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26.11.2014

Anlage: Harman/Kardon Serie 980

Perfekter Weißabgleich

Der blau illuminierten Gerätegeneration folgt bei Harman nun eine mit kaltweißem Licht, die nicht minder beeindruckend aussieht. Aber das ist nicht die einzige Veränderung, denn Harman ist in der günstigen Klasse besser und günstiger als jemals zuvor

Harman Kardon TU-980, HD-980 und HK-980

von Tom Frantzen

Aufbau und Konzept

Das neue Design mit der kaltweißen Illumination sieht vor allem an den Drehreglern bei Vollverstärker und Tuner umwerfend gut aus. Auch die abgerundeten Gehäuse sind ausgesprochen attraktiv und ihren kantigeren Vorgängern deutlich überlegen. Die genannten Drehregler vermitteln insbesondere in dunkler Umgebung aus den meisten Blickwinkeln das Bild eines Halbmondes.

CD-Spieler HD 980

Die neue Player-Generation vertritt der HD 980 in dieser Klasse allein, während die Vorgänger HD 970 und 950 die Stellung noch als Duo hielten. Dass der 980 mit 300 Euro zwischen beiden positioniert und dabei auf den beim 970 noch für externe Geräte zugänglichen Wandlereingang verzichtet wurde, stützt diese These, denn der noch zu erwartende Player HD 990 wird deutlich teurer ausfallen.
Superb finden wir beim HD 980 die CD-Text-Funktionen und die Eignung als MP3-Spieler (von CD-R/RW) inklusive ID3-Tags. Der eingesetzte DSP verfügt über eine Wortlänge von 32 Bit,   zudem setzt Harman auf Enhancing/Upsampling (24Bit/ 176 Kilohertz), als D/A-Wandler kommt ein Wolfson WM8740 zur Anwendung. Im HD 980 wurde auf extreme Jitterfreiheit und – wie unsere Messungen zeigen, erfolgreich – höchste Rauschfreiheit geachtet.

Tuner TU 980

Beim Tuner TU 980 handelt es sich um einen hybriden UKW- und DAB-Empfänger (Band III und L-Band) mit – von den bei allen Harman-Geräten arg klein geratenen und suboptimal beschrifteten Tasten abgesehen – hohem Bedienungskomfort. Hierzu zählen wir auch die lobenswerte eigene Tuner-Fernbedienung! Insbesondere das automatische DAB-Setup sowie die Anzeigemöglichkeiten etwa für die übertragenen Bitraten und die Fehlerkorrektur konnten uns überzeugen, zumal uns schon mit einer kleinen Stummelantenne guter „Eins-Live-Diggi“-Empfang gelang. Wie schon im TU 970II wird ein Frontier Silicon-DAB-Frontend eingesetzt, als D/A-Wandler dient ein Wolfson WM 8725. 30 Speicherplätze für UKW und 99 für DAB sollten sicher für alle Lieblingssender ausreichen.
Auch als Analogtuner erreicht der Harman gute Werte für die Trennschärfe und hohe Übersteuerungsreserven für den Kabelanschluss, was ihn zur günstigen Universalempfehlung macht und sogar bei Freunden klassischer Empfängertechnik punkten lässt. Hier bekommt man ernst zu nehmende Digital- und Analogtechnik in einem Gehäuse. Mittelwelle soll hier als – HiFi-untaugliche – Dreingabe nicht ungenannt bleiben. Das kann der Harman ebenfalls bieten. Es soll ja Leute geben, die tatsächlich noch Mittelwelle hören.

Stichwort

L-Band

Frequenzbereich um etwa 1,5 Gigahertz, der bisher für lokale DAB-Bouquets genutzt wird. Wegen der hohen Frequenzen sind L-band-Netze sehr aufwändig und Empfänger oft nicht dafür ausgelegt.

Vollverstärker HK 980

Doch kommen wir zum Vollverstärker. Hier kommt uns – wie auch beim Tuner – doch abgesehen von der Designänderung einiges recht bekannt vor, was aber kein Nachteil ist, denn schon der HK 970 war – zudem gleich teuer – ein exzellenter Verstärker seiner Klasse. Für 500 Euro eher unüblich ausgestattet mit Phono MM, Aufnahmewahlschalter und Klangregelung, bildet der strompotent und für betont schnelle Signalverarbeitung ausgelegte 980 die Zentrale für ein hochkarätiges und klangstarkes Ein- oder Aufsteigersystem. Offensichtlich „abgespeckt“ wurde bei den Vorstufenausgängen, sie sind nun nicht mehr vorpegelbar. Das ist zu verschmerzen.

Bei allen drei Geräten ist ein Dimmen oder gar Abschalten der Displayanzeigen möglich. Das kann für eine gemütliche Zweisamkeit sicherlich mal nützlich sein. Andererseits haben aber auch die parallel laufenden CD-Text- und Radio/DAB-Text-Balken durchaus ihren technisch-visuellen Reiz.

Innenansicht des Harman Kardon Tuners TU 980
Der Tuner verfügt über getrennte Empfangsteile für DAB (vorn) und UKW/MW (hinten im Bild)

Der Klang

Im Hörtest hatte der ältere CD-Spieler HD 950 (Test in STEREO 7/05) gegen seinen Bruder überraschenderweise nicht die Spur einer Chance. Erwartet hatten wir eine große Ähnlichkeit, denn zweifellos war auch der 950 schon ein guter Player. Aber sein Laufwerk kommt deutlich schlechter mit unseren individuell erstellten CD-R-Samplern zurecht und wirkte vordergründiger, in den Mitten gar beinahe ein wenig ausgehöhlt. Auch in den Punkten Räumlichkeit und Kontrolle hat der 980er hörbar zugelegt. Der Vollverstärker hingegen klingt etwas feiner und weniger brachial, ähnelt dem HK 970 aber durchaus: agil und frisch, dabei im Bass kräftig und zupackend, druckvoll, aber stets sauber konturiert.

Harman gegen Cambridge

Erst im direkten Showdown gegen die (deutlich teureren) Mitbewerber undefinedAzur 640C V2 und 640A V2 von Cambridge endete der Höhenflug, zeigten sich geringfügige Einbußen, vor allem aber Charakterunterschiede. Die Briten trumpfen im Mitteltonbereich auf, wo beide Komponenten über eine reichere Palette an Klangfarben verfügen als die Amis und eine Homogenität an den Tag legen, die zielführend zu einer unfassbaren Räumlichkeit und einem superben Fluss beiträgt. Cambridge malt in den Mitten, wie es ein Kollege treffend formulierte, „mit dickerem Strich“, cremig und ungewöhnlich musikalisch. Auch die Tiefenstaffelung ist bei Cambridge ausgedehnter und wirkt dennoch authentisch, absolut glaubhaft. Dafür wirken die Harmänner stets einen für andere Hörertypen womöglich wichtigeren Tick anspringender, im Bass druckvoller und in den Höhen akzentuierter, aber je nach Software auch schneller zischelig. Das augenscheinlich ausgeprägtere Temperament, das sich womöglich auf die extrem schnelle Verstärkerschaltung des Harman zurückführen lässt, konnte jedoch nicht über die leicht unterrepräsentierten Brustkörbe der Sänger und Sängerinnen hinwegtäuschen, die etwas weiter hinten abgebildet wurden und zudem fahler wirkten.

Da die beiden Cambridge-Komponenten aber rund 500 Euro kostspieliger sind als die Amerikaner und zudem anders als der Harman-Amp kein Phono MM bieten, ist dieses Ergebnis superb, die Harman-Recken sind ganz hervorragende Geräte fürs Geld. Das gilt natürlich sinngemäß auch für den Tuner. Die Empfangsleistungen sind sowohl für DAB als auch UKW durchweg sehr ordentlich, und klanglich macht er ebenfalls eine gute Figur. Leicht sonor sprich insgesamt dunkler als der zum Vergleich herangezogene Top-UKW-Empfänger Restek Metrik sowie mit kleinerer Raumabbildung und engerer Wiedergabe im Mittelhochton ist er seinen günstigen Preis locker wert. Von einer besseren Pilottonfilterung würde er nochmal profitieren.

Fazit

Unter dem Strich zeigt Harman dezente Innovation, wo sie sinnvoll erschien und das – wie beim Tuner – vollkommen richtige Festhalten an alten Stärken in gelungener Kombination. Warum auch das Rad neu erfinden, wenn es sich bewährt hat und ohne Wenn und Aber „up-to-date“ ist?
Das neue Designkonzept überzeugt, auch wenn wir uns die Tasten bei allen drei Geräten – immer noch – größer gewünscht hätten. Technisch wie klanglich haben die Harmänner einen Platz weit vorne in ihren jeweiligen Marktsegmenten verdient und werden ihn mit dieser tollen Leistung auch weiterhin locker verteidigen können.

links: Beim Player fiel uns neben dem neuen Laufwerk das Schaltnetzteil (vorn im Bild) auf, das sämtliche Betriebsspannungen bereitstellt
rechts: Die Endstufen des Harman sind geradezu vorbildlich aufgebaut – diskret, kanalgetrennt, mit üppiger Stromversorgung, Schirmung zur Vorstufe und kurzen Signalwegen

Dieser Artikel wurde in STEREO 02/2009 veröffentlicht. Die Ausgabe können Sie über unsere Verlagsseite nachbestellen.

Vertrieb

Harman Deutschland
Tel.: 07131/480-0
www.harman-deutschland.de

Profil CD-Spieler

Harman HD 980

um 300 Euro
Maße: 44x7x33 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre

Harman Kardon CD-Spieler HD 980

Fazit

Ausgesprochen günstiger und dafür schon fast spektakulär gut klingender CD-Player.

Laborreport

Der Frequenzgang fällt minimal ab (-0,5 dB), Impulsverhalten, Abtastsicherheit, Verzerrungs- (0,012 % Klirr), Linearitäts- (0,2 dB) und Rauschwerte (112 dB!) sind allesamt prima. Super-Ausgangswiderstand (10 Ohm). Das Gerät verbraucht 0,1 Watt im Standby.

Ausstattung

CD-R/RW- und MP3-taugliches Laufwerk, Digitalausgänge koaxial/Lichtleiter, Fernbedienung. Das Netzkabel ist fest.

Profil Tuner

Harman TU 980

um 400 Euro
Maße: 44x7x30 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre

Harman Kardon Tuner TU 980

Fazit

Komfortabler und superb ausgestatteter sowie ordentlich klingender Tuner fürs Geld.

Laborreport

Die UKW-Empfindlichkeit ist für heutige Verhältnisse völlig okay (mono 2,51/stereo 79,4 µV bei 30/50 dB Fremdspannung), die Trennschärfe mit 49/49 dB für +/- 300 kHz bei 50 dB Fremdspannung gut. Den Kabeleinsatz begünstigt die hohe HF-Übersteuerungsfestigkeit. Auffallend hoch fallen die Pilottonverzerrungen (2,13 %) aus.

Ausstattung

DAB/UKW, RDS, Suchlauf, Senderspeicher.

Profil Verstärker

Harman HK 980

um 500 Euro
Maße: 44x12x39 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre

Harman Kardon Verstärker HK 980

Fazit

Kraftvoll und souverän sowie lebendig-flott aufspielender, moderner Vollverstärker mit guten Leistungsreserven, heute fast unüblicher, sehr universeller Ausstattung und somit insgesamt ausgesprochen hoher Alltagstauglichkeit – vom edlen Erscheinungsbild mal ganz abgesehen.

Laborreport

Zweimal 84 Watt an 8 und zweimal 133 Watt an 4 Ohm sowie immerhin zweimal 209 Watt Impulsleistung sind für einen 500-Euro-Amp alles andere als schmächtig. Die Verzerrungswerte (Klirr/Intermodulation) weisen stets mindestens eine gute Null (bei -1 dB zwei Nullen) hinter dem Komma auf und auch die Rauschwerte sind mit 86 dB (CD) und 78 dB (Phono MM) bei 5 Watt gut, mit 66 dB (CD) bei 50 Milliwatt indes etwas knapp. Die Frequenzgänge für Hochpegelsignale sind linealgerade, die für Phono MM fallen bei 20 Kilohertz um 1 dB leicht ab, der Kanal-Gleichlauf des Lautstärkestellers ist superb (0,1 dB) und der Bereich der Klangregelung überstreicht volle +/- 10 (Höhen) respektive +/- 12 dB (Tiefen). Die Stereo­kanäle trennt der Harman-Verstärker mit respektablen 63 dB, was zweifellos mit dem durchdachten Innenaufbau (Foto) zusammenhängt. Auch die Übersprechwerte zwischen den Eingängen liegen nahe 70 dB. Die obere Grenzfrequenz liegt jenseits der 110 Kilohertz, was harmantypisch auf einen besonders „schnellen“ Verstärker hinweist. Sehr gut ist aufgrund des niedrigen Ausgangswiderstandes (22 Milliohm) auch der Dämpfungsfaktor. Im Standby-Modus liegt der Stromverbrauch unter 0,1 Watt, im Betrieb (Leerlauf) um 37 Watt.

Ausstattung

Fernbedienung, Phono MM, Klangregelung, Anschlüsse für 4 Hochpegelquellen und 2 Aufnahmegeräte (In/Out) sowie 2 Lautsprecherpaare und Kopfhörer. Auch Vorverstärkerausgänge sind vorhanden, zudem ein – heute seltener – Aufnahmewahlschalter.