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22.07.2014

Test: Kompaktlautsprecher Canton Vento Reference 9.2

Gezähmte Wilde

Im November 2007 begeisterte uns die kleinste Canton Reference über alle Erwartungen hinaus. Umso gespannter waren wir auf die Nachfolgerin

Kompaktlautsprecher Canton Vento Reference 9.2

von Tom Frantzen

Tatsächlich ist die neue 9.2 ihrer Vorgängerin zum Verwechseln ähnlich. Dass das Gehäuse in der Rundung um einen Zentimeter breiter wurde, fällt jedenfalls nicht auf. Der Eingeweihte erkennt – das geänderte Typenschild lassen wir mal außen vor – lediglich die völlig anderen, von Canton (mit)entwickelten, sehr massiv wirkenden Terminals. Aber selbstverständlich endet die Weiterentwicklung nicht bei derart profanen Dingen, sondern geht – unauffällig – weitaus tiefer.
Insbesondere der Hochtonbereich erfuhr eine akribische Überarbeitung bis in winzige Details. So kommt hier statt der Alukalotte mit doppelter Schwingspule eine stark durchkeramisierte Aluminiumoxidkalotte als Überhangschwingspulensystem mit leichterer, niederinduktiver und thermisch besserer Einfachwicklung zum Einsatz. Dieser Hochtöner verfügt über eine Kalotte mit steilerer Rundung und einen um 1,2 Millimeter höheren Dome. Der geänderte Frontplattenaufbau sorgt im Übernahmebereich um drei Kilohertz herum für einen deutlichen Pegelgewinn und erheblich verringerte Klirrwerte. Dynamisch ist die Kalotte ihrem Konus-Mitspieler deutlich überlegen, denn sie kann Spitzen von 111 dB mühelos verkraften.
Doch auch der Tiefmitteltöner wurde in Details wie Sicke und Zentrierspinne weiter optimiert. So sollten seine Fähigkeiten gesteigert werden, „Druck“ in den unteren Lagen zu machen. Beide Lautsprecherchassis legten durch die Modifikationen an Kontrolle zu.
Mit dem Ziel eines noch ausgewogeneren Abstrahl- respektive Rundstrahlverhaltens ging das Entwicklungsteam um Frank Göbel auch die Weiche an und sorgte hier für eine noch geschmeidigere Anpassung im Übernahmebereich. Konfrontiert man die beiden Generationen der Reference 9 miteinander, so kommt es zu verblüffenden Effekten.

Geschmeidig, sanft und vollmundig

Je nach verwendeter Elektronik kann es nämlich mitunter durchaus passieren, dass das ältere Modell – subjektiv und im ersten Moment – besser gefällt. Die Verwandtschaft des Vortrags ist unverkennbar, aber die Energiebilanz ist leicht verschoben. So erscheint die Vento 9 – womöglich aufgrund des etwas höheren Klirrs – einen Tick offener, die 9.2 dafür geschmeidiger, sanfter und zugleich vollmundiger, da sie zudem im Bass die Nase noch einen Hauch vorne hat.
Beide verfügen über Tieftonqualitäten, die einer kleinen Standbox zur Ehre gereichen würden. Bei Lou Rhodes’ sehr direkt aufgenommenem Gesang im Titel „Bloom“ überzeugte die 9.2 mit der besseren Darbietung, zeigte mehr Punch, Natürlichkeit und Körper, auch in den Stimmen bei Nils Lofgrens „Keith Don’t Go“ und „Curtain Calls“ von Sara K. Unter dem Strich ist die neue Canton 9.2 aufgrund ihrer Homogenität und erhöhten Pegelfestigkeit noch etwas universeller und langzeittauglicher als die bereits ganz hervorragende 9. Sie ist zwar auch teurer geworden, die Superbox von Canton. Aber immer noch jeden Cent wert!

Technik

HighTech-Chassis

Die eingesetzten Lautsprecherchassis werden bei Canton mittels aufwändiger Simulationssoftware (Klippel) perfektioniert. Zu erkennen ist der „Beinahe“-Hornvorsatz der Hochtonkalotte (unten) und der „Triple Curved Cone“-Tieftöner aus Aluminium mit drei wirksamen Membranradien.

Profil

Canton Vento Reference 9.2
Paar um 2400 Euro
Maße: 23,5x40x33 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: Canton
Tel.: 06083/2870
www.canton.de

Fazit

War Canton mit der Vorgängerin ein spektakulärer Wurf gelungen, so gilt dies erst recht für die optimierte Reference 9.2. Es dürfte schwerfallen, in der Edelklasse der Kompakten eine universeller einsetzbare Box als diese zu finden. Audiophiler, ausgewogener und zudem dynamischer Klang! Phantastisch.

Laborreport

Der Amplitudenfrequenzgang zeigt, was man auch hört: Hier stimmt alles, es gibt weder Einbrüche noch Übertreibungen, die Box reproduziert linealglatt und ausgewogen bis 50 Hertz hinab. Auch abseits der Achse ist der Hochtonabfall ausgesprochen minimal, das Rundstrahlverhalten somit ausgezeichnet. Wir empfehlen Ständeraufstellung und leichtes Einwinkeln zum Hörplatz. Der Wirkungsgrad von 83 dB ist für einen Lautsprecher durchschnittlich, für eine Kompaktbox aber gut. Exzellent ist die Sprungantwort, die ein einwandfreies, praktisch versatzloses Timing der beiden Chassis zeigt – und die ebenso anspringende wie glaubhafte Lebendigkeit des Vortrags erklärt. Der Impedanzverlauf offenbart ein Minimum von 3,2 Ohm um 50 Hertz, was normgerecht ist – ein stabiler Verstärker kann trotzdem nicht schaden!

Frequenzgang
Sprungantwort