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20.10.2014

Klassiker: Phono-Vorverstärker Luxman LE-109

Luxmans Underdog

Als sie auf den Markt kam, wurde sie beinahe übersehen: die Phonovorstufe LE-109 von Luxman. Ein fataler Fehler, wenn man sie näher kennen lernt – und hört

Phono-Vorverstärker Luxman LE-109

 von Tom Frantzen

Anno 1986 standen die Zeichen schon beinahe komplett auf Digital. Und der HighEnd-Hersteller Luxman (Slogan „Luxman baut keine Massenprodukte“) bot entsprechend seinen brandneuen Vollverstärker LV-109 ohne den bis dato fast obligatorischen Anschluss für Plattenspieler an. Der LV-109 brach als Topmodell der LV-Serie auch mit weiteren Traditionen, denn zuvor wurde diese Baureihe von Hybrid-Verstärkern mit Röhrenvor- und Halbleiterendstufe dominiert, die sich zudem größter Beliebtheit erfreuten. Und die Geräte waren plötzlich schwarz. Ein Luxman solchen Kalibers und mit dieser Verarbeitungs- und Klangqualität war doch eigentlich immer eher silberfarben mit leichtem Champagnerschimmer gewesen. Und hätte sich womöglich besser verkauft als die sehr technische Anmutung der Serie.

Getrennt marschieren

Eine Besonderheit am satte 3700 DM teuren und 20 Kilogramm schweren LV-109, der unter der Ägide der damaligen Luxman-Mutter Alps respektive Alpine entstand und in einigen Märkten auch unter der Marke Alpine angeboten wurde, war zudem die Digitalsektion. Es handelte sich um den ersten verfügbaren Verstärker mit Digital-/Analog-Wandler an Bord. Mit gemessenen 2x 215/342 Watt Ausgangsleistung (STEREO 10/1986) zweifellos ein ausgesprochen potenter Vollverstärker, aber auf breiter Front durchgesetzt hat sich die Digitalschnittstelle im Verstärkerbau – klammern wir den A/V-Bereich einmal aus – bekanntlich nicht. Und deshalb ist der verkannte Teil des damaligen Gespanns heute noch interessanter, der Luxman LE-109. Denn das seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts operierende Traditionsunternehmen hatte seine Klientel keineswegs ganz aus den Augen verloren und bot für rund 1250 Mark eine ergänzende Phonovorstufe an, die es in sich hatte.

Rares Teil

Auf dem Gebrauchtmarkt recht selten anzutreffen und zudem weitgehend unbekannt, offeriert das flache und superb verarbeitete 44-Zentimeter-Gerät schaltbare Anschlüsse für zwei Plattenspieler, von denen der erste exklusiv MC-Tonabnehmern vorbehalten und mit etwa 100 Ohm (gemessen: 102 Ohm) abgeschlossen ist. „MC Straight“ nennt Luxman diesen puristischen Signalweg durchs Gerät, etwa am schaltbaren Subsonic-Filter vorbei. „Phono 2“ dagegen darf vorzugsweise ein MC-, aber auch ein MM-Tonabnehmer sein. Die (MC-)Eingangsimpedanz ist zwischen 3, 40 und 100 Ohm wählbar, die Verstärkung kann zwischen 0 Dezibel (MM), 22 und 32 dB gewählt und die Gesamtverstärkung zwecks Lautstärkeanpassung unabhängig davon um 10 oder 20 dB abgesenkt werden. Eine im Sinne der erreichbaren Rauschabstände sicherlich gute und flexible Lösung. Im Innern finden sich quasi zwei komplette Phonoamps mit bis hin zu den beiden Trafos kanalgetrennten Signalzügen und durchweg hochwertigen Bauteilen wie etwa besonders rauscharmen GM-FETs.

Klanglich ist die LE-109 eine unglaublich gute und gerade bezogen auf MC-Tonabnehmer zudem vielseitige Phonostufe, die in entsprechendem Zustand auch heute noch und dank der für Luxman charakteristischen leichten Wärme und des seidigen Glanzes prima mitzuspielen vermag. Rauschwerte von 65 dB sind durchaus brauchbar. Nur, wie gesagt, es kennt sie kaum jemand. Und so konnte der Autor seine neuwertige und originalverpackte LE-109 vor ein paar Jahren in einer Ebay-Auktion als „Vollverstärker“ ohne Bild (!) für eine Summe ergattern, die man heute für eine aktuelle CD bezahlt. Der realistische Gebraucht­preis dürfte indes für ein so gutes und funktionstüchtiges, aber rund 20 Jahre altes Gerät um 200-250 Euro liegen, also bei rund einem Drittel des Neupreises. Erfahrungsgemäß fällt der Wert in so einem Fall selten darunter.

Die Baureihe 117 ist übrigens eine abgespeckte, sprich vereinfachte Verwandte der 109er, in den Möglichkeiten also annähernd, aber nicht ganz vergleichbar. Sehen Sie sich auch mal die aktuell von TCG in Nordhorn (Telefon: 05921/7884927) vertriebenen Luxman-Geräte an!

Service

Im Reparaturfall ist man erfahrungsgemäß in der Luxman-Vertragswerkstatt K&N Audio gut aufgehoben.

Adresse
Rüschstr. 3-5
31840 Hessisch Oldendorf
Tel.: 05152/2909

Der Innenaufbau der Luxman LE-109 beweist den Aufwand: Es sind zwei komplette Phonostufen verbaut, dazu kommen der voll diskrete, bis hin zu den Trafos kanalgetrennte Aufbau und wertige Bauteile
Die LE-109 war auch als Umschalteinheit wischen zwei Plattenspielern gut