Sie sind hier: HiFi-Test / Lautsprecher / Standboxen / Elac FS 210 CE
21.11.2014

Test: Standlautsprecher Elac FS 210 CE

Kombinierter Einsatz

Mit ihren neuartigen Bässen und einem X-Jet kann Elacs FS210 „CE“ gleich zwei Treiber mit Besonderheiten vorweisen

von Carsten Barnbeck

undefinedElacs FS210 scheint ein Abonnement auf Sondereditionen zu haben. Nachdem die „normale“ Serie vor einigen Jahren ausgelaufen war, wurde sie durch die FS210 „Anniversary Edition“ abgelöst, die nun ihrerseits kürzlich der FS210 „Crystal Edition“ weichen musste. Der Name sagt dann übrigens auch schon alles über die wesentlichste Änderung am neuen Modell: Auch die 200er-Linie wird nun von den Kielern mit den auffälligen und vor knapp zwölf Monaten mit der 240er-Serie eingeführten „Kristallmembran“-Bässen ausgestattet.

Ganz nach dem bewährten Muster des Herstellers handelt es sich bei den neuen Basstreibern natürlich um so genannte Sandwich-Membranen. Das bedeutet, auf einen konventionellen Papierkonus wird in einem aufwändigen und sehr exakt durchzuführenden Klebeverfahren eine Lage Aluminium aufgetragen, deren Gewicht bei einer Dicke von einem achtel Millimeter durchaus zu vernachlässigen ist.

Die neue Wabenstruktur, die optisch tatsächlich an die Oberfläche eines Kristalls erinnert, versteift das hauchdünne Material „nennenswert“, um Elac zu zitieren, und sorgt für höhere Stabilität und geringere Verformungen bei gleichzeitig sehr niedrigem Gewicht. Ein genialer Coup, den die FS 210 „CE“ im Hörtest mit einem extrem durchsichtigen, schnellen und vor allem äußerst präzisen Tiefton dankte. Und den kann ein Wandler, der in Regionen um die 30 Hertz vorstößt und zudem ein ausgesprochen stämmiges Fundament in den Hörraum zaubert, gut gebrauchen.

Ihre enorme Bandbreite nach unten verdankt die FS210 übrigens einer weiteren Besonderheit des neuen Chassis. Dessen Schwingspule hat an zwei Punkten Kontakt mit der Membranfläche und ist nicht wie bei konventionellen Treibern allein am Membranhals aufgehängt. So bewältigt es die Last einer zusätzlichen Oktave.

Ein guter Bass allein macht natürlich noch keinen Lautsprecher. Deshalb kombinieren die Entwickler die hervorragende Tieftonwiedergabe mit einem HighTech-Chassis namens „X-JET“. Dabei handelt es sich um einen Koax-Treiber, der aus einem luftigen Jet-Höchtöner, Elacs legendärer Weiterentwicklung des Air-Motion Transformers, besteht, der von einem für die Mitten zuständigen Ringstrahler umgeben ist.

Dieser Mitten-Treiber besteht aus einer hauchdünnen Aluminiumscheibe, die von einer stabilisierenden Wabenstruktur getragen wird und an deren Unterseite schließlich eine 78 Millimeter durchmessende Schwingspule befestigt ist, die von einem kräftigen, aber streufeldarmen Magneten angetrieben wird. So ist gewährleistet, dass der Mitteltöner möglichst geringe Störeinflüsse auf den bis 50 Kilohertz hinaufreichenden JET-Tweeter ausübt.

Verpackt sind die edlen Chassis in ein voluminöses und sehr gut verarbeitetes Gehäuse, das in diversen Lackierungen erhältlich ist. Die rückwärtige Bassreflexöffnung kann, wie bei Elac gewohnt, verschlossen werden, was zusätzliche Flexibilität in den Tiefton zaubert und gegebenenfalls auch einen etwas geringeren Wandabstand möglich macht. Generell bevorzugt es die Box aber, die Luftmassen mittlerer bis größerer Räume umzuwälzen.

Und Umwälzen kann sie: Dank ihres anständigen Wirkungsgrades benötigt es keinen allzu kräftigen Verstärker, um einen dynamischen und anspringenden Klang in den Raum zu bringen. Im Vordergrund steht dabei immer das mächtige und ungemein tiefe Fundament, das auf Wunsch auch schon mal in die Magengrube gehen kann. Der Begriff „Effektbox“ wäre dennoch fehl am Platz. Ähnlich wie schon der FS247 gelingt der FS210 CE das Kunststück, einen enormen Spaßfaktor mit hohem Anspruch, ihren wuchtigen Bass mit seidigen Höhen und einer sonoren sowie überaus natürlichen Mittenwiedergabe zu vereinen.

Allerdings arbeitet sie Details in Tiefton und Mitten feiner heraus, als die kleine,  1500 Euro günstigere Schwester. Selbst in den unters­ten Lagen offenbart die 210 CE noch Feinheiten, musiziert konturiert und fassbar. Auch die Klangfarben gelingen ihr harmonischer und „echter“. Der X-Jet leistet dabei hervorragende Arbeit. Geringer fallen die Unterschiede bei der Höhenabbildung aus. Beide Wandler bieten enorme Transparenz und Geschmeidigkeit im Oberton.

Durch die Kombination der neuen Treibertechnologien hat Elac mit der FS210 CE nun einen weiteren Star im Ensemble.

Profil

Elac FS 210 "Crystal Edition"

Paar um 4500 Euro
Maße: 27x111x35 cm (BxHxT)
Garantie: 10 Jahre
Vertrieb: Elac
Tel.: 0431/647740
www.elac.de

Bewertung

Wie viele der neueren ­Mo­­delle von Elac vereint die FS 210 CE einen sehr hohen Höran­spruch mit gehörigem Spaßfaktor. Vor allem das detailreiche und extrem tiefe Fundament liegt deutlich über dem, was man in dieser Preisklasse übli­cherweise geboten bekommt.

Labor

Das nennen wir Bandbreite: Die Wiedergabe der FS210 CE beginnt bei knapp 30 Hertz und reicht ohne nennenswerte Wellen oder Einbrüche bis 20 Kilohertz hi-nauf. Auch dort macht der transparente Wandler noch keine Anstalten, abzufallen. Die vom Hersteller angegebenen 50 kHz sind also durchaus realistisch. Dank der breiten Abstrahlcharakteristik des Koax-Systems ist die Ausrichtung der Box außerdem weitgehend unkompliziert (gestrichel- te Linie bei 30 Grad Achsabweichung). Der Impedanzverlauf ist durchweg unkritisch. Während Tweeter und Mitteltöner gut im Timing liegen, hängen die Basschassis um etwa eine Millisekunde hinterher.

Frequenzgang
Sprungantwort