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22.12.2014

Anlage Pioneer D6/A6/A9

Pioneer

...hat in den letzten Jahren die Weichen ganz Richtung Heimkino und Plasma-TV gestellt. Die „G-Clef“-Komponenten sollen nun wieder die ­HiFi-Klientel ansprechen

von Ulrich Wienforth

Was unterscheidet eine HiFi-Komponente von einem AV-Gerät? Dass sie keine Videobuchsen hat, dass sie nur zwei Kanäle verarbeitet und dass sie bewusst sparsam mit Buchsen, Knöpfen und Lämpchen umgeht. Genau diesen Grundsatz hat Pioneer bei den G-Clef-Komponenten beherzigt. Die Palette besteht derzeit aus einem Player für CD und Stereo-SACD und den beiden Vollverstärkern A 6 und A 9 – weitere Modelle sollen im Lauf des Jahres folgen. Alle drei Geräte kommen mit einem Minimum an Tasten und eher kargen Displays aus. Dafür hat Pioneer in Metallfronten, vergoldete Buchsen und ordentliche Netzanschlüsse investiert. Beide Verstärker sind symmetrisch aufgebaut, haben massive Kühlkörper und separate Netztrafos für jeden Kanal, und sie arbeiten klassisch-analog.

Vor allem beim großen A 9 hat Pioneer an highendigen Zutaten nicht gespart: zwei Ringkerntrafos, hochkarätige Lautsprecherklemmen,  aus Formteilen verschraubtes Gehäuse mit Wabenprägung im Boden – eine Reminiszenz an Pioneers legendäre, resonanzhemmende Waben-Kühlkörper aus den späten Achtzigern. Ein Motorpoti reguliert beim A 9 die Lautstärke, wäh­rend der A 6 dies rein elektronisch löst. Weitere Unterschiede sind der Vorverstärkerausgang und der Phono-MC-Eingang beim großen Modell sowie die USB-Buchse, die Audiodaten vom PC entgegennimmt.

Ein Prachtsück von einem Verstärker ist der A9 (oben) mit den hochkarätigen Lautsprecherklemmen. Darunter der A6, unten der Player D6

Dem Player D 6 hat Pioneer ein klassisches Trafo-Netzteil und zwei kanalgetrennte Stereo-Wandler von Burr-Brown spendiert, die bis zu 24 Bit und 192 Kilohertz verarbeiten – und natürlich den DSD-Bitstrom. Für CD-Wiedergabe lässt sich „Legato Pro mit HiBit“ zuschalten, wodurch Vor- und Nachschwinger bei Impulsen verringert werden, auf Kosten einer leichten Höhenabschwächung. Die „Pure Audio“-Taste schaltet die Digitalausgänge und das Display ab. MP3- und WMA-Files von der Daten-CD kann der D 6 nicht nur wiedergeben, sondern sogar kopierfähig via SPDIF als PCM-Signal ausgeben.

Ursprünglich kommt Pioneer ja aus dem DVD-Audio-Lager, und Pioneers Multi-Player hatten mit SACDs stets gewisse Probleme. Würde sich das bei einem reinen Zweikanal-Audio-Player ändern? Nun, ein SACD-Überflieger ist auch der D 6 nicht, aber seine offene und räumliche Darbietung ist für 500 Euro sehr ordentlich. Und bei CD-Wiedergabe erreicht er gar das Niveau des 1300-Euro-Multispielers DV-989 aus gleichem Haus: Er klingt sonor und farbstark, flüssig und wohlstrukturiert.

Überraschung beim Verstärker-Hörtest: Der große A 9 glänzt nicht nur durch schöne Klangfarben, sondern projiziert ein fantastisch gegliedertes, geradezu zum Anfassen plastisches Bild auf die Bühne. Eine derart tolle Raumortung haben wir in dieser Preisklasse noch selten gehört. Schade, dass die Schutzschaltung des A 9 zu früh anspricht – das sollte Pioneer ändern. Der preiswerte A 6 lässt durchaus klangliche Verwandtschaft mit dem A 9 erkennen: Er löst gut auf, klingt klar und transparent, aber längst nicht so durchsichtig und plastisch wie der Große. Gute Zutaten zahlen sich eben auch klanglich aus.

Mit G-Clef ist Pioneer ein guter Wurf gelungen. Auf den angekündigten großen Player darf man schon gespannt sein.

Identische Front, identische Bedienungselemente: Von vorn sieht der A9 aus wie der A6
Symmetrischer Aufbau, zwei Ringkerntrafos: Beim A9 hat Pioneer ins Highend-Regal gegriffen

Dieser Artikel wurde in STEREO 05/2007 veröffentlicht. Die Ausgabe können Sie über unsere Verlagsseite nachbestellen.

Profil

Pioneer D 6
um 500 Euro
Garantie: 2 Jahre, Vertrieb: Pioneer,
Tel.: 02154/9130, www.pioneer.de

Puristischer Player für CD und Stereo-SACD, der sich ganz ohne Menü bedienen lässt und mit nur drei Tasten auf der Front auskommt. Er gibt CDs sehr flüssig und wohlstrukturiert wieder, SACDs angenehm offen und räumlich.

Labor

Bei Legato Pro fällt der Frequenzgang bei 20 kHz um gut 3 dB ab, die Rechtecke werden etwas unsymmetrischer, aber die Impulswiedergabe ist annähernd frei von Vor- und Nachschwingern. Ruhe- und Quantisierungsrauschabstand erreichen exzellente Werte. Bei CD wie SACD ist das Laufgeräusch gering, und das Einlesen geht für einen Kombi-Player relativ flott.

Profil

Pioneer A 6
um 500 Euro

Äußerlich gleicht er dem großen Bruder A 9, aber in Verarbeitung und Bauteilequalität unterscheiden sich die beiden Modelle deutlich. Auch auf Phono MC, Pre-Out und USB-Buchse muss man beim A 6 verzichten. In der Leistung ist er aber nur geringfügig abgespeckt, und die Verzerrungswerte sind sogar noch besser als beim A 9. Vorbildlich auch der rauscharme Phono-MM-Eingang. Im Klang erinnert er durchaus an den A 9, ohne freilich dessen präzise Raumabbildung zu erreichen.

Profil

um 900 Euro

Audiophiler Vollverstärker in klassischer Analogtechnik mit hochkarätigen Zutaten und viel Liebe zum Detail konstruiert. In punkto Ortbarkeit und plastischer Raumabbildung macht ihm in dieser Preisklasse so schnell keiner was vor.

Labor

Mit knapp 90 Watt je Kanal ist er nicht gerade ein Kraftwerk, aber auch das gehört ja zum audiophilen Minimalismus. Dafür gibt der A9 in allen Leistungsbereichen ein blitzsauberes, praktisch verzerrungsfreies Signal ab. Wie es sich für einen Analogverstärker gehört, reicht der Frequenzumfang bis weit über 100 kHz, und unterhalb 20 kHz weicht er um maximal 0,4 dB vom Linealstrich ab, auch bei Phono. Der Balancefehler des Lautstärkestellers bleibt innerhalb 0,2 dB – für ein klassisches Drehpoti ein exzellenter Wert.

Der Tag geht ...

Pioneers „Pure Malt“-Lautsprecher

Ihr Holz ist mit Whisky getränkt, denn es stammt von echten alten Eichenfässern, die Pioneer in limitierter Auflage zu Massiv­holzgehäusen verarbeitet hat. Vergoldete Schraub/Bananen-Klemmen sind da selbstverständlich, und sogar extradicke Lautsprecherkabel packt Pioneer bei. Tatsächlich sind diese kleinen Zweiwege-Bassreflexboxen weit mehr als ein Spielzeug für Whisky-Liebhaber. Aus ihrem kleinen Volumen (Grundfläche 15 x 21 cm) können sie zwar nicht wirklich Bässe reproduzieren, aber dafür kommen Mitten und Höhen er­staunlich frei und transparent, Stimmen klingen toll, und der Fokus ist klasse. Subwoofer empfehlenswert.