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23.09.2014

Test: Kompaktlautsprecher Nubert nuVero 4

Die kleine Wahrheit

Mit der „nuVero“-Serie will Nubert höchste Ansprüche befriedigen. Zum gewohnt hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis natürlich. Wir baten die kompakte „nuVero 4“ zum Konzert

von Tobias Zoporowski

Nie zuvor ist eine Produktlinie aus dem Hause Nubert mit größerer Spannung erwartet worden und – wer die Fachpresse des vergangenen halben Jahres verfolgte, hat es mitbekommen – mit mehr Vorschusslorbeeren an den Start gegangen, als die mittlerweile aus drei Modellen bestehende „nuVero“-Serie, die die Top-Reihe des schwäbischen Direktversenders bildet.

Vorausgegangen war ein pfiffiger Marketing-Coup, bei dem die interessierte Kundschaft per Internet-Gewinnspiel über den Namen und das finale Design der neuen Produkt-Range mitentscheiden durfte. Eine tolle Idee, um einem Modell bereits vorab einen Sympathie-Bonus zu bescheren.

Mit klarem Kurs

Dabei ist die „nuVero“, hier in Gestalt der kompakten Numero Vier, gar nicht zum Scherzen aufgelegt. Die Serie soll nichts weniger, als Nuberts ganzes Know-how aus über 30 Jahren Lautsprecherentwicklung repräsentieren und mit für den geforderten Preis bisher nicht gekannter Performance natürlich auch den ein oder anderen – gern deutlich teureren – Wettbewerber „ärgern“. Und das wird ihr ganz sicher gelingen, lässt doch der fair kalkulierte Verkaufspreis der nuVero 4 den investierten Entwicklungsaufwand und den Materialeinsatz nicht einmal ansatzweise erahnen.

So ist allein die vom skandinavischen Spezialisten Seas eigens für Nubert entwickelte 26-Millimeter-Gewebekalotte ein kleines Hightech-Schmuckstück für sich. Firmenchef Günther Nubert will bei diesem Hochtöner ein „exzellentes Rundstrahlverhalten, wie man es bisher nur von 19er-Kalotten her kannte“, realisiert wissen, was vor allem auch außerhalb des „Sweet Spots“ sitzenden Zuhörern zugute kommen soll. Der Tweeter koppelt bereits bei ungewöhnlich tiefen zwei Kilohertz an den 18 Zentimeter durchmessenden Tief-Mitteltöner an, um diesen zugunsten des Abstrahlverhaltens von denjenigen Frequenzbereichen zu entlasten, bei denen er die Schallaussendung bündeln würde. Das Chassis besteht aus einem Glasfaser-Verbundwerkstoff, der geringes Gewicht mit hoher Steifigkeit für hohe Impulstreue und geringe Verzerrungswerte miteinander kombiniert.

Wie bei den schwäbischen Pragmatikern nicht anders zu erwarten, folgt auch das ausnehmend ansehnliche Design des Gehäuses dem Diktat der bestmöglichen Klangausbeute. So sorgen die abgerundeten Kanten am Rücken der Kompaktbox für eine effiziente Reduzierung stehender Wellen im Inneren, während die markant zu allen Seiten überstehende Frontplatte Störungen im Abstrahlverhalten des Mittel- und Hochtonspektrums (so genannte „Kantendispersionen“) verhindern helfen soll.

Unvermeidbare „Reststörungen“ lassen sich dann mittels einer gewitzten Filterschaltung, die durch den Mittenschalter am Boxenrücken aktiviert wird, kompensieren. Überhaupt steckt hinter den insgesamt drei Kippschaltern, die zwölf individuelle Klangcharakteristika von neutral-analytisch bis hin zu druckvoll-warm ermöglichen, mehr Gehirnschmalz und Innovationskraft, als es zunächst den Anschein hat. Mehr zur komplexen Technik bietet der Kasten auf der linken Seite.

Detailansicht der Nubert nuVero 4
Nubert-Lautsprecher haben stets eine ­Seitenan-gabe: Abgebildet ist die rechte Box, der Tweeter muss innen sitzen

Kleine Box ganz groß

Wenn uns ein Hersteller den selbstbewussten Hinweis zukommen lässt, seine neue Kompakte könne sich locker mit Standlautsprechern messen, so ist das oft wohlklingendes PR-Geschwafel, das sich nur allzu schnell beim ersten Hörcheck als unhaltbar erweist. Die nuVero 4 indes könnte in der Tat eine der wenigen Ausnahmen sein. So locker, breit gefächert und souverän brachte in jüngster Zeit kaum ein Lautsprecher mit solch handlichen Abmessungen Howard Shores opulenten „Der Herr der Ringe “-Soundtrack zu Gehör, der szenisch und mitunter unerwartet spontan von fein schwebenden Soloinstrumenten hin zu brachialem Orchestereinsatz wechselt. Die trendig-weiß lackierte Nubert „kachelte“ ihn mit gebührendem Nachdruck und immensem Tiefgang, etwa bei deftigen Paukenschlägen, in den Hörraum.

undefinedKEFs XQ20 (STEREO 1/08) mag Stimmen noch schärfer umreißen, Dynaudios Focus 140 (STEREO 10/05) Räume noch einen Tick weiter ausleuchten, doch Nuberts Edelkompakte bietet letztlich das derzeit stimmigste Gesamtpaket aus Musikalität, Akkuratesse, Basskraft und Universalität im Kleinformat. Und dies durch das fehlende Händlernetz zu einem verführerisch niedrigen Kurs. Da kann unsere anerkennende kleine Wahrheit nur lauten: Fünf Sterne!

Innovation im Rücken

Schalter zur Bass- und Höhenbeeinflussung kennen wir von fast jeder Nubert-Box. Und doch ist hier etwas grundlegend neu: Während der Höhenschalter (rechts) die Wahl zwischen „Sanft“ (ein fast „britischer“ Tonfall), „Neutral“ und „Brillant“ (nur empfehlenswert bei stark bedämpften Räumen) lässt, soll der neue Mittenschalter (links) die bei allen Lautsprechern stets systemimmanent auftretenden Kantenreflexionen an den Seiten der Schallwand kompensieren, die die oberen Mitten und das Hochtonspektrum störend beeinflussen. Die Kompensation ist in zwei Stufen schaltbar: „Neutral“ ist die hörbar angenehmere, aber messtechnisch vom Ideal abweichende Position, „Prägnant“ etwa für noch schärfere Konturen bei Solo-Gesangsstimmen nützlich. Mit dem Bass-Schalter hat Nubert erstmalig einen schaltbaren Wirkungsgrad verwirklicht: Die Stellung „Voluminös“ senkt den Gesamtwirkungsgrad ab, was ein wenig mehr Leistung fordert, tiefe Töne aber besser zur Geltung kommen lässt.

STEREO-Ausgabe

Dieser Artikel wurde in STEREO 04/2009 veröffentlicht

Profil

Nubert nuVero 4
Paarpreis um 1140 Euro
Maße: 23x40x36 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: Nubert
Tel.: 0800/6823780
www.nubert.de

Fazit

Souverän, lässig und druckvoll erobert sich Nuberts feine Kleine aus dem Stand die Pole-Position ihrer Preisklasse. Intelligente Filtertechnik macht die „nuVero 4“ zudem so universell einsetzbar wie kaum eine zweite Kompaktbox. Dass zudem auch Design und Verarbeitung stimmen, ist Ehrensache.

Laborreport

Der Messschrieb zeigt, dass die Bassschalterstellung „Voluminös“ zwei Funktionen erfüllt: Oberhalb von 80 Hertz wird der Pegel abgesenkt, der Gesamtwirkungsgrad so um etwa zwei Dezibel nach unten gezogen. So ergibt sich eine Erweiterung der unteren Grenzfrequenz bis auf etwa 45 Hertz. Der Lautsprecher klingt dann auch bei niedrigen Pegeln noch ausreichend basskräftig, bei höheren satter. Grandios für einen Kompaktlautsprecher! Insgesamt ist die Nubert sehr linear abgestimmt und erlaubt sich keinerlei Resonanzen, weder bei den Chassis noch beim Gehäuse. Als lupenreine Vier-Ohm-Box bekommt kein Verstärker, der sie antreibt, Probleme. Ebenfalls erwartungsgemäß tadellos präsentiert sich das Zeitverhalten in Form der Sprungantwort – es besteht kaum ein Versatz zwischen Hoch- und Tiefmitteltöner.

Frequenzgang
Sprungantwort