Sie sind hier: HiFi-Test / Lautsprecher / Kompaktboxen / Opera Callas
20.12.2014

Test: Kompaktlautsprecher Opera Callas

Dem Namen zur Ehre

Sie ist fein gemacht und steckt voller Überraschungen – die Callas von Opera ist anders als übliche Kompaktboxen, aber deshalb noch lange keine Diva

Kompaktlautsprecher Opera Callas

von Matthias Böde

Sie suchen eine Kompaktbox abseits vom Gewöhnlichen, die nicht sehr laut, aber besonders plastisch spielen und Musik quasi intravenös verabreichen muss, dafür aber auch ein paar Euro mehr kosten darf? Hier ist sie! Sie heißt Callas und stammt vom italienischen Hersteller Opera. Die Callas erfüllt sämtliche genannten Ansprüche par exzellence und ist obendrein erstklassig verarbeitet. Ein echtes Schmuckstück eben.
In dem nach bester italienischer Manier furnierten und mehrfach lackierten Gehäuse stecken nicht weniger als sechs Chassis des norwegischen Spezialisten Seas: ein 15er-Tiefmitteltöner mit Magnesiummembran und fünf Hochtonkalotten, davon drei auf der Rückseite der Callas. Die restlichen zwei sitzen ober- und unterhalb des Hauptstrahlers, wobei nur der untere den gesamten Frequenzbereich überstreicht, was Interferenzen vermeidet. Dem Tieftöner verhelfen zwei ebenfalls rückwärtige Reflexöffnungen zu mehr Druck.

Und es ist erstaunlich, wie viel Punch das zierliche Böxchen entwickelt. Was ihm an Fülle fehlt, macht es durch Impulsivität wett. So kamen die tiefen Schläge auf He Xun Tians „Para Mitá“ kernig und gehaltvoll. Obwohl das kleine Chassis dabei tüchtig auslenkte, tönte die Callas unangestrengt. Das Ende ist erreicht, wenn die Membran ohne Vorwarnung anschlägt. Bis es so weit kommt, hat aber schon längst der Nachbar geklingelt.

Mit Abdeckung noch besser?

Lauthörer kaufen eh andere Lautsprecher, und so liegen die eigentlichen Stärken der Opera denn auch etwa in ihrer überaus homogenen und markanten Stimmenwiedergabe. Fast holographisch stellt sie diese in den Raum. Aber nicht als luziden Abklatsch, sondern mit hoher innerer Festigkeit, ja beinahe authentischer „Präsenz“. Auch die Darstellung räumlicher Tiefe und schwebender Syntheziserwolken, die sich in der Ferne verlieren, ist ihr Metier. Um diese Vorzüge herauszukitzeln, mussten wir die Callas nicht anders platzieren als andere Kompaktmodelle. Zickig ist sie nämlich nicht.
Wem die Darstellung zu unmittelbar gerät, der darf ausnahmsweise die Blenden aufsetzen. Mit ihnen tönt die Italienerin ein wenig milder und sogar noch um Nuancen differenzierter – wohl deshalb, weil dann MDF-Stege den direkten Luftkontakt zwischen den vorderen Tweetern unterbrechen.
Dass die glänzende Opera dann nicht mehr auf den Hörnerv zielt, braucht niemand zu befürchten. Sie bleibt in jedem Fall ein hochkonzentriertes, ausgefeiltes und zugespitztes HighEnd-Konzept, das zur Aufmerksamkeit zwingt und eine enge Verbindung zwischen dem Hörer und der Musik schafft. Wer fragt da noch nach Allround-Eigenschaften und Partytauglichkeit? Lautsprecher, die allen gefallen wollen, gibt’s genug. Die Callas gefällt mir!

Technik

Dipol: Raum per Reflexion

Oberhalb von zwei Kilohertz arbeitet die Callas als Dipol. Das heißt, sie strahlt nach vorne wie hinten ab. Tiefe Töne breiten sich kugelförmig aus, hohe mit zunehmender Richtwirkung. Das Dipol-Prinzip sorgt hier für eine gleichmäßigere Beschallung des Raums. Und auch für mehr Reflex­i­onen von der Rückwand. Diese erreichen zeitverzögert das Ohr und bewirken oft eine natürlich anmutende Gelöstheit und Tiefe. Der Effekt hängt von der Oberfläche der Wand und dem Boxenabstand zu ihr ab.

Profil

Opera Callas
Paar um 3500 Euro
Maße: 22x37x37 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: TAD-Audiovertrieb
Tel.: 08052/9573273
www.tad-audiovertrieb.de

Fazit

Extreme Lebendigkeit sowie eine geradezu greifbar plastische und zugleich weiträumige Abbildung gehen Hand in Hand mit einem aufwändigen Dipol-Konzept und erstklassiger Verarbeitung. Im Bass ist die Callas durchaus profund, stößt dafür aber an Pegelgrenzen.

Laborreport

Der Frequenzgang der Opera verläuft grundsätzlich sehr linear. Auf eine bei Kompaktboxen beliebte Anhebung der oberen Bässe wurde verzichtet. Die während unserer Hörtests überhaupt nicht registrierbare Hochtondelle zwischen drei und zehn Kilohertz ist unserem Messverfahren geschuldet, das über sein kurzes Zeitfenster Reflexionen ausblendet. Aufgrund der Dipol-Abstrahlung der Callas addiert sich unter normalen Bedingungen die indirekte Energie über Reflexionen zum Direktschall hinzu. In der Praxis klingt die Opera keineswegs gedeckt, sondern frisch und präsent. Die gutmütige, ohne größere Peaks verlaufende Impedanzkurve bleibt stets oberhalb der Vier-Ohm-Marke. Die Sprungantwort zeigt ein praktisch synchrones Ansprechen der vorderen Hoch- mit dem Tiefmitteltöner innerhalb einer halben Millisekunde.

Frequenzgang
Sprungantwort