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24.10.2014

Test: Vollverstärker NAD C355 BEE

Ein Prachtkerl

Seine Stimmigkeit und viel musikalisches Gespür machen NADs C355BEE zum Platzhirsch innerhalb der 700-Euro-Klasse

von Carsten Barnbeck

Es ist unfassbar, mit welcher Zielgenauigkeit NAD momentan einen Volltreffer nach dem anderen landet. Momentan? Nein, eigentlich war das schon immer so. Nicht von ungefähr liegt uns der Name des Herstellers stets ganz vorn auf der Zungenspitze, wenn von gutem HiFi zum fairen Kurs die Rede ist. Seit man jedoch damit begonnen hat, die Vollverstärker der C-Klasse nacheinander mit dem „BEE-Tuning“, also mit einer persönlichen Abstimmung durch Entwicklungschef Björn Erik Edvardsen aufzuwerten, hat „New Acoustic Dimension“ förmlich den Nachbrenner gezündet.

Zuerst „erwischte“ es den sensationellen 450-Euro-Amp undefinedC325BEE, kurz darauf war der noch etwas günstigere undefinedC315BEE dran. Und beide ließen zahlreiche Mitbewerber im Regen stehen. Nun hält das ausgefeilte „Tuning-Paket“ mit dem C355BEE in das zweitgrößte Modell der C-Klasse Einzug. Und wie nicht anders zu erwarten, geht auch dieser überraschend kraftvolle Vollverstärker nicht eben zimperlich mit seiner direkten Nachbarschaft um.

Nehmen wir zum Beispiel Denons PMA-1500 AE. Im Segment zwischen 500 und 1000 Euro ist dieser einer unserer Lieblinge, gern genannte Allround-Empfehlung am Lesertelefon und im Test nicht umsonst mit fünf Sternen dekoriert. Kurzum: ein Eckpfeiler im STEREO-Testspiegel. Im Hörvergleich trottete der zugegebenermaßen robuster und ansehnlicher verarbeitete Japaner zu unserer größten Verblüffung aber recht gemütlich hinter dem quirligeren C355BEE her und hatte mit seinem vergleichsweise behäbigen Bass, der kleineren Bühne und der zudem auch noch geringeren Auflösung nicht den Hauch einer Chance, den Anschluss zu halten.

Ganz im Gegenteil: Auch tonal gab bei all unseren Hörvergleichen allein der NAD vor, was man in seinem Preissegment ab sofort unter einer homogenen, in sich stimmigen Spielnatur zu verstehen hat. Der Amp spielt sehr natürlich und ausgewogen, hat einen überaus flinken, punchigen Bass und zeichnet ein ungemein gelöstes, brillantes, jedoch in keiner Weise aufdringliches oder nerviges Obertonspektrum in den Hörraum.

Zwar hatten wir nach unseren Erfahrungen mit den kleinen Geschwistern Ähnliches geahnt, waren am Ende aber doch platt, wie groß der Abstand zur bisherigen „Preisklassenreferenz“ ausfiel. Das schönere Gesicht des Denon kaschiert die Niederlage jedenfalls nur oberflächlich. Außerdem gehört der Mess­technik-Charme bei NAD seit jeher zum Konzept. Die Musik ist’s letztendlich, was zählt, und eine Reduzierung von Ausstattung und optischer Zierde wird als folgerichtiges Mittel zum Zweck betrachtet.

Neben der Konzentration auf den musikalischen Kern lautet das Geheimnis des Erfolges Techniktransfer: Edvardsen nahm den Vorgänger des C355BEE, den C352, ganz genau unter die Lupe, entrümpelte dessen Schaltungen und fügte einige durchschlagskräftige Feinheiten hinzu, die vor allem der Minimierung von Verzerrungen und der weiteren Reduzierung von Einstreuungen und Störgeräuschen dienen. Ein dreistelliger Wert beim Signal-Rauschabstand belegt den Erfolg dieser Maßnahmen. Dabei erfand er das Rad selbstverständlich nicht neu. Die Erfahrungen und Erkenntnisse, die nun auch in die günstigen Modelle Einzug halten, stammen zum größten Teil aus NADs M-Spitzenserie.

Da wir den Inhalt des BEE-Paketes bereits mehrfach thematisch angeschnitten haben (siehe Kasten), sollen hier nur die wesentlichsten Unterschiede zum C352 erwähnt werden. Weil wir außerdem echt nett sind, finden Sie die Artikel zu den beiden Modellen undefinedC315BEE und undefinedC325BEE im Test-Bereich unserer Homepage.

Während sich außer dem neuen Porti-Klinkenan­schluss, den verbesserten Lautsprecher-Terminals und der fehlenden Wölbung unter den Bedienelementen äußerlich nichts Nennenswertes verändert hat, weisen 352 und 355 beim Blick auf ihre Platinen unübersehbare Differenzen auf. So wurde beispielsweise das Netzteil völlig neu angeordnet. Wie schon bei den kleinen Geschwistern oder beim großen M 3 sorgt außerdem die „BEE Clamp“, eine verbesserte Schutzschaltung, für extrem schnelle Reaktionen im Falle von HF-Clippings. Außerdem scheint der Verstärker völlig lastunabhängig zu sein. Egal, ob die Vier- oder Acht-Ohm-La­borwiderstände angeschlossen waren, die Sinusleistung betrug konstante 88 Watt.

Das Konzept – also etwa die Zahl der Anschlüsse – wurde abgesehen vom neuen Porti-Eingang hingegen nicht angetastet. Nach wie vor gibt es keinen Phono-Eingang. An dieser Stelle verweist NAD auf seinen güns­tigen Entzerrer PP3 (um 150 Euro). Damit reiht sich der C355BEE nahtlos in die Linie seiner betörenden Geschwister ein. Wie diese ist er der Maßstab des in seiner Preisklasse Machbaren.

In Einzeldisziplinen – etwa Basswiedergabe oder Mittenfarbigkeit – mag es sogar Konkurrenten geben, die ihm etwas voraus haben. So musiziert Marantz’ PM7001KI noch offener und klarer, während undefinedPioneers A 9 ein wenig mehr Kraft und Sonorität in den Mitten entfaltet. Keinem dieser Verstärker gelingt es aber, die klangli­chen Bestandteile so überzeugend zu einer homogenen, in sich geschlossenen Einheit zusammenzufügen. Und eben dieses kohärente, stimmige NAD-Klangbild ist es, mit dem uns der C355BEE so überzeugen konnte. Eben wieder ein richtiger Prachtkerl!

Im Bild unten erkennt man die vergoldeten Anschlüsse und jene Steckbrücken, mit denen Vor- und Endstufe verbunden sind. Kabelbrücken bringen mehr Klang

Profil

NAD C355 BEE

um 650 Euro
Maße: 44 x 13 x 33 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Dynaudio
Tel.: 04108/41800
www.nad.de

Mit diesem Vollverstärker gelingt es NAD einmal mehr, einen rundum überzeugenden, musikalischen und überaus natürlich aufspielenden Amp ins Rack zu stellen, der mit seiner Mischung aus Spielspaß und An­spruch sämtliche Mitbewerber abhängt. Unglaubliche Impulsleistung!

Labor

Wie gewohnt arbeitet der C355BEE unabhängig von der anliegenden Last. Die Ausgangsleistung beträgt 87 Watt an acht und 88 Watt an vier Ohm pro Kanal. Interessanter und imposant ist die Musikleistung, also die Impulsleistung des Verstärkers, die wir mit wackeren 2 x 250 Watt messen ­konn­ten. Das ist etwa das Dreifache der Sinusleistung! Die Verbesserungen des Schaltungsdesigns zeigen sich deutlich im Rauschabstand. Der ist mit 108 Dezibel (gemessen am CD-In bei 5 Watt) exzellent. Die Frequenzgangabwei­chungen betragen 0,1 dB, der Klirrfaktor 0,0022 Prozent (1dB unter Pmax). Die Intermodulationen betragen so 0,012 Prozent. Die Kanaltrennung von 54 dB geht in Ordnung. Leider schluckt der Amp in Standby satte 17 Watt.

Ausstattung

Der C 355 BEE bietet insgesamt sechs vergoldete Cinch-Eingänge, einen 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss für Medien-Portis und einen einzelnen Tape-Ausgang. Dazu gesellen sich zwei Pre-Outs und ein Endstufen-Eingang sowie je ein In und Out am Tape-Monitor. Zuletzt findet sich an der Front noch ein 6,3-Millimeter-Kopfhö­rer­an­schluss. Zwei Lautsprecherpaare können über die Banana-tauglichen Buchsen angesteuert werden. Überbrückbare Klang­regelung für Bass und Höhen, programmier­bare Fernbedienung, schaltbare „Soft- Clipping“-Funktion, die bei Partybetrieb die Hochtöner vor Verzerrungen schützt.