleraten der Chords nicht. Die Briten halten sich strikt an geradzahlige Vielfache von 44100, was Rundungsfehler vermeidet, während die meisten anderen Hersteller 96 und 192 kHz unterstützen.

Durch zwei „Bullaugen“ erlaubt der QBD 76 abgedrehte Blicke auf seine beleuchtete Wandlerplatine

Berauschende Farbkraft

Interessanterweise erwiesen sich unsere Vereinigungsversuche mit Reimyos Top-Kombi als Fehlpaarungen. Beide Duette sind hervorragend aufeinander abgestimmt, und es zeigte sich im Vergleich, dass die Chords dem gemischten Doppel aus DAP-999 EX und CDT-777 durchaus das Wasser reichen können. Während die beiden Reimyos tonal präsenter, räumlich noch offener sowie minimal spritziger aufspielen, schwelgen die Engländer in Farbtönen und malen die feineren tonalen Schattierungen in die Wiedergabe. Außerdem wirken sie um einen angenehmen Hauch dunkler, ohne dass man ihnen eine niedrigere Auflösung nachsagen müsste. Auch in musikalischer Hinsicht stehen sie fast auf einer Stufe mit  Reimyos rhythmisch herausragendem Digital-Set.

Sobald wir die Geschwisterpaare jedoch miteinander vermischten, zerfiel das Ergebnis regelrecht. Die Komponenten wirkten plötzlich matt, spielten verhaltener und waren kaum wiederzuerkennen. Kurz gesagt: Sowohl die    Reimyos wie die Chords wurden miteinander und füreinander entwickelt und entfalten im Duett ihre größte Klangpracht.

Das soll natürlich nicht heißen, dass der QBD76 ungeeignet wäre, um einen x-beliebigen CD-Spieler aufzuwerten. Ein Testlauf an Lindemanns 820S zeigte eher im Gegenteil, dass sich selbst ein so hochklassiger SACD-Spieler noch durch externe Wandler steigern lässt. Allerdings spielte der QBD am Lindemann eine Nuance klarer und offener als am Blu. Für die warme und angenehm füllige Note des Duos scheint also das Laufwerk verantwortlich zu sein.

Im Vergleich zur kompletten Chord-Kombi musste sich der 820S mit einigem Abstand geschlagen geben. Die separate Laufwerk/ Wandler-Kombi spielte energischer, im Bass straffer und zeichnete sich abermals durch ihre detaillierteren Klangfarben und die ungemein geschmeidige Hochtonwiedergabe aus. Man könnte den samtigen Glanz der Chords sogar mit dem edlen Charakter eines Linn Klimax DS vergleichen. Aber der günstigere Lindemann kann ja obendrein SACD.

Es gibt gute Gründe, sich die Chords in die Kette zu holen. Wem die faszinierende Optik allein nicht genügt, hat die Gewissheit, dass es  für die CD-Wiedergabe nur wenige ernst zu nehmende Alternativen gibt.

STEREO-Ausgabe

Dieser Artikel wurde in STEREO 04/2009 veröffentlicht

Vertrieb

WOD Audio
Tel.: 06187/900077
www.wodaudio.de
www.chordelectronics.co.uk

Profil

Chord Blu
ab 6900 €
Maße: 34x8x15 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre

Fazit

Äußerst gelungene Mischung aus Auflösung, Räumlichkeit und musikalischen Aspekten. Dank Upsampler-Technik extrem gelöste Klangbilder. Passt perfekt zum QBD76.

Ausstattung

Digitaler Dual-Ausgang in koaxialer Ausführung (BNC) und in AES/EBU (XLR), S/PDIF-Ausgang (BNC), optischer Ausgang, Word-Clock-Input, Laufwerk programmierbar, Fernbedienung

Profil

Chord QBD76
ab 4200 €
Maße: 34x8x15 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre

Fazit

Neutraler und sehr natürlich reproduzierender Wandler mit angenehm offenem und überaus musikalischem Klangcharakter.

Ausstattung

Zwei digitale Dual-Eingänge (S/PDIF und AES/EBU), zwei optische Eingänge, Word-Clock-Ausgang, USB-Input, Bluetooth

Laborreport

Bei der Wandlerunlinearität erreichte die Chord-Kombi – gemessen wurde sie als integrierter CD-Spieler – mit Abweichungen von unter 0,1 Dezibel den Laborrekord. Der Klirrfaktor ist mit 0,18 Prozent sehr niedrig, und die 115 dB Rauschabstand sind exzellent. Die Abweichungen im Frequenzgang liegen unter einem dB, und die Leistungsaufnahme im Leerlauf beträgt 22 Watt. Standby gibt es nicht.

Der QBD76 im kleinen?

Zieht man vom QBD76 etwa sieben Achtel des Gehäusevolumens, den skalierbaren RAM-Puffer und die vier Digitaleingänge ab, was bleibt dann noch übrig? Richtig, ein reiner Bluetooth-Wandler. Und genau das ist Chords kleine Chordette (um 580 Euro). Immer mehr Geräte unterstützen den Funkstandard. Und da es nicht eben praktisch ist, für iPod, Notebook oder MP3-Handy jedes Mal eine Strippe zu verlegen, drängt sich die kabellose Funkübertragung bei portablen Quellen geradezu auf. Und das Beste: Dank des ausgefeilten Buetooth-Protokolls verbinden sich die Geräte von selbst miteinander.
Unverkennbar ist, dass sich Chord auch optisch stark am QBD76 orientierte. So hat die Chordette ein kleines „Fischauge“, das Einblicke ins Innenleben gewährt. Aber auch klanglich konnten wir Ähnlichkeiten zum druckvollen, klaren und überaus flüssigen Charakter des großen Vorbilds feststellen. Allerdings sollte man sich für optimalen Klang auf WAV-Daten beschränken.