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01.10.2014

Klassiker: Tonabnehmer AKG P8ES

Maximale Transparenz

1977 kam ein absoluter Superstar der Tonabnehmerszene auf den Markt, das AKG P8ES. Mit seiner extrem geringen bewegten Masse, dem Moving Iron-Prinzip, AKGs TS-System und der markanten Form wurde es zum Synonym für den modernen Abtaster

Tonabnehmer AKG P8 ES
Das Tonabnehmersystem AKG P8 ES kam 1977 auf den Markt und wurde für immerhin 300 DM ein großer Erfolg in der Spitzenklasse

von Tom Frantzen

Das Traditionsunternehmen Akustische & Kino-Geräte in Wien, gegründet 1947 und heute Teil der Harman-Gruppe, ist als Spezialist für Kopfhörer, Mikrophone und – bis zur CD-Ära – Tonabnehmersysteme bekannt geworden.
Insbesondere das 1977 in der Literatur erstmalig erwähnte und Ende der 70er noch einmal durch einen höherwertigen Diamanten und geringere Nadelmasse unauffällig aufgewertete AKG P8 ES zählte nach einhelliger Meinung sämtlicher Tester zur Spitzenklasse der nach dem Moving Magnet- oder der Unterart, dem Moving Iron-Konzept, funktionierenden Systeme. Es wurde in einem Atemzug mit den Shure V15-Tonabnehmern, dem Sonus Dimension 5, dem Grace F-9 oder den gehobeneren Grados genannt und galt für rund 300 DM als gute Alternative zu den in der Regel noch kostspieligeren und einer weiteren Vorverstärkung bedürfenden MC-Tonabnehmern. Zudem passte es mit seiner Einpunkt-Schneidenlagerung (TS-System) und dem weichen Gummilager hervorragend in die Zeit der leichten Thorens Isotrack- und Dual ULM-Tonarme, war aber auch häufig am SME 3009/III oder massearmen Hadcock-, Helius-, Rega- und Micro Seiki-Armen zu finden. Beim Diamanten handelte es sich um ein kristallorientiert elliptisch (5x18µ) geschliffenes, nackt montiertes Stäbchen.
Die von STEREO ermittelte optimale Auflagekraft lag bei 12 Millinewton, sprich 1,2 Gramm, was am oberen Ende der Herstellerangabe liegt. Da die Resonanz ausgeprägt ist, empfahlen die Kollegen seinerzeit einen Tonarm mit Dämpfungsvorrichtung und attestierten „Spitzenklasse, Preis-Gegenwert-Rela­tion: sehr gut“. Auch die „HiFi Stereophonie“ war – 1977, also von der ersten Version – angetan: „Klangneutral, im Vergleich zum Band etwas mehr Brillanz im Obertonbereich bei ausgezeichneter Durchsichtigkeit, wie P8E; klanglich nahezu Spitzenklasse.“

Geschwisterbande

Audio Trade lieferte mit dem AC1 ein eigenes Tonabnehmersystem auf Basis des kantigen, interessanterweise durchsichtigen AKG aus. Es unterschied sich durch einen leicht braunorange eingefärbten Gehäusekörper und einen aufwändigeren 4x45µ-„Line Contact“-Diamantenschliff vom AKG, war mit rund 375 Mark deutlich teurer – und wurde natürlich auch von AKG gefertigt.
Dieses ATR war nach einem eher preiswert-robusten 680EE von Stanton mein erstes „besseres“ Tonabnehmersystem an meinem Thorens TD 115. Ich betrieb es eine ganze Weile, auch später noch an einem TD 160 Super und war sehr zufrieden. Das AKG/ATR war ein bei aller Ausgewogenheit leicht hell timbriertes, ausgesprochen transparent und präzise zeichnendes System, das auch unter Jazz/Klassik-Liebhabern viele Abnehmer fand.
Leider härteten die Gummilager der AKGs besonders stark aus, was die Systemparameter mit der Zeit bis hin zur Unbrauchbarkeit veränderte. Nur eine Tiefkühllagerung (der Ersatzeinschübe) hielt diese Entwicklung auf. Das beendete auch die Liaison zwischen meinem ATR und mir zugunsten eines kernigen Denon DL-103D.
Mit Ersatz-Nadeleinschüben wird es also schwierig. Es gibt immerhin Nachbauten des X8ES-Einschubs, der auch in die kleineren Geschwister P8E, P7E und P6E passt und mitunter für rund 25 Euro zu haben ist. Nicht viel, um eine Legende am Leben zu halten, oder?

Die Weiterentwicklung

Der Nachfolger P25MD (ausgeliefert in den Varianten „24“ und „35“ mit unterschiedlicher Nadelnachgiebigkeit für mittlere und leichte Tonarme) konnte nach meiner Erinnerung noch recht gut an den Erfolg anknüpfen, auch wenn er in seinem abgerundeten Gehäuse nicht so unverwechselbar charakteristisch wirkte wie das ES.
Aber die Fans vermissten „ihr“ AKG so stark, dass – „leider“ im gleichen Kunststoffgehäuse der P25/P15-Familie – ein P8ES Super Nova mit Van-den-Hul-Nadelschliff nachgeschoben wurde. Dieses bildete gewissermaßen den krönenden Abschluss der P8ES-Historie.

Stichwort

Moving Iron

Hier befindet sich am Nadelträger – anders als beim MM-Prinzip – kein Permanentmagnet, der sich direkt zwischen den Spulen bewegt, sondern indirekt ein kleines, leichteres Eisenröhrchen innerhalb eines Magnetfeldes. Auch Grado-Tonabnehmersysteme arbeiten so.

Service

Ersatznadeleinschübe sind nur noch als (gute) Nachbauten erhältlich. Originale dürften, außer tiefgekühlt gelagerten, wegen alternder Gummilager heute kaum mehr verwendbar sein
Link: www.akg.com

Technik im Detail: Aus diesen Teilen bestand AKGs legendäres P8ES: 1. Nadeleinschub 2. Tonnadellager 3. Lagerbügel 4. Nadelträger 5. Eisenröhrchen 6. Polstäbe (4x) 7. Magnetspulen (4x) 8. Permanentmagnet 9. Magnettopf 11. Diamant 10. Polplatte 12. Nadelschutz 13. Anschlüsse
Das Bild zeigt – übrigens am Schwestermodell des AKG P8E/ES, dem AC1 von Audio Trade –, die vergoldeten Anschlüsse. Kenner wissen, hier sollte man mit Pinzette anschließen