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29.09.2014

Klassiker: Cassettendeck Denon DR-M44 HX

Mehr Kopffreiheit

Dolby „HX Pro“ steht für „Headroom eXtension“ – zu deutsch „erweiterte Kopffreiheit“. Gemeint ist nicht der Autofahrer mit Hut, sondern eine ­größere Aussteuerungsreserve. Denons 44er hatte den Dolby-Chip an Bord

Denon Cassettendeck und Recorder DR-M44 HX

Denon war beileibe nicht der erste Hersteller, der das neue Dolby-System einsetzte, aber der DR-M 44 HX war einer der beliebtesten dieser Gattung. Schon 1982 hatte Bang & Olufsen HX Pro entwickelt und erstmals in seinem Beocord 9000 eingesetzt. Vermarktet und an andere Gerätehersteller lizenziert wurde das System aber dann von Dolby.
Im Gegensatz zu Dolby B oder C ging es bei HX Pro nicht darum, das Rauschen zu unterdrücken, sondern die Höhenaussteuerbarkeit zu verbessern. Dazu wurde die Vormagnetisierung nicht auf einen festen Wert eingestellt, sondern abhängig vom Musiksignal geregelt: Bei kräftigen Hochtonanteilen wurde sie verringert, denn weniger Bias bedeutet bessere Höhenaussteuerbarkeit.
Die HX-Pro-Ausstattung war nicht das einzige Feature, das Denons 44er dem kleineren Bruder DR-M 33 voraus hatte. Äußerlich waren die beiden Decks zwar kaum zu unterscheiden, aber im großen Modell werkelte ein Capstan-Direktantrieb – Garant für optimalen Gleichlauf und Langzeitstabilität. Außerdem war der 44er mit einem Einmesscomputer ausgestattet, der Vormagnetisierung und Aufnahmeverstärkung automatisch auf die eingelegte Bandsorte optimierte. Solche Einmess-Automatiken waren damals ungefähr so beliebt wie heutzutage die automatische Raumeinmessung bei AV-Receivern.
Ein weiteres Privileg der gehobenen Recorder-Klasse waren – schon seit Spulentonbandzeiten – getrennte Tonköpfe für Aufnahme und Wiedergabe, die Hinterbandkontrolle ermöglichten. Damit die Wiedergabe während der Aufnahme auch wirklich naturgetreu klang, mussten auch die Dolby-Chips doppelt vorhanden sein – einer für Aufnahme, einer für Wiedergabe. Deshalb schrieb Denon stolz „Double Dolby System“ auf die Front. Einfachere Decks verwendeten nämlich einen einzigen Rauschunterdrückungsbaustein wahlweise für Aufnahme oder Wiedergabe.

Um die Insignien des Top-Decks zu komplettieren, spendierte Denon dem 44er – wie auch dem DR-M 33 – einen Doppel-Capstan-Antrieb. Dabei wird das Band von zwei Capstanwellen/Andruckrollen in die Mangel genommen – einmal vor und einmal hinter den Tonköpfen. Zweck der Übung ist, einen konstanten Band-Kopf-Kontakt unabhängig vom Andruckfilz der Cassette herzustellen und andererseits Ruckelbewegungen, die durch unebene Bandwickel entstehen können, auszufiltern. Denn solches Ruckeln versetzt das Band in Längsschwingungen, und die legen sich wie ein rauer Belag auf den Klang, lassen insbesondere Stimmen heiser klingen. Gemessen wurde dieser Effekt über die unbewerteten („linearen“) Gleichlaufschwankungen. Sie sind bei Doppel-Capstan-Antrieben generell nur etwa halb so groß wie bei Laufwerken mit Single Capstan.
Dass solche aufwändigen Decks über leichtgängige Tipptasten bedient wurden, war in dieser Preisklasse längst selbstverständlich. Infrarotfernbedienungen gehörten dagegen Mitte der Achtziger noch nicht zum Standard. Immerhin konnte man an das Denon-Deck aber eine – als Zubehör erhältliche – Kabelfernbedienung anstöpseln.

Dank der robusten Konstruktion des DR-M 44 HX dürften etliche Exemplare heute noch im Einsatz sein. Und weil Denon als Firma die Cassetten-Ära überlebt hat, gibt’s den Service noch heute original vom Hersteller aus Nettetal. Die Ersatzteilbe­stände, so sagt man uns allerdings bei Denon, haben sich mittlerweile stark gelichtet. Schließlich ist das Deck nun schon 23 Jahre alt.

Profil

Denon DR-M44HX

Cassettendeck mit Doppel-Capstan-Direktantrieb, Hinterbandkontrolle und Dolby HX Pro
Markteinführung: 1985
Damaliger Neupreis: um 1500 DM

Service

Wenden Sie sich in Repara­turfragen bitte an den Denon-­Service:
Tel: 02157/1208-0 oder www.denon.de > Kontakt > Ersatzteile.

Weitere Service-Infos finden Sie unter www.dm-sn.com.

Stichwort

Hinterbandkontrolle

Damit man das Ergebnis noch während der Aufnahme kontrollieren kann, wird das Signal von einem separaten „Hörkopf“, der wenige Millimeter hinter dem „Sprechkopf“ sitzt, abgetastet.

Blick auf den Bandlauf (von links): Bandführung, Capstanwelle/Andruckrolle links, Löschkopf, Aufnahmekopf, Wiedergabekopf (an der Mutter rechts daneben wird der Azimut justiert), Capstanwelle/Andruckrolle rechts
Die Werte für Vormagnetisierung und Aufnahmeverstärkung, die der Einmesscomputer ermittelt hat, lassen sich speichern („Memory“) und jederzeit wieder abrufen. Dolby HX Pro ist – sinnvollerweise – bei der Aufnahme stets aktiv