Sie sind hier: HiFi-Test / Anlagen / Anlage Pioneer D9/F6/A9
21.12.2014

Anlage Pioneer D9/F6/A9

Gemeinsam sind wir stark

Pioneers HiFi-Comeback setzt auf den Ketten-Gedanken, denn vor allem in Kombination klingen die Geräte umwerfend

von Carsten Barnbeck

So etwas erleben wir hier auch nicht jeden Tag: Anfang Oktober weilte Pioneer mit einer acht Mann starken Truppe in unserer Redaktion, darunter so­gar Entwick­ler aus dem fernen Japan. Wenn Sie in unserem Blog (www.stereo-blog.de) schnüffeln, finden Sie sogar Bilder davon. Der Grund für den großen Bahnhof war, uns einen ersten Höreindruck vom neuen Ste­reo-SACD-Spieler D9 – Pioneer konzentriert sich konsequent auf die Zweikanalhörer – zu vermitteln und einen Blick auf den Tuner F6 zu erlauben, der damals allerdings noch so frisch war, dass sich das Produkt-Sample nicht einmal anschalten ließ.
Eine sehr nette Geste, wie wir finden, aber auch keine bloße Gefälligkeit. Die Herrschaften waren ihrerseits auf einer Art „Bildungsreise” und ziemlich gespannt auf unser spontanes Feedback. Und das fiel selbst im Beta-Stadium des Players schon hervorragend aus. Mit seinem schnellen, klaren und präzisen Charakter wusste uns der neue, große SACD-Spieler auf Anhieb zu begeistern. Das will wirklich was heißen, denn wir stellten ihn im großen STEREO-Hörraum gegen unsere Referen­zen von Lindemann und Esoteric.

So ein diskreter Verstärker-Aufbau (oben) ist innerhalb dieser Preisklasse selten. Auch das Anschlussfeld (unten) des A 9 überzeugt mit seinen hochwertigen Buchsen

Der Aufenthalt war kurz, denn noch am selben Tag ging der in seinem grauen Metallgehäuse recht pragmatisch, aber auch ir­gendwie cool und stilvoll wirkende Player wieder auf große Reise. Die erste Zwischenstation hieß London. Pioneer arbeitet bereits länger mit den berühmten Air-Studios zusammen und lässt sich viele der hochklassigen Neuentwicklungen von den dortigen Toningenieuren feintunen und absegnen. Danach ging es dann wieder ab nach Japan und schließlich in die Serienfertigung.

D9 und F6 sind mittlerweile im Handel und komplettieren nicht nur den großen Vollverstärker A9 zu einer ganzen Produktlinie, sondern katapultieren Pioneer auch wieder zurück in die Liga der großen HiFi-Japaner. Vor allem in diesen drei Maschinen zeigt sich außerdem, dass man es mit dem Zweikanal-Revival richtig ernst meint. Was die Entwickler hier an Verarbeitung und Technologie auffahren, lässt uns sprichwörtlich mit den Ohren schlackern.

Der A 9 (Test in STEREO 5/07) besteht im Grunde genommen aus zwei Mono-Amps, die inklusive getrennter Netzteile in einem Gehäuse untergebracht wurden. Diskreter geht es eigentlich kaum, und konsequenter wird man es bei den Mitbewerbern in der Unter-1000-Euro-Klasse nur schwer finden kön­nen. Obwohl er damit für seinen Preis eigentlich schon mehr als genug bietet, legt der Verstärker noch einen USB-Audioeingang sowie einen umschaltbaren MM/MC-Phono-Entzerrer obendrauf.

Ein simpler Schaumstoffring vermindert Vibrationen an den beiden großen Siebelkos des tadellos aufgebauten SACD-Spielers D 9

Die Gehäuse der drei Geräte bestehen vollständig aus Metall, was dem D9 mit elf Kilogramm ein überraschend hohes Gewicht verleiht. Um diesen Vorteil voll auszunutzen, verpasste man ihm gleich noch eine versteifte Bodenplat­te, die dem Vierschicht-Gehäuse mehr Ruhe gibt, die zudem auf eigens entwickelten, entkoppelnden Metallfüßen ruht. Selten für diese Klasse ist die Beruhigung der elektrischen Bauteile. So werden die beiden großen Elkos am Netzteil durch einen Schaumstoff-Ring im Zaum gehalten. Im Verstärker finden sich ganz ähnliche Maßnahmen.

Auch sonst bietet der SACD-Player Daten und Features, die vor einigen Jahren noch der absoluten HiFi-Spitzenklasse vorbehalten waren: Für die Aufbereitung der CD-Wiedergabe ist im Inneren zunächst ein Upsampler verantwortlich, der alle Signale auf 192 Kilohertz und 24 Bit hochsetzt. Das vermindert Jitter-Probleme und glättet die vor allem in den Höhen zwangsläufig etwas ungenauen Sample-Stufen. Die abschließende „Übersetzung“ ins Analoge erfolgt über zwei teure Wolfson-Wandler.

Damit sich der anspruchsvolle Japaner mit all seiner Energie auf die Wiedergabe konzentrieren kann, verfügt er ebenso über einen Pure-Audio-Modus wie ein abschaltbares Display. Dass er außerdem neben CDs und SACDs die Formate MP3 und WMA sowie problemlos auch selbstgebrannte Medien abspielt, erscheint neben alledem schließlich wie eine kleine Dreingabe.

Es blitzt und glänzt: Das SACD-Laufwerk des D 9 ist schwingungsberuhigt gelagert. Darunter erkennt man eine ebenfalls bedämpfte Masseschiene

Ein nicht unwesentliches Merkmal von Pioneers neuer „Upper-Stereo-Class“ ist die gestraffte und an Auflagen gebundene Vertriebsschiene. Um die Preise langfristig zu stabilisieren und den Seitenbeschuss durch die Elektro-Discounter zu vermindern beziehungsweise vollständig zu unterbinden, setzt man auf geprüfte Premium-Händler, die eine Reihe von Qualitätskriterien erfüllen und eine kompetente Beratung garantieren müssen. Uns freut das natürlich, da scheinbar auch die großen Hersteller immer häufiger die Nase voll haben von der „Geiz-und-Verriss“-Mentalität bekannter Großflächen-Märkte.

Neben den beiden anderen Geräten wirkt der DAB-Tuner F6 in seinem flachen Gehäuse beinahe etwas unscheinbar. Auch nominell ordnet er sich ja eher bei den Geräten der kleineren Sechser-Linie ein. Die Nummer sollte man hier aber nicht zu genau nehmen, denn er bildet gemeinsam mit dem kleinen, rein analogen F3 (siehe Kasten) ein universelles Empfänger-Team für die gesamte Produktlinie.

Seine Bedienung ist hervorragend gelungen. Mit nur einem Druck auf die „Autotune-Taste“ war die DAB-Einrichtung abgeschlossen. Zum Verwalten der Sender stehen stattliche 100 Speicherplätze für DAB und weitere 100 Plätze für UKW und Mittelwelle zur Verfügung. Das ist mehr als genug.

Klanglich gefiel uns der Tuner mit seinem ebenfalls sehr klaren und transparenten Ton, der – gutes Sendematerial vorausgesetzt – außerdem eine enorme Feinzeichnung und viele Details offeriert. Somit passt er ganz wunderbar zum SACD-Player, der insbesondere mit Sonys DSD-Medien eine unerhörte Auflösung und eine angenehme, unaufdringliche Natürlichkeit verbreitetet.

Sollten Sie den Verstärker-Test aus STEREO 5/07 noch präsent haben, erinnern Sie sich vielleicht, dass der A9 sich insbesondere durch seine etwas gediegene, dafür aber besonders farbkräftige und greifbare Abbildung auszeichnete. Insofern waren wir auch ziemlich überrascht, dass Player und Tuner mit ihren hellen, schnellen und so nuancierten Cha-­­ rakteren einen auffälligen Kontrast zum Amp darstellen. Es scheint aber beinahe so, als wäre die daraus resultierende Klangsymbiose von langer Hand geplant gewesen – der Verstärker ist schließlich schon eine ganze Weile am Markt.

Im gemeinsamen Einsatz ergibt sich aus den vordergründigen Unterschieden ein verblüffend schlüssiges Gesamtbild: Die Kette verschmilzt die individuellen Stärken der Komponenten und zaubert im kombinierten Spiel ein ungemein präsentes und musikalisches Ergebnis in den Raum, das nicht unbedingt die größte und tiefste Abbildung bietet, dafür aber sehr griffig und plastisch wirkt und seine enorme Detailfülle mit einem kraftvollen, aber überaus konturierten Grundton abfängt. Über all dem schwebt der mitreißend musikalische Grundtakt des Verstärkers.

Im Vergleich zu Player und Amp wirkt der DAB-Tuner F 6 recht leer. Aber auch hier gibt es eine überraschend aufwändige Netzversorgung

So gewappnet, ist die Pioneer-Kette eigentlich jedem denkbaren Klangmaterial gewachsen. Verblüfft lauschten wir in einem Moment den feinen Dynamikspitzen, die sich uns in Saint-Saens „Danse Macabre“ offenbarten, um nur eine CD später festzustellen, dass auch akustische Musik à la Friend’n Fellow hervorragend funktioniert, ausdrucksstark und kraftvoll wirkt. Die 9er-Kette ist sich allerdings auch nicht zu fein, es bei elektronischem Pop von Depeche Mode herzhaft krachen zu lassen und die tiefsten Register zu bemühen. Sie lieferte Magnats Quantum 905 immer genau das richtige Futter für ihren mitreißenden Auftritt.

Abschließend kann man also ganz klar sagen: Auch wenn jede der drei Komponenten schon für sich betrachtet einen richtig guten Schnitt macht und sich locker unter der Vielzahl an Mitbewerbern behaupten kann, hat der Kettengedanke fühlbare Priorität, da die drei Pioneers gemeinsam noch besser spielen und ihre individuellen Eigenschaften ungemein galant vereinen. Im Team sind sie in dieser Preisklasse kaum zu schlagen.

Analog Only

Pioneer bietet mit dem F 3 eine Alternative zum DAB-Modell

Rein äußerlich kann man die beiden Geschwister nur durch ihre Typenbeschriftung unterscheiden: Der F 3 (300 Euro) steckt im gleichen Gehäuse wie der größere F 6 und bietet genau wie dieser eine hervorragende Benutzerführung sowie 100 Speicherplätze, die sich der MW- und der UKW-Empfänger teilen. Auch klanglich entspricht der günstige Tuner dem größeren Modell und empfiehlt sich somit jedem, der auf DAB verzichten kann.

Dieser Artikel wurde in STEREO 05/2007 veröffentlicht. Die Ausgabe können Sie über unsere Verlagsseite nachbestellen.

Profil

Pioneer D 9
um 900 Euro
Maße: 42 x 11 x 37 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Pioneer, Tel.: 02154/9130
www.pioneer.de

Mit diesem neuen Zweikanal-SACD-Spieler zeigt sich Pioneer von der stärksten Seite. Das Lauf­werk ist hochwertig verarbeitet und zeigt an vielen kleinen Details, dass seine Entwickler ihr Handwerk verstehen. Klanglich ist der D 9 überraschend konsequent auf einen audiophilen Charakter getrimmt, macht enorme Auflösung, einen kernigen, strukturstarken Bass und ergänzt sich dank lebendiger Spielweise exzellent mit dem Vollverstärker A 9.

Labor

Der Frequenzgang zeigt ohne Emphasis Abweichungen von 0,34 Dezibel, mit Emphasis 0,2 dB. In Sachen Rechteck- und Impulsverhalten können wir dem Pioneer je ein „gut“ attestieren. Mit 0,18 Prozent (400 Hertz und -60 dB) bewegt sich der Klirrfaktor ebenso im Rahmen wie die Aliasing-Verzerrungen, die wir mit 0,012 Prozent festhalten konnten. Der Rauschabstand beträgt 115 dB und die Kanalabweichungen bleiben unter 0,1 dB. Sehr gut ist auch die Fehlerkorrektur, die mit „normalen“ Verunreinigungen oder Kratzern auf den Medien keine Probleme hatte. Getoppt werden diese Werte nur noch durch den Standby-Verbrauch von unter einem Watt.

Der D 9 ist ein kombinierter, zweikanaliger CD- und SACD-Spieler und kann überdies auch WMA- und MP 3-Daten lesen. Sein Display ist abschaltbar, was, wie auch der Pure-Audio-Mode, zu einer feinen Verbes­serung der Wiedergabe führt. Die Fernbedienung ist relativ schlicht gehalten, ermöglicht aber eine simple und intuitive Steuerung. Neben einem vergoldeten analogen Cinch-Pärchen finden sich noch zwei Digitalanschlüsse (optisch/ koaxial) an seiner Rückseite.

Profil

Pioneer F 6
um 400 Euro
Maße: 42 x 11 x 37 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Pioneer, Tel.: 02154/9130
www.pioneer.de

Es erscheint beinahe ironisch, dass Pioneer seiner neuen HiFi-Linie einen so hoch­karätigen DAB-Tuner spendiert. Man hat die Sender innerhalb kürzester Zeit eingerichtet und sucht dann ewig nach einem Programm, mit dessen Qualität man einen Klangvergleich anstellen kann. Aber es gibt sie noch, die wohlklingenden Radiostationen, und einmal gefunden, offenbart der F 6 einen bestechend offenen und feinzeichnenden Charakter.

Ausstattung

Technisch ist Pioneers neuer Analog/DAB-Tuner opulent bestückt: Das Gerät kann 200 Sender abspeichern, wobei 100 Programmplätze für den analogen MW/ UKW- und 100 für den DAB-Empfangsteil reserviert wurden. Die Einrichtung funktioniert via Automatik, die sich mit nur einem Tastendruck starten lässt. Damit man unter den Sendern nicht die Übersicht verliert, steht eine alphanumerische Sortierung oder das Ordnen nach PTY-Typen zur Auswahl.

Für späte Stunden bietet der Tuner eine Dynamik-Begrenzung, die in der Praxis aber wenig Wirkung entfaltet, da viele Stationen bereits so stark komprimieren, dass an ein weiteres Einengen der Audiodaten nicht zu denken ist. Natürlich findet sich auch an der Rückseite des F6 ein vergoldeter Analog-Ausgang, der von je einem koaxialen und einem optischen Digitalausgang flankiert wird. Mit der schlichten Fernbedienung hat man alles unter Kontrolle und kann sogar die Lautstärke des Verstärkers regeln.

Abgerundet wird das pralle Paket von der beigelegten DAB-Antenne, deren Kabel allerdings etwas kurz geraten ist. In unseren Hörräumen mussten wir für den optimalen Empfang etwas „exotische“ Stellplätze wählen, was immer wieder zu kleinen Problemen führte.

Pioneer A 9
um 900 Euro
Maße: 42 x 11 x 37 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Vertrieb: Pioneer, Tel.: 02154/9130
www.pioneer.de

Audiophiler Vollverstärker in klassischer Analogtechnik mit hochkarätigen Zutaten und viel Liebe zum Detail konstruiert. In punkto Ortbarkeit und plastischer Raumabbildung macht ihm in dieser Preisklasse so schnell keiner was vor.

Mit 90 Watt je Kanal ist er nicht gerade ein Kraftwerk, aber das gehört zu seinem audiophil-minimalistischen Konzept. Dafür gibt der A9 in allen Leistungsbereichen ein blitzsauberes, praktisch verzerrungsfreies Signal ab. Wie es sich für einen Analogverstärker gehört, reicht der Frequenzumfang bis über 100 kHz, unterhalb 20 kHz weicht er um maximal 0,4 dB vom Linealstrich ab. Der Balancefehler des Lautstärkestellers bleibt innerhalb 0,2 dB – für ein klassisches Drehpoti ein exzellenter Wert

Kleines Zugeständnis an die Preisklasse: Eine programmierbare Fernbedienung fehlt der 9er-Kette. Dafür gibt es dieses handliche Trio

Stichwort

Ungenauigkeiten
Rechnen Sie selber nach: Bei 44 100 Sampleschritten pro Sekunde kann ein Fünf-Kilohertz-Signal aus kaum mehr als neun Samples bestehen. Je nach Signal-Komplexität ist der Begriff „ungenau“ so­gar noch nett formuliert.

Ganz die Schwester

Jüngst schickte Pioneer mit der S-3 EX einen neuen HiFi-Lautsprecher ins Rennen

Ihre enge Verwandtschaft lässt sich nicht abstreiten: Die neue S-3 EX weist extreme Ähnlichkeiten mit der größeren S-1 EX (Test in STEREO 9/06) auf. Abgesehen von ihren etwas bescheideneren Abmessungen und den minimal kantigeren Formen ist sie sogar identisch bestückt und bietet ebenfalls jenes markante Koax-Chas­sis, dessen weiße Magnesium-Membran für die unverkennbare Optik der gesamten S-Serie sorgt.
Klanglich schlägt die stattliche 5000-Euro-Box ebenfalls ganz nach der Schwester und vermittelt wie diese eine enorme Detailfülle, hat fantastische Klangfarben und jenen umwerfend präzisen Punch, der das Hören mit der Großen immer wieder zum Vergnügen macht. Lediglich die untersten Oktaven sind – das geringere Volumen ist schuld – fühlbar schlanker.