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03.09.2014

Test: Standlautsprecher Audio Physic VI

Die goldene Mitte

Unter den erlesenen Zutaten der neuen Audio Physic Tempo VI spielt der „Hyper-Holographic-Cone-Mitteltöner“ den Superstar

von Tom Frantzen

Mit seinem Modell Tempo geht der Hersteller undefinedAudio Physic aus Brilon nach mehr als 20 Jahren bereits in die sechste Generation. Die Entwicklung bis hierhin wird dem Namen gerecht, denn sie verlief rasant und außergewöhnlich erfolgreich, praktisch alle Vorgänger feierten Testerfolge, die meisten davon auch in STEREO. Nach Joachim Gerhard lenkt seit einiger Zeit ein weiterer renommierter Entwickler die Geschicke des Unternehmens: Manfred Diestertich, vielen Lesern sicher noch bekannt als Technikchef von I.Q oder als Erfinder der sowohl an- als auch entkoppelnden String-Aufhängung SSC, die in Geräten und bei Gerätefüßen zum Einsatz gelangt.

Der exzellenten Basis, die 2005 völlig neu geschaffen wurde, spendierten die Sauerländer ihren unglaublichen Mitteltöner, den HHCM aus der größeren Virgo. Dieser von Diestertich ersonnene und nach vergebli­chen Vorstößen bei den üblichen Verdächtigen unter dem ehemaligen Vifa-Entwicklungschef Allan Isaksen bei Wavecor in Hongkong gefertigte „Hyper Holographic Cone Midrange“ besitzt gewissermaßen einen doppelten Korb, der sowohl aus Kunststoff (innen) als auch Metall (außen) besteht und so Festigkeit mit Resonanzarmut und Wärmeableitung verbindet.

Auch der Hochtöner braucht sich hinter soviel Hightech nicht zu verstecken. Die bis 40 Kilohertz übertragende Gewebekalotte ist in eine massive Aluminiumfront gebettet und kann auf einen Doppelmagnetantrieb zurückgreifen, der für souveräne Dynamik sorgen soll.Um die Abmessungen schmal zu halten, wurden die Tieftöner – typisch für Audio Physic – seitlich in das zum Ausgleich von Signallaufzeiten leicht nach hinten geneigte Gehäuse integriert und mit dezenten Abdeckungen versehen. Auch die Bassreflexöffnung ist beinahe versteckt und befindet sich auf der Rückseite. Da beide Tieftontreiber gleichphasig schwingen (Push-Push), reduzieren sich die chassisbedingten Gehäuseschwingungen gegenseitig.

Die Tempo will sich in hochkarätiges Wohnambiente einfügen, was ihr allein aufgrund des abgerundeten, formvollendeten Kabinetts auch gelingt. Lieferbar sind – neben dem trendigen Weiß und Schwarz (jeweils Hochglanz) – auch Ahorn, Kirsche, Ebenholz, Rosenholz und Esche schwarz. Ungewöhnlich ist das Single-Wiring-Ter­minal aus Aluminium, es vereitelt zwar Bi-Amping, ist jedoch für den ohnehin häufigs­ten Betrieb mit nur einem Kabel optimal geeignet, weil es in diesem Fall die klanglichen Nachteile üblicher Bi-Wiring-Anschlüsse vermeidet. Zudem ist es auf Neopren gelagert und somit gegenüber Chassis- und Kabelvibrationen bedämpft.

Klanglich gibt sich die Tempo sogleich als hochkarätiger und sehr universeller Standlautsprecher zu erkennen, der sich sowohl fein aufgelöster Strukturen als auch einer vornehm-sanften Zurückhaltung im Mitteltonbereich und kraftvoll-runden Vorgehensweise in den unteren Lagen befleißigt. Sie klingt ausgewogen und durchsichtig, wohlig, energisch und luftig zugleich, dabei vor allem gnädig genug, auch Fehler der Software zu verzeihen, nie driftet sie etwa ins analytische Sezieren ab.

Im direkten Vergleich innerhalb ihrer Preisklasse fallen zunächst minimale Eigenheiten in der Stimmwiedergabe und der mitunter etwas füllig wirkende Unterbau auf. Doch bewegen sich diese tonalen Charakterzüge weniger im Bereich des Geschmacks, sie sind aufstellungsbedingt. Die mit Abstand beste und zudem überzeugendste Wiedergabe erreicht man bei freier Aufstellung im Raum und unbedingt gerader, also nicht eingewinkelter (!) Ausrichtung. Dass die Tempo VI diesbezüglich nicht ganz unkritisch ist, zeigt auch die Messung, die – folgt man der Mikrophonaufstellung gemäß DIN-Norm – einen heftigen Einbruch im Mittenbereich hat.

Bei axial leicht abweichender Position des Mikrophons ist dieser komplett weg – und mit ihm natürlich auch die Verfärbungen. Der Un­terschied zwischen optimaler und halbherziger Aufstellung ist eklatant hörbar, er entscheidet hier über Topklang oder eine leicht verschnupft wirkende Stimmwiedergabe – und das hat die Tempo nicht verdient! Die stimmige und Kanten im vorzutragenden Programm wohltuend abrundende, basskräftige Tempo zählt auch in der jüngsten Generation VI – sorgsam positioniert – zweifellos zu den attraktivsten Allroundern der Preisklasse.

Das „HHCM“-Mitteltonchassis ist aufgrund ausgeklügelter Materialkomposition und seines komplexen Aufbaus ein wahres Hightech-Produkt

Profil

Audio Physic Tempo VI

Paar ab 3000 Euro
Maße: 19x100x32 cm (BxHxT)
Garantie: 10 Jahre
Vertrieb: Audio Physic
Tel.: 02961/96170
www.audiophysic.de

Bewertung

Anders als die ultrapräzise und schnelle Virgo – mit identischem Mitteltöner – ist die Tempo keine audiophile Lupe, sondern ein eher mehrheitsfähig ausgelegter, musikalischer Lautspre- cher mit sattem, rundem Timbre. Unbedingt gerade zum Hörplatz aufstellen!

Labor

Der Frequenzgang der Tempo VI weist – wie üblich gemessen nach DIN – einen üblen Einbruch von etwa acht Dezibel zwi­schen drei und vier Kilohertz auf (rosafarbene Kurve), der bei leicht variierter, abaxialer Mikrophonaufstellung (oder statt eingewinkelter eher gerader Ausrichtung auf den Hörplatz) völlig verschwindet (rote Kurve). Bei letzterer Positionierung misst sich und spielt die Tempo denn auch sehr ausgewogen, und der Bass integriert sich so ebenfalls besser. Der Impedanzverlauf dieses Vier-Ohm-Lautsprechers ist norm­gerecht und völlig unkritisch. Die von uns ermittelte ­Sprungantwort geht für ein Drei-Wege-System in Ordnung.

Frequenzgang
Sprungantwort