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20.10.2014

Test: Vollverstärker NAD C325 BEE

Senkrechtstart

Mit dem C 325 BEE bringt NAD in diesen Tagen nicht nur einen ­neuen „kleinsten“ Verstärker auf den Markt, sondern setzt auch ­eine traditionsreiche Linie legendärer Vollverstärker fort

von Carsten Barnbeck

In der umkämpften Kaufklasse unterhalb von 500 Euro bewerten wir seit einigen Jahren nach einer strengen Faustregel: Will ein Vollverstärker unser uneingeschränktes Lob ernten, muss er im Hörraum gegen den überragenden C 320 BEE von NAD antreten – ein ziemlich harter Vergleich, den noch kein Herausforderer für sich entscheiden konnte.

Das große Geheimnis, mit dem der unscheinbare Verstärker die Konkurrenz so souverän, nachhaltig und vor allem reihenweise aus dem Rennen wirft, liegt in seiner perfekten Mixtur aus Lebendigkeit und Homogenität, an seiner harmonischen und extrem natürlichen Wiedergabe, die nicht nur Stimmen zu einem überzeugenden Auftritt verhilft. Der Ausnahme-Verstärker, dessen Wurzeln bis zum legendären 3020 zurückreichen, hat sich also nicht grundlos zu einem der beliebstesten HiFi-Amps überhaupt gemausert.

Doch nichts hält für die Ewigkeit! Seit Ende Juni hat NAD mit dem C 325 BEE einen Nachfolger der lebenden Legende am Start, der äußerlich eigentlich das Spiegelbild des 320 sein könnte. Lediglich zwei winzige Merkmale unterscheiden die Geschwister: Ein Miniklinken-Eingang, der als Zugeständnis an die „Generation i Pod“ gesehen werden darf, und das Preisschild, das beim Neuen 50 Euro mehr wiegt und uns als versteckter Hinweis darauf diente, dass es wohl noch weitere Veränderungen im Inneren des Verstärkers geben muss.

NAD-Chefentwickler Björn Erik Edvardsen (richtig erkannt: abge­kürzt heißt der Herr „BEE“) hat sein bewährtes Konzept weiter aufgebohrt und in zahlreichen Punkten überarbeitet. So bietet Nummer 325 eine deutlich verbesserte Masseleitung mit massiven Kupferschienen und eine neue Anti-Verzerrungsschaltung, die man übrigens direkt aus den großkalibrigen und gerade erst vorgestellten Modellen der NAD-Masters-Serie übernommen hat. Natürlich wurde auch das Platinen-Layout weiter optimiert, effizienter gestaltet und nicht zuletzt um die BEE-Clamp-Technologie erweitert, die für mehr Leistungsstabilität und eine höhere Signalreinheit sorgt.

Neben all diesen hochklassigen Features war es aber auch wieder die enorme Verarbeitungsgüte und Sorgfalt, mit der uns der C 325 BEE in Staunen versetzen konnte: Es gibt wohl kaum einen anderen Vollverstärker unterhalb der magischen 500 Euro-Grenze, der so penibel und ordentlich, so konsequent und hochwertig aufgebaut ist, wie dieser kleine NAD.

So werden die rückwärtigen Quellenanschlüsse fein säuberlich über eine Batterie von Relais umgeschaltet, während sich die Verstärkung mit sattem Ruhestrom auf ein großes Netzteil stützen kann und für geringere Störanfälligkeit und höhere Effizienz sogar auf mehrere kleine Platinen verteilt wurde, die aufrecht im Gehäuse stehen. Für den Anschluss der Lautsprecher bietet der Amp vier massive Schraubklemmen, die auch Bananenstecker aufnehmen können. Eine auftrennbare Vor- und Endstufe – man sollte die mitgelieferten Metallklammern übrigens alsbald gegen kurze Kabel-Jumper austauschen – ist an einem Gerät dieser Klasse wohl auch kein gewohnter Anblick.

Angesichts dieser Featureflut hätte der neue C 325 BEE problemlos auch 100 Euro mehr kosten können. Dass es nicht so ist, liegt einzig an Edwardsens großartigem Talent, während der Entwicklung eines Gerätes immer auch dessen Preis im Blick zu behalten und auf hochwertigere Bauteile dann zu verzichten, wenn sie einen unnötigen Kos­tensprung verursachen würden, der in keiner Relation zum Klanggewinn steht.

Was aber den traditionellen Wettkampf im Hörraum angeht: NADs kleinster Stereo-Verstärker machte mit seinem Vorgänger derart kurzen Prozess, dass es sogar uns die Sprache verschlug. Der neue Amp spielt um so viel souveräner, konsequenter und ausgereifter, dass man beinahe behaupten möchte, die Produktlinie sei erst jetzt richtig erwachsen geworden. Das stimmt natürlich so nicht, denn bereits der C 320 BEE war ein hervorragender Verstärker, doch dem Neuen gelingt es, bei jeder seiner guten Eigenschaften noch eins draufzusetzen.

So wirkt die Raum­aufteilung des 325 zwar weniger tief als bei seinem Vorgänger, vermittelt dafür aber deutlich mehr Konturen und erscheint auch plas­ti­scher und griffiger. Eine Stimme wird haarscharf umrissen in den Raum projiziert, während sich die Be­schaffenheit der Aufnahmeumgebung deutlich nachvollziehen lässt.

Auch tonal gibt sich der Amp hörbar edler und natürlicher, konnte uns mit seinem kernigen, tiefen und knochentrockenen  Bass begeistern, während die Mitten herrlich seidig, die Höhen offen und transparent, aber auch angenehm warm und rund ertönen. Bei der Auswahl der Lautsprecher gab er sich übrigens wenig wählerisch und trieb selbst größere Boxen wie eine Canton Karat 709 problemlos an.

Zuletzt wirkte der 325 tatsächlich auch noch etwas musikalischer und spritziger. Der Unterschied mag hier nicht so ausgeprägt sein wie in anderen Punkten. Allerdings hatte der C 320 BEE seinerzeit ja auch eine überwältigende Leistung vorgelegt.

NAD beweist es also mal wieder: Echtes HiFi muss nicht teuer sein! Der C 325 BEE klingt wie ein richtig erwachsener Verstärker und bietet weit mehr als nur die notwendigen Features. Ein richtiger Senkrechtstarter!

Profil

NAD C325 BEE
um. 450 Euro
Maße: 44 x 10 x 29 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Dynaudio, Tel.: 04108/4180
www.nad.de

Fazit

Ein Klassiker in Bestform: Nie gab sich NADs Kleinster so souverän, spielfreudig, antrittststark und natürlich wie in seiner neusten Variante. Zwar kostet der C 325 BEE mal eben 50 Euro mehr als sein beliebter, ja beinahe schon legendärer Vorgänger, dafür kann er dessen Tugenden jedoch nochmal um einiges toppen und gehört damit zur absoluten Crème in der Preisklasse unter 500 Euro.

Labor

Wie bei NAD üblich, sind sich die Leistungen an unterschiedlichen Lastwiderständen (2 x 69 Watt an acht Ohm, 2 x 66 Watt an vier Ohm) auch beim C 325 BEE extrem ähnlich. In keinem Verhältnis dazu steht die enorme Impulsleistung von 168 Watt an vier Ohm, die einerseits belegt, dass der kleine Verstärker über ein ausgesprochen potentes Netzteil verfügt und uns daneben auch noch bestätigt, woher der NAD seine Power und den Punch bei plötzlichen, tiefen Bassimpulsen nimmt. Dieser Effekt lässt ihn oft deutlich stärker klingen, als er eigentlich ist. Bei der Frequenzmessung bis 20 Kilohertz trat eine Abweichung von lediglich 0,1 Dezibel auf. Die obere Grenzfrequenz des C 325 liegt übrigens deutlich über 110 Kilohertz. Überzeugen konnte der dunkelgraue Verstärker auch beim Rauschabstand, der 101 Dezibel (bei 5 Watt) beträgt. Die Kanal­trennung ist mit 56 dB sehr gut, und sein Stromverbrauch im Lerrlauf liegt bei 25 Watt.

Ausstattung

Nicht nur der Klang, sondern auch die Ausstattung des C 325 BEE kann überzeugen: Der Verstärker wird mit einer robusten Fernbedienung ausgeliefert. Vor- und Endstufe lassen sich auftrennen, und neben den sieben Line-Eingängen und Anschlüssen für zwei Tape-Geräte findet man an der Front noch einen 3,5-Millimeter-Klinkeneingang für Medien-Portis. Die Klang­regelung lässt sich überbrücken.