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15.09.2014

Test: Standlautsprecher Opera Seconda

Noch’n Gedicht!

Edle Holzoberfläche, ­Lederkappe und Desig­nerfüße – die Seconda des italienischen Herstellers Opera steht da wie ein Gedicht. Und klanglich ist dieser Lautsprecher erst recht eine „Ode an die Freude“

von Matthias Böde

Zugegeben – die Suche nach dem besonderen Lautsprecher im noch bezahlbaren Bereich hat sich bei mir zu einer kleinen Manie ausgewachsen. Dass man für ganz viel Geld Boxen bekommen kann, die einen um den Verstand spielen, ist klar. Nicht erst seit dem Test von Amphions Prio 520 (um 2100 Euro/P.) in Ausgabe 3/08 weiß ich, dass ein Zipfel vom gewissen Etwas auch für weniger zu haben ist. Aber sie hat es mir nochmal bestätigt, und die rund 2900 Euro teure TP5 von Piega bekräftigte in STEREO 6/08 diesen Fakt. Wohlgemerkt, hier geht es um das Besondere, das Exzeptionelle und nicht um das xte Allroundtalent.

Natürlich macht die Seconda des 1989 gegründeten italienischen Un­ternehmens Opera zunächst durch ihre edle Verarbeitung mit sanft gebogenen Seitenteilen in zwei Naturoberflächen aus Echtholzfurnier beziehungsweise schwarzer Klavierlackbeschichtung sowie der belederten Schallwand und oberen Abschlussplatte auf sich aufmerksam. Die einen guten Meter hohe Säule ist ein echter Hingucker und verströmt italienische Lebensart. Da erstaunt der Preis der Holzausführungen von gerade mal 2200 Euro fürs Paar – Klavierlack kostet 300 Euro mehr. Wir hätten höher geschätzt.

Denn auch die eingesetzten Chassis des 2,5-Wege-Systems sind nicht von schlechten Eltern, sondern vom skandinavischen Spezialisten Seas. Zwei 15 Zentimeter durchmessende Tieftöner mit Aluminiummembran verarbeiten die unteren Lagen und sollen einen sehr glatten Frequenzgang ermöglichen. Um eine gegenseitige Beeinflussung zu verhindern, sind sie in separaten, luftdichten Kammern untergebracht. Jawohl, anders als die allermeisten Lautsprecher des Marktes handelt es sich bei der Seconda nicht um ein Bassreflex-, sondern um ein geschlossenes System, die bei gleicher Größe zwar weniger tief hinabreichen und weniger Wirkungsgrad bieten, aber hinsichtlich Sauberkeit und Positionierung punkten können.

Der ab etwa 2300 Hertz steilflankig mit 24 Dezibel pro Oktave eingekoppelte Hochtöner hat eine gewebeartig strukturierte Kunststoffmembran. Er stammt ebenfalls von Seas und wird wie die Woofer nach Opera-Vorgaben gefertigt. Um Unsauberkeiten aufgrund von Reflexionen des Membranhintergrunds zu vermeiden, sitzt dort eine große „Dekompressionskammer“ zum Druckabbau. Das Resonanzen dämpfende und zugleich die Schwingspule kühlende Ferrofluid im Luftspalt hält ebenfalls Verzerrungen gering.
Angesichts ihres satten Gewichts von 25 Kilogramm bringt die Italienerin nichts so leicht aus der Ruhe, doch klingt sie natürlich wie alle Lautsprecher auf den mitgelieferten Spikes konturierter und luftiger als unmittelbar auf dem Boden stehend. Ausleger am hinteren Ende erhöhen zusätzlich die Stand- und Kippfestigkeit.

Sogar das Bi-Wiring-Anschlussterminal strahlt Wertigkeit aus. Die Blechbrücken gehören jedoch ­ersetzt. Ist eben doch nicht alles Gold, was glänzt

Wertig ist auch das Bi-Wiring-Terminal des schwarz glänzenden Anschlussfelds. Denken Sie bitte daran, die Blechstreifen zwischen den Kontakten mindestens durch kurze Kabelbrücken zu ersetzen. So löst sich die Musik viel leichter von den Gehäusen, entsteht ein gesteigerter Eindruck von Tiefe und wirken Stimmen natürlicher. Wir haben’s extra nochmal ausprobiert. Mit den unscheinbaren, aber leider effektiven Klangbremsen tönt die Opera im Vergleich deutlich flacher, enger und musikalisch irgendwie abgeschnürt.
Also, weg mit dem Blech! Denn ein „Gedicht“ ist die Seconda nicht nur optisch. Nach einiger Einspielzeit zeigt sie sich auch klanglich als im wahrsten Wortsinn einnehmendes Wesen. Ihr Vortrag setzt auf Ganzheitlichkeit und spricht emotional an. Ich sehe sie förmlich vor mir: Leute, die sich aufgrund des edlen Äußeren für die Seconda entscheiden und bei den ersten Tönen stutzen, sich hinsetzen, erstaunt zuhören und vom Charme der Italienerin von Nebenbeihörern zu HiFi-Fans geläutert werden. Wenn die angeschlossene Elektronik nicht ganz daneben spielt, ist die Wahrscheinlichkeit groß. Das Potenzial hat diese Box zweifellos.

Setzt sie dafür auf Tricks, um unsere Ohren mit zwar süßen, aber dennoch falschen Tönen zu umschmeicheln? Absolut nicht! Mit ihrer im Frequenzdiagramm des Laborreports sichtbaren neutralen Abstimmung bleibt die Opera auf dem geraden Pfad der Tugend. Ihr Zauber resultiert aus der inneren Stimmigkeit des Vortrags, die man in Messwerten nicht sehen kann. Die Teile des Klangbilds passen hervorragend zusammen und ergeben so ein glaubhaftes, ja fesselndes Abbild des Geschehens.

Dabei ist die Seconda keineswegs der Typ Lautsprecher, vor dem man gebannt in jeden Winkel der Wie­dergabe hineinkriecht und jedes Detail quasi von allen Seiten präsentiert erhält. Amphi­ons Prio 520, die nur 100 Euro weniger als die Opera kostet, neben dieser aber optisch nicht so ansprechend wirkt, fächert indes ihre Darstellung hörbar mehr auf, ist in sich noch beweglicher. Sie wirkt so anspringender, aufgrund ihres Hauchs samtiger Glut jedoch nicht nüchterner als die Italienerin, die gleichwohl stets das Ganze im Auge hat und integrativer wirkt als die betont auffächernde Amphion, die auf Fehler in der Kette sensibler reagiert, während die auch hinsichtlich ihres Impedanzverlaufs unkritische Opera einfach „ihr Ding“ durchzieht.

Dabei setzt sie durchaus auf Exaktheit. Gerade auch in den unteren Lagen. Kommen diese aus den üblichen Bassreflexkonstruktionen zwar oft leicht und locker, zugleich aber auch ein wenig wolkig, was sympathisch und flüssig klingt, hält die Seconda sie an der kurzen Leine, arbeitet Schattierungen und Dynamikabstufungen im Spiel von akustischen Bässen heraus, die bei Mitbewerberinnen schon mal im Fluss untergehen. Neben der klareren Spielweise kann sie zudem auch dichter an die Wand geschoben werden kann, ohne dass der Bass deshalb zu stark akzentuiert wird und die Mitten zuschmiert.

Dass die Italienerin trotz ihrer größeren Chassis etwas weniger Wirkungsgrad als die Prio 520 bietet, ist ebenfalls ihrem geschlossenen Gehäuse geschuldet. Aber solch einen Lautsprecher kauft eh keiner für die Heimdisco. Nach üblichen Maßstäben laut spielen kann die Opera selbstverständlich auch. Aber Gedichte werden ja meist gesprochen und selten geschrieen, oder?

Stichwort

2,5-Wege-System

Obwohl drei Chassis in ih­rer Schallwand sitzen, ist die Opera weder ein Drei- noch ein Zwei-Wege-Sys­tem – ihr unterer Woofer arbeitet nämlich nicht bis zum Übernahmebereich des Tweeters hinauf.

Profil

Opera Seconda

Paar ab 2200 Euro (Klavierl. um 2500 Euro)
Maße: 24 x 102,5 x 31,5 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: TAD Audio Vertrieb
Tel.: 08052/9573273
www.tad-audiovertrieb.de

Bewertung

Was für ein Gedicht für Augen und Ohren! Wer Operas in Italien per Hand gefertigte Seconda sieht und hört, mag ihren Preis kaum glauben. Mit der edlen Verarbeitung geht ein Klangbild einher, das ebenfalls auf feine Lebens­art statt auf krawallige Pose setzt. Insgesamt ein extrem ausgewogenes Konzept ohne Schwächen – nicht nur für die italienischen Momente im Leben.

Labor

Bis auf eine kleine Senke im Bereich der oberen Mitten verläuft der Frequenzgang der Seconda sehr linear. Im Bass reicht sie sauber bis 50 Hertz hinab und fällt darunter nicht allzu steil ab. Die Höhen steigen zwar leicht an, doch reduziert sich dieser Effekt außerhalb der Achse (gestrichelte Linie). Im Hörtest brachte eine nicht ganz auf den Hörplatz gerichtete Einwinkelung das beste Ergebnis. Der Wirkungsgrad beträgt 84 Dezibel (1W/1m). Der Impedanzverlauf ist vollkommen unkritisch. Die Sprungantwort zeigt nur einen minimalen Zeitversatz zwi­schen dem Hoch- und den Tiefmitteltönern und keine Resonanzen.

Frequenzgang und Impedanz
Sprungantwort
Statt eines breiten Sockels sorgen Ausleger am hinteren Ende der Säule für Standfestigkeit. Gute Idee, die den grazilen Auftritt „stützt“