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24.07.2014

Anlage Philips MCi500H

Mini mit Funklizenz

Unter dem Oberbegriff „Streamium“ bietet Philips seit einigen Jahren netzwerkfähige Komplettanlagen mit Pfiff. Die kompakte MCi500H ist die neueste Vertreterin dieser Gattung

von Tobias Zoporowski

Das handliche Mikro-System MCi 500H kommt im Gegensatz zu seinen extravagant designten Geschwistern WACS700 und WACS5 (Tests in STEREO 9/05 und 10/06)  als konventionelle Einblocklösung mit separaten Zweiwege-Lautsprechern daher. Die Zweiteiligkeit des Gehäuses ist geschickte Show, die Nut zwischen beiden „Geräten“ beherbergt das Laufwerk, das neben herkömmlichen Audio-CDs auch gebrannte und wiederbeschreibbare Medien sowie die Datenformate MP3 und WMA ausliest.

Die Stummelantenne empfängt die Daten, wenn die Anlage ins heimische Drahtlosnetzwerk ­eingebunden wird

Konzeptionell und preislich stößt sie in ein hochattraktives Segment, hat dort allerdings etwa mit einer Yamaha Pianocraft E-410 und anderen auch ziemlich starke Wettbewerber. Die freilich allesamt nicht an die Vielseitigkeit der hübschen Holländerin heranreichen dürften: Dazu gehört die Internet- und Netzwerkfähigkeit via LAN (kabelgebunden) und WLAN (drahtlose Vernetzung) für den Empfang von Internetradio, den Zugriff auf die umfangreiche Web-Titeldatenbank „Gracenote“, die unkomplizierte Wiedergabe von Musik, die auf Ihrem Computer gespeichert ist, genauso, wie die Möglichkeit, die smarte Alleinunterhalterin zu einem Multiroom-System mit bis zu fünf optionalen Empfangsstationen („Clients“) aufrüsten zu können. Das zuweilen problematische „Netzwerken“ funktioniert hier erfreulicherweise ohne vorheriges Informatikstudium. Ein wenig Zeit zum Einrichten der mitgelieferten Software – Windows Media Player 11 sowie einige kleine Hilfsprogramme – auf dem heimischen Rechner sollte man allerdings einplanen.

Die mit 160 Gigabyte Kapazität großzügig bemessene Festplatte lässt sich per „Drag & Drop“ entweder vom PC oder in zwei Einlesegeschwindigkeiten vom internen CD-Laufwerk aus bestücken. Dabei wird die Musik automatisch ins MP3-Format umgewandelt. Dies geschieht mit einer Datenrate von bis zu 320 Kilobit pro Sekunde, was für die avisierte Zielgruppe genau richtig sein dürfte. Es existiert ein Cinch-Eingang für externe Quellen, aber leider kein Ausgang für ein Aufnahmegerät.

Auf der Oberseite verbirgt die MCi500H einen USB-Port unter einer nützlichen Staubschutzklappe. Daneben die 3,5-Millimeter-Kopfhörerbuchse

Abspielen lassen sich alle gängigen Datenformate mit Ausnahme von Apples AAC, aber deren striktes Rechte-Management ist ja ohnehin sattsam bekannt. Pfiffig: Unter einer kleinen „Schiebetür“ auf der Oberseite der Anlage verbirgt sich eine USB-Schnittstelle. An ihr lassen sich Portis oder Speichersticks andocken, die die MCi500H auslesen kann. Daneben ermöglicht eine 3,5-Millimeter-Klin­kenbuchse Kopfhörerbetrieb.

Gehört haben wir die Anlage, die diverse Klangprogramme sowie jeweils drei Stufen zum Anheben und Absenken von Bässen und Höhen bereitstellt, in ihrer „Neutral“-Position – und waren überrascht, wenn nicht gar ein wenig von den Socken. Denn was aus den mit lackschwarzer Front sowie glänzenden Zierringen um die Chassis überaus hübschen Boxen kommt, hört man selten von dieser Gerätegattung. Die Wiedergabe ist wohl auch dank des recht kräftigen Verstärkers (siehe Laborreport) ausgesprochen natürlich und schon in der gewählten Linearstellung in den Tiefen substanziell, erstaunlich tief hinabreichend und sogar recht differenziert.

Stimmen kommen homogen, in den gut aufgelösten oberen Lagen geschmeidig und nie aufdringlich. Das klingt sogar eine Klasse besser als Yamahas offene, detailreiche Pianocraft-Anlage, die weniger fulminant tönt und bei Stimmen etwas Brust vermissen lässt. Kein Zweifel, die MCi500H bietet weit mehr als Bequemlichkeit und Variabilität. Sie ist auch für all diejenigen erste Wahl, denen es vor allem auf beste Klangqualität ankommt.

Das farbige Display zeigt, wenn auch sehr klein, sogar Albumcover an. Sehr schön: Die Schrift ist selbst aus einiger Entfernung noch gut ablesbar

Dieser Artikel wurde in STEREO 09/2008 veröffentlicht. Die Ausgabe können Sie über unsere Verlagsseite nachbestellen.

Profil

Philips MCi500H
Preis komplett um 600 Euro
Maße: 26x18x28 cm (BxHxT o. Boxen)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Philips, Tel.: 01803/386853
www.philips.de

Fazit

Philips’ kleine Komplettanlage ist nicht nur ein Speicher für ganze CD-Sammlungen mit der Möglichkeit, die Musik drahtlos auf „Clients“ im Haus zu verteilen, sondern obendrein ein echter audiophiler Tipp in der Klasse der Mini-Systeme. Das macht sie erst recht einzigartig – und günstig dazu.

Labor

Dass auch preiswerte Anlagen Lautspre­cher mit ansprechendem Frequenzgang ha­ben können, zeigt die MCi500H. Zwar ist dessen Verlauf etwas wellig, insgesamt jedoch bis auf eine Senke im Präsenzbereich okay. Diese bewirkt eine gewisse Sam­tigkeit der oberen Lagen, die das Klangbild jedoch nicht verhangen erscheinen lässt. Da auch der Grundtonbereich leicht zurück­genommen ist, ergibt sich eine ausgegli­chene Homogenität. Die Boxen haben ein fest installiertes, fünf Meter langes Kabel, dessen Qualität einen guten Eindruck macht. Mit 59 Watt Impulsleistung pro Ka­nal an vier Ohm treibt der Verstärker die Lautsprecher problemlos auch zu höheren Pegeln. Verzerrungen bleiben dabei gering: 0,02/0,08 Prozent Klirr und 0,22/0,5 Prozent Intermodulation bei 50 Milliwatt/5 Watt. Der Rauschabstand von 71 Dezibel bei 50 mW geht okay. Die Anlage besitzt eine präzise Lautstärkeregelung und praxisge­rechte Tunerwerte. Dessen Empfindlichkeit reicht bei Ortssendern auch für den Empfang mit einer Wurfantenne. Die Daten des CD-Teils sind eher mäßig: Vier dB Wand­lerunlinearität, 83 dB Quantisierungs­rauschabstand – das geht heute besser, ist im Alltagsbetrieb zugegebenermaßen  aber wenig relevant. Ganz anders die Boxen, aber da ist ja alles in Ordnung.

Frequenzgang
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