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29.07.2014

Test: Kompaktlautsprecher B&W 805 S

Keine Kompromisse

In die 805 S haben die Briten das ganze Know-how ihrer Topserie gepackt. Und genauso klingt die Edelkompakte auch

Kompaktlautsprecher B&W 805 S

von Tobias Zoporowski

Eine undefinedB&W soll’s sein, aber der Platz reicht nicht für ’ne Große? Kein Problem. Schließlich bieten die Briten in jeder ihrer Modellreihen auch Lautsprecher in kompakter Bauform an. Richtet man den Blick auf die Top-Linie 800, gibt es mit der 805 S gar eine Box, die alle Attribute der Flaggschiffe sozusagen als komprimierte Essenz in sich vereint. So könnte es durchaus passieren, dass Sie – einmal von der Mini-800 „angefixt“ – die Frage nach einer Standbox gar nicht mehr stellen wollen.
Hier ist nämlich alles geboten, was auch die ausgewachsenen Schwestern ausmacht: Angefangen vom wunderschön gearbeiteten, nach hinten rund zulaufenden Gehäuse, das innen mittels einer extrem aufwändig ausgeführten Matrix beruhigt und versteift wird, über den selbstverständlich nach Art des Hauses aus Kevlar gewobenen Tief-Mitteltöner mit seinem charakteristischen „Phase Plug“ in der Mitte, bis hin zur markanten, aufgesetzten Hochtonröhre, in der eine 25-Millimeter-Aluminiumkalotte ihren Dienst schiebt. Dass die 16,5-Zentimeter durchmessende Gewebemembran im Bass aus der strömungsgünstigen und ultraleisen „Flowport“-Bassreflexöffnung ausatmet, deren Oberflächengestaltung an einen Golfball erinnert, ist bei B&W Ehrensache.
Ein Geheimnis des bis hin zu Extrempegeln verzerrungsfreien Klangbildes ist das von den britischen Entwicklern ersonnene „Balanced Drive“- Magnetsystem. Dem Magneten werden hier gezielt Kupfer- und Magnesiumkomponenten beigefügt. So werden Induktivitätsschwankungen der Schwingspule während der Bewegung im Magnetfeld minimiert.

Klar, knackig und strukturiert

Im Hörtest gefiel uns B&Ws edelste Kompakte denn auch mit einem wunderbar entspannten, fein ausbalancierten und räumlich großen Klangbild. Im Bass bleibt sie straff und eher schlank, was etwa Nils Lofgrens teils aberwitzig schnell gespielte Gitarre bei  „Keith Don’t Go“ mit viel Verve darbot. Dass sich uns die Schwebungen und Obertöne der Saiten bis in die feinsten Details mitteilten, ist ein Verdienst des bekannten Hochtöners, der – obwohl nun schon einige Jahre gebaut – in Kombination mit der exakt berechneten Röhre noch immer zu den besten seiner Klasse zählt. Was auch dazu führt, dass die 805 S gegenüber weniger sorgfältig gemastertem Material gnadenlos ist und jeden Fehler aufdeckt. So mochte bei den Red Hot Chili Peppers („Hump De Bump“, „Dani California“) trotz des knackigen Funk-Beats ­keine rechte Freude aufkommen. Die Aufnahmen neigen aufgrund fieser Kompression zum Zischeln. Die feine, britische Dame möchte also gern mit ebenso exzellenter Software gefüttert werden, um ihre ganze Klasse auszuspielen, die sie in Sachen Raumabbildung, Tiefenstaffelung und Natürlichkeit in dieser Liga ganz vorn mitspielen lässt. Da macht die B&W keine Kompromisse!

Info

Anti-Action: Die Matrix

Obschon B&Ws aufwändige Gehäuseversteifung ihren Namen mit einem Actionstreifen teilt, handelt es sich mitnichten um Fantasy, sondern um solides Handwerk. Das Gitter aus ineinander verzahnten Holzplatten (r.), die in mehreren Ebenen rechtwinklig zueinander angeordnet sind, sorgen für eine extreme Versteifung des Lautsprechergehäuses. Resonanzen sind somit kaum vorhanden. Durch die eingefrästen Löcher in den Querverstrebungen können die verbauten Chassis praktisch das gesamte Innenvolumen des Kabinetts ausnutzen. Zudem wird jede Zelle zusätzlich mit Schaumstoff bedämpft.

Profil

B&W 805 S
Paar um 2600 Euro
Maße: 24x42x35 cm (BxHxT)
Garantie: 10 Jahre
Vertrieb: B&W Group
Tel.: 05201/87170
www.bowers-wilkins.de

Fazit

Alle Attribute, die wir aus B&Ws Topklasse kennen, haben die Engländer in eine kompakte Bauform gegossen. Dass der Bass nicht so weit hinabreicht wie bei den Standmodellen, ist logisch und für die 805S eher ein Vorteil. Sie musiziert – sehr gute Software vorausgesetzt – gelöst und herrlich entspannt.

Laborreport

Wie wir es von Bowers & Wilkins nicht anders kennen, ist auch die 805 S sehr sauber abgestimmt und überzeugt mit einem unkritischen Frequenzverlauf. Der kleine „Dip“ bei einem Kilohertz ist für 17er-Tiefmitteltöner fast typisch und spielt klanglich keine Rolle. Der Bassbereich ist eher knackig und punchig als abgrundtief, was dem Klangbild zugute kommt. Im Übernahmebereich zwischen Tiefmittel- und Hochtöner ist eine winzige Lücke erkennbar, die vermutlich von der Montage des Tweeters außerhalb des Lautsprechergehäuses herrührt, aber keinerlei tonale Brüche in der Darbietung verursacht. Auch der Impedanzverlauf ist sehr unkritisch, selbst Röhrenverstärker dürften sich an der kompakten Engländerin heimisch fühlen. Die Sprungantwort ist für eine Zwei-Wege-Konstruktion typisch, das Timing absolut okay.

Frequenzgang
Sprungantwort