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22.10.2014

Plattenspieler inklusive Kopierstation

Einfacher kann man seine Schallplattensammlung kaum auf CD archivieren. Nur der Klang lässt zu wünschen übrig

Um ein Profigerät handelt es sich  beim LP 2 CD (sprich: „LP to CD“) nicht. Dafür ist seine Verarbeitung zu plastik-like, die Mechanik etwa des Arms mutet obendrein wenig stabil an.
Interessant ist der Ion aber allemal, schließlich haben wir es mit einer vollwertigen und sehr komfortabel zu bedienenden Kopierstation zu tun. So lädt der pfiffige Silbermann die Analogscheiben zunächst in einen Flash-Zwischenspeicher, in dem sich etwa die Titelfolge umsortieren lässt, und brennt daraus auf Knopfdruck eine CD. Die Rohlinge müssen allerdings den „Audio only“-Stempel tragen.

Im Lieferumfang enthalten ist die Bearbeitungssoftware „Audacity“. Via USB-Schnittstelle kann man seine analogen Schätze also auch auf seinen Computer kopieren und Knackser sowie Rauschfahnen minimieren. Die ebenfalls beigepackte Software „EZVC2“ sucht in der Online-Datenbank „Gracenote“ nach Titelnamen und Covern, was zum Archivieren der Plattensammlung sehr nützlich ist.

Ein Wermutstropfen ist der recht dürftige und dünne Klang des Analoglaufwerks, der HiFi-Fans keine rechte Freude bietet. Der Ansatz ist aber lobenswert.

Vier Disco-Systeme von Ortofon im Check

Die Messdiagramme zeigen deutlich, dass alle vier MM-Tonabnehmer auf demselben Grundmodell basieren. Das Concorde Gold (um 170 Euro, grüne Kurve) und das Nightclub E (um 150 Euro, blaue Kurve) sind mit ihrer weitgehend linearen Abstimmung die richtige Wahl für den HiFi-Hörer. Ihr elliptischer Nadelschliff holt aufgrund seiner engen Verrundung viele Feininformationen aus der Rille. Beide klingen sehr knackig, geschmeidig und durchaus gut strukturiert, wobei das „Nightclub E“ noch etwas mehr Punch im Bass bietet.

Das Q.Bert (um 120 Euro, rote Kurve) und das Pro S (um 90 Euro, violette Kurve) zeigen beide einen zurückgenommenen Präsenzbereich, was bei Club­lautstärke (oft sind dort ja PA-Systeme mit Hornlautsprechern im Einsatz) sinnvoll ist. So sind Druck und Attacke da, ohne dass es in den Ohren schmerzt.

Diese Abnehmer tasten mit sphärisch geschliffenen Nadeln ab. Sie dringen tiefer in die Rille ein, haften somit besser, was sie fürs Mixing, Scratching, Backspinning und sonstige DJ-typische Kunstfertigkeiten prädestiniert. Im Klang setzen sie auf Bass und Druck, weniger auf Details und Staffelung.

Ortofons Q.Bert gilt als der „lauteste“ Tonabnehmer der gesamten Szene
DJs best choice: Das Nightclub E gilt als langlebig
Das Concorde Pro S benötigt mit vier Gramm eine ­hohe Auflagekraft

Profis über Profis...

Interview mit M. Schmittmann von der Elevator GmbH

STEREO: undefinedElevator.de ist Deutschlands größter Versender für DJ-Bedarf. Hat der analoge Plattenspieler bei Ihnen noch immer die Nase vorn?
Max Schmittmann: „Noch immer“ trifft es genau. Aufgrund seiner physikalischen Eigenschaft ist der Turntable für die meisten DJs in Deutschland nach wie vor das Nonplusultra. In anderen Ländern, etwa in   Australien, ist die CD als Auflegemedium auf dem Vormarsch.
STEREO: Weshalb, denken Sie, haben die analogen Maschinen über Jahrzehnte die Clubszene bestimmt?
Max Schmittmann: Der Plattenspieler bietet einfach ein unvergleichliches Handling für die handwerklich sehr anspruchsvolle Kunstform des Mixings und Scratchings. Man kann den Tonträger anfassen, man kann direkt am Medium abbremsen, anschieben und manipulieren. Man spürt die Kraft des Motors und sieht die Position der Nadel auf der Platte. Dadurch ist man als DJ im wahrsten Sinne des Wortes in Tuchfühlung mit der Musik. Zudem sind robuste Dreher auch in widrigen Umgebungen sehr langlebige Geräte. Abgesehen davon schwören viele DJs auf den warmen Analogklang.
STEREO:Gilt der Technics SL-1210 noch immer als Maß der Dinge?
Max Schmittmann: Der 1210er hat Kultstatus und ist ein klasse DJ-Turntable. Aber es gibt mittlerweile Geräte, die den Technics technisch wie auch vom Preis-Leistungs-Verhältnis in den Schatten stellen.  
STEREO: Welche sind das zum Beispiel?
Max Schmittmann: Bei uns sind seit einigen Jahren die Plattenspieler von Reloop, dem größten deutschen DJ-Equipment-Her-steller, die meistverkauften.