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18.12.2014

Test: Plattenspieler Acoustic Solid 111

Basis mit Komfort

Ab 900 Euro kostet Acoustic Solids neuer Einstiegsplattenspieler 111. Wer noch 100 Euro ­drauflegt, bekommt sogar das Komfortpaket

Acoustic Solid 111

von Matthias Böde

Nun gut, mit dem Komfort ist es hier trotzdem nicht weit her, denn der Basisdreher 111 des schwäbischen Spezialisten Acoustic Solid bleibt in jedem Fall ein manuell zu bedienender Plattenspieler.

Doch für besagte 100 Euro gibt’s statt eines schlichten Steckernetzteils für den separat aufzustellenden Motor ein verchromtes Kästchen mit präziser Mikroelektroniksteuerung. Das erlaubt die Geschwindigkeitswahl per Knopfdruck, sorgt für einen konstanten Vortrieb, was sich klanglich in gesteigerter Ruhe und Räumlichkeit bemerkbar macht, und bietet obendrein eine Geschwindigkeitsfeinjustage.

Die zum Einstellen notwendige Stroboskop-Schablone befindet sich ebenso wie eine kleine Wasserwaage im Lieferumfang. Mit deren Hilfe hat man das aus einer 20 Millimeter starken Acrylplatte bestehende Chassis über die höhenverstellbaren Spikes unter den drei Tragsäulen im Nu ausgerichtet. Dass die Spike-Schoner eine Lage Filz aufweisen, ist Teil des Klangkonzepts. Nach ausführlichen Hörtests entschied man sich für diese Lösung statt der üblichen harten Ankopplung.

Einstieg heißt hier eben nicht Verzicht. So hat der von einem dünnen String angetriebene Teller aus „Pom“ (Po­lyacetal-Copo­lymer) eine stabile Achse mit Keramikkugel an der Spitze, die wiederum auf einem Teflonspiegel am Boden des exakt gefertigten Lagers ruht. Der Tonarm ist das kleine Modell 100 des britischen Zulieferers Rega. Er lässt sich über eine exzentrische Au­ßenhülse, die auch die Verwendung anderer Arme zulässt, sogar in der Höhe verstellen. Ein praktisches Detail, das wir an den Original-Regas vermissen.

Um das Angebot zu komplettieren, kommt der 111 mit dem ­güns­tigsten Tonabnehmer von Grado – ein MM-Typ, der sehr gut mit der relativ geringen effektiven Masse des Rega-Arms harmoniert. Es ergibt sich insgesamt ein Rundum-Sorglos-Paket für Leute, die Schallplatten hören wollen, statt an ihrem Abspielgerät herumzuschrauben, denn die Vorarbeiten bis zum ­ersten Plattenauflegen hat ein Händler ruckzuck erledigt. Weiteres Zubehör ist überflüssig – sogar das Signalkabel ist fest am Rega-Arm installiert.

Logisch, dass der 111 nicht an die eherne klangliche Solidität der bekannten Schwergewichte aus dem Hause Acoustic Solid – ein Name mit Programm – heranreicht. Doch eine gewisse Portion von deren Ruhe und innerer Stabilität hat auch er mitbekommen. So dröselte der „Volksplattenspieler“ die ungemein dichten Strukturen von Al Jarreaus „Thinkin’ About It Too“ überraschend sauber auf und zog sich bei dem extrem detailreichen Stück aus dem „All Fly Home“-Album, das hier als nochmals anspruchsvollere MFSL-Fassung auflag, mehr als achtbar aus der Affäre, indem er über den hier zu bewältigenden Turbulenzen nicht die feinen Background-Stimmen vergaß.

Markant und farbig klang Ella Fitzgeralds „My Reverie“ aus den Lautsprechern. Gerade günstigere Tonabnehmer bringt das kräftige Organ der Jazz-Sängerin leicht in Verlegenheit. Dann ist Ella eher rau als strahlend zu hören, neigt das sie begleitende Klavier zum Zittern. Obwohl auch hier die Durchzeichnung gefiel, kam das günstige Grado-MM zuweilen an die Grenzen seiner Abtastfähigkeit. Das passiert zwar auch teureren Tonabnehmern, doch wer beim rund­um gelungenen 111 nach einem Punkt für Verbesserungen sucht, der sollte hier ansetzen.

Eine passende, klanglich hochwertigere Tonabnehmer-Alternative bildet etwa Ortofons Vinyl Master VM Red (MM, um 130 Euro). Wer beim Wechsel gleich auf MC umsteigen will, sollte zum rund 160 Euro teuren MC20E2-L von Benz greifen (unbedingt das mit ihm gelieferte Zusatzgewicht montieren), das mehr Druck, Lebendigkeit und Gelöstheit entwickelt und so die Fähigkeiten des Laufwerks besser umsetzt.

Doch die Bewertung erfolgte natürlich auf der Grado-Basis. Denn auch so konnte der 111 undefinedMusic Halls mmf 5.1 in Schach halten. Der zweilagige, rund 800 Eure teure Herausforderer tönte anfangs zwar etwas sympathischer, weil vollmundiger und emotionaler, doch bewahrte er gleichzeitig weniger Distanz zur Musik und konnte mit den analytischen Fähigkeiten des Acoustic Solid, der komplexe Strukturen einfach übersichtlicher darbot und im Bass kaum aufweichte, nicht mithalten.

Dieses Ergebnis resultiert gewiss auch aus der aufwändigen Motorsteuerung, die uns bereits im Zusammenhang mit anderen Laufwerken der Schwaben positiv auffiel. Den Aufpreis ist sie allemal wert, denn sie sorgt nicht nur für mehr Komfort, sondern obendrein für besseren Klang an der Basis.

Links: Das kleine Magnetsystem des US-Spezialisten Grado passt sehr gut zum leichten Rega-Tonarm
Mitte: Das Laufwerk ruht auf drei stabilen, resonanzarmen Kunststofffüßen mit höhenverstellbaren Spikes
Rechts: Durch eine Bohrung in der Acrylplatte erreicht man die Höhenverstellung des Tonarms

Dieser Artikel wurde in STEREO 10/2008 veröffentlicht. Die Ausgabe können Sie über unsere Verlagsseite nachbestellen.

Stichwort

bewegte Tonarmmasse

Hier ist die aus dem Hebel resultierende Masse gemeint, die von der Nadel tatsächlich bewegt wird. Sie muss zur Na­delnachgiebigkeit des Abtasters pas­sen, damit die Tiefenresonanz des Feder/ Masse-Systems günstig ausfällt.

Profil

Acoustic Solid 111

um 1000 Euro (mit elektr. Steuer.)
Maße: 47x17x37 cm (BxHxT)
Garantie: 3 Jahre
Wirth Tonmaschinenbau
Tel.: 07127/32718
www.acoustic-solid.de

Fazit

Externer Motor, aufwändige Steuerung, hochwertige Teile – der kleine Plattenspieler von Acoustic Solid hat alles an Bord. Und das zu einem günstigen Preis. Das MM-System misst sich ordentlich (s.u.).

Messlabor