Sie sind hier: HiFi-Test / Sonstiges / Kopfhörer Stax SR-007 mk2
16.09.2014

Kopfhörer Stax SR-007 MKII

The Sound Of Silence

Fast 5000 Euro für einen Kopfhörer ­– ist das nicht verrückt? Nein, denn wer die Investition nicht scheut, zieht klanglich an den bes­ten Lautsprechern vorbei und ist am Ende ein cleverer Genießer

Stax SR-007 mk2

Das elektrostatische Funktionsprinzip weist gerade beim Kopfhörer mit seinen kleinen Membrangrößen ein geradezu ideales Masse-Antriebs-Verhältnis auf, denn hier lassen sich eine extrem geringe bewegte Masse und ein starker Antrieb realisieren. Ideal, um feinste Membranauslenkungen und damit die Wiedergabe von Mikrodetails zu realisieren.

Während andere Kopfhörerhersteller Elektrostaten eher hin und wieder als exotisches Einzelprojekt bearbeiten, setzt Stax in Japan bereits seit mehr als fünf Jahrzehnten exklusiv auf dieses Prinzip. Hier wird eine zwischen zwei Polen, den so genannten Statoren, befindliche, hauchdünne Membranfolie einer festen elektrischen Vorspannung (Bias) ausgesetzt. Wechselnde Spannungsverhältnisse und entsprechende Abstoßungs- und Anziehungskräfte zwischen der geladenen Membranfolie und den Statoren, deren Feld in Abhängigkeit vom eingespeisten Musiksignal gebildet wird, sorgen für die resultierende Schallentstehung. Billig ist dieses Vergnügen nicht. Gerade die Hochspannung für die Membran – bei den Stax Pro-Hörern 580 Volt – erfordert ein kostspieliges Speiseteil, und auch der sonstige Aufwand ist beträchtlich. Die Setpreise für Hörer und Speiseteil beginnen bei Stax – klammern wir mobile Hörer aus – um 1000 Euro. Für das Flaggschiff werden gar fast 5000 Euro fällig.

Ist es vernünftig, so viel Geld für einen Kopfhörer auszugeben? Nun, wenn Sie annähernd die gleiche Klangqualität mit Lautsprechern erreichen wollen, werden Sie schnell das Zehnfache an Geld in die Hand nehmen, einen Raum haben und diesen entsprechend präparieren müssen, sie brauchen zwingend eine adäquate Endstufe und  tolerante Nachbarn. Zudem ist es in der High Fidelity an keiner anderen Stelle so günstig, zur Weltspitze zu gehören. Das Verbesserungspotenzial gegenüber dem schon überragenden SR-007 war zweifellos überschaubar. Höhere Kupferreinheit beim Kabel vielleicht, minimale Verbesserungen an der teils gelöcherten und teils absichtlich dichten Membranfolie, dem Gehäusematerial und beim Tragekomfort durch weiches Lammleder, viel zu tun gab es aber nicht. Der 007 war bereits so gut wie perfekt.

Der 5-Pin-„Pro“-Anschluss ist typisch für die bes­ten STAX-Hörer. Das hochflexible Kabel besteht aus PCOCC-Reinstkupfer

Der neue SR-007mk2 scheint  einen Tick leichtfüßiger und transparenter, der ältere klingt um denselben Hauch wärmer, aber das kann selbst nach Tagen des Einspielens durchaus daran liegen, dass der bisherige Klassenprimus schon Jahre im Einsatz ist. Ein 007-Besitzer muss also nicht umsteigen, aber er sollte sich die neue Elektronik (je 2924 Euro) anhören. Nicht nur die RoHs-Verordnung, sondern auch vollzogene Verbesserungen – der mit Halbleitertechnik arbeitende SR-727II etwa kommt nun gänzlich ohne Gegenkopplung aus – führten zu einer kompletten Überarbeitung, die leichte Vorteile brachte. An dieser Stelle muss man das Klischee des weggerissenen Vorhangs bemühen, denn es trifft zu, auch wenn dieser Vorhang angesichts der hochentwickelten Vorgänger ausgesprochen dünn ist. Eine evolutionäre Verbesserung. Für sehr leise Quellen kann der Stax-Service die Eingangsverstärkung (kostenlos) erhöhen.

Die charakterlichen Unterschiede blieben indes bestehen. Der mit Röhren aufgebaute SRM-007tII-Hybride tönt ein wenig voller, schmeichelnder, farbstärker als der SRM-727II, der offen, dynamisch und filigran kleinste Details ausleuchtet. Selten kann man die beiden Welten so unmittelbar vergleichen wie hier. In Sachen Timing und Auflösung sind beide superb, wobei die klangliche Führung Geschmacksache ist.

Ältere Aufnahmen können mitunter von der Frische des Halbleiter-Gerätes profitieren, aber mein persönlicher Favorit war und ist auch bei der neuen Generation die Röhre. Das gilt immer dann, wenn ausschließlich Halbleiterelektronik zuspielt. Sollte indes etwa ein Röhren-Player wie der Lua Appassionato beteiligt sein, so wäre genug „Röhrenzauber“ vorhanden, und so würde auch in meiner Kette der SRM-727 auf die Überholspur wechseln.

Beide Speiseteile erlauben wahlweise XLR- oder Cinchanschluss, das Röhrengerät SRM-007tII (links) gestattet sogar eine Frontumschaltung

Stichwort

Gegenkopplung

Bei Verstärkern eingesetztes Mittel der Schaltungs­technik, um vor allem die statischen Eigenschaften (Verzerrungen) zu verbessern. Ihr Einsatz sollte aber aus dynamischen Gründen eher dezent bleiben.

Kontakt

Vertrieb: STAX Germany,
Tel.: 06243/9030010
www.stax-germany.de

Profil

STAX SR-007mk2/SRM-007tII

Set um 4975 Euro
Maße Speiseteil: 19,5 x 10,3 x 42 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre

Stax SRM-007tII

Fazit

Das neue Speiseteil mit 6FO7/6CG7-Röhren verhilft dem leicht verbesserten SR-007-Tophörer zu einem sehr klaren, wunderbar ausba­lancierten Klangbild mit emotionaler, hochmusikalischer Note. Die 007/007-Kombination spielt einen Tick wärmer und gnädiger, ja seidiger als die etwas dynamischere 007/727, wenngleich die Entscheidung extrem schwer fällt. Wer die Wahl zwischen den beiden besten Kopf­hö­rersystemen der Welt hat (die sich lediglich in der Speiseelektronik unterscheiden), hat tatsächlich die Qual. Am Hörer selbst, dem SR-007mk2, führt ohne Kompromisse kein Weg vorbei. Weltklasse.

Profil

STAX SR-007mk2/SRM-727II

Set um 4975 Euro
Maße Speiseteil: 19,5 x 10,3 x 42 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre

SRM-727II

Fazit

Der SR-007mk2 ist der perfekte Kopfhörer. Die neueste Generation der exklusiv den eigenen Elektrostaten vorbehaltenen Class A-Halb­leiter-Kopfhörerverstärker aus dem Hause Stax kommt praktisch ohne Gegenkopplung aus und tönt so noch transparenter, feiner und flüssiger als der Vorgänger. Dynamisch und in Sachen Präzision liegt diese Kombination an der absoluten Spitze des derzeit Machbaren, sie klingt aber keinesfalls übertrieben analytisch, sondern relaxt und souverän fe­dernd. Schlicht superb. Bedauerlich, dass Stax nicht mehr – wie früher – auch komplette Hochpegelvorstufen anbietet.