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21.12.2014

Test: Musical Fidelity A1

Heisse Ware

Mit dem neuen Class A-Vollverstärker A1 von Musical Fidelity kehrt eine der großen HiFi-Legenden in moderner Form zurück. Und einen passenden CD-Spieler gibt’s auch dazu. Die schlichten ­Komponenten machen jeden heiß – so oder so

von Matthias Böde

Es gibt Erinnerungen, die nicht verblassen. Während meiner Zeit im HiFi-Handel der 80er sind mir unzählige Verstärker untergekommen, doch einer war etwas ganz Besonderes: der 1985 vorgestellte A1 des britischen Herstellers Musical Fidelity (siehe Kasten). Ein unscheinbares flaches Gerät in Anthrazit mit geriffelter Oberfläche und gerade mal je zwei Dreh- sowie Druckknöpfen auf der schräg nach unten weglaufenden Frontplatte.
Der A1 sah anders aus als die damaligen japanischen Platzhirsche, er war technisch wie klanglich radikal auf ein Ideal getrimmt und hatte eine Fangemeinde, die in ihm mehr als nur einen Vollverstärker sah. Der A1 war Kult, Lebenseinstellung, Nonkonformismus – kurzum die materialisierte Verzichtserklärung der Audiophilen an das HiFi-Establishment, bei dessen Produkten der Klang neben Leistung und Ausstattung eben nur ein weiterer Punkt im Lastenheft war.
Keine Ahnung, wie viele der liebenswert schrulligen Amps in unserem Studio den Besitzer wechselten. Einige Dutzend waren es bestimmt. Und wenn sie nicht verglüht sind, dann spielen sie noch heute. Obgleich der A1 und seine optisch nur unwesentlich veränderten direkten Nachfahren zu abertausenden über den Tisch gingen, weiß ich nicht, wieviele davon noch wirklich aktiv sind. Denn der im reinen Class A-Betrieb laufende Verstärker erhitzte sich aufgrund des hohen Ruhestroms seiner Leistungstransistoren so stark, dass man die als Kühlkörper ausgeführte Oberfläche allenfalls noch kurzzeitig berühren konnte. Auf die Dauer raffte die Wärme den Kleinen hin. Seine paar Bedienelemente bestanden aus die Abwärme schlecht leitendem Kunststoff und blieben so „cool“. Wichtig, denn fernsteuerbar war der alte A1 nicht.
Die Hitze, die geringe Leistung von rund 20 Watt pro Kanal, die Aufgabe, den „passenden“ Lautsprecher zu finden, an dem der Heißsporn wirklich groß aufspielte und die Anfälligkeit von Potentiometer, Schaltern und Bauteilen aufgrund der starken Wärmeeinwirkung – all das verziehen die Anhänger „ihrem“ A1. Trotzdem war nach einer „X“-Version sowie einem letzten Upgrade namens „David“ Anfang der Neunziger Ende. Der Markt hatte sich gedreht, und der zum Schluss rund 1300 Mark teure Amp wurde eingestellt.

Sorry für die lange Vorrede, doch wer den Hype um den alten A1 nicht kennt, kann unmöglich verstehen, was Musical Fidelity jüngst auf die Füße gestellt hat. Nichts weniger nämlich als den würdigen Nachfolger des Kultgeräts, der ebenfalls wieder A1 heißt, wie sein Vorgänger im Class A-Modus operiert, wesentliche Designelemente zitiert und doch ganz anders ist.

Vier Leistungstransistoren sitzen auf dem Alu-Profil

A1 Verstärker

Aufbau

Nun führen die Briten ja jede Menge erstklassige Verstärker aller Preisklassen im Programm, doch Chef Antony Michaelson, der das Unternehmen 1982 gründete, hing stets dem Charakter seines verblichenen Class A-Schätzchens A1 nach, dem süßen, mit sanfter Verve fließenden und niemals harschen Klangbild. Er vergleicht es mit einem impressionistischen Gemälde, das in gewisser Weise realistischer sei als ein naturgetreues Bild, weil es die emotionale Atmosphäre des Dargestellten offenbare. Geschah dies beim alten A1 durch gewisse Fehler, so soll der neue eine ähnli­che Faszination entfalten, dabei aber streng auf dem Pfad der hifidelen Tugenden bleiben. Geht das überhaupt?
Nun, die eingeschränkte Lebensdauer soll kein Thema mehr sein. Der Neue stellt die Lautstärke nicht mehr mit einem anfälligen Potentiometer, sondern über ICs mit Widerstandsbänken feinfühlig ein, was neben höherer Zuverlässigkeit unter Extrembedingungen auch für deutlich mehr Präzision in der Kanalgleichheit sorgt. Die vier Eingänge, darunter einer für einen Plattenspieler mit Magnettonabnehmer, werden jetzt ebenfalls elektronisch statt mechanisch geschaltet. Dafür stehen kleine runde Drucktasten auf der Frontplatte parat. Meist wird man freilich die mitgelieferte Fernbedienung einsetzen. Die gewählte Quelle erscheint dann mit Namen im hellen Display, die eingestellte Lautstärke als Zahlenwert und zudem als auch aus einiger Entfernung noch gut erkennbarer Balken.
Sonst ist nicht viel dran am Verstärker. Immerhin bietet er noch ganz im alten Stil einen Tape-Anschluss mit der Möglichkeit zur Hinterbandkontrolle sowie einen lautstärkegeregelten Vorstufen-Ausgang. Wer weiß, vielleicht bringt Musical Fidelity ja noch eine reine Endstufe in der Class A-Linie, mit der man dann Bi-Amping machen kann. Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass der „Aux“-Eingang an der Pegelregelung vorbeigelenkt werden kann, was die Integration des A1 in AV-Systeme erleichtert, wobei ein externer Prozessor die Lautstärkeeinstellung übernimmt.
Wie der berühmte Ahne leitet der neue „A1 Integrated ClassA Amplifier“ seine Verlustleistung in Form von Wärme auf den zur Vergrößerung der Oberfläche geriffelten Gehäusedeckel. Die kommt aus den vier auf ein Metallprofil montierten Leistungstransistoren, die auch in den ungleich kräftigeren Verstärkern  der „KW“-Serie der Briten Dienst tun. Weiße Wärmeleitpaste sorgt für den innigen Kontakt zwischen den Teilen und verbessert  die Wärmeabfuhr. Welch ein Aufwand!
Warum tut man sich Class A also überhaupt erst an? Die gängige Erklärung stellt die bei dieser Betriebsart entfallenden Übernahmeverzerrungen in den Vordergrund, wenn das Signal von der positiven in die negative Halbwelle wechselt – und zurück. Aufgrund der offen gehaltenen Leistungstransistoren schalten diese nicht. Und wo nicht geschaltet wird, da gibt’s eben auch keine Schaltverzerrungen. Doch dieser Theorie erteilt Michaelson eine Absage: „In einem modernen Verstärker gibt es unabhängig von der Betriebsart keinerlei Entschuldigung für Schaltverzerrungen“. Er sieht die Vorteile von Class A ­viel­mehr in der gleichmäßigen Belastung des Netzteils, da das Musiksignal praktisch immer unterhalb der in Form des Ruhestroms gelieferten Leistung bleibt. In konventionellen Schaltungen erkennt er Störgeräusche aus der Versorgung, die sich zeit- und phasengleich mit dem Signal verändern. Artefakte, die sich in der Schal­tung klanglich negativ auswirken. Das ist nachvollziehbar.

(1) Die Energiequelle des Heißsporns ist sein Netzteil mit dem Ringkerntrafo (2) Die Hauptkondensatoren sitzen direkt bei den vier Leistungstransistoren (3) Ein Alu-Profil nimmt die Abwärme auf und leitet sie auf den Gehäusedeckel (4) Der Phono-Eingang ist hochwertig bestückt. Er nimmt MM-Systeme auf (5) Nach dem Entfernen der Stopfen sind die Kabelbuchsen für Bananas frei

Praxis

Mal sehen, wie der A1 im Alltag  ‘rüberkommt. Mit maximal 53 Grad auf seiner Oberseite wird er immer noch sehr warm, wenn auch nicht so heiß wie das Ur-Modell. Davor schützen inzwischen EU-Vorschriften, die endlich mal zu etwas gut sind. Doch ein klingender Heizkörper ist der A1 nach wie vor. Ich Blödmann habe die Hörtests natürlich ausgerechnet in die bis dato heißesten Sommertage Anfang Juli gelegt und hege seitdem einen eigenen Verdacht zur Ursache des Klimawandels. Logisch, dass der A1 etwas Luft nach oben benötigt. Stellen Sie also bitte nicht wie unser Fotograf den Player auf ihn drauf.
Ansonsten ist der A1 erfreulich unkompliziert. Seine Leistung fällt üppiger aus als erwartet (siehe Laborreport), und hinsichtlich der Lautsprecher gibt er sich überraschenderweise kaum wählerisch. Natürlich sollte man diesen Amp sich nicht an einem Wirkungsgradzwerg abarbeiten lassen, aus dem er dann vielleicht obendrein noch satte Pegel zaubern soll. Schließlich hängt man auch keinen großen Wohnwagen an einen VW Käfer. Aber selbst Operas allenfalls durchschnittlich empfindliche Seconda „zog“ der A1 problemlos weg.

Klang

Und wenn wir schon bei Autos sind: So wie der aktuelle Mini oder Fiats just auferstandener 500 viel besser sind als ihre Vorbilder, sich aber auf deren „Gen-Pool“ stützen, so ist der neue A1 zwar im besten Sinne ganz der alte, doch das auf einem unvergleichlich höheren Niveau. Seine Aufgabe blieb bestehen: „To give at moderate levels wonderful sound to your HiFi-system“, wie es Antony Michaelson auf den Punkt bringt. Bei noch moderater Lautstärke wundervollen Klang erzeugen – exakt dies tut der A1. Selbst ohne den direkten Vergleich mit seinem Vorgänger (siehe Kasten) hat man sofort  dessen „Nachhall“ im Kopf. Die Musik läuft mit geschmeidigem Fluss und  ganz ohne Widerhaken, sie wirkt ungemein gelöst und durchhörbar, sie flirrt vor Details und strahlt doch Ruhe aus. Die sanft swingenden Höhen in Christy Barons „Over­joyed“ von der STEREO Hörtest-CD V gibt der Brite hauchfein wieder, die komplexen Strukturen dieses Titels, bei dem sich wie auch in Al Di Meolas „Adios Nonino“ alles umeinander zu drehen scheint, arbeitet der A1 klar heraus – und integriert sie gleichzeitig in den Gesamtzusammenhang von Melodie und Rhythmus.
Wenn davon gesprochen wird, dass dieser Amp highendige Ansprüche erfülle und vielen Konkurrenten meilenweit voraus sei, dann ist genau dieses Phänomen von gleichzeitiger hifideler Offenheit und musikalischer Geschlossenheit gemeint. Es ist die Fähigkeit, Individualität und Charakter zu zeigen, in denen der Hörer jedoch das allgemein Gültige erkennt, die der flache Verstärker meisterlich beherrscht. Weniger verklausuliert: Der A1 hat seinen unverkennbar eigenen Stil, aber man sagt unmittelbar: Peng, so muss es klingen! Auf diese Weise trifft der A1 den Nerv – damals wie heute. Auch wenn die jetzige Generation viel besser spielt als die alte, ist ihr Kern unverändert – auch bei Phono-MM-Wiedergabe.
Im Vergleich mit „normalen“ hochwertigen Verstärkern wie etwa Marantz’ gleich teurem PM-15S1 klingen diese in aller Regel nüchterner, geradliniger und im Timing weniger beweglich. Der A1 lässt die Musik atmen und tanzen, seine duftigen Mitten bei Instrumenten wie Stimmen betören die Sinne, ohne dass man ihn deshalb der Schönfärberei bezichtigen könnte.
Auch Musical Fidelitys neuer, mit 2200 Euro teurerer und natürlich stärkerer A5.5 entfaltet nicht dieses „Wohlfühlaroma“, wirkt technoider, in den Höhen poröser und weniger locker als sein mit butterweicher Präzision zeichnender Class A-Bruder. Der verbindet zudem alle Frequenzen zu einem schlüssigen Ganzen und offeriert dennoch das genaue Gegenteil von Klangbrei, er spielt im Bass trocken und definiert, aber zugleich mit vollmundiger Opulenz – einfach ein Phänomen, das heute ebenso beeindruckt und emotional begeistert wie damals. Bleibt noch zu sagen, dass der A1 auch in Sachen Räumlichkeit Standards setzt.
Über mangelnde Kraft konnten wir uns zu keiner Zeit beklagen, obwohl die erwähnten Gegner mit zunehmender Lautstärke Boden gutmachten, bei fetziger Pop-Musik gar markanter und kerniger auftraten. Die Stärke des A1 bleiben zartere Lagen, ob bei Modern Jazz oder nicht zu gewaltigen Klassikkonzerten – und natürlich Stimmen.

Die Spannungsstabilisierungen im Detail

A1 CD-Spieler

Aufbau

Und der CD-Spieler? Geht der angesichts des sensationellen Amps etwa unter? Absolut nicht! Für viele wird der Top-Lader sogar der eigentliche Star des Sets sein. Denn wo sonst bekommt man in einem 2000-Euro-Player ein federnd gelagertes Vollmetall-Laufwerk des Typs Philips CD Pro2, dem laut Michaelson „best drive in the world“? Okay, Audio ­Re­searchs toller CD7 hat auch eines. Aber der kostet fast 9000 Euro. Überhaupt hat Musical Fidelity hier nicht gespart. So ist auch der eingesetzte Burr-Brown-24 Bit/192 Kilohertz-Wandler-Chip PCM1729 vom Feinsten. Der Blick ins Innere offenbart zudem ein kräftiges Netzteil samt Ringkerntrafo sowie eine Reihe aufwändiger Spannungsstabilisierungen – etwa für die potente Ausgangsstufe.
Verzichtet wurde indes auf jegliche „penile jewelry“, wie der Firmenchef in seiner unnachahmlich augenzwinkernd-frechen Art jegliche Ausstattung nennt, die viel kostet und auf „dicke Hose“ macht, für die Performance aber nichts bringt. Gemeint ist der fehlende Motor für die Kunststoffklappe, die man so eben per Hand öffnen und schließen muss, oder ein individuelles Gehäuse. Das übernahm der Player einfach vom Verstärker. Sogar die Knöpfe für die wichtigsten Funktionen sind an der gleichen Stelle.
Auch wenn der geriffelte Deckel Gegenteiliges andeutet – der CD Pro wird – anders als der Amp – kein bisschen heiß. Entsprechend mehr Aufwärmzeit muss man ihm deshalb zubilligen. Ein paar Tage dauert es schon, bis  die zunächst ein wenig steife und durchaus präsente Wiedergabe zugunsten einer beweglicheren, milderen Diktion gewichen ist. Danach wirkt sogar Naims sonorer CD5x in den oberen Lagen pointierter. Der CD-Spieler schlägt in gewisser Hinsicht in dieselbe Kerbe wie der Class A-Amp, was die Kombination besonders sinnvoll macht. Hält sich dieser jedoch gerne bei den schönen Blumen entlang des Klangpfades auf, geht der CD Pro direkt nach vorne los, spielt straff und zielorientiert.

(1) Der Philips-Drive CD Pro 2 hat eine Metallbasis und ist federnd gelagert (2) Ein Puck hält die CD auf dem Dorn fest. Er wird magnetisch fixiert (3) Die Stromversorgung des A1 CD Pro übernimmt ein potenter Ringkerntrafo (4) Eine Sammlung von Spannungsstabilisierungen sorgt für präzise Energie (5) Die belastbare Ausgangsstufe arbeitet mit integrierten Operationsverstärkern

Klang

Das „schmucklose“ Konzept zahlt sich aus. Der CD Pro dürfte zu einem echten Schrecken für seine Mitbewerber werden. So spielt der Musical Fidelity natürli­cher, räumli­cher und feiner als erwähnter Naim, der immerhin 500 Euro teurer ist, und nahm im Hörtest, der sich mehr und mehr zu einem Treffen der britischen Spitzen­player dieser Preisliga entwickelte, als nächs­tes Linns Majik CD (um 2900 Euro) aufs Korn. Dieser klingt tonal sehr ähnlich, nämlich betont entspannt und ausgeglichen sowie ohne jegliche Obertonspitzen oder glasige Mitten. Mit diesen Meriten hebt sich der Schotte gewöhnlich klar von günstigeren Herausforderern ab.
Doch der CD Pro ist ihm nicht nur ebenbürtig, sondern spielte sogar aufgeweckter und rhythmisch trittsicherer. Dagegen wirkte der Linn tatsächlich ein wenig harmlos und dynamisch leicht zurückgenommen. Mit Hugh Masekelas quirliger Live-Scheibe „Hope“ war per Musical Fidelity einfach noch mehr los, kam mehr Atmosphäre in den ansprechenden Vortrag. Würde sich Michaelsons Anspruch, mit dem CD Pro einen der besten Player unabhängig des Preises gebaut zu haben, erfüllen?
So heftig kam’s am Ende doch nicht, aber wir mussten in Form von Meridians G08 – ein weiterer Überflieger von der Insel – wirklich „schweres Geschütz“ in Stellung bringen, um den flachen Briten deutlich zu übertrumpfen. Der bei rund 3500 Euro angesiedelte G08 ließ sich denn auch nicht die Butter vom Brot nehmen. Er zog das räumliche Spektrum der Masekela-Aufnahme weiter auf, arbeitete ihr Vorne-Hinten-Relief klarer heraus und malte ihre Klangfarben fulminanter. Aber man muss schon die satten 1500 Euro mehr auf den Tisch legen, um einen deutlich besser klingenden Player als Musical Fidelitys A1 CD  Pro zu bekommen. Innerhalb seiner Preisklasse darf der ungewöhnlich gestaltete Top-Lader als nahezu unschlagbar und somit als „Best Buy“ gelten.

Hatte das Player-Shootout vor allem an unseren Referenz-Verstärkern und -Lautsprechern stattgefunden, so hörten wir das Duo abschließend in der eben nicht nur optisch einheitlichen Kombination. Hier paarte sich die natürliche Gangart des CD Pro mit dem musikalisch-emotionalen Instinkt des Vollverstärkers. Heiße Ware sind beide – jeder auf seine spezielle Art. Klasse, dass Musical Fidelity die A1-Geschichte mit diesen starken Komponenten fortschreibt. Und ab sofort hat sich mir nicht nur der Amp, sondern auch der Player ins Gedächtnis „eingebrannt“.

Dieser Artikel wurde in STEREO 09/2008 veröffentlicht. Die Ausgabe können Sie über unsere Verlagsseite nachbestellen.

„Das Philips CD Pro in einem Player dieser Preisklasse zu ­verbauen, ist Wahnsinn, denn es kostet fünfmal mehr als ein ­normales Laufwerk. Auch bei D/A-Wandler und Ausgangsstufe sind wir kompromisslos geblieben. Dafür verzichten wir auf den Deckelmotor und verwenden das A1-Gehäuse. Man muss halt Prioritäten setzen.“
Musical Fidelity-Chef Antony ­Michaelson über den A1 CD Pro

Musical Fidelity A1 CD Pro

Profil

um 2000 Euro
Maße: 44 x 8 x 30 cm (BxHxT)
Garantie: 3 Jahre
Vertrieb: Audio Components
Tel.: 040/2785860
www.audio-components.de

 

 

Fazit

Wer den A1 CD Pro als bloßes Anhängsel des Verstärkers versteht, macht einen Rie­senfehler. Dieser mit besten Zutaten gesegnete Player setzt Standards in seiner Preisklasse. Er klingt extrem homogen, dynamisch und gelöst. Erst deutlich teurere Spieler weisen ihn in die Schranken.

Laborreport

Der Frequenzgang des CD-Spielers, der auch mit älteren Emphasis-Discs zurecht­kommt, ist schnurgerade. Sein Rechteck- und Impulsverhalten sind gut. Der Klirrfaktor beträgt winzige 0,25 Prozent (-60 dB), die Aliasingverzerrungen von nur 0,012 Prozent (-30 dB) gehören gar zum Besten, was STEREO je gemessen hat. Das gilt auch für die minimale Wandlerunlinearität von 0,1 Dezibel bis hinab zu -90 dB. Erfreulich hoch sind dagegen die Störabstände von 102 dB bei Digital Null und immer noch 93 dB in der Quantisierung. Die Ausgangsspannung ist mit 2,16 Volt bei Vollaussteuerung praktisch „normgerecht“, die Kanalabweichung von 0,1 dB unseres Testgerätes zeigt dessen präzisen Abgleich. Dass Musical Fidelity großen Wert auf eine stabile Ausgangsstufe legt, sieht man am technischen Aufwand und ebenso im geringen Ausgangswiderstand von gerade mal 47 Ohm. Der CD Pro treibt so problemlos auch lange Kabel. Störungen in der Informationsspur der Disc oder auf ihrer Oberfläche beeindruckten das gefederte Philips-Laufwerk nicht, das zudem sehr leise läuft. Im Leerlauf genehmigt sich der Player rund 11 Watt aus dem Stromnetz.

Ausstattung

Je ein analoger Cinch- sowie digitaler Koax- und Lichtleiterausgang, Fernbedie­nung mit Zehnertastatur für den direkten Titelzugriff, Wiederhol-, Anspiel- sowie Programm- und Shuffle-Automatik.

Stichwort

24 Bit/192 kHz-Wandler

Natürlich hat der Datenstrom von der CD nur eine Wortbreite von 16 Bit so­wie eine Abtastrate von 44,1 kHz. Doch der Chip kann deutlich mehr und soll des­halb besonders präzise arbeiten.

Musical Fidelity A1 Amp

Profil

um 1500 Euro
Maße: 44 x 8 x 30 cm (BxHxT)
Garantie: 3 Jahre
Vertrieb: Audio Components
Tel.: 040/2785860
www.audio-components.de

Fazit

Die A1-Geschichte geht weiter. Das neue Modell kultiviert die Musikalität und das emotionale Gespür seines Vorgän­gers auf einem höheren Niveau und ohne dessen „Macken“. Geringe Ausstattung und Leistung, aber leidenschaftliche Glut. Ein Amp für Liebhaber und alle auf dem Weg dahin.

Laborreport

“In seinen Messwerten kommt man dem Geheimnis des A1 nicht auf die Spur“, hat­te Michaelson prophezeit – und Recht behalten. Denn der Amp misst sich wie jeder andere auch. Und obendrein hervorragend. 50 Watt an vier und 32 Watt an acht Ohm ermittelte die Messung als Dauerleistung pro Kanal. In Impulspaketen, während derer der Brite sehr stabil blieb, waren es sogar 2x65 Watt (vier Ohm). Die Verzerrungen sind gering: Der Klirrfaktor liegt von 50 Milliwatt bis ein Dezibel unter Vollaussteue­rung zwischen 0,01 und 0,07 Prozent, die Intermodulationen bei gleichen Bedingungen zwischen 0,02 und 0,1 Prozent. Die Störabstände zeigten Werte von 66 und 86 dB (50 mW/5W) für den Hochpegelzweig sowie 81 dB für den Phono-Eingang (5W). Die Anschlusswerte sind praxisgerecht, alle Eingänge sehr übersteuerungsfest. Der maximale Gleichlauffehler der Lautstärke­regelung beträgt 0,1 dB (bis -60 dB), die Kanaltrennung gute 48 dB. Aufnahmefans werden sich über die hohe Dämpfung von 83 dB zwischen Vor- und Hinterband freuen. Große Bandbreite bis 100 Kilohertz (-3 dB). Im Leerlauf nimmt der A1 trotz Class A-Modus moderate 50 Watt auf.

Ausstattung

Vier Hochpegeleingänge, einer für Phono-MM sowie ein USB-Input, Tape­schleife mit Hinterbandkontrolle, Vorstufenausgang, Displayanzeige für die Eingänge und die Lautstärke, Muting, Fernbedienung

Schön zu hören!

Anlässlich des Nachfolgers baten wir auch den Ur-A1 zu einem Vorspiel in den Hörraum

Besitzer eines alten A1 (Foto) lieben ihren Amp. Hat er irgendwann ausgeglüht, landet er oft nicht auf dem Müll, sondern beim speziellen Service des hiesigen Vertriebs von Musical Fidelity (Kontakt siehe Testprofile). Dort erfolgt eine Generalüberholung, bei der sämtliche Kondensatoren, das Lautstärkepotentiometer und der Eingangsschalter getauscht werden. Dabei kommen nur hochwertige Teile zum Einsatz. Der Komplettpreis beträgt 350 Euro.
W ir können gut verstehen, warum die Besitzer alter A1 an ihrem Schätzchen hängen und es für nennenswerte Summen instandsetzen lassen. Seine Musik geht ans Herz. Im Zusam­menhang mit Kammerjazz, kleineren Klassikbesetzungen und introvertierten Singer-Songwritern erzeugt der bei einer Temperatur von bis zu 64 Grad vor sich hin brütende Amp eine fast intime Atmosphäre, indem er eine innige Verbindung zwischen der Musik und ihrem Zuhörer aufbaut. Dazu laufen die Töne mit sämigem Fluss, leuchten die Klangfarben, ist der Obertonbereich zwar durchsichtig, aber zugleich auch samtig abgedimmt. Dafür würden viele den modernen A1 glatt stehen lassen.

Je rasanter und knackiger die Musik ist, desto deutlicher werden die Defizite des Originals. Die pluckernde Rhythmik etwa von Steely Dan-Titeln wird bei ihm breiter, ihr knorriger Bass bläht sich leicht auf, verliert Kontur und kommt so ins Schwimmen. Quirlige Musik allgemein wirkt dann vergleichsweise schaumgebremst und auf die Dauer eher beruhigend als anregend. Keine Frage, der neue A1 versteht es hier um Klassen besser, die gewünschte tonale Integrität mit Verve und Attacke zu verbinden. Ihm gelingen musikalische Spannungsbögen in höherem Maß.

Doch das Wiederhören mit dem A1 machte Freude. Was von ihm bleibt, ist die aufgefrisch­te Erinnerung an ein bezahlbares Gerät, das vielen Musikliebhabern den Zauber von HiFi entschlüsselte.

Stichwort

Class A-Betrieb

Anders als bei Amps mit nur leicht erhöhtem Ruhestrom wird hier stets die halbe maximale Leistung in Wärme umgesetzt, was auf Kosten des Wirkungsgrads geht, aber Verzerrungen gering halten soll.