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01.08.2014

Test: Raumkorrektur-Computer Audiodata Audiovolver II

Raum und Zeit

Mit dem Audiovolver bietet der Lautsprecher-Spezialist Audiodata ein einzigartiges Raumkorrektur-System an, das neben dem Frequenzgang sogar das Timing einer Anlage verbessern kann

Audiodata Audiovolver II

von Carsten Barnbeck

Mittel und Wege, um den Einflüssen der Raum­akustik entgegenzuwirken, gibt es reichlich. Audiodata fügt der Geräteklasse des „Room-EQs“ nun aber einen Vertreter hinzu, dessen innere Werte alles bislang Bekannte in den Schatten stellen. Mit bis zu 65000 FIR-Bändern beeinflusst der „Audiovolver“ den Frequenzgang und optimiert so die Wiedergabe in einem Detailgrad, von dem wir bislang nicht einmal geträumt hätten. Und das ist nur ein Teil seiner Aufgaben. Die Unsumme an Filtern kann sogar direkt ins Timing eingreifen. Der Wunderknabe kann also phaseninstabile Lautsprecher zeitrichtiger tönen lassen oder ohnehin schon sehr guten Ketten ein cremiges Sahnehäubchen aufsetzen.

Möglich macht’s ein Hochleistungs-Computer, der einzig und allein für diese Aufgaben entwickelt wurde. Prinzipiell handelt es sich beim Audiovolver um einen flinken Linux-PC, der auf einem passiv gekühlten, völlig unhörbaren Barebone-Mainboard sitzt. Für sauberen Saft in seinen Stromkreisen sorgt eine aufwändige Netzversorgung, die neben dem eigentlichen Rechner auch eine stark modifizierte Sound­karte von M-Audio speist. Eine klanglich bessere interne Lösung kann man im Computerbereich nach unserer Erfahrung kaum haben. Die Karte agiert hier aber ohnehin nur als Wandler und Vermittler. Alle Ein- und Ausgänge liegen auf einer separaten Platine und werden dort von Relais umgeschaltet.

Der Audiovolver selbst ist jedoch nur die halbe Miete. Frisch aus dem Karton mit einer Anlage verbunden – am besten fügt man ihn zwischen Player und Verstärker ein – bootet er in den Bypass-Modus und wartet auf die Programmierung. Um die durchzuführen, muss zunächst die Hörumgebung seines neuen Eigentümers erfasst werden.

Ohne den persönlichen Besuch eines Audiodata-Mitarbeiters läuft also nichts. Der hat ein kalibriertes Messmikrofon im Gepäck, das er am Hörplatz aufstellt und alle Raumdaten sammelt. In unserem Fall gab es gleich noch ein Paar Tipps zur Hörraumoptimierung, da wir über die Messdaten einige unerwünschte Frühreflexionen ausfindig machen konnten. Diese Beratung am Rande ist ein netter Nebeneffekt des „Einmess-Besuches“ durch den Fachmann.

Eingemessen wird der Audiovolver II mit einem kalibrierten Messmikrofon, das direkt am Hörplatz aufgestellt wird (l.). An den Innenansichten (m., r.) erkennt man, dass es sich bei Audiodatas Raumakustik-Wunderknaben im Prinzip um einen Barbone-PC handelt, der um eine hochklassige Soundkarte und eine kraftvolle Netzversorgung bereichert wurde.

Die anschließende Berechnung der Zielfunktionen erfolgt bei Audiodata in Aachen. Dieser Prozess kann ein paar Tage in Anspruch nehmen. Dafür lassen sich aber Wünsche des Kunden berücksichtigen. Falls erbeten, kann man zum Beispiel den Bass andicken oder die Kette „offener“ musizieren lassen. Der langjährige Erfahrungsschatz des Herstellers gehört dabei praktisch zum Lieferumfang. Außerdem wird versucht, das Ergebnis an den individuellen Geschmack anzupassen. So wird ein Pop- und Rockliebhaber eine minimale Bassbetonung danken, während Klassikhörer etwas andere Attribute bevorzugen. Am Timing lässt sich hingegen nicht rütteln. Das wird im Verlauf der Frequenzgang-Berechnungen unweigerlich auf den Punkt gebracht.

Insgesamt zwei Presets lassen sich in Audiodatas Raum-Computer ablegen und abrufen. Die Zahl wurde bewusst klein gehalten, um sich nicht in den endlosen Möglichkeiten zu verzetteln. Sollte ein Kunde mit dem Ergebnis unzufrieden sein, erhält er via E-Mail einfach ein neues Preset. Diese 16-Megabyte großen Dateien lassen sich problemlos mit einem USB-Stick übertragen.

Das Ergebnis wirkte in unserem Hörraum durchschlagend: Wir ließen von Audiodata den kleinen STEREO-Testraum durchmessen, der Raumkorrektur-Systemen durchaus noch etwas Angriffsfläche bietet. Eine sanfte Extraportion Bass in der Zielfunktion sollte außerdem für mehr Wärme sorgen. Tatsächlich klang unsere Testanlage nach dem Aufspielen der eilig mit einem Laptop errechneten Presets offener, durchsichtiger und größer. Das Mehr an Punch und Druck sorgte zudem für einen spürbar gesteigerten Spaßfaktor und sonorere Klangfarben. Die Mitten lösten sich nun auch etwas besser von den Lautsprechern und konnten sich dadurch mehr durchsetzen. Zu „Demozwecken“ lauschten wir noch einem vollständig linearisierten Preset, das die Kette aber kühl und emotionslos klingen ließ. Ein leichter Höhenabfall am Hörplatz ist korrekt.

Noch atemberaubender wirkte all das, was der Audiovolver zwischen den Frequenzen bewirkte. Durch das perfektionierte Timing – und Magnats Quantum 905 ist wahrlich alles andere als eine lahme Box – rastete die Musik regelrecht ein, wirkte noch schlüssiger und verfügte nun über eine extreme innere Ruhe und Homogenität. Zudem löste sich der Klang vollständig von den Lautsprechern und schwebte frei im Raum.

Auf einem derart hohen Niveau hatten wir die Anlage, die in dieser Zusammenstellung häufiger im Hörraum anzutreffen ist, jedenfalls noch nie erlebt. Natürlich können wir nur für unsere ohnehin recht solide Kette (siehe Kasten) und einen Versuchsraum sprechen, der zwar kleinere Problemzonen hat, generell aber hervorragend klingt.

Der relativ exklusive Preis empfiehlt den Audiovolver aber ohnehin eher als Ergänzung hochklassiger Sets. Und die werden sicher vom aktuell stärksten Raumkorrektur-System profitieren.

Profil

Audiodata Audiovolver II

um 5000 Euro
Maße: 43 x 8 x 31 cm (BxHxT)
Garantie: 3 Jahre
Vertrieb: Audiodata
Tel.: 0241/512828
www.audiodata-hifi.de

Die Einmessung

Ohne einen Besuch vom Audiodata-Fachmann arbeitet der Audiovolver II nicht. Hier erfahren Sie, welche Schritte notwendig sind, um eine individuelle Raumkorrektur-Funktion zu programmieren:

Mit einer speziellen Software, über die nur Audiodata verfügt, werden die gesammelten Raumdaten ausgewertet und editiert. Das sieht zunächst etwas verwirrend aus, da die FFT-Analyse mehr Daten Abbildet, als man mit dem bloßem Auge "verwerten" könnte. Das obere Fenster zeigt den Frequenzgang im kleinen STEREO-Hörraum, das untere den Phasengang, also das Timing unserer Testanlage, die aus Marantz' PM11S1 und undefinedSA11S2, sowie Magnats Quantum 905 bestand.

Hier ist der Frequenzgang schon sichtlich entschlackt. Die rote Linie mitten in der Grafik ist die Zielfunktion. Sie entspricht unserer idealvorstellung eines glatten Frequenzgangs. Für mehr sonorität und volle Klangfarben wird der Bass ab 80 Hertz großzügig angehoben. Das ist keineswegs übertrieben. Wir hatten versuchsweise einen vollständig linearisierten Frequenzgang errechnet. Das Ergebnis konnte uns allerdings nicht wirklich überzeugen. Ist die Zielfunktion eingegeben, beginnt die Software damit, die Korrekturen für alle FFT-Bänder zu errechnen.

So entsteht eine "Negativ-Funktion" (blaue Linie), mit der später die 65000 FFT-Filterbänder des Audiovolver "gefüttert" werden. Negativ deswegen, weil eine Bass-, Mitten- oder Hochtonüberhöhung von (fiktiven) 12 Dezibel mit einer Filterabsenkung von 12 dB gekontert werden muss, wenn man im Raum einen linearen Frequenzgang wahrnehmen möchte.

Und so sieht das Ergebnis aus (grün vor, rot nach der Korrektur). Nachdem der Audiovolver aktiviert ist, behält der Frequenzgang zwar triviale Unebenheiten, in seiner Gesamtheit ist er allerdings vorbildlich linear.