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20.10.2014

Test: CD Player Meridian G08.2

Rechenkünstler

Den Nachfolger von Meridians Erfolgsplayer G08 erkennt man nur am Slot In-Laufwerk sowie dem „.2“ der Typenbezeichnung. Und – Rechenpower sei Dank – am noch besseren Klang

Meridian G08.2

von Matthias Böde

Es war exakt vor drei Jahren, als der CD-Spieler G08 des britischen ­Spe­zialisten Meridian wie eine Bombe einschlug. Das schmucke Gerät platzierte sich weit oberhalb der meisten Preisklassenkollegen und sahnte fünf Sterne ab. Neben einer soliden Konstruktion war es schon damals das Know-how um die Vorgänge in der digitalen Welt, das den Abstand ermöglichte. Rechnete bereits der bisherige G08 per Upsampling den CD-Datenstrom von 16 Bit/44,1 Kilohertz ins Format 24 Bit/176,4 kHz hoch, so hat sich daran beim G08.2 nichts geändert, und das Taktzittern (Jitter) bekämpft der Neue ebenfalls in einem aufwändigen dreistufigen Verfahren.

Nach wie vor erledigen schnelle DSPs die Signalverarbeitung. Doch deren Rechenkapazität hat nun erheblich zugenommen. Mit 150 MIPS (Millionen Rechenschritte pro Sekunde) erlauben sie gegenüber dem Vorgänger erheblich verfeinerte Algorithmen bei der Digitalfilterung, die das Nutzsignal in noch geringerem Maß als bisher beeinträchtigen sollen. Letztlich wurde die gesamte Chip-Topologie auf den Kopf gestellt, wie allein der optische Vergleich der Innenleben der beiden G08-Generationen beweist. Dabei profitiert der G08.2 direkt von den Entwicklungen für den 14900 Euro teuren Top-Spieler 808.2 der Briten.

Neu und für einen HighEnd-Player ungewöhnlich ist das SlotIn-Laufwerk mit seinem schmalen Schlitz, das in der Praxis absolut problemlos funktioniert. Dadurch entfällt die wackelige Plastikschubladenmechanik des alten G08, die sich nicht ohne Grund hinter einer Klappe verbarg und wenig standesgemäß war. Was wichtiger ist: Meridian sieht in dem neuen Laufwerk, das auch im DVD-Receiver G95 arbeitet, nicht nur haptische Vorteile, sondern hält es auch für zuverlässiger als das bisherige und obendrein diesem klanglich überlegen.

Vielfältige Anschlussmöglichkeiten unter anderem für Systeminstallationen. Bei unserem Player muss­te die Netzphase oben liegen (roter Punkt)

Keine Änderungen gibt es hinsichtlich der Steuerung mittels mehrfach belegter Tasten, die so Zugriff auf eine ganze Reihe von Funktionen erlauben, ohne dass deshalb die Frontplatte mit Knöpfen übersäht werden müsste. In der Regel steuert man den G08.2 wohl ohnehin über seine überaus wertige, lernfähige Pultfernbedienung. Das vielstufig dimm- und auch ganz abschaltbare Punktmatrix-Display hilft dabei mit seiner guten Ablesbarkeit.

Nicht so deutlich ist die korrekte Phasenseite des Netzanschlusses zu erkennen. Aufgrund des hier verwendeten Schaltnetzteils mochte sich unser sonst sehr verlässlich anzeigendes Prüfgerät von MFE nicht festlegen, doch ein kurzer Hörcheck bewies, dass es ganz und gar nicht egal ist, wie herum der Netzstecker in der Dose sitzt. Aufpassen!

Bevor es richtig ernst wurde, durfte sich der frisch produzierte Meridian einige Tage aufwärmen. Dann war es soweit. Beide Geräte, der Erfolgstyp und sein Herausforderer, standen nebeneinander in Finites Super-Rack Master Reference und waren mit identischen Netz- wie NF-Kabeln bestückt  – unerlässlich für faire Hörergebnisse.

Die stellten sich denn auch prompt ein. Um es kurz zu machen: Dynamisch konnte der G08.2 seinen Vorgänger nicht schlagen, aber sonst in praktisch jeder Beziehung. Vor allem erschien seine Wiedergabe räumlich ausgedehnter und in sich gelöster. Man hat den Eindruck, viel mehr Nebengeräusche wahrzunehmen und erlebte die Musik in einer gesteigerten Atmosphäre. Dagegen tönte der Alte fast ein wenig vordergründig und simpel

Mit dem „.2“ war einfach noch mehr los, lief der Rhythmus geschmeidiger, besaßen Stimmen ein höheres Maß an Atem, Aura und Ausstrahlung. Gerade wenn es in Streichquartetten oder fein ziseliertem Kammerjazz um die wichtigen Zwi­schentöne ging, setzte sich der Nachfolger unüberhörbar vom G08 ab. An dessen süßen, samtigen Obertonschmelz und die harzigen unteren Mitten kam Letzterer nicht heran, wirkte glatter und weniger natürlich.

Die Diktion des G08.2 erinnert stark an die von Linns Akurate CD. Eine Ge­genüberstellung unterstrich diesen Eindruck. Tonal sind sich die beiden sehr ähnlich, obgleich der ebenfalls DSP-gestützte, 2000 Euro teurere Schotte – ebenfalls ein Überflieger – die Klangbilder noch radikaler auffächerte.

Doch mit seinem neuen Rechenkünstler trifft Meridian voll ins Schwarze. Die Leistungen des bereits grandiosen alten Modells kann er klar toppen. Die Rechnung, bitte!

Links: Das Erfolgsrezept der Meridian-Player steckt vor allem in den Algorithmen und der ­Geschwindigkeit ihrer Chips. Hier das „Rechenzentrum“ des G08.2
Rechts: Statt Schublade gibt’s nun einen Schlitz für die CD. Das Laufwerk hat sich ­bereits im großen DVD-Receiver G95 bewährt

Profil

Meridian G08.2

um E4000 (schwarz oder silber)
Maße: 44x9x36 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: Audio Reference
Tel.: 040/53320359
www.audio-reference.de

Bewertung

In der zweiten Generation schiebt Meridian den G08 noch ein gutes Stück dichter an die Top-Liga heran. Zwar kostet der Neue 400 Euro mehr als das Vorgängermodell, doch wurde hier viel mehr geleistet als nur etwas Kosmetik. Anders hätte der „.2“ den alten auch nicht schlagen können. In dieser Form untermauert der Player seine Füh­rungsposition innerhalb der Preisklasse.

Labor

Egal, ob es sich um normale CDs oder solche mit Emphasis handelt: Der ­Frequenz­gang des G08.2 verläuft schnurgerade und fällt nur am obersten Ende bei 20 Kilohertz um minimale 0,8 Dezibel ab. Der Klirrfaktor ist mit 0,22 Prozent (400 Hertz/-60 dB) sehr, die Aliasingverzerrungen von 0,013 Prozent sogar extrem niedrig. Die Unlinearitäten des D/A-Wandlers bei den Pegelwerten fallen bis zur Messgrenze von -90 dB hinab mit 0,18 dB verschwindend gering aus. Auch die Werte für die Rauschabstände wurden vom Labor auf dem Messprotokoll farbig hervorgehoben. Das bedeutet, dass sie erstklassig sind. So haben wir 98 dB für die Quantisierung ermittelt und satte 106 bei Digital Null. Logisch, dass die Lautstärkedifferenz zwischen den Kanälen unterhalb von 0,1 dB liegt. Die Ausgangsstufe entwickelt bei Vollaussteuerung knapp 2,5 Volt und ist damit etwas lauter als gewöhnlich. Ihr Ausgangswiderstand beträgt nur 48 Ohm, was für ihre Stabilität spricht. Das SlotIn-Laufwerk lässt sich weder von Fehlern auf der Oberfläche der Disc noch von solchen in der Informationsspur irritie­ren. Leistungsaufnahme in Standby/Leerlauf: neun beziehungsweise elf Watt.

Ausstattung

Je ein Paar Analogausgangsbuchsen in Cinch und XLR, optischer und koaxialer ­Digital-Output, Anschlüsse für Meridian-Systeminstallationen, RS232-Computerschnittstelle, über die Service und Updates laufen können. Dimm- und abschaltbares Display mit allen möglichen Zeitanzeigen, Wiederhol- und Programmfunktionen, lernfähige Tischfernbedienung.