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31.10.2014

Test: Standlautsprecher JBL LS 80

Sanfte Gewalt

Mit der neuen LS-Serie bereichert JBL den Lautsprechermarkt um Schallwandler, die die markentypische Horntechnologie voll ­ausreizen und klanglich für wohlige Gänsehaut sorgen. So wie die brandneue LS 80, die bei uns exklusiv zum Test antrat

von Tobias Zoporowski

Sicher: Bei einem derart „hornerfahrenen“ Unternehmen wie JBL, das die trichterförmige Schallaustrittsöffnung vor Mittel- und Hochtönern seit Jahrzehnten im Lautsprecherbau verwendet und optimiert, kann man davon ausgehen, dass es diese Technologie im Griff hat. Bei der neuen Standbox LS 80 sind die Amis jedoch so weit gegangen, ihren Hörnern alle Negativeffekte abzugewöhnen und nur die positiven Seiten der Klangtrichter übrig zu lassen. Horn at it’s best, wenn man so will.

Wie sich das bemerkbar macht? Nun, zunächst einmal ist bereits die äußere Erscheinung der LS 80 alles andere als krawallig oder aufdringlich. Die hervorragende Fertigungsqualität der Gehäuse geht einher mit einem zwar durchaus stämmigen, dabei aber sehr elegant wirkenden Design mit abgerundeter Frontfläche und Seitenwangen aus edlem, hochglanzlackiertem Ebenholz. Der 50-Millimeter-Druckkammermittel­hochtontreiber mit Titanmembran, der in JBLs patentierter Bi-Radial-Horn­konstruk­tion arbeitet, fügt sich in das obere Drittel der Schallwand ein. Über ihm beackert eine als Superhochtöner agierende Polyesterfolie den Frequenzbereich ab etwa acht Kilohertz. Um den notwendigen Schub von unten kümmern sich zwei jeweils 18 Zentimeter durchmessende Chassis mit kräftigem Neodym-Boron-Eisen-Magnet­antrieb. Diese atmen zudem ohne Störgeräusche über eine in die Gehäuserückwand eingelassene Bassreflexöffnung ein und aus.

Das untere Horn, das oberhalb von 2,5 Kilohertz steilflankig übernimmt, reicht weit in die Höhen hinein – nämlich bis zu rund acht kHz hinauf

Sollte Ihnen das Hornchassis, dessen Mündung in der Horizontalen weiter abstrahlt als in der Vertikalen, bekannt vorkommen, so haben sie nicht ganz unrecht. Konstruktiv basiert dieses wesentlich auf dem in JBLs Top-Modell „K2“ sowie denen der teuren „Array“-Serie, was ihm beste Referenzen verleiht.

Erwartungen also, die die LS80 klanglich mit umwerfender Lässigkeit und Souveränität einzulösen weiß. Ihr recht hoher Wirkungsgrad, der sie bei identischem Verstärkerpegel immer ein wenig lauter spielen ließ als die Vergleichsprodukte in diesem Test, gibt ihr auch an nicht gar so kraftstrotzenden Amps Fulminanz und Größe.

Wobei wir gleich einen ganz wesentlichen Charakterzug der Amerikanerin angesprochen hätten: Ihre Fähigkeit, den Hörraum mit beinahe funkensprühender Energie und Leben zu  füllen, ist faszinierend. Die LS80 zieht eine richtig weite Bühne auf, der es weder an Tiefe, noch an Staffelung und Ortbarkeit der einzelnen Musiker und schon gar nicht an Präzision innerhalb der Darstellung mangelt. Die Hochtonabteilung macht feinste Details wie etwa das leise Schnarren einer unbeabsichtigt mitschwingenden Gitarrensaite hörbar, ohne sich damit in den Vordergrund zu drängen. Die sensibel reagierenden Hörner zeigen jede Kleinigkeit, ohne auch nur den Hauch von Analytik.

Amerikanische Verhältnisse? Dieser Aufkleber warnt vor dem Umfallen der fast 36 Kilo schweren Box – etwa bei Erdbeben oder durch Anstoßen

Überhaupt liegt in der sehr feinen, transparenten und detaillierten, aber niemals bissigen Darbietung der oberen Lagen eine der Stärken dieses Lautsprechers. Nehmen wir etwa Bruce Springsteens Album „The Seeger Sessions“, wo die Stimme des „Bosses“ überwiegend sehr direkt am Mikrofon abgenommen wurde und somit gerade bei S-Lauten oftmals ins Unangenehme abzudriften droht. Hier: Fehlanzeige! Überhaupt ist die  erreichte Natürlichkeit erstaunlich, zumal Hörner sonst schnell zu Verfärbungen neigen. Die beinahe einen gediegenen ­Cha­rakter ausstrahlende, cremige Abstimmung der Trichter ist derart gelungen, dass die große JBL selbst bei komprimierter Popmusik gnädig bleibt und stets die Freude am Hören als oberste Priorität ansieht, ohne natürlich ein offensichtlich auf Radiotauglichkeit getrimmtes Mastering verschleiern zu wollen.
Reizt man die LS80 tatsächlich einmal aus, versetzt ihr potenter Bassbereich vermutlich Seismographen in Erregung. Der tönt druckvoll und präsent, ohne aber jemals des Guten zuviel zu tun. Erstaunlich, wie knackig und „schnell“ sich die beiden Tieftontreiber in Szene setzen. Das sorgt bei jeder Musikrichtung für gleichermaßen „üppigen“ wie „echten“ Hörgenuss.

Klar, dass sich die anmachende JBL gegen starke Mitbewerber dieser Preisgruppe behaupten musste. Die traten in Form der betont geradlinig-neutral aufspielenden Piega TP5 (Test in STEREO 7/08) an, die so ­beste audiophile Tugenden vertritt, sowie von KEFs anspringend lebendiger XQ40 (6/08) – eine der besten Vertreterinnen der Klasse.
Gegenüber Piegas schlanken Alusäulen gefiel uns die edle US-Box mit ihrem saftig-kräftigen und erdigen Auftritt ein wenig besser, wenngleich hier unterschiedliche Philosophien die Vergleichbarkeit einschränken. An der überaus beherrscht, aber zugleich energisch  aufspielenden KEF ließ sich die LS80 besser messen. Hier errang die konzentrierte XQ40 zwar einen kleinen Punktsieg, doch die Musik wirkte über die JBL lässiger und satter. Wer ihr räumlich etwas Auslauf gönnt, erlebt diese faszinierende „sanfte Gewalt“. Probieren Sie’s aus, und Sie werden ins selbe Horn stoßen!

Stichwort

Bi-Radial-Horn
Der Begriff besagt nichts anderes, als dass das Horn in vertikaler und ­horizontaler Richtung unterschiedliche Austrittsradien aufweist, was die Abstrahlchrakteristik ­be­einflusst.

Profil

JBL LS 80
Paar um 3200 Euro
Maße: 26x111x42 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: Harman Deutschland
Tel.: 07131/4800
www.harman-deutschland.de

Fazit

Dieser Lautsprecher kann wirklich alles – vom sanften beschwingten Swing bis zu dampfendem Heavy Metal. Dabei hilft ihm sein profunder, knackiger Bass, der bruchlos an die farbigen Mitten anschließt. Fast sensationell ist die erzielte Verfärbungsarmut, die sich zum hohen Spaßfaktor gesellt.

Labor

Bis auf eine leichte Überhöhung oberhalb von zehn Kilohertz, die akustisch kaum auffällt, ist der Frequenzverlauf der JBL sehr linear. Erstaunlich ist der hohe Wirkungsgrad von fast 88 Dezibel. Die LS80 benötigt also ­re­lativ wenig Leistung. Dennoch reicht sie locker bis zu 40 Hertz hinab. Das Rundstrahlverhalten (gestrichelte Linie) ist hervorragend, und der Impedanzgang fällt nie unter die 5,5-Ohm-Marke, ist also voll­kommen unkritisch. Wie sehr der amerika­nische Hersteller auf eine zeitrichtige Wiedergabe achtete, beweist die ausge­zeichnete Sprungantwort. Alle Chassis sprechen innerhalb einer Millisekunde an, der Vorlauf des Superhochtöners ist minimal. Ein messtechnischer Beleg für die Prä­zision der LS80 bis in die unteren Lagen.

Frequenzgang
Sprungantwort