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24.10.2014

Test: T+A CD Spieler "Music Player" und Vollverstärker "Power Plant"

Zukunfts-Musik

Mit der E-Serie präsentiert sich T+A nicht nur im ungewohnten ­Design. Der omnipotente „Music Player“ und der Vollverstärker „Power Plant“ schlagen auch technisch neue Wege ein

von Carsten Barnbeck

T+As Vorgaben für die neue E-Serie waren so einprägsam wie viel versprechend: Die neuen Maschinen sollten  das Heute mit dem Morgen verknüpfen und ihrer Käuferschar eine greifbare Vorstellung davon vermitteln, wie sich das Musikhören im 21. Jahrhundert anfühlen könnte. Gleichzeitig sollte aber die Tradition des Herforder Unternehmens gewahrt bleiben. Und das bedeutet in ers­ter Linie, dass es sich dabei um solide Markenqualität mit dem Prädikat „Made In Germany“ handeln musste.

Gute Vorsätze haben aber ein generelles Problem. Nicht selten ist es ebenso schwer, sie in die Tat umzusetzen, wie es im Vorfeld leicht fällt, sie zu formulieren. Dementsprechend groß war dann auch die Überraschung, als sich in den vergangenen Tagen herausstellte, dass unsere Hoffnungen bezüglich dieser Neuankömmlinge nicht nur erfüllt, sondern in vielerlei Hinsicht sogar weit übertroffen wurden.

Der Gerechtigkeit halber ist an  dieser Stelle zu erwähnen, dass unsere hohen Erwartungen nicht vom Hersteller selbst geschürt wurden. Sie resultierten eher aus dem, was es vor dem Verkaufsstart im vergangenen Spätherbst von den E-Klässlern zu sehen gab. Bereits auf der letztjährigen HighEnd machte T+A den Messebesuchern mit einem Demo-Gerät namens „Music Player“ den Mund wässrig, das eigentlich nur als stiller Zaungast in einer Glasvitrine weilte.

Farbige Markierungen erleichtern die Orientierung auf dem Geber. Praktisch: Die Buchstaben unter den Zifferntasten ermöglichen das gezielte Suchen von Titeln in der Musikbibliothek. Hier diente wohl das Handy als Vorbild

Und nicht nur der für T+A-Verhältnisse fast schon poetische Name machte uns neugierig: Auch das wertige Alugehäuse zog die Blicke mit seinen üppigen Proportionen und den wuchtigen, aus massivem, schwarz eloxiertem Metall bestehenden Wangen so magnetisch auf sich, dass wir beinahe vergessen hätten, das kleine Infoschild daneben zu studieren.
Hier outete sich der Silberling in knappen Worten als omnipotente Wunderwaffe für die HiFi-Anlage. Neben CDs spielt er nämlich auch digitale Tondaten von USB-Laufwerken ab, greift wahlweise über WLAN oder LAN auf Computernetzwerke zu und bedient sich eifrig in den Musiksammlungen, die auf angeschlossenen Festplatten abgelegt wurden. Ist dieses Netzwerk mit dem Internet verbunden – und das ist ja heute der Regelfall –, taucht außerdem der Menüpunkt „Online-Radio“ im blau beleuchteten, grafikfähigen Display auf. Zuletzt konnte man auf der kleinen Tafel noch verschiedene Angaben über einen integrierten FM/DAB-Tuner, einen speziellen iPod-Anschluss sowie ein überaus vollständiges Zubehörpäckchen lesen.

Nicht ganz mitgekommen? Dann nochmal anders: Der Music Player schlägt die Brücke zwischen einem herkömmlichen CD-Spieler und aktuellen Digital- beziehungsweise Streaming-Technologien. Damit ist er nicht nur die erste wirklich „computerisierte“ Quelle im T+A-Sortiment, sondern empfiehlt sich im Vergleich zu ähnlichen Lösungen wie den festplattenbewehrten Musik-Servern oder Linns neuen Netzwerk-Playern (Test ab Seite 18) auch noch einem breiteren Publikum, denn er dürfte den PC-affinen Zukunftsmusiker ebenso ansprechen wie den traditionell orientierten CD-Sammler, der sich die Tür zu der neuen Technik zumindest ein Stück weit offen halten möchte.

An der Ausstattung und dem versprochenen Kampfpreis von 2100 Euro hat sich seit besagter High End nichts geändert. Im Gegenteil: Es ist für uns obendrein die Gewissheit hinzugekommen, dass der Music Player neben all seinen praktischen Fähigkeiten auch noch verboten gut klingt. Als CD-Spieler wirkt er extrem agil und spritzig. Er musiziert angenehm schlank und entschlackt, offeriert seinem Auditorium außerdem eine enorme Offenheit sowie eine große, scharf umrissene Bühne. In den Mitten betont stimmungsvoll und im Bass angenehm straff und kernig gelingt es ihm mit Leichtigkeit, den Zuhörer in die Musik hineinzuziehen.

Mit derartigen Genen gesegnet reißt er eine tiefe Furche in die Liste unserer CD-Highlights. So wirkte der CD-S5 von Vincent in der Gegenüberstellung geradezu grobschlächtig, und sogar Meridians farbprächtiger G 07 muss sich der Herforder Spritzigkeit geschlagen geben. Es bedarf schon Naims Dynamik-Hammer CD 5x, um dem T+A eine Grenze aufzuzeigen. Aber selbst der sonore, in sich etwas stimmigere und ausgefeilter aufspielende Linn Majik CD konnte keine echte Distanz zum Music Player aufbauen. Bedenkt man, dass wir hier einen Alleskönner mit ausgewiesenen Spezialisten verglichen habe, fällt das Ergebnis noch sensationeller zugunsten des E-Klässlers aus.

Beim Streaming und während der Wiedergabe vom USB-Stick begeisterte der uns mit exakt denselben Argumenten, wobei sich hier – ganz ähnlich wie bei Linns DS-Technologie – noch mehr Ruhe, innere Ordnung und ein Tick mehr Geschmeidigkeit in der Obertonabbildung breitmachen.

Dass die Klangergebnisse zwischen CD und Streaming so dicht beieinander liegen, verwunderte uns nicht weiter, denn was T+A hier konzipiert hat, ist kein „singender“ Computer, sondern ein hochklassiger CD-Spieler, dem die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters über eine kleine Gruppe von Platinen „aufgepflanzt“ wurden. Ganz standesgemäß bietet der Musik Player übrigens jene Digitalfilter, die man von den CD-Spielern der Herforder kennt. Deren Zahl wurde allerdings von ursprünglich vier auf die beiden FIR-Filtertypen reduziert.

Neben der LAN-Buchse bietet der Music Player auch einen WLAN-Anschluss. Die zugehörige Antenne befindet sich gleich im Lieferumfang

Seine DSPs und Wandler verarbeiten Audiosignale in allen gängigen Tonformaten und mit bis zu 48 Kilohertz und 24 Bit. Bald wird es allerdings ein Software-Update geben, das die Möglichkeiten auf bis zu 96 kHz erweitert. Lobenswert ist, dass auch die bereits verkauften Modelle über einen kostenlosen Download von der Homepage in den Genuss dieser Aufwertung kommen.

Als ob das alles nicht schon genügte, hat es uns noch ein weiteres, eher unscheinbares Merkmal des Alleskönners angetan: Mit seiner Fernbedienung und dem großen Display, das man auch aus der Entfernung noch ablesen kann, findet man sich spielerisch in großen Musiksammlungen zurecht. Selbst die Einrichtung eines Netzwerkes war kinderleicht. Auf Anhieb gelang es uns, mit dem verbundenen NAS-Laufwerk zu kommunizieren. T+A hat also das Kunstück vollbracht, die umfassenden Raffinessen des Players in eine intuitive Bedienung zu hüllen. Durchdachte Feinheiten wie Suchfunktionen und sich automatisch anpassende Menüs unterstreichen das.

Alternativ gibt es mit dem „CD Player“ eine um 500 Euro günstigere CD-Only-Variante des Music Players. Da ein Nachrüsten der Streaming-Boards nicht möglich ist, sollte man vor dem Kauf aber genau überlegen, ob man nicht gleich zum großen Bruder greift.
So sehr uns die Quelle begeistern konnte, mit ihr allein wird man nicht glücklich werden. Daher haben die Herforder als drittes Gerät einen Vollverstärker in ihre E-Serie eingebettet, der ebenfalls in einigen Punkten Neuland bedeutet.

Der „Power Plant“ macht seinem Namen alle Ehre. Mit einer Sinusleistung von 222 Watt an vier und einer überaus stabilen Impulsleistung von 320 Watt darf er sich wirklich „Kraftwerk“ nennen. Erzeugt wird diese üppige Leistung von erlesenen Class D-Schaltkreisen, die in dieser Form zum ersten Mal Einzug in einen T+A-Amp halten. Obwohl, genau genommen ist die PWM-Technik gar nicht so neu. Schon in seinen vollaktiven Standlautsprechern verwendete der Hersteller mit Erfolg ganz ähnliche Module als ­Bass­antrieb. Für eine höhere Bandbreite modifiziert und für die Stereo-Wiedergabe im Doppelpack verschnürt, sind es genau diese Verstärker, die im Power Plant ihren Dienst verrichten.

Außerdem darf nicht unerwähnt bleiben, dass es sich um eine ziemlich „analoge“ Form der Class D-Verstärkung handelt. Der gesamte Signalweg ist konventionell aufgebaut und erst unmittelbar in der Endverstärkung – somit auch physikalisch direkt vor den Lautsprecherausgängen – kommt die Pulsweitenmodulation zum Tragen. Daraus resultiert das ungewohnte Bild, dass die vier Sieb­elkos direkt auf der Endverstärkerplatine untergebracht sind, und nicht wie gewohnt in der Nähe des Netzteils.

Für angemessene Signalgüte sorgen vergoldete Eingänge, die von Relais umgeschaltet werden. Unter den fünf Line-Eingängen befinden sich ein Recorder-Anschluss und ein Paar Cinch-Buchsen, die bereits von einer Erdungsklemme flankiert werden. Die MM- oder MC-Module (je 230 Euro) sind jedoch optional. Auch ein Pre-Out ist am Verstärker vorhanden. Weit mehr als ein Gimmick, und in unseren Augen viel zu selten, ist schließlich die markierte Netzphase an beiden T+As. Auch hier zeigt der Hersteller Vorbildcharakter.

Klanglich ist beim Amp Kon­trastprogramm angesagt. Im Gegensatz zum Player spielt er betont stämmig und kraftvoll. Mit ungemeiner Wucht fegt der Power Plant Impulse durch den Raum und macht auch in den tiefsten Lagen nicht schlapp. Dabei gelingt es ihm, seine Kraft mit überraschender Leichtfüßigkeit und ansprechender Auflösung zu kombinieren. Die leicht unterschiedlichen Ausrichtungen der beiden E-Modelle ergänzen einander exzellent und sorgen für ein sonores und sehr stimmiges Zusammenspiel. Die Transparanz des Music Players wird von der Schlagkraft und Dynamik der Kraftzentrale untermauert.

T+A hat sich die guten Vorsätze zu Herzen genommen. Irgendwelche Schwächen konnten wir dem rassigen Duo jedenfalls nicht nachweisen. Die E-Serie bringt die gewohnt hohe Qualität der Herfoder außerdem auf ein Preisniveau, das man getrost als Kampfansage werten darf.

Dieser Artikel wurde in STEREO 08/2008 veröffentlicht. Die Ausgabe können Sie über unsere Verlagsseite nachbestellen.

Stichwort

FIR-Filter
Impulsoptimiertes Filter, das präziseres Timing ermöglicht, als übliche frequenzoptimierte Filter.

PWM
Gemeinhin als Class D-Verstärkung bekannt, arbeiten manche Vollver-
stärker mit der so genann­ten Pulsweitenmodulation, die Tonsignale in einfache An-Aus-Infor­ma­tionen umwandelt.

T+A Music Player

um 2100 Euro
Maße: 44 x 12 x 39 cm (BxHxT)
Garantie: 30 Monate
Vertrieb: T+A, Tel.: 05221/76760
www.taelektroakustik.de

Mit dem Music Player ist T+A ein überaus flexibles und vor allem umfangreiches Quellgerät gelungen, das seine zukunfts­weisenden Möglichkeiten wie Netzwerk-Streaming oder Online-Radio mit einer intuitiven Bedienung und seinem spritzig-agilen Klangcharakter verbindet. Da auch die Verarbeitung keine Kompromisse ein­geht, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis ein echter Hammer – fünf Sterne!

Labor

Die Aliasing-Verzerrungen des Music Players sind mit 0,012 Prozent (bei-30 Dezibel) sehr niedrig, der Klirrfaktor kann sich mit 0,18 Prozent (bei -60 dB) ebenfalls sehen lassen. Außerdem stechen die Wandlerlinearität (0,1 dB) und der Rauschabstand „Digital Null“ ins Auge. Der ist mit satten 114 dB einfach exzellent. Auch der Quantisierungsrauschabstand von 98 dB überzeugt voll. Die Frequenzgangabweichungen betragen bis 20 Kilohertz maximal 0,5 dB, die Störanfälligkeit ist niedrig, und die Zugriffszeiten sind flink. Zuletzt bleibt seine Leistungsaufnahme mit 13 Watt im Betrieb und fünf Watt im Standby-Modus noch im Rahmen.

Ausstattung

CD-Spieler mit CD-Text, USB-Anschluss, iPod-Adapter, uPnP- und uPnP-AV-kom­patibles Netz­werk-Streaming via LAN oder WLAN (Antenne beiliegend), FM- und DAB-Tuner, Online-Radio (vTuner Radio Service integriert), decodiert die Tonformate MP 3, WMA, AAC, FLAC, OGG-Vorbis und WAV, unterstützt PLS-, M3U- und ASX-Playlisten, Fernbedienung steuert über Kabelschnitt­stelle auch andere T+A-Komponenten, Koax-Ausgang, je ein optischer und koaxialer Eingang für Drittgeräte.

T+A Power Plant

um 1575 Euro
Maße: 44 x 12 x 39 cm (BxHxT)
Garantie: 30 Monate
Vertrieb: T+A, Tel.: 05221/76760
www.taelektroakustik.de

Auch der mächtige Power Plant konnte uns mit seinem Auftritt in unseren Hörräumen für sich gewinnen. Das Herforder Kraftpaket ver­bindet eine anmachende, flüssige Spielnatur mit bestechender Detailfülle, guter Auflösung und neutralen Klangfarben. Im direkten Klassenvergleich konnte er sich gegen viele seiner Mitbewerber durchsetzen. Ausstattung und Verarbeitung lassen keine Wünsche offen.

Labor

Der Name verspricht nicht zuviel: Mit je 139 Watt an acht Ohm und 222 Watt an vier Ohm liefert der T+A-Amp solide Leistungswerte. Seine Impulse erreichen sogar 2x320 Watt (vier Ohm) und bleiben auch über längere Zeiträume stabil. Das verleiht ihm ordentliche Dynamikreserven, die er in der Praxis auch gekonnt einzusetzen weiß. Der Ausgangswiderstand beträgt 0,31 Milloohm, und den Klirrfator konnten wir mit 0,032 Prozent (ein Dezibel unter Maximalaussteuerung) und 0,0048 Prozent bei fünf Watt Leistungsabgabe festhalten. Die Intermodulationen erreichen 0,16 (Pmax -1 dB) und 0,029 Prozent (fünf Watt). Wie beim Quellgerät kann sich der Rauschabstand mit 97 dB auch hier sehen lassen. Die Frequenzgangabweichungen betragen ma­ximal 0,7 dB in den Höhen, seine Stereo-Kanaltrennung ist mit 51 dB in Ordnung. Ansprechen konnte uns übrigens auch die Leistungsaufnahme. Die fällt, Class D sei Dank, mit 13 Watt im Leerlauf und drei Watt in Standby sehr moderat aus.

Ausstattung

Fünf Hochpegeleingänge, einer davon kann zum Phono-MM- oder -MC-Eingang um­gerüstet werden (Erdung vorhanden), ein Tape-Ausgang, Pre-Out und Kopfhörerverstärker, via Kabelverbindung vom Music Player aus fernbedienbar.

Weitere Details:

Unschwer sieht man dem Music Player sein digitales Innenleben an. In der Mitte liegen die Buchsen für den Netzwerkzugang
Der Power Plant kann bis zu fünf Quellen verwalten. Der E-Link im rechten Bereich dient der Kommunikation mit anderen T+A-Geräten
Trotz Class D-Technologie stattet T+A sein E-Serie-Kraftwerk mit einem üppigen Netzteil aus (rechts). Das macht sich in der Dynamik bemerkbar
Beim omnipotenten Music Player handelt es sich in erster Linie um einen hervorragenden CD-Spieler. Die Netzwerk- und Onlinefähigkeit werden ihm über kleine Platinen (Bildmitte) „aufgepflanzt“