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23.10.2014

Klassiker: Receiver Luxman R 1500

„Luxusmännchen“

Die japanische Firma Luxman hat eine bewegte Vergangenheit hinter und mittlerweile auch hierzulande wieder eine Zukunft vor sich. STEREO hat mit dem R1500 eine veritable Receiver-Bastion aus den 70ern, der Glanzzeit des Unternehmens, auf den Tisch bekommen

Stereo-Receiver Luxman R 1500

Dieser für damalige Verhältnisse – es war die Zeit unmittelbar vor den legendären „Receiver Wars“, die zu aberwitzig kräftigen Geräten führen sollten – leistungsstarke und sehr edel gearbeitete Empfänger-Verstärker war das in Deutschland größte angebotene Modell, das Flaggschiff der Lux Corporation.
Dieser relativ kleine Hersteller lieferte über Jahrzehnte ein Vollsortiment der Unterhaltungselektronik vom Plattenspieler bis zum Verstärker, selten auch mal den einen oder anderen Lautsprecher, wofür „Luxman“ wie die meisten japanischen Mitbewerber aber niemals Berühmtheit erlangte. Den Ruhm für außergewöhnlich hohe Klangqualität, stets auf einem Niveau mit den besten Gerätschaften etwa von Accuphase und Sansui, aber mit wärmer-weicherer, mittiger und leicht „röhrenartiger“ Klangabstimmung, erntete zweifellos die Elektronik.

Wer den muffigen Klang manches der damaligen Zeitgenossen kennt, fragt nicht lange, warum die japanischen Anbieter Deutschlands Unterhaltungselektronik so zusetzen konnten. Verantwortlich waren, wie bei der Fotoindustrie auch,  keineswegs nur die niedrigeren Löhne einer-, sondern auch die konservative Arroganz des Establishments andererseits.

Karl Brehs pfiffige Idee einer Klangwaage findet sich auch im großen Luxman-Receiver

Mikrofoneingänge waren früher üblich. Beim R1500 konnten sie dem Programm zugemischt werden

Die Endstufen sitzen kompakt unmittelbar auf den Kühlkörpern am Heck

Haptisch fallen Luxman-Geräte aus dieser und späteren Epochen nicht zuletzt durch ihre großzügigen Holzgehäuse oder  -wangen auf, die leider bei mancher Komponente verloren gin­gen oder dem Erwerber den Preisaufschlag nicht wert waren, was sich als Fehler erweist, denn so ein Luxman sieht im Holzkabinett gleich um Klassen besser aus. Dabei konnten vor allem die Rosenholz-Ausführungen punk­ten, während der R1500 im dunklen Nussbaumdekor daherkam. Der deutsche Geschmack war eben auch nicht immer ganz treffsicher. Die an dieser Stelle ebenfalls abgebildeten Vollverstärker L-58A und L-68A aus gleichem Hause (1979/80) zählen für mich jedenfalls zu den (vor allem optisch) attraktivsten jemals gebauten HiFi-Geräten überhaupt. Doch zurück zum beinahe 20 Kilogramm wiegenden Receiverkönig R1500. Noch von der damaligen All-Akustik vertrie­ben kostete er im Jahre 1976 um 2000 Mark, seine Ausgangsleistung wird im HiFi-Jahrbuch 8 (1976) mit 2x75 Watt an acht und 2x125 Watt an vier Ohm, die Musikleistung mit 2x160 Watt an vier Ohm angegeben. Auch die Werte für Rauschen und vor allem das Rechteckverhalten sehen gut aus.

Überraschend strukturiert für die 70er, mit großem Drehkondensator, neun Skalenlämpchen und – leider – Klemmterminals für die Boxen: Luxman R 1500

Die Ausstattung umfasste neben einem recht empfangsstarken Tuner- und einem relativ breitbandigen, verzerrungs- so­wie rauscharmen Verstärkerteil zwei Eingänge für Plattenspieler mit MM-Tonabneh­mer, Anschlüsse für mehrere Bandgeräte (inklusive DIN) und zwei Aux-Zugänge, zudem lie­ßen sich – heute ungewöhnlich – drei Lautsprecherpaare, zwei Mikrofone und ein Kopfhörer am Gerät verwalten.

Außergewöhnlich war auch die ähnlich der „Klangwaage“ nach dem langjährigen HiFi Stereophonie-Chefredakteur Karl Breh ausgelegte Klangregelung (Linear-Equalizer), welche – neben den ebenso vorhandenen, üblichen, hier aber kanalgetrennten Bass-/Höhenstellern – ein regelrechtes Kippen des Gesamtfrequenzganges um vorwählbare Einsatzfrequenzen gestattete. Ein sehr sinnvolles Ausstattungsdetail, insbesondere für zu wenig oder aber zu stark bedämpfte Räumlichkeiten, aber auch zur Korrektur vorlauter Lautsprecher und Komponenten. Rumpel- und Rauschfilter sind ebenfalls vorhanden. Im Test wurde das Gerät denn auch zutreffend als „semiprofessionell“ bezeichnet.

Als kleinere Modelle wurden den anspruchsvollen Luxman-Kunden die entsprechend abgespeckteren R 800 (2x55 Watt an vier Ohm) und R600 (2x40 Watt an vier Ohm) offeriert. Mit einem solchen Gerät lässt sich – etwa in einer Zweitanlage im Arbeitszimmer – zweifellos immer noch gut leben, wenngleich die Spitzenklasse der Verstärkertechnik in den letzten drei Jahrzehnten doch noch um einiges zugelegt hat.

Profil

Luxman R 1500
Stereo-Receiver
2x 75/125 Watt an 8/4 Ohm
Produktzyklus 1975-78
Neupreis um 2000,- DM
Kleinere Modelle: R 800/600

Kaputter Luxman?

Auch ein edles Stück kann – und darf – mal ein Problem haben

Luxman-Verstärker wie der L-410 wurden in hohen Stückzahlen verkauft – und schon damals waren die Verantwortlichen von  K&N Audio-Video-Service erste Wahl, wenn es um Reparaturen dieser Marke ging. Wohl kein anderer kennt sich so gut mit Luxman aus wie die Vertragswerkstatt, was STEREO aus erster Hand bestätigen kann, denn die Herren Kühnhold und Neumann haben sich auch unserer beiden überholungsbedürftigen Vollverstärker angenommen und sie – zu einem moderaten Preis – wieder verjüngt. Kontaktadresse: K&N Audio-Video-Service GbR, Tel.: 05152/ 2909, Rüschstrasse 3-5, 31840 Hessisch Oldendorf, info@ kundn.info.

K & N Audio-Video war und ist als Vertragswerkstatt die erste Adresse für Luxman-Geräte in Deutschland

Pressespiegel

HiFi-Stereophonie schrieb im Testjahrbuch 8 über den R1500

Der an der Nordwestseite Baden-Badens in leichter Höhenlage mit dem Luxman R1500 durchgeführte UKW-Empfangs­test brachte in jeder Beziehung gute Ergebnisse… Der R1500 weist also außer einer ausreichend großen HF-Eingangsempfindlichkeit auch eine sehr gute Trennschärfe auf… Ebenso gut wie beim Empfangs­test schnitt das Gerät beim Betriebs- und Musikhörtest ab… (Es) ergab sich ein im ganzen Hörbereich ausgezeichneter voller, trockener und in den Details gleichzeitig präziser und durchsichtiger Klangeindruck…
Der Aufbau und die Übertragungsdaten des Luxman-Empfänger-Verstärkers R1500 verdienen in ihren wesentlichen Punkten die Bezeichnung gut. Das Gerät mag für HiFi-Freunde interessant sein, die außer guten Empfangsleistungen, hoher Trennschärfe, einfacher Bedienung, weitgehender Anpassungsfähigkeit an vorgegebene Betriebsbedingungen zusätzliche noch über dem Üblichen liegende hohe Ausgangsleistung fordern.
All diese Bedingungen werden bei einem günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis vom R1500 eindeutig erfüllt.“    

Luxman-Geräte wieder da

Seit 2005/06 gibt es wieder einen Deutschlandvertrieb

Nach einigen Jahren, in denen Luxman-Geräte in Deutschland nicht erhältlich waren, kümmert sich die TCG Handels-GmbH  (Doeppers Esch 7, 48531 Nordhorn, Tel.: 05921/ 7884928, www.tcg-gmbh.de) um die Belange der seit immerhin 1925 existenten Traditionsmar­ke. Über die Namensrechte, die zeitweise sowohl in Japan als auch in Hongkong vorlagen, scheint mittlerweile ebenfalls Einigung zu herrschen.

Luxman Japan ist immer noch für aufsehenerregende Geräte gut