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25.10.2014

Test: Standlautsprecher Phonar Veritas P7

Nichts als die Wahrheit

Mit der Baureihe „Veritas“ (Wahrheit) verfolgt der traditionsreiche norddeutsche Hersteller Phonar das Ziel, audiophile ­Tugenden ­universell und bezahlbar zu machen

Standlautsprecher Phonar Veritas P7

von Tom Frantzen

Mit dem Modell P7 präsentieren die Schleswig-Holsteiner mit 40 Jahren Lautsprechererfahrung im Rücken das Flaggschiff der anspruchsvollen Serie, aus der wir mit unverhohlener Begeis­terung schon die P5 getestet haben.

Aufbau und Technik

Die große Schwester, die uns „ganz in Weiß“ erreichte, ist nun mit 115 Zentimetern Scheitelmaß um fast 18 Zentimeter höher und wiegt immerhin auch noch einmal neun Kilogramm mehr. Der 18er-Tieftöner musste hier einem 21er weichen, den die Norddeutschen aber dennoch auf der Schallwand unterbringen konnten, indem sie kurzerhand den Einbauring „linearisierten“. Ein zweiter 13er-Tiefmitteltöner lässt zudem gegenüber der P5 einen nochmaligen Dynamikzuwachs erwarten, so dass wir uns schon im Voraus auf einen ausgewachsenen Schallwandler mit ausgedehnteren Tiefbasseigenschaften und Pegelreserven gefasst machten.
Gemeinsam mit Peerless entwickelten die Tarper die drei Konuschassis mit dünnen, beim Basstreiber gar kohlefaserverstärkten Nomex-Papier-Membranen und massiven Aluminium-Körben. Während der speziell beschichtete Tief-Mitteltöner seinen Dienst auch schon in der P5 – dort allerdings als Solist – antrat und nun im Duett auf ein geschlossenes Gehäuse arbeitet, werkelt der 21er-Langhub-Tieftöner auf eine völlig separate Bassreflexkammer von 50 Litern Volumen. Das HDF/ MDF-Gehäuse ist durchdacht und resonanzarm konstruiert.

Die Frequenzweiche ist mit einer Impedanzlinearisierung versehen, die um 100 Hertz herum akustisch eingreift und eine Überhöhung verhindert

Die in Quasi-d’Appolito-Anordnung eingerahmte Seas-Kalotte TTF 29 ist mit ihrer 29-Millimeter-Membran, Ferrofluid-Kühlung und der auffallend breiten Aufhängung sehr tief ankoppelbar (950 Hertz Freiluftresonanz) und hoch belastbar, was der Dynamik zugute kommt. Für eine richtig gute Idee halten wir die Hochton-Pegelanpassung. Durch einfaches Umstecken lässt sich hiermit – auch in Abhängigkeit von der Bedämpfung des Raumes – der gewünschte Hochtonanteil (linear 0, +1 oder + 2 dB) wählen. Die Blechbrücken im Terminal müssen natürlich mindestens gegen Kabelstücke ausgetauscht werden. Apropos, die Innenverkabelung der zweiteiligen Weiche ist mit In-Akustik-OFC-Kabeln (Querschnitt 2,5 mm2) ausgeführt.

Klang

Ein Ziel für die Veritas-Linie und speziell natürlich die große P7 war, dass sie schon mit kleiner Elektronik und auch bei leisen Pegeln vollständig überzeugt. Diese Vorgabe erfüllt die P7 – was nicht selbstverständlich ist – geradezu mit links. Im Zuge der akribischen Feinabstimmung wurde übrigens auch die schon seinerzeit äußerst gelungene P5 in Details dezent verbessert. Das werden wir uns wohl zeitnah anhören müssen.

Die steckbare Brücke hilft bei der Anpassung des Hochtonpegels an die akustischen ­Eigenschaften des Hörraums

Selbstredend spielt die P7 hörbar verwandt, aber doch deutlich satter und souveräner auf als ihre attraktive, aber kleinere Schwester. Sie zählt zu den unspektakulär neutralen, sehr alltags- und langzeittauglichen Lautsprechern. Abstrahlung, Energie und Fundament sind gegenüber der P5 ebenso gesteigert wie die saubere Fokussierung sowie die akkurate Tiefenstaffelung. Der Klassenunterschied ist gegeben.
Einen adäquaten Sparringpartner fanden wir in KEFs exzellenter XQ40. Gegen die rasante Britin punktete die Norddeutsche zweifellos im kraftvolleren, aber strukturierten Bass und in der weiträumigeren Abbildung, auch die Stimme kam eine Spur geschmeidiger, mit mehr Brust.
Nils Lofgren wirkte gar eine Handbreit größer als über die kompakter abbildende KEF.  Diese konterte mit ihrer unvergleichlichen Präzision und brachte die angerissenen Gitarrensaiten bei „Keith Don’t Go“ fetziger rüber. Die Phonar betonte den Holzkorpus, die KEF die Saiten der Gitarre. Fast Geschmacksache. Mit passender Elektronik beweist auch die langzeittaugliche Phonar mächtig Temperament und zeigt, wo der Hammer hängt. Mit einem Preis ab 2500 Euro ist die Veritas P7 jedenfalls eine Kampfansage an die 3000-Euro-Klasse!

Profil

Phonar Veritas P7

Paar ab 2500 Euro
Maße: 22,5x115x35 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: Phonar
Tel.: 04638/89240
www.phonar.de

Fazit

Die Veritas P7 ist ein ausgewachsener Standlautsprecher. Sie spielt sehr ausgewogen, voluminös und geschmeidig mit enormen Dynamikreserven und satten Klangfarben, leicht auf der warmen Seite des tonalen Spektrums. Räumlichkeit, ­Ti­ming und Fokussierung sind hoch ent­wickelt, zudem nervt die Phonar nie.

Laborreport

Der Amplitudenfrequenzgang liefert das Bild einer insgesamt sehr neutralen, bei­nahe linearen und recht wirkungsgradstarken sowie bis knapp 30 Hertz hinab- reichenden Box ohne auffallende Betonungen und allenfalls sehr geringfügige Wel­ligkeiten. Auch das Abstrahlverhalten ist gutmütig zu nennen, die P7 kann leicht auf den Hörplatz ausgerichtet abgehört werden. Der Verlauf der Impedanzkurve weist die große Phonar als selbst für günstigere Mittelklasse-Verstärker spielend zu bewältigende Last aus, sie fällt nur gering­fügig unter die Vier-Ohm-, aber an keiner Stelle unter die 3,2-Ohm-Normmarke. Die das Timing der einzelnen Chassis im Zu­sammenspiel wiedergebende Sprung­ant­wort ist für ein Drei-Wege-System gut.

Frequenzgang
Sprungantwort
Die bei Peerless gefertigten Tief-Mitteltöner verfügen über stabile Aluminiumkörbe und resonanzarme Nomex-Papiermembranen, zudem sind sie strömungsoptimiert und komplett ventiliert, um störende Kompressionseffekte zu minimieren