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22.12.2014

Test: Anlage Marantz SA 8003/ PM 8003

„KI“ mit Tarnkappe

Marantz-Klang-Magier Ken ­Ishiwata hat auch bei der Baureihe 8003 massiv die Hände im Spiel. Dass dies nicht, wie früher, äußerlich kenntlich gemacht wurde, hat internationale Gründe. Wir sind gespannt

Marantz PM 8003 und SA 8003

von Tom Frantzen

Die Klangtüfteleien des Ken Ishiwata sind legendär, zumindest in Europa. Entsprechend erfolgreich verkauften sich hier zu Lande die Geräte mit dem „KI“-Zusatz. Ironischerweise aber zählt der Prophet im eigenen Land, in diesem Fall Japan, wenig. Als Resultat müssen wir bei der neuen Geräteserie 8003 auf die Initialen des Meisters verzichten, gottlob aber nicht auf die Taten.

Die 8003-Reihe ist der legitime Nachfolger von der 7000 KI. Das im Sinne der Einstreusicherheit aufwändig verkupferte Chassis der Baureihe 8003 ist ebenso „KI-Standard“...

Konzept

Er nahm sich der 7003-Geräte an und verbesserte sie nach bewährtem Konzept – und in intensiven Gegenchecks im Hörraum in Eindhoven – deutlich. So bekamen beide Geräte, sprich der CD/SACD-Player SA8003 und der Vollverstärker PM 8003, voll verkupferte Chassis, die eine breitbandigere, stärkere Abschirmwirkung aufweisen als die Standardgehäuse der hie-rarchisch darunter angesiedelten Serien. Eine doppelte Bodenplatte dient der Optimierung des Resonanzverhaltens. Zudem setzte Ishiwata streufeldärmere Ringkerntrafos ein und feilte an einer Reihe weiterer Details, die er nicht verrät, um aus dem ohnehin bereits guten Basiskonzept das Maximum an Klangfinesse herauszukitzeln.
Für sämtliche neue „Range“-Komponenten gilt die Annäherung an das Design der „Premium“-Toplinie. Das Laufwerk mit neuartiger „Zylon“-Lademechanik sitzt nunmehr mittig im Aluminiumteil des Gehäuses, während rechts und links – auch beim Verstärker – eine Front aus besonders resonanzarmem Kunstharz eingesetzt wird. Die Dreiteilung der Gehäusefront soll sich dem Vernehmen nach denn auch klanglich sehr positiv bemerkbar gemacht haben.
Als alte Bekannte können wir auch in der neuesten Generation die schon legendären HDAM-Verstärkerbausteine begrüßen, die für Schubkraft und Störungsarmut sorgen. Im Amp sind sie vom neuesten, auch in der SC-11S1/SM-11S1-Verstärkerkombi verbauten Typ SA3, im Player sind es SA2.

...wie die generelle Ausstattung der Stromversorgung mit streufeldarmen Ringkerntrafos. Oben die Innereien des neuen Amps, unten der Blick in den SACD-Spieler

SACD-Spieler

Beim SA8003 fallen zudem neben der hochwertigen Wandlerbestückung mit Cirrus 4398 Kleinigkeiten wie das platinenseitig zusätzliche Kupferblech zwischen den Cinchausgängen auf. Auf unsere neugierige Anfrage hin teilte Marantz mit, dass es einen besseren Poten­zialausgleich und somit höhere Störungsfestigkeit begünstige.
Für eine hervorragende Idee halten wir den USB-Anschluss des Players etwa für WMA-, AAC- und MP3-Dateien, der den Zugriff auf gewaltige Musikarchive gestattet. Ab der vierten Generation dockt der iPod hier lautundefined Marantz direkt, ab der fünften sogar sogar digital an!
In der Vergangenheit gab sich Marantz in Sachen MP3 etwas zurückhaltend, zumal die konsequente SACD-Auslegung der Player eher den Gegenpol in Sachen Qualität verkörpert. Jeder wird MP3, WMA & Co. unterwegs, etwa beim Joggen, im Auto oder auch mal für eine Festplatten-Party, für eine feine Sache halten. Solange mir aber für genießerische Momente das unkomprimierte Original als CD – oder gar SACD/LP – zur Verfügung steht, greife ich doch lieber zur Scheibe als zum Stick. Das hat mit Lebensqualität zu tun. Ich esse auch lieber ein gutes Steak als einen Big Mac aus geschreddertem Rindfleisch. Der neue Marantz erlaubt beides, darüber hi­naus natürlich nun auch unkomprimierte (WAV-)Musiktracks sprich CD-Qualität via USB – das könnte ein Hit werden!

Lobenswert finden wir die Auftrennbarkeit in Vor- und Endstufe, mit der sich Anwendungen wie Bi-Amping, Subwoofer und A/V erschließen lassen

Vollverstärker

Beim Vollverstärker stand für einige Baugruppen, genannt wurden bereits die HDAM-Bausteine, die überragende neue 11er-Kombi Pate. Die Elkos sitzen nicht in einer eigenen Gruppe, sondern befinden sich zwecks Verkürzung von Wegen und Verlustvermeidung direkt auf der Platine. Wie bei den größeren Modellen auch setzt Marantz gegenüber der Spannungs- auf die stabilere, verlustärmere Stromgegenkopplung.
Und auch bei der Bestückung mit einem – ebenfalls stromgegengekoppelten – Phonovorverstärker wählten die Japaner alles andere als eine Alibifunktion, sondern eine stark mit der entsprechenden Sektion der SC-11S1 verwandte, aber um den MC-Teil reduzierte Lösung.
Andere Anbieter verzichten leider ganz darauf, aber beim 8003 profitiert der Käufer somit von einer fulminanten, kompromisslosen  Ausstattung und kann – zumindest preiswertere – externe Phonostufen für MM-Systeme erstmal getrost vergessen.
Die Funktion „Power Amp Direct“ verwandelt den PM 8003 auf Knopfdruck in eine Endstufe, die sich prima in A/V-Installationen, sprich ambitioniertere Heimkinos einbinden lässt. Bekanntlich sind Stereo-Komponenten ihren Heimkino-Kollegen an musikalischem Feingeist oft deutlich überlegen und der kleine Aufwand, sie für die Frontkanäle zu nutzen, lohnt sich. Vorstufenausgänge ermöglichen Bi-Amping oder den Betrieb eines Aktiv-Subwoofers, auch eine komplette Klangregelung zur – unaudiophilen – Grobanpassung ist vorhanden.

Praxis/Klang

Der leise laufende Player beginnt bei Hybrid-SACDs stets mit der SACD-Spur, was angesichts der überlegenen Klangqualität sinnvoll ist. Dass der Start mit der für SACD-Laufwerke zunächst üblichen halben „Gedenkminute“ einhergeht, wollen wir nicht verschweigen. Immerhin ist diese aber aufgrund schnellerer Steuerprozessoren mittlerweile nochmals halbiert worden.
Das Klangbild via SACD ist größer, eleganter, facettenreicher und mit deutlich mehr Zwischentönen angereichert sowohl kontrolliert-präziser als auch rhythmischer und luftiger. Es lebt geradezu, atmet und gefällt durch seine Vielfältigkeit und Plastizität. Die Umschaltung auf die CD-Spur erfolgt mit der S-Mode-Taste auf der Fernbedienung. Das erspart dem Benutzer die Odyssee durch Bildschirmmenüs.
Im direkten Vergleich wirkt die CD-Wiedergabe naturgemäß ein wenig fahler, wenngleich sich auch hier die gelungene Abstimmung gemäß Marantz-„Harmonielehre“ positiv bemerkbar macht und sich in einer nie lästigen, wohltuend-vollmundigen Geschmeidigkeit äußert. Die macht den Marantz zum ausgleichenden Element, selbst bei schlechter Software. Audiophile Scheiben etwa von Blues Company, Sara K. und Alisson Krauss kommen superb, ebenso aber auch Grobschnitt, Bob Dylan oder die Stones. Selbst Mainstream der 80er Jahre wie Kim Wilde wird mit der unnachahmlichen Marantz-Abstimmung erträglich.
Der ähnlich stimmige, aber offener und weniger kompakt, dabei aber auch deutlich weniger gnädig als der Ruhe bewahrende Japaner ans Werk gehende Cambridge Azur 640A V2 erwies sich mit CD als etwa ebenbürtig. Gegen den mit gleichem Material via SACD aufspielenden Marantz aber hatte er wiederum überhaupt keine Chance. In dieser Disziplin ähnelt der 8003 gar, natürlich ohne ihn ganz zu erreichen, dem größeren Bruder SA-15S1.
Den PM 8003 konfrontierten wir mit seinem hochdekorierten Halbbruder Denon PMA-1500AE. Hier reichte dem Marantz sein etwas flüssigerer und runderer Vortrag zum Sieg, der aber keineswegs knapp nach Punkten, sondern eher klar durch technischen K.O. erfolgte. Der PM 8003 legte, egal ob mit silberner Polycarbonat- oder schwarzer Vinylscheibe versorgt, mit einer derartigen Eleganz, Seidigkeit und auch einer Klangfarbenpracht gerade in den Mitten los, dass wir von Jennifer Warnes’ „Some­where, Somebody“ schlicht hingerissen waren. Mit KEFs Standboxen XQ 40 bildete die Marantz-Kombi ein absolutes „Dreamteam“.
Der nach wie vor sehr gute Denon wirkte dagegen etwas vordergründiger, zwar druckvoll im Bass, aber in der Stimme leicht hell, fast schon strähnig. Am verdienten fünften Stern für den feingeistigeren Marantz führt deshalb kein Weg vorbei. Auch wenn’s nicht mehr draufsteht, ist bei Marantz also nach wie vor Ken Ishiwata „drin“. Und das finden wir irgendwie beruhigend.

Der Player unterstützt den Anschluss von USB-Medien, etwa um MP3-Songs von Stick oder SD-Karte zu hören
Der regelbare Kopfhörerausgang – tatsächlich sitzt dahinter ein kompletter kleiner Verstärker – macht sogar den Standalone-Betrieb ohne Amp möglich

Dieser Artikel wurde in STEREO 11/2008 veröffentlicht. Die Ausgabe können Sie über unsere Verlagsseite nachbestellen.

Stichwort

HDAM

Anstelle einfacher Operationsverstärker von der Stange setzt Marantz seit langem schon eigene Verstärkermodule ein, die über besondere Audio-Fähigkeiten wie Rausch-/Verzerrungsarmut verfügen.

Marantz SA 8003

Marantz SACD-Spieler SA 8003

Profil

 

um 900 Euro
Maße: 44 x 11 x 35 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Marantz
Tel.: 0541/404660
www.marantz.de

Fazit

Der 8003 ist marantztypisch ausgesprochen harmonisch abgestimmt, tonal geschmeidig und sogar leichte Fehler der Aufnahmetechnik verzeihend. Ein Temperamentsbolzen ist er nicht, aber ein plasti­scher, farbstarker Geselle. Mit SACDs legt er deutlich zu.

Laborreport

Das gemessene Rechteck-/Impulsverhalten weicht von der Norm ab, da Marantz die Filtercharakteristika eher auf natürliche Impulsverarbeitung als auf den linearstmöglichen Frequenzgang hin optimiert hat. Der SA8003 verhält sich eher wie ein Analog-Gerät, es gibt also kein Ein-, aber ein ­leichtes Ausschwingen. Dennoch fällt der Frequenzgang bei 20 Kilohertz lediglich um vernachlässigbare 0,3 ­Dezi­bel ab. Das Verzerrungsverhalten ist mit 0,18 Prozent Klirr und 0,012 Prozent Aliasing-Verzerrung hervorragend, die 0,1 dB-Wandlerlinearität ebenfalls. 112 dB Rauschabstand bei „Digital Null“ und 98 dB in der Quantisierung sind glei­chermaßen überragend. Eine sehr gute Abtastsicherheit, die hohe Erschütterungsfestigkeit und das extrem leise Laufwerk runden das exzellente Laborbild ab. Lediglich die CD-Zugriffszeiten könnten – wie leider bei SACD-Laufwerken üblich – kürzer sein. Verbrauch: Standby 0,1/Leerlauf 10 Watt.

Ausstattung

CD/SACD/MP3 und USB-Buchse – was will man mehr?

Marantz PM 8003

Profil

um 800 Euro
Maße: 44 x 13 x 37 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Marantz
Tel.: 0541/404660
www.marantz.de

Fazit

Den PM8003 haben wir im Hörraum als Angstgegner für andere Amps erlebt. Aus­rei­chend motorisiert für die meisten Anwendungen und prima ausgestattet, überzeugt er mit feinsinniger, facettenreicher und ausgewogener Darstellung. Ein exzellenter Amp.

Laborreport

Zweimal 83 Watt an acht und 124 Watt an vier Ohm Last sowie 179 Watt Impulsleistung (vier Ohm) sind in dieser Klasse ein ordentliches Pfund. Sowohl der Klirr  als auch die Intermodulationen bleiben stets deutlich unter der 0,07-Prozent-Marke. Die ­Rausch­werte sind mit 79/96 Dezibel (CD bei 50 Milliwatt/5 Watt) und 83 dB (Phono MM) hervorragend. Die Frequenzgänge sind mit geringsten Abwei­chungen (Hochpe­gel 0,1 und Phono 0,2 dB) tadellos. Übersprechen ­zwi­schen den Ein­gängen findet definitiv nicht statt (94 bis 110 dB). Interessant: Bei Einsatz der „Source Direct“-Taste steigt die Kanaltrennung von 65 auf 74 dB. Die obere Grenzfrequenz von über 110 Kilohertz belegt die „schnelle“ Schaltungsauslegung. Die 28 Milliohm Ausgangswiderstand verraten zudem einen hohen Dämpfungsfaktor. Im Standby-Betrieb verbraucht der Verstärker absolut sparsame 0,1 Watt, im Leerlauf immer noch sehr ökonomische 14 Watt.

Ausstattung

Mit Phono MM, Klangregelung und Pre Out/Main In komplett.

Amp
Player