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24.11.2014

Test: Kompaktlautsprecher KEF XQ 20

Die neue Mitte

Genau zwischen den erfolgreichen „iQs“ und der erhabenen „Reference“-Linie platziert KEF seine überarbeiteten „XQ“-Modelle. Bei uns vertritt die kompakte XQ 20 die obere Mittelklasse der Briten

KEF XQ 20

von Tobias Zoporowski

Soso, Nirvana, Anna Netrebko und Sting sollen sich über die Modelle aus KEFs neuer „XQ“-Serie anhören, als wäre es live. So zumindest der Pressetext. Habt Ihr denn auch, liebe „KEFfies“, daran gedacht, dass es Redakteure gibt, die genau das zuallererst ausprobieren? Schließlich haben wir es hier mit Musiksparten zu tun, die schon einmal produktionstechnisch mit- nichten auf gleichem Niveau sind.

Hier ist also auch und gerade für die Schallwandler eine Gratwanderung nötig: feinste Details und audiophile Transparenz im Einklang mit Druck, Musikalität und „Schmackes“. Wer das beherrscht, hat gewonnen! Nun sind die technischen Voraussetzungen der ganz besonders in feinem Vogelau­genahorn ­– es gibt sie auch in Glanzschwarz und Mahagoni – todschick gewandeten Kompaktbox schon auf dem Papier beeindruckend. So kommt in dieser Serie erstmals eine vollkommen neu entwickelte Version der seit langem bestens bekannten Einpunktschallquelle „Uni-Q“ zum Einsatz, bei der die Hochtonkalotte in koaxialer Bauform mittig im Tiefmitteltöner montiert ist, beide Chassis also ein gemeinsames akustisches Zentrum bilden.

Kann man bei der Netrebko noch davon ausgehen, dass ihre Werke in vernünftiger Aufnahmequalität vorliegen, sieht das bei schrägen Alternative-Bands wie Nirvana und anderen ganz anders aus. Zum Leidwesen vieler Fans, die Pop und Rock auch über hochwertige Lautsprecher genießen möchten, ist solche Genre-Musik oft derart gnadenlos komprimiert, dass die Wiedergabe über eine Top-Kette nach kürzester Zeit nur noch nervt.

Detail der KEF XQ 20
Mit „Crown Waveguide“ meint KEF das Krönchen auf dem Uni-Q-Chassis, das für eine breitere Abstrahlcharakteristik und sämige Höhen sorgt

Das hat sowohl für die Ortungsschärfe als auch die räumliche Darstellung immense Vorteile, wie diverse KEF-Tests in der Vergangenheit immer wieder bewiesen haben. In seiner aktuellsten Bauform ziert die Hochtonkalotte ein wellenförmiges Krönchen – als „Crown Waveguide Technology“ bezeichnet – die in den oberen Lagen für mehr Geschmeidigkeit, noch realistischere Stimmdarstellung und einen breiteren Abstrahlwinkel sorgen soll. Letzteres vereinfacht in der Folge die Positionierung der Lautsprecher im Raum wesentlich.

Beim Tief-Mitteltöner aus ­Aluminium greifen die Briten zu einem mit etwa 17 Zentimetern recht großzügig bemessenen Modell, das in identischer Form auch im Flaggschiff der Serie, dem Standlautsprecher XQ 40 zum Einsatz kommt. Dessen Ge­häuse dann allerdings deren zwei beheimatet.

Auf den ersten Blick fällt auf, dass mit der XQ nun auch die letzte Serie im Hause KEF auf den aufgesetzten Superhochtöner, der HiFi-Gemüter durchaus zu spalten vermochte, verzichtet. Nicht zu ihrem Nachteil. Das neue Uni-Q-Chassis übernimmt die Aufgabe der „Fahrradlampe“ mit, läuft ergo bis über 40 Kilohertz hoch. Und das mit einer Souveränität und Eloquenz, die dem Vorgängermodell gerade bei hohen Pegeln zuweilen abging. Hier „beißt“ oder zischt nichts mehr.

Im Gegenteil: Die XQ 20 überzeugt selbst im dichtesten Getümmel, und hier sind wir dann etwa bei Nirvana, den H-Blockx und anderen Rockern, mit enormer Antrittsschnelligkeit und präziser Fokussierung sowie einer exzellenten Raumabbildung. In den tiefen Lagen zeigt sie sich wenn auch nicht abgrundtief so doch stramm durchtrainiert und herrlich knorrig, folgt jedem noch so schnell „getappten“ E-Bass-Lauf auf dem Fuße und intoniert Stimmen klar und fein.

Detail der KEF XQ 20
Die „Gummirampe“ sorgt für Standfestigkeit der abgerundeten XQ 20. Alternativ kann die Box auch auf mitgelieferten Spikes platziert werden

Eine preislich gleichauf liegende Dynaudio Focus 140 bringt zwar einen deutlich kräftigeren Bass zu Gehör und ist insgesamt etwas dunkler abgestimmt, malt dabei aber mit wärmeren Farben. Das dänische Rezept mag das vielleicht noch etwas homogenere und für einen breiteren Geschmack abgestimmte Konzept sein, während die Britin zackiger, ja forscher zu Werke geht.

Im Hörtest erwies sich, dass die XQ 20 mit den an sie gestellten Anforderungen wächst. Wurden die Aufnahmen audiophiler und anspruchsvoller – Hallo, Madame Netrebko! – ließ sie ihre kompakten Abmessungen vergessen und zeichnete eine weitläufige Bühne, auf der sie jeden Musiker auf seinem Platz geradezu festnagelte. Damit zeigt sich die glänzende Schönheit im wahrsten Sinn des Wortes als hellwacher Lautsprecher.

KEF neue XQ-Familie
Die neue XQ-Serie umfasst zwei kompakte und zwei Standmodelle sowie einen Centerlautsprecher. Die Preise beginnen ab 1200 Euro pro Paar

Dessen abgerundete Gehäuseform natürlich akustische Vorteile hat, stehende Wellen im Inneren werden effizient minimiert, dem potenziellen neuen Besitzer aber zunächst ein imaginäres Fragezeichen über den Kopf zaubert. Denn wie soll man einen kippeligen Lautsprecher..? Doch halt, KEF hat selbstredend mitgedacht und legt zwei „Gummispoiler“ bei, die sich exakt der gebogenen Standfläche anpassen und sicheren Halt sowohl auf einem optional erhältlichen Lautsprecherfuß oder aber, wenn es denn sein muss, im Regal gewährleisten. Alternativ können unter jeder Box drei formschöne Spikes montiert werden. Auch die liegen selbstverständlich im Karton. Anschlussseitig sind bei KEF vernünftig dimensionierte und mit Gabelklemmen konfektionierte Kabelbrücken für die robusten Bi-Wiring-Terminals, die übrigens der renommierte Essener „Verbindungsspezialist“ WBT zuliefert, inzwischen Tradi­tion. Hier gibt’s erfahrungsgemäß überhaupt nichts zu meckern.

Damit hat die edle Kompakte die bei uns Journalisten – sorry, das ist eben der Beruf – durch vollmundige Pressetexte hervorgerufene Skepsis mit Bravour ausgekontert. Die XQ 20 trifft als Vertreterin der „neuen Mitte“ im oberen Lautsprecherhaus der innovativen Briten tatsächlich in jeder Lebenslage den richtigen Ton. Sogar bei Nirvana.

Fazit

KEF XQ20

Paar um 1600 Euro
Maße: 23 x 39 x 30 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Vertrieb: GP Acoustics
Tel.: 0201/17039-110
www.kefaudio.de

In der Liga der edlen Kompakten, wozu wir die exzellent verarbeitete XQ 20 zählen wollen, überzeugt die KEF mit ihrem stets hellwachen und aufmerksamen Charakter, der selbst noch so komplizierte Melodie­strukturen transparent gestaltet und sich dabei kein Detail entgehen lässt. Die Abbildungspräzision des komplett neu ent­wickelten Koaxialchassis „Uni-Q“ ist bis in die höchsten Lagen faszinierend, ohne jemals bissig oder spitz zu werden. Im Frequenzkeller tritt die XQ 20 naturgemäß keine Urgewalten los, agiert aber auch hier stets pointiert und trittsicher, wieselflinke E-Bass-Läufe zum Beispiel machen über sie einen Heidenspaß!

Labor

Der leichte Frequenzbuckel um 100 Hertz ist mitverantwortlich für das vollmundige Klangbild der XQ 20. Im Präsenzbereich steigt die Kurve leicht an, das bringt die spritzige Frische. Der Impedanzverlauf weist sie entgegen der Aufschrift als reine Vier-Ohm-Box aus, die absolut verstärkerunkritisch ist. Die Sprungantwort ist erwartungsgemäß sehr gut.

Frequenzgang
Sprungantwort

Stichwort

Fahrradlampe

Um Sie vor Verwirrung zu bewahren: Mit einem Zweirad hat KEF natürlich nichts zu tun. Aufgrund seiner Bauform wurde der aufgesetzte Hochtöner der Vorgängermodelle gern scherzhaft so bezeichnet.