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24.10.2014

Test: CD-Spieler Meridian G 06.2

Klang-Pfund zum Spar-Preis

Das günstige Pfund macht’s möglich: Meridians neuer CD-Spieler G06.2 definiert das Preis-Leistungs-Gefüge seiner Klasse neu – und rückt ­dennoch qualitativ dicht zum großen Bruder auf

CD Spieler Meridian G 06.2

von Matthias Böde

Sparen lautet bei vielen das Gebot der Stunde – und möglichst viel aus seinem Geld zu machen. HiFi-Fans bietet sich jetzt eine seltene Gelegenheit zu beidem. Denn der hiesige Vertrieb von Meridian hat im Zuge der Schwäche des englischen Pfunds die Preise deutlich reduziert. So schlägt der schon zu diesem Preis phantastisch günstige Fünf-Sterne-CD-Player G08.2 (Test in STEREO 10/08) statt mit 4000 nur noch mit 3200 Euro zu Buche. Doch bevor Sie jetzt zum Händler stürzen: Es geht noch günstiger! Mit dem brandneuen G06.2 nämlich, der just für 2200 Euro auf den Markt kommt. Und da ist die tolle, weit reichende und sogar lernfähige Pultfernbedienung mit drin.

Der Vorgänger hatte zuletzt 2700 Euro gekostet. Nicht nur, dass die .2-Version diesen Preis deutlich unterbietet, legt sie auch klanglich gegenüber dem abgelösten Modell derartig zu, dass sie sogar dicht zum Achter aufschließt. Das ist insofern kein Wunder, als dass der G06.2 im gleichen robusten und formschönen Gehäuse wie der große Bruder sitzt und auch dessen praktisches, aber leider nicht ganz geräuschloses Slot-In-Lauf­werk nebst Steuer-Software geerbt hat. Die Schaltnetzteile sind ebenfalls praktisch identisch. Und doch funktioniert der G08.2 eigentlich ganz anders.

Für ihn haben die Briten eine aufwändige, DSP-gestützte Signalaufbereitung inklusive Upsampling des Datenstroms entwickelt. Beides haben sie sich beim G06.2 gespart. Zwar verfügt der über eine Neutaktung der Daten, was Jitter auf vernachlässigbare Größen reduzieren soll, einen hochwertigen 24 Bit/192 Kilohertz-Wandler des Typs AD1852 von Analog Devices und andere klangfördernde Kniffe des ausgesprochenen Digitalspezialisten  Meridian, doch fehlen ihm im direkten Vergleich doch einige Chips auf der deutlich geschrumpften Platine sowie der symmetrische Analogausgang. Der G06.2 will per Cinch-Leitung verkabelt werden.

Großer Bruder in Gefahr!

Letzteres ist gewiss kein Qualitätskriterium, spart aber die Hälfte der Bauteile für die so wegfallende invertierte Signalseite. Trotzdem würde man aufgrund der knapp skizzierten Unterschiede einen klaren Abstand zwischen den Player-Geschwistern vermuten – und liegt damit prompt falsch. Wir konnten es anfänglich kaum glauben, und angeblich war man auch bei Meridian überrascht bis peinlich berührt, wie nah der 06er dem 08er klanglich kommt.

Mit identischen Cinch-Kabeln an die ultimative Thorens-Vorstufe TEP3800 angeschlossen, setzte der G08.2 sich nur mit Hilfe seiner etwas ausgeprägteren Sonorität und Geschmeidigkeit sowie dem noch etwas festeren Bass vom neuen Familienmitglied ab. Der G06.2 tönte minimal präsenter, aber zuweilen in den Mitten sogar noch lockerer, und hielt in den unteren Lagen die Zügel nicht ganz so straff. Beides merkt man vor allem über Spitzenanlagen und unter Verwendung von Musiktiteln, die diese Differenzierung ermöglichen – hier etwa im knalligen, mehrstimmig vorgetragenen „Little Darlin’“ aus dem alten Poco-Album „Legend“.

Als wir den G08.2 auf die XLR-Variante des verwendeten HMS Gran Finale Jubilee umstellten, konnte er sich durch höhere Fulminanz und gelassenere Souveränität zwar deutlicher absetzen, doch in welchem Maß die symmetrische Verbindung positiv zum Tragen kommt, hängt sehr stark vom Einzelfall, also der Architektur der nachfolgend eingesetzten Geräte ab.

G06.2 schlägt Klassen-Referenz

Eine Preisklassen-Referenz im 2000-Euro-Bereich der Player ist Musical Fidelitys exakt so teurer A1 CD Pro. Der lässt so schnell niemanden passieren, aber im Duell mit dem G06.2 zog er doch den Kürzeren. Denn der Meridian zeigte die schöneren, natürlicheren Klangfarben, bot ein noch höheres Maß an Homogenität und bildete Räume ein wenig tiefer ab. Dass der A1 CD Pro in Sachen Dynamik die Nasenspitze ganz leicht vorne hatte, konnte den Sieg des insgesamt entwickelter und reifer tönenden G06.2 nicht mehr verhindern.

Der machte die sich ja schon im Vergleich mit dem G08.2 abzeichnende Sensation perfekt. Und führt uns zum Anfang zurück. Denn wer in einen G06.2 investiert, bekommt nicht nur unglaublich viel Klang fürs Geld – der Preisvorteil gegenüber dem großen Modell ist viel größer als der ohnehin geringe Klangverzicht.

Die wesentliche Elektronik sitzt auf einer kompakten Platine
Traten über Top-Amps zum Shoot-Out an: die beiden Meridians (r.) und Musicals A1 CD Pro (l.o.)

STEREO-Ausgabe

Dieser Artikel wurde in STEREO 03/2009 veröffentlicht

Profil

Meridian G 06.2

um 2200 Euro (in Schwarz oder Silber)
Maße: 44x9x36 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre (inkl. Anschlussgarantie)
Vertrieb: Audio Reference
Tel.: 040/53320359
www.audio-reference.de

Fazit

Es ist kein halbes Jahr her, dass wir Meridians G08.2 als „Über-Player“ auszeichneten. Und schon gibt’s den nächsten Sensationsspieler der Briten zu verkünden. Der G06.2 reicht nicht nur dicht ans hohe Klangniveau des übergeordneten Modells heran, sondern hält so deutlichen Preisabstand zu diesem, dass er der noch größere Preisknüller ist. Fünf Sterne – hätten wir einen sechsten zu vergeben, der neue Meridian hätte ihn verdient!

Laborreport

Die hervorragende klangliche Leistung wird durch einen ebensolchen Laborauftritt untermauert. Dass der Frequenzgang am oberen Ende um 0,4 Dezbel abfällt, spielt keine Rolle. Emphasis-CDs dekodiert der Meridian ohne Probleme. Das Rechteck- und Impulsverhalten ist gut. Mit 0,21 Prozent fällt der Klirrfaktor (400 Hz, -60 dB) sehr gering aus. Das gilt auch für die Aliasing-Verzerrungen von 0,011 Prozent (bei -30 dB). Minimal sind die Unlinearitäten des Wandlers von maximal 0,5 dB bis zu -90 dB hinab. Das ist der Pegel, den Gras beim Wachsen erzeugt. Erfreulich hoch fallen dagegen die Störabstände aus: 102 beziehungsweise 98 dB lauten hier die Werte für Digital Null und die Quantisierung. Mit knapp 2,5 Volt liegt die maximale Ausgangsspannung etwas höher als die der meisten anderen Player. In der Praxis ist dies ohne Bedeutung. Da zählt schon eher der niedrige Ausgangswiderstand von 48 Ohm. Kratzer und Informationsfehler meistert der G06.2 lässig. Die Leistungsaufnahme beträgt in Standby neun und im Leerlauf zehn Watt.

Rückansicht des CD-Spielers Meridian G 06.2
Das Anschlussprogramm umfasst auch Kommunikations- und Computer-Schnittstellen

Ausstattung

Ein Paar analoge Cinch-Ausgänge, Digitaldaten lassen sich über eine koaxiale sowie eine Lichtleiterschnittstelle abgreifen. Zusätzlich stehen Anschlüsse für Meridian-Systeminstallationen und Computer zwecks Updating bereit. Die Bedienung erfolgt über große, griffige Tasten, die mehrfach belegt sind. Man kann bequem zwischen den Menü-Ebenen wechseln. Das gut ablesbare Display lässt sich mehrstufig dimmen. Außerdem: Phasenumkehr, Wiederhol- und Programmfunktionen, vielfache Zeit- und Restzeitanzeigen, lernfähige Tischfernbedienung.

Stichwort

Upsampling

Hochrechnen des CD-Datenstroms auf eine höhere Abtastrate und Verlängerung der Bit-Wörter. Upsampling ist oft klanglich von Vorteil.